Babylonier_innen wollen leben! Mondän & Glamourös!


Am 13. Februar trafen sich unter dem Motto Für eine Handvoll Dollar? Für bessere Arbeitsbedingungen im Babylon circa 50-60 Beschäftigte des Filmtheater Babylon, einige Gewerkschafter_innen der Fau Berlin, Besucherbetreuer_innen des Deutschen Technikmuseum, Aktivist_innen des Mayday Bündnisses und andere Unterstützer_innen um auf die Situation der Beschäftigten im letzten kommunalen Kino Berlins aufmerksam zu machen.

Die Kundgebung fand gleichzeitig mit der Verleihung der Preise des Festivals 14+ statt. Der Protest erreichte so, wie die FAU Berlin in ihrer Presserklärung schreibt, direkt den roten Teppich der Berlinale und konfrontierte die Veranstalter sowie die Teilnehmer_innen, die ihren verdienten Applaus abholen wollten, mit den Arbeitsbedingungen hinter den Kulissen.

Die Fernsehkameras zeigten in den letzten Wochen spektakuläre Bilder vom roten teppich. Sogennante Stars, Persönlichkeiten und Gesichter der Films ließen sich mondän und glamourös ablichten. Die ganze Stadt blitzte! Die Kulturelite feierte sich selbst. In den Kinos selbst aber ackerten die Beschäftigten, Praktikant_innen, Hostessen, die lächenden Gesichter der Kulturprekariats, für die es nur den beinah schon sakral aufgeladenen Spruch Dabei sein ist alles! zur Belohnung gab.



Weitere Bilder gibts bei Björn Kietzmann

Die Babylonier_innen wehrten sich gegen diese Vereinnahmung ohne Gegenleistung. In Redebeiträgen wurde deshalb auch auf die sonst schon unmäglichen Arbeitsbedingungen im Filmtheater hingewiesen. Ich fand ganz besonders erschreckend, daß sich die Beschäftigten des Babylon wohl zum Teil mit mehreren Jobs ihren Lebensunterhalt verdienen müßen. Die Arbeit (!) im Kino ermöglicht ihnen eben nicht ein Auskommen, obwohl sie jede Woche neu abrufbar sein sollen, sie kurzfristig einspringen (müssen), sie mit Herz und fehlerfrei die Filme fahren, kurz, sie alles für das Babylon geben. Die Anekdoten über die Geschäftsleitung erinnerten dann auch eher an das Verhalten von absolutistisch Gepuderten, selbstherrlichen Fürsten.

Diese Erfahrung durften allerdings auch die Beschäftigten im Deutschen Technikmuseum Berlin machen. Ihre Forderungen wurden rustikal und ordinär zurückgewiesen. Erst die Intervention der Berliner Politik ermöglichte Verhandlungen. Die Forderungen, neben dem Fortbestand der Besucherbetreuung im DTMB, wurden dann allerdings vom Betriebsrat nicht weiter verfolgt. So verdienen die Beschäftigen im Technikmuseum immer noch 6 Euro pro Stunde, obwohl ihnen 7,80 Euro zustehen.



Weitere Bilder gibts hier

Im Babylon sieht dies anders aus. Trotz der juristischen und ordnungstechnischen Einschüchterungen der Geschäftsleitung des Filmtheater Babylon gegenüber ihren ungehorsamen Beschäftigten wird den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen im Kino unvermindert fortgesetzt. Ganz im Gegenteil, wie Lars Röhm, ein Sprecher der FAU Berlin heute kämpferisch und entschloßen erklärte, geht er jetzt erst richtig los.

Eine breite Unterstützung ist ihnen in jedem Fall sicher. Die Geschäftsleitung im Filmtheater Babylon sollte sich darauf gefaßt machen, daß die Beschäftigtenvertretung im Kino nicht so leicht aufgeben und der Druck auf die selbstherrlichen Kulturfürsten weiter steigen wird. Der Frühling der Kulturprekären steht zwar noch vor der Tür, aber er verlangt enschloßen nach Einlaß und scheint kämpferisch genug sich auch, wenns es erforderlich wird, selbst Zugang verschaffen zu können.

Für bessere Arbeitsbedingungen überall!


1 Antwort auf „Babylonier_innen wollen leben! Mondän & Glamourös!“


  1. 1 Kulturprekäre demonstrieren gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen « Besucherbetreuung im Deutschen Technikmuseum Berlin Pingback am 17. Februar 2009 um 14:13 Uhr
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