Das DTMB – ein Hort der Emanzipation!

Deutsches Technikmuseum Mitnichten, kann ich da nur sagen. Was immer die Offiziellen auch in der Zeitschrift der Stiftung des Deutschen Technikmuseums Berlin (DTMB) behaupten, kann getrost als Schwachsinn bezeichnet werden. Viel mehr bestimmen den Museumsalltag – zumindest in der Verwaltung – seit seiner Gründung unkonventionelle Erwerbstransaktionen, ungewöhnliche, diffizile Probleme, bürokratische Fantasie, Public Private Partnership, ab 2007 die doppelte Buchführung aber vor allem verwaltungskünstlerisches Geschick. Behinderte, Migrant_innen, Student_innen und andere Prekäre haben dabei wenig zu lachen. Kritische Blogger im Übrigen auch. Deshalb wird dieser Beitrag über das Finanzgebaren am DTMB aktualisiert wiederveröffentlicht.

Die oben genannten Attribute zu den verwaltungstechnischen Herausforderungen sind sämtlichst dem Artikel Lesen – schreiben – rechnen entnommen, der in der museumseigenen Zeitschrift Deutsches Technikmuseum Berlin in der dritten Nummer 2008 erschien (eine Leseprobe mit Inhaltverzeichnis als pdf). Das Magazin wird von der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin und den Förderern des Deutschen Technikmuseums Berlin e.V. (FDTM) herausgegeben. An dem Artikel war, neben Maria Borgmann, der Sonderbeauftragten der Stiftung, offenbar in Sachen Partnerschaften, Kooperationen und Partnerprogrammen unterwegs, sowie Uwe Förster, dem stellvertretenden Verwaltungsleiter, kein Geringerer als derzeitige Verwaltungschef der Stiftung, der im Juni 2008 aus dem Amt gejagte Geschäftsführer der T&M GmbH und als stellvertretende Museumsleiter geschaßte Markus Bretzel mit beteiligt. Dieser pflegt zu seinen Untergebenen ein recht eigenwilliges, durchaus rustikales Verhältnis.

Aber kommen wir zurück zum besagten Artikel, der einige unterhaltsame Passagen aufweist. Insbesondere die verwaltungstechnischen Praktiken, die im Artikel beschrieben werden, sind für mich äußerst interessant. Dies liegt daran, daß sie so gar nicht nach einem Museum klingen. Viel mehr erinnern sie an das Finanzgebahren dubioser Firmen, die am Rande der Legalität operieren, um möglichst viel Geld hin und her zu schaufeln und im Verborgenen risikoreiche Wagnisse zu realisieren. Sie klingen nicht unbedingt nach einem nicht profitorientiertem Betrieb der Kameralistik, sondern nach einem hochspekulativem Betrieb Museum. Die Geschichte der Verwaltung im DTMB liest sich deshalb auch ein wenig wie ein subtiler Kriminalroman, der vieles andeutet, so manches verschweigt, aber trotzdem auch kleine Hinweise auf mögliches, problematisches Handeln offenbart.

Maßgeblich für die ökonomische Verwaltung des Museums scheint die verwaltungskonforme Ermöglichung unkonventioneller, das heißt für mich hochriskanter, politisch unkorrekter, spekulativer, Erwerbstransaktionen zu sein. Die euphorisch gelobten Entwicklungen und Neuerwerbungen des DTMB erscheinen aus dieser Perspektive gar nicht mehr so erfreulich, denn sie zeigen, daß irgendetwas (oder -jemensch) den (hohen) Preis für diese undurchschaubaren geschäftlichen Vorgänge zahlen mußte. Wer dies im Zweifel war, wird im Artikel ebenfalls erwähnt. Zuallererst nämlich die Beschäftigten der Stiftung und später die ausgelagerte Besucherbetreuung. Bezeichnend ist folgende Feststellung:

Es ergaben sich erwünschte Synergieeffekte, aber sie verlangten von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern […] auch erhebliche Anpassungflexibilität.

Worin die bestand, kann mensch sich denken. Mehr Arbeit an verschiedenen Einsatzorten ohne eine angemeßene Bezahlung. Vor allem der kostenneutrale Aufbau des Zentralen Veranstaltungs-Managments war, laut den Autor_innen, das Ziel. Damit ist die Betreuung der Dauer- und Sonderaustellungen, sowie anderer Veranstaltungen in den Gebäuden des DTMB gemeint. Hierbei spielte die Gründung einer stiftungseigenen GmbH zur Durchführung eines neuen Besucherbetreuungskonzepts eine wesentliche Rolle.

