Combattiamo! Für den Kommunismus!

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Am heutigen Tage jährt sich die Gründung der Partito Comunista d‘Italia – der Kommunistischen Partei Italiens zum achtundachtzigsten Male. Noch immer wird diesem Tag des 21. Januar 1921 gedacht – ganz besonders in der italienischen Gründungsstadt Livorno. Auch wenn die Partito Comunista d‘Italia (PCd‘I) nur bis 1926 bestand, hat sie eine große Bedeutung erlangt.

Sie ging 1921 als Abspaltung aus der Partito Socialista Italiano (PSI), der Sozialistischen Italienischen Partei hervor. Die Gründung einer eigenen Partei war dabei nur der letzte Schritt, der die Flügelkämpfe innerhalb der PSI beendete. Denn schon 1919 hatte sich eine eigene Fraktion aus Kommunist_innen im Parlament zusammen gefunden. Ursachen des innerparteilichen Zwists war die Forderung der Kommunist_innen nach Orientierung an der russischen KPdSU – sowohl inhaltlich als auch organisatorisch – und die Forderung zum Beitritt zur Kommunistischen Internationale (Komintern). Dafür musste das Moskauer 21 Punkte-Programm verabschiedet werden.

Es sah eine Namensänderung von sozialistisch zu kommunistisch vor und forderte die Ersetzung des Reformismus durch ein klares Bekenntnis zum Aufruf zur Weltrevolution. Als auf dem Sozialist_innen-Kongress im Januar 1921 der Anschluss an die Komintern nicht gelang, gründeten Amadeo Bordiga, Antonio Gramsci, Palmiro Togliatti und viele andere die PCd‘I in Livorno.

Die Arbeit der Partei konnte nur kurze Zeit ungehindert aufgenommen werden. Bereits 1923 wurde Bordiga verhaftet und 1926 die PCd‘I sogar verboten. Benito Mussolini gab sich nach seiner Machtergreifung 1922 alle Mühe, die kommunistische Bewegung in Italien zu zerschlagen. 1928 wurde auch Gramsci verhaftet. Er starb nach elf Jahren Haft im Gefängnis.

Nach den gefährlichen Jahren des Krieges und der Diktatur Mussolinis nahm die Kommunistische Partei Italiens ihre Arbeit 1943 wieder auf. Als Partito Comunista Italiano (PCI) entwickelte sie sich nach der Auflösung der Komintern zur mitgliederstärksten parlamentarischen Kraft Italiens. Bei den ersten Parlamentswahlen der neuen Republik 1946 wurde sie drittstärkste Partei.

In den 1970er Jahren gelang der Partei mit Enrico Berlinguer an der Spitze sogar eine Regierungsbeteiligung. Dieser ging eine Neuausrichtung PCI voraus. Berlinguer schuf den Eurokommunismus als Dritten Weg zwischen Sozialdemokratie und sowjetischem Sozialismus. Er schaffte weiterhin den historischen Kompromiß zur Wahrung der Demokratie angesichts der politsch und wirtschaftlich krisenartigen Verhältnisse. Nach der Entführung und Ermorderung ldo Moros befand sich die PCI bis zu ihrem Ende nur noch in der Opposition. Sie löste sich 1991 nach dem großen Tangentopoli – der Schmiergeldäffare, in die alle Parteien verwickelt waren – auf und verwandelte sich in die Partito Democratico della Sinistra (PDS).

Ein Teil der PCd‘I ging aber auch in der Partito della Rifondazione Comunista (PRC) auf, die allerdings zur Zeit kurz vor ihrer Zersplitterung steht.


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Weitere Bilder bei Senza Soste

Unterdessen feierte Livorno am Wochenende trotz allem den anniversario, den Gründungstag der PCd‘I. Dabei demonstrierten die 500 Teilnehmenden für linke Politik, die es in Zeiten eines Silvio Berlusconi nicht leicht hat. Sie zeigten, was es heute bedeutet, Kommunist_in zu sein. Bei Senza Soste erfährt mensch, dass es in erster Linie um Freiheit geht. Für die Freiheit von Not! Für eine gerechte Verteilung von Wissen und Ressourcen! Und nicht um die Freiheit des Arbeitgebers, seine Mitarbeiter_innen zu entlassen, die Wahlfreiheit, bei der ein paar wenige Stimmen immer mehr zählen als andere oder die Freiheit die Umwelt zu verschmutzen.

All dies waren auch die kritischen Gedanken, die Bordiga, Gramsci und ihre Zeitgenoss_innen zur Gründung einer neuen Partei, der PCd‘I, bewogen haben. Deshalb glaube auch ich, dass an dieses Ereignis erinnert werden sollte. Denn dies bedeutet nicht, die schwierige Vergangenheit der PCI oder anderer europäischer kommunistischer Parteien zu vergessen, sondern sich der eigentlichen Ziele wieder bewusst zu werden.


4 Antworten auf „Combattiamo! Für den Kommunismus!“


  1. 1 katjusha 21. Januar 2009 um 21:33 Uhr

    Also, das mit der Regierungsbeteiligung der PCI stimmt so nicht. Die PCI war Mitte/Ende der 70er zwar bei den Wahlen sehr erfolgreich und wenn man sie gelassen hätte, hätte sie sich wohl an einer Regierungskoalition beteiligt, dazu ist es aber nie wirklich gekommen. Sie hat den Regierungskurs unterstützt, u.a. durch ein hartes Vorgehen gegen die italienische Autonomia-Bewegung und der Duldung einer Minderheitenregierung, das ist aber m.E. nicht das selbe…

  2. 2 Mathilde 22. Januar 2009 um 1:19 Uhr

    Ich gebe Dir Recht. Die PCI war nicht direkt in der Regierungsverantwortung.

    Bei den Wahlen 1976 erreichten sie mit 34,37% die zweitgrößte Stimmenzahl hinter der Democrazia Cristiana (DC) mit 38,71%. Dieses Ergebnis führte zunächst zu keiner Koaltion der beiden Wahlgewinner. Keines der beiden Lager kam zu einer Mehrheit. Die DC regierte in der Folge mit einer Minderheitenregierung mit Giulio Andreotti an der Spitze.

    Im März 1978 ließ sich die Parteiführung der PCI auf eine solidarietà nazionale, eine nationale Solidarietät, ein und schloss ein Abkommen mit der DC. Am selben Tag, an dem die Zusammenarbeit von DC und PCI veröffentlicht werden sollte, wurde jedoch Aldo Moro – der engagierteste DC-Politiker in der Einigungsfrage – entführt und wenig später ermordet.

    Es wird bis heute spekuliert, dass die PCI ohne die Entführung Moros bei einer Neuwahl die Mehrheit hätte erringen können. Denn nur wegen der Krise im Innern hat die PCI einen Konfrontationskurs und die Parlamentsauflösung nicht angestrebt.

    Bei der nächsten Parlamentswahl 1979 erfuhr die PCI Stimmenverluste, die eine Regierungsbeteiligung unmöglich machten. Auch in der Folge wurde die PCI nie wieder so stark wie 1976.

  1. 1 Anniversario della Nascita del P.C.d’I. « Brigata Amaranta Venticinque Aprile Pingback am 21. Januar 2009 um 19:05 Uhr
  2. 2 . . . jetzt is’ er weg - Mr. PD gibt auf « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 20. Februar 2009 um 11:05 Uhr
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