„Europas Gefängnis-Insel“

Lampaduse Flüchtlinge

So titelte die „taz“ in ihrer Montagsausgabe. Recht hat sie! Es handelt sich wirklich um ein Gefängnis. Und dieses Gefängnis heißt Lampedusa. Lampedusa ist eine kleine, neun Kilometer lange, drei Kilometer breite, karge Insel, die 110 Kilometer vor der afrikanischen und 205 Kilometer vor der sizilianischen Insel liegt. Sie gehört zu Italien, einem Land der EU, also einem Land, dass ein „besseres Leben“ versprechen sollte.

Doch für viele Flüchtlinge ist die oft tödliche „Reise“ nach Europa ein Alptraum. Diese Menschen müssen oft unglaublich viel Geld an Schlepper_innen zahlen, anschließend wochen-, manchmal sogar monatelang quer durch Afrika ziehen und dann tagelang auf völlig überfüllten und oft maroden Booten über das besonders im Winter stürmische Meer Richtung Festung Europa ausharren. Dort angekommen werden sie oft schlecht versorgt und behandelt, teilweise aber auch misshandelt und gefoltert. Und als wäre dies nicht genug, kommen sie noch vor ihrer Abschiebung für bis zu 18 Monate in Abschiebegefängnisse.

Nachdem 2007 ca. 12000 Menschen es lebend geschafft haben auf Lampedusa zu gelangen, so waren es 2008 schon ca. 31000. Die Zahl der Toten ist nicht genau bekannt, beträgt aber mehrere tausend.

Der Abschiebeknast auf Lampedusa bietet eigentlich Platz für 800 Menschen. Zur Zeit werden aber bis zu 1800 in die Knäste der Gefängnis-Insel gepfercht. Wie die hygensichen Zustände, die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Medizin aussieht, kann sich jede/r sicherlich vorstellen….

Darüber hinaus hat der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi angekündigt, dass keine Flüchtlinge mehr aufs Festland gelassen werden sollen. Denn bisher war es üblich, dass Flüchtlinge nach spätestens zwei Tagen nach Sizilien oder aufs Festland kamen und dort über ihre Asylanträge und Abschiebungen entschieden wurde. Doch das ist seit einigen Wochen nicht mehr möglich. Und die Lösung für das Problem hat der italienischen Innenminister Roberto Maroni natürlich auch schon: Es soll einfach noch ein Lager/Knast gebaut werden.
Doch nun haben endlich die Gefangenen rebelliert und sind aus dem Abschiebeknast ausgebrochen um in der Stadt mit Rufen wie „Freiheit, Berlusconi“ auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
In der Stadt sind die Flüchtlinge dann auf begeisterte 4000 Inselbewohner_innen (der insgesamt 6000 Bewohner_innen) getroffen, die gegen den weiteren Ausbau Lampedusas zum Mega-Gefängnis protestierten.

Und was macht eigentlich die EU? Sie schweigt zu der ganzen Sache!

Mehr Infos zur Asylpolitik der EU, BRD und Berlins:
Pro Asyl
Flüchtlingsrat Berlin
Vernetzung gegen Abschiebehaft
Dokumentationsseite Ausreisezentren


3 Antworten auf „„Europas Gefängnis-Insel““


  1. 1 Mathilde 31. Januar 2009 um 13:08 Uhr

    Eine interessante Einschätzung zu diesem Thema gibt auch die Anthropologin PD Dr. Heidrun Friese ab. Sie beschäftigt sich bereits seit 20 Jahren mit Lampedusa und ist besonders an den verschiedenen Konfliktlinien interssiert, die sich dort auftun.

    So zeigt der neue Vorschlag Maronis, ein weiteres Lager – diesmal ein dezidiertes „Abschiebelager – auf Lampedusa zu errichten, natürlich seine und Italiens Fremdenfeindlichkeit. Mensch darf hierbei aber nicht vergessen, dass nicht alle Flüchtlinge nach Afrika „zurückgeführt“ werden. Die gebildeten, zumeist mit Hochschulabschluss, unter ihnen lässt die neofaschistische Regierung Italiens gern als billige Arbeitskräfte auf das Festland, um unter anderem Tomaten zu pflücken.

    Dies offenbart die gesamte Perversität der europäischen Flüchtlingspolitik. Einerseits wird die „Festung Europa“ immer weiter abgeschirmt. Das Menschenrecht auf Freizügigkeit wird nur den „Europäer_innen“ gewährt. Andererseits gibt es immer wieder „Löcher“ im kapitalistischen System, die die Ausbeutung „der Fremden“ zu Dumpinglöhnen und arbeitsrechtlich unwürdigen Bedingungen ermöglicht!

  2. 2 LucaPinoRelli 01. Februar 2009 um 8:57 Uhr

    Ich traue der Solidarisierung der Bevölkerung nicht so recht. Der Bürgermister – aus einem eigenen Bündnis gewählt – rennt bei den Demos immer mit Italia-Schärpe durhc die Gegend. Inwieweit nicht ‚patriotische‘ Fragen bei der Bevölkerung ausschlaggebend sind, weiß ich nicht genau.

    Grundsätzlich muß darauf hingewiesen werden, das Migranten bewußt in ihrem Illegalen Status belassen werden. Gerade in Spanien läßt sich so eien Armada äußerst billiger, williger & vor allem leicht loszuwerdender Arbeitskräfte rekrutieren. Die Behörden sind oft informiert, dulden aber die ‚Saisonarbeitskräfte‘ auf den Feldern. Ohne Papiere arbeiten dort Hunderte. Wenn der Bauer mal nicht zahlen will, jagt er sie einfach davon & holt sich neue. Rumänische ‚Wander‘-Arbeiter_innen werden dann einfach durch arfrikansiche ersetzt.

    Inwieweit dies auch in Italien aktuell ist, weiß ich nicht genau. Ich kann mir aber vorstellen, daß auch dort sowohl aus politischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen, Flüchtlinge versammelt & mißbraucht werden.

  1. 1 Revolte auf Lampedusa! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 18. Februar 2009 um 20:12 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.