Glory! Glory! To this Island!

Die gehwegplatte hat einige schöne Irish Rebel Songs ausgegraben und mich nostalgisch gestimmt. Wie war das noch Anfang der 90iger, als in der linken Alternativkultur, neben Punk & Ska, Folktöne aus Irland nicht unerheblich waren. Heute kennt (zurecht) kaum noch jemand die Pogues oder die Dubliners. Die Wolfe Tones wollte schon damals niemand hören. Die klangen irgend wie traditionalistisch. Aber alles kommt wieder.

In dem wunderschönen, grünen Land im Norden ist es ruhiger geworden. Die Provos singen ihre alten Lieder, trinken manchmal aber auch mit Prods. Die Straßen sind nicht mehr heiß umkämpft. Der Sozialismus, den Gary Adams einmal versprochen hat, ist weit weg & wird wohl nie kommen. Aber ansonsten ist alles beim Alten. Nur die Waffen sind verbuddelt. Trotzdem kann mensch – wohl aber vor allem men – weiter singen . . .



mit Text

Ein Lied, das ich nie vergessen werde, das mich bis heute wütend macht, ist Young Ned of the Hill von den Pogues in dem es um den irischen Rebellen Éamonn an Chnoic und seinen Kampf gegen Oliver Cromwell geht. Die Orange Order laufen bis heute in wiederlich vereinskarnevalistischer Manier zu Ehren ihrer blutigen Tradition provozierend durch katholische Stadtviertel um die Vertreibung und Ermordung tausender irischer Menschen zu feiern.



Und auch wenn wendy glaubt die Weisheit über Nation, Gemeinschaft und Exklusion mit ihren fein säuberlichen, marxistisch kommunistischen Fingerchen gefressen zu haben, bleib ich doch dabei, daß die Ästhetisierung von Gewalt, die positive Bezugnahme auf eine vermeintliche irische Nation, die nachvollziehbare Gegnerschaft zu England und vor allem der Krone, für mich auch problematische Aspekte hat. Denn damit ist weder eine emanzipative Diskussion über hierarchische Strukturen, noch eine soziale Revolution impliziert. Der von wendy so heiß geliebte antikapitalistische Klassenkampf kommt ebenfalls wenig vor.

Statt dessen werden exklusive und militarisierte Kollektive konstruiert, die sich im Zweifel auch gegen eine eigene Zivilbevölkerung richten. Diese Avantgarde Attitüde ist es, im Übrigen auch bei Antifas, Anti-Ds und Anti-Imps weit verbreitet, die eine moralische Überhöhung generiert und die (auch wohlwollende) Kritik als Dummheit und grundlegende Erkenntnisunfähigkeit denunziert.

Aber Schluß mit wendys Fetisch und zurück zu Irland und seinem alter Kampf. Zurück zu Glory! Glory! To whole Ireland!




2 Antworten auf „Glory! Glory! To this Island!“


  1. 1 Wendy 11. Februar 2009 um 14:50 Uhr

    Okay, mal ohne Beleidigungen.

    Was ich versucht habe zu skizzieren, war eine allgemeine Kritik des Nationalismus. Dabei bin ich auf den Aspekt der konstruierten Gemeinschaft, die gesellschaftliche Zustände verhüllen soll, die durch den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit zerrissen sind und auf den Aspekt, dass Nationalismus Zustimmung zum Staat bedeutet, da er von Nationalisten als Behüter der Konkurrenz, auf die sie sich zurückgeworfen sehen, wahrgenommen wird. Und wenn man nun denkt, dass es außer dieser Konkurrenz nichts gibt, dann ist man ganz froh, dass der Staat ein Hauen und Stechen verhütet.

    Du hast nur eine Kritik der Gemeinschaft versucht und bist daran komplett gescheitern. Dabei hattest du mir zugestimmt, was mich wütend gemacht hatte: Zwischen unseren beiden Positionen gab es schlicht keine Schnittmenge.

    Nun ja, wo du mir reinliest, das ich auf die IRA oder den irischen Nationalismus stehe, will ich mal sehen. Belege es mal mit einem Zitat! Ich war schließlich diejenige, die überhaupt die Kritik an der IRA etc in die Diskussion eingebracht hat.

    Und selbst wenn man einen linken Kuschelnationalismus wie den der Basken hat oder einen coolen M16-Nationalismus, wie den der Iren: Am Ende bleibt halt jene grundsätzliche Kritik des Nationalismus und nicht ein Herummäkeln an einzeln Auswüchsen dieser Bewegungen.

    So, und jetzt würde ich dich für deine ganzen Unterstellungen und Pathologisierungen am liebsten beleidigen, lasse es aber, weil du dich sonst gleich wieder zurückziehst…

    P.S.: „Statt dessen werden exklusive und militarisierte Kollektive konstruiert“… Was für eine seltsame „Kritik“ an einer Untergrund-Armee: Nicht jeder darf mitmachen und bewaffnet ist sie auch noch! Skandal! Mit „Konstrukt“ ist übrigens nicht erklärt oder kritisiert. Nun gut, die IRA war von Menschenhand geschaffen. Und nun? Ist sie, weil du sie als „konstruiert“ kennzeichnest, nicht weniger real? Oy weh!

  2. 2 Machnow 11. Februar 2009 um 16:17 Uhr

    @wendy: ich scheitere öfter, mach aber trotzdem weiter…

    deine kritik an der nationalistsichen gemeinschaft habe ich übrigens gemeint, der ich zustimmen wollte. ich habe sie dann mit einer kritik an gemeinschaft verknüpft, weil ich da ähnliche strukturen sehen würde. mag sein, das meine perspektive falsch oder besser gesagt blind is, aber beleidigend von der hand weisen hilft da nicht wirklich.

    ich habe auch nirgend wo reingelesen, daß du die I.R.A. magst. deine kritik an nationistischen kollektiven usw. hab ich verstanden.

    und natürlich ist die I.R.A. real. ihre militärischen strukturen sind es ebefalls. ihre untergrund hierarchien auch. ihre opfer gibt es genauso. eben auch so, wie ihre martyrer.

    mir ging es mit dem militarisiertem kollektiv konstrukt eher darum, daß sich die I.R.A. auch als soziale Bewegung inszenierte. die I.R.A. hat aber in den kontrollierten vierteln auf der sozialen ebene – also nicht der militärischen – eigene hierarchien, gerichtsbarkeiten & bestrafungen etabliert. mein konstrukt mein diese irrläufer, die eben weder emanzipativ noch revolutionär ist…

    ich hoffe mich in der kürze befriedigend erklärt zu haben. ich glaube, die mißverstehst mich, weil du einfach eine andere perspektive hast. vielleicht täusch ich mich aber auch…

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