Die als innovativ gefeierte Etablierung einer solchen GmbH – der T&M Technik und Museum Marketing GmbH – bezahlte seine neuen Beschäftigten sehr viel schlechter als die Stiftungsmitarbeiter_innen. An den jährlich ausgehandelten Tariferhöhungen waren die zumeist studentischen Besucherbetreuer_innen ebenfalls nicht beteiligt. Seit 2003 bekommen die Prekären der T&M GmbH 6 Euro pro Stunde. Diese Auslagerung der Besucherbetreuung in ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen, das beinah komplett aus Steuergeldern finanziert wird, brachte die notwendigen Kosteneinsparungen, die höchstwahrscheinlich vollständig – um den Kreis zu schließen – in unkonventionelle Erwerbstransaktionen floßen.

Hinsichtlich der womöglich juristisch relevanten Feinheiten der Buchführung in der Verwaltung der Stiftung des DTMB unter Leitung von Markus Bretzel ist der folgende Absatz äußerst interessant. Mögliche problematische Aktivitäten würden auch die monatelange Weigerung erklären, sich vom Betriebsrat der T&M GmbH in die Karten (und Verträge) schauen zu lassen.

Sie [Lösungswege bei verwaltunstechnischen Problemen, E.d.R] müssen allerdings mit den geltenden Gesetzen und Verordnungen im Einklang stehen, was „verwaltungskünstlerisches“ Handeln manchmal einschränkt.

Schon erstaunlich, daß Gesetze von drei verantwortlichen Offiziellen des DTMB, unter ihnen der Leiter und der stellvertretende Leiter der Verwaltung, offenbar als störend empfunden werden. Dazu gehören wohl vor allem der Kündigungs- und Arbeitnehmerschutz. Schließlich wurde die T&M GmbH, wie schon weiter oben ausgeführt, offensichtlich zum Zwecke der Senkung der Personalkosten durch die Auslagerung des Besucherservices gegründet. Damit konnte sich das Museum leichter von seinen flexiblen, vor allem aber festangestellten Vollzeitmitarbeiter_innen der Stiftung verabschieden. Diese wurden durch weit unter dem gewerkschaftlich geforderten Mindestlohn beschäftigte Mitarbeiter_innen und Minijobs ersetzt.

Neben der Senkung der Personalkosten muß aber auch die Schaffung vor allem befristeter, leicht kündbarer Arbeitsverhältnisse im Interesse der Verwaltung des DTMB gewesen sein. Deshalb war Markus Bretzel, der Verwaltungschef der Stiftung, bis zu seinem grandiosen Rauswurf im Juni 2008 einer der drei Geschäftsführer der T&M GmbH.

Doch die größte Frechheit der Autor_innen ist, daß sie behaupten, die Aufgabe der Verwaltung sei es, die Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit positiv anzunehmen.

Lesen - Schreiben - Rechnen, Auschnitt Bretzel Artikel, DTMB Zeitschrift 3, 2008, S. 18f

Was die Beachtung der Heterogenität und die erforderliche Kreativität der Mitarbeiter_innen bedeutet, konnten die Besucherbetreuer_innen im letzten Jahr am eigenen Leib erfahren. Ihre Ansprüche wurden monatelang mißachtet. Insbesondere migrantische Mitarbeiter_innen der GmbH wurden massiv unter Druck gesetzt. Ihnen wurden bewußt ihre Arbeitnehmerrechte vorenthalten. Das perfide Druckmittel war der Verlust der Aufenthaltsgenehmigung und die damit drohende Ausweisung. Aber auch auf alle anderen Besucherbetreuer_innen übte die Geschäftsführung der T&M GmbH massiv Druck aus. Dies ging soweit, daß die Besucherbetreuung im Juni letzten Jahres sogar ganz abgewickelt und durch Leiharbeiter_innen von Securitas ersetzt werden sollte. Erst durch zwei öffentlichkeitswirksame Kundgebungen und politischen sowie medialen Druck konnte dies verhindert werden.

Bretzel war als Geschäftsführer der T&M GmbH und als Verwaltungschef der Stiftung bis Juni 2008 maßgeblich für die Eskalation des Arbeitskampfes verantwortlich. Erst nach seinem Abgang entspannte sich die Lage. Dies ändert natürlich nichts daran, daß Markus Bretzel immer noch in der Stiftung aktiv ist und wahrscheinlich weiter verwaltungskünstlerisch mit bürokratischer Fantasie unkonventionelle Erwerbstransaktionen tätigt und ungewöhnliche, diffizile Problem löst.