Dresden – Die CDU & Neonazis, die Bürger_innen & Antifas


Am gestrigen Freitag nachmittag versammelten sich die etablierten Landtagsparteien, die jüdische Gemeinde und Neonazis am Dresdner Heidefriedhof um gemeinsam den Opfern de allierten Bombardierung Dresdens zu gedenken. Am Abend demonstrierten circa 700 Antifas gegen das stille Gedenken an der Frauenkirche um den deutschen Opferdiskurs zu stören.

Auf dem Heidefriedhof versammelten sich, neben der Stadtprominenz, die ostdeutsche konservative, nationalkonservative und neonazistische Prominenz. Wie auf einem Bild bei NPD-Blog zu sehen ist, standen Steffen Flath, seines Zeichens CDU-Landtagsabgeordneter in Sachsen und Lars Rohwer, der CDU-Vorsitzender Dresden und bekannt für seinen Haß auf vermeintlich gewalttätige linke Chaoten, ganz einträchtig neben Holger Apfel, dem NPD-Fraktionsvorsitzender in Sachsen und Dr. Johannes Müller, dem stellvertretenden NPD-Fraktionsvorsitzender in Sachsen.



Bild wurde bei NPD-Blog veröffentlicht

Dies waren aber nicht die einzigen Neonazis unter den trauernden Bürger_innen. Die Oberbürgermeisterin Helma Orosz von der CDU sprach, laut recherche ost, vor circa 200 Teilnehmer_innen inklusive circa 70 Neonazis. Unter ihnen waren, neben dem Sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) und dem Präsidenten des Sächsischen Landtags Erich Illtgen (CDU), die NPD Landtagsfraktion, sogenannte Freie Kräfte, Vertreter der neonazistischen Folkoretruppe Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ), der NPD-nahe Verein Nationalen Bündnis Dresden (NBDD) und einige Burschenschaftler der Cheruscia.

Die Nähe der Dresdener CDU zu nationalen und zum Teil neonazistischen Positionen beweist ihr nationalkonseratives enfant terrible Henry Nitzsche, der nach seinem Aussteig aus der Partei das Bündnis Arbeit, Familie, Vaterland gründete, das keine Berührungsängste nach rechts hat. Er beteiligte sich ebenfalls am Gruselmarsch zum Gedenken an die deutschen Opfer.

Den Nazis reichte es allerdings nicht lediglich durch Anwesenheit zu glänzen und so das bürgerliche Gedenken in ihre Veranstaltung zu verwandeln, sondern sie versuchten das jüdische Gedenken unsichtbar zu machen und platzierten ihren Kranz auf dem der jüdischen Gemeinde. Eine kurze Rangelei konnte dies offenbar klären und das stinkende Nazigebinde an den Rand erbannen. Ganz entsorgt werden könnte es allerdings nicht.



Weitere Bilder bei indymedia

Am früher Abend fand eine antifaschistische Kundgebung des Venceremos Bündnis statt, das sich gegen die Relativierung der Shoa durch die Gleichsetzung der Opfer der allierten Bombenangriffe auf Dresden mit den Vernichtungslagern der Nazis richtete, was auf dem Heidefriedhof passiert, und gegen den bürgerlich konservativen Opfermythos, der zur gleichen Zeit an der Frauenkirche in einem Stillen Gedenken zelebriert wurde. Zur musikalischen Störveranstaltung kamen circa 700 Demonstrant_innen.

Da Team Green den Kundgebungsort komplett umstellt hatte, Bereitschaftspolizei behelmt den Zu- und Abgang zur Veranstaltung behinderte, dies nur mit Abfotografieren und -filmen möglich war und die Personalienkontrolle zu Platzverweisen für den nächsten Tag führten, reagierte das Bündnis damit, daß eine Spontandemonstration angemeldet wurde um sich unbelästigt auf den Heimweg machen zu können.

