Das Filmtheater Babylon – Willkürliche Entlassungen, Dumping Löhne & ganz viel Prekariat


Der Berliner Freundeskreis Videoclips hat eine kleine Doku zur Kundgebung geschnitten, zu der Beschäftigten des Filmtheater Babylon zum 13. Feburar vor das Kino aufgerufen hatten. In der aktuellen jungle world gab es ebenfalls einen interessanten Artikel. Am Tag der Kundgebung brachte im Übrigen die 3sat Kulturzeit ebenfalls einen kurzen Bericht.

In der Kurzdoku des Freundeskreises erzählen Andreas Heinze vom Betriebsrat, Lars Röhm von der FAU Betriebsgruppe und Jason Kirkpatrick, einem aufgrund von ersten Organisierungsbestrebungen gekündigten Angestellten, wie es ihnen im Babylon erging und wie die heutige Situation aussieht. Besonders erschreckend fand ich hierbei, daß sich die Geschäftsleitung nicht nur weigert mit der Beschäftigtenvertretung zusammenzuarbeiten, sondern den Existenzdruck auf die Mitarbeiter_innen weiter verstärkt und die widerspenstigen Filmvorführer für die Berlinale einfach durch neue ersetzt. Die anderen hatten sich erdreistet wegen der Mehrbelastung während des prestigeträchtigen Festivals eine temporäre Gehaltserhöhung zu fordern.

Diese Gutsherren Art der Geschäftsleitung um Timothy Grossmann und Jens Hackel ist allerdings nichts neues. Nach ihrer bevorzugten Investitur im Jahr 2005 soll es nicht selten zu hahnebüchenden Entlassungen und Maßregelungen gekommen sein. Jason Kirkpatrick erzählt in einem Interview, daß Grossmann nach seiner Entlassung meinte, daß es für ihn einfacher wäre neue Mitarbeiter_innen einzustellen, als mit den schon eingestellten zu kommunizieren. Kirkpatrick soll die Karten falsch abgerissen haben. Was für ein Versäumnis! Solch eine ästhetische Frage darf natürlich nicht ausdiskutiert werden, sondern muß unverzüglich mit Entlassung bestraft werden. Es kann natürlich auch sein, daß Kirkpatricks Offener Brief zur Situation der Beschäftigten im Babylon und seine Forderung das wöchentliche Eintragen in den Dienstplan ordnungsgemäß zu bezahlen sehr viel ausschlaggebender war.

Solch ein Chef, der es offenbar nicht für hilfreich erachtet, sich außer zu Befehlen überhaupt an seine Mitarbeiter_innen zu wenden, paßt leider viel zu gut in die Berliner Kulturszene. Denn dort werden Posten und Pöstchen gerne per Handschlag verteilt. Mündliche Absprachen gelten mehr als Verhandlungen. Auf Banketts und während Parties lassen sich Symphatien und eine zwingend erforderliche kulturelle Nähe natürlich sehr viel besser austesten.

Da verwundert es gar nicht, daß Torsten Wöhlert, der Sprecher des Kultursenators, gegenüber der jungle world süffisant behaupten kann, daß von Seiten der Senatskanzlei keine Verstöße gegen Recht und Gesetz erkennbar wären und die Stellungnahmen der Geschäftsführung für überzeugend gehalten werden. Schon bezeichnend, daß die Politik sich offensichtlich und kritiklos auf die Seiten des selbstherrlichen Betreiebsleitung stellt, ohne die Vorwürfe der Beschäftigten auch nur annähernd zu berücksichtigen. Das Vermittlungsangebot des Senats würde ich deshalb eher als Befriedung der Belegschaft, denn als echte Mediation