Krieg in Gaza! Picknick & Tod!

Am gestrigen Samstag demonstrierten weltweit Menschen gegen den Krieg in Gaza. In London versuchte ein Block militanter Islamisten die israelische Botschaft zu stürmen. In deutschen Städten gab es zum Teil zwei Demos. Die radikale Linke emanzipierte sich von den klerikalen Fundamentalisten und rief in Stuttgart und Berlin zu eigenen Veranstaltungen auf.

Schon drei Tage zuvor gab es Proteste in Franfurt. Die Demo Alles muss man selber machen – sozialen Fortschritt erkämpfen verwandelte sich offenbar schnell in eine Gaza-Solidaritätsdemo. Eigentlich sollte es um Flughafenausbau, Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Asylpolitik gehen. Lea schreibt von einer Vereinahmung der Demo durch antiimperialistisch aggressive Kreise. Schon Tage zuvor kam es, wie problem child berichtet, zu hitzigen Diskußionen im Bündnis. Ein Vertreter des SDS fühlte sich scheinbar so sicher, daß er unumwunden seine Symphatie mit den klerikalen Menschenfeinden der Hamas äußerte und zugab, daß er diese antisemitischen Mörder unterstützen würde. Er verglich die Situation in Gaza mit dem Warschauer Ghetto & sprach von der Vergewaltigung eines ganzen Volkes. Wie hätte er wohl die forcierte Übernahme einer Demonstration, der es eigentlich um soziale Rechte gehen sollte, durch komromißlose, dogmatische Nationalistenfreunde genannt.

Das es auch anders geht, zeigten in Stuttgart palästinensische,‭ ‬türkische,‭ ‬kurdische und deutsche, linke Gruppen, die konsequent Antisemitische oder sonst irgendwie reaktionäre Transparente aus der Demo auschloßen. In einem ersten, eigenen Rückblick betont das Bündnis, daß Proteste gegen das Massaker an der palästinensischen Bevölkerung möglich sind,‭ ‬ohne reaktionären Kräften‭ ‬in die Hände zu spielen.‭

Zumindest in Süddeutschland konnte also bewiesen werden, daß die (radikale) Linke nicht schweigt und die faktische Nähe zu Merkel offensiv meidet, insbesondere weil der Nahe Osten, das Zentrum des imperialen Spiels ist. Bleibt zu hoffen, daß mit dieser Demo die Verankerung der linken in den migrantischen Milieus in einem ersten Schritt voran kommt, ohne daß die eigenen emanzipatorischen, antirassistischen & antifaschistischen Prinzipien aufgegeben werden.



via idep

Im Nahen Osten sieht die Situation sehr viel komplizierter und vor allem tödlicher aus. Auf der einen Seiten amüsieren sich israelische Mittelklasse Yuppies beim Gaza Bombing kucken. Die israelische, gelangweilt patriotische Jugend versammelt sich auf einem Berg in der Nähe von Gaza und schaut sich mit eigenen Augen an, wie die IAF und IDF wütet, wie Häuser brennen, Granaten einschlagen & alles zerstört wird. In einem Video, das toasty gefunden hat, gibt eine der fatalistisch dekandenten Tussies zu, daß sie ein wenig faschistisch wäre. Sie findet diese Aussage sogar noch witzig! Sie findet es nicht problematisch, daß auf der anderen Seite – auf der existenziell Bühne Gaza – Zivilist_innen sterben, daß Krankenhäuser & Schulen beschoßen werden, daß den Menschen alles genommen wird. Die Verbindung zum Faschismus aus einer israelischen Perspektive positiv (!) herzustellen, ist einfach nur widerlich! Gegen das vergessen scheint also durchaus auch auf Israel übertragen werden zu können.

Es gibt natürlich auch Protest in Israel. Zunehmend entdecken die Menschen auch dort, daß es vor allem Menschen sind, die im Gaza Streifen leiden. Wahllos wird vor allem seit der Bodenoffensive alles zusammengeschoßen. Die palästinensische, blutige homestory erreichte am Freitag abend nun auch das israelische Wohnzimmer via nana 10. Anne Roth greift auf ihrem Blog diese Geschichte auf und dokumentiert den Einbruch der Wirklichkeit in die israelische Medienwelt, die erstmals persönlich betroffen ist und sofort handelt.


Im israelischen Fernsehsender Channel 10 wurde gestern abend live ein Telefonat mit dem palästinensischen Arzt al-Aisch übertragen, der gerade drei seiner acht Kinder durch einen israelischen Angriff auf sein Haus verloren hat. Eigentlich sollte kurze Zeit später eine Live-Schaltung mit dem Arzt gesendet werden, der regelmäßig per Telefon aus Gaza berichtet hatte.

Die Kinder des Artztes, sowie weitere Verletzte, wurden offenbar maßgeblich durch die Hilfe der Redakteur_innen, der Journalist_innen und grenznaher Zuschauer_innen gerettet. Diese Ausnahme kann aber nicht darüber hinweg täuschen, daß über 90 % der Israelis den Fortgang der militärischen Operation Gegossenes Blei befürworten, was auch die über tausend Opfer und zahllosen Verletzten Palästinenser_innen einschließt.


2 Antworten auf „Krieg in Gaza! Picknick & Tod!“


  1. 1 egal 20. Januar 2009 um 1:50 Uhr

    Die demo in Frankfurt wurde keineswegs von den Hamas-Freunden gekapert, wie manche antideutsche Blogs berichteten. Der Pali-Block am Ende der Demo war allenfalls geduldet und bestand in seinem harten Kern aus etwa 30 Personen (bei etwa 2000 DemoteilnehmerInnen). Von der Bühne wurde deutlich gesagt, dass die Demoveranstalter „keinen Bock auf den Pali-Block“ hatten. Als ein Vertreter von „Die Linke.SDS“ – die in Frankfurt stark vomn ehemaligen Linksruckeuten bestimmt werden – in seiner Rede für das „No Nato-Bündnis“ Israel die alleinige Verantwortung für den Gaza-Krieg zuschieben wollte, wurde seine Rede von der Demoleitung abgebrochen, weil dies einfeutig den vorherigen Absprachen wiedersprach.
    Ein Teil der Antideutschen empfand die allgemein antimilitaristische (und eigentlich eher nichtssagenden) Erklärung des Vorbereitungskreises bereits als antiisaelisch. Ob sie dies ist, kann jede/r hier nachlesen: http://www.antifa-frankfurt.org/Nachrichten/14jan_gaza_kompromiss.html

  2. 2 Thomas 20. Januar 2009 um 18:22 Uhr

    Hier noch ein Artikel aus dem Freitag, der sich nicht mit eventuell annektierten Demos beschäftigt, sondern etwas mehr Relevanz hat: http://www.freitag.de/2009/03/09030601.php

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