Während die antifaschistische Intervention massiv behindert wurde, die Bürger sich züchtig abgrenzend mit Kerzen in den Händen ihre höhere Moral und ihre Opfer fierten, liefen, laut recherche ost circa 1.100 Neonazis in einem Fackelmarsch ungehindert durch Dresden und verbreiteten ihre revisionistische Scheiße.

Heute ab 11 Uhr starten verschiedene Veranstaltungen gegen den vermutlich größten europäischen Neonaziaufmarsch. Das breite Geh Denken Bündnis organisiert die große Demo und im Anschluß daran, zusammen mit der Amadeu Antonio Stiftung, das Laut gegen Nazis Festival. Das antifaschistische No Pasáran Bündnis beteiligt sich in Zusammenarbeit mit Geh Denken ebenfalls an Aktionen gegen den Naziaufmarsch.

Du CDU verweigert sich vollständig. Kurt Biedenkopf zog nach Querelen in der Dresdener CDU seine anfängliche Unterstützung für das Geh Denken Bündnis später zurück. Grund für die Verweigerung ist, daß die Linkspartei als Feind der Demokratie den Protest maßgeblich unterstützt. Außerdem vermutet Lars Rohwer hinter den Anti-Nazi-Aktivitäten Wahlkampfabsichten.

So haben wir mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass sich der DGB, der bereits die linken Oberbürgermeisterkandidaten im Wahlkampf unterstützt hat, offensichtlich schon auf die Wahlen in 2009 vorbereitet. Unsere Position ist klar. Es gibt keine Zusammenarbeit mit Feinden der Demokratie, gleichgültig ob sie von NPD oder Linkspartei kommen.

Nur merkwürdig, daß er lieber mit Nazis am Denkmal steht, aber mit Gewerkschaften und seinen antifaschistischen Bürger_innen nix zu tun haben will. Obwohl, er will mit prominenten Dresdnern des öffentlichen Lebens (ganz traditionalistisch natürlich auf keinen Fall mit Dresdnerinnen) irgend etwas eigenes machen. Ohne die Geh Denken Bürger. Ohne die antifaschistischen, linken Chaoten. Ohne die jüdische Gemeinde. Ohne Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und andere Organisationen. Wer bleibt da eigentlich noch übrig? Neonazis! Nationalkonservative! Revanchisten! Eben der ganze rechte Dreck . . .


5 Antworten auf „Dresden – Die CDU & Neonazis, die Bürger_innen & Antifas“


  1. 1 kuba 15. Februar 2009 um 16:25 Uhr

    also wenn ich die bilder vom freitag vormittag sehen, möchte ich einfach nur kotzen!
    bin einfach sprachlos….

  2. 2 Machnow 15. Februar 2009 um 23:57 Uhr

    noch schlimmer finde ich, daß in der presse NICHT darüber berichtet wurde, daß über 15.000 dresdner_innen (und andere) gegen nazis auf der straße, aber die CDU eben sich jedem protest verweigert hat… diese konservativen arschlöcher legen lieber kränze mit nazis ab, als gegen revanchismus, revisionismus & neuen deutschen opfermythos zu demonstrieren. auf ihrer seite gibt es auch keinerlei unterstützung für den protest gegen die nazis. nur beschimpfungen gegen die organisator_innen, die teilnehmer_innen & engagierten bürger_innen.

    am freitag und vor allem am samstag war eines klar. die CDU stand nicht aan der seite des protestes. sie verweigerte sich dem klaren bekenntnis gegen faschismus. die CDU stand lieber gemeinsam mit NPD, landsmannschaften, nationalkonservativen und anderen rechtsextremen am denkmal für die toten dresdner_innen!

  1. 1 Das geprüfte Argument Trackback am 14. Februar 2009 um 14:33 Uhr
  2. 2 planet leblos « im*moment*vorbei Pingback am 14. Februar 2009 um 21:46 Uhr
  3. 3 Együtt a harcban! Solidarität mit antifaschistischen Fans in Ungarn! « Brigata Amaranto Venticinque Aprile Pingback am 20. März 2009 um 16:53 Uhr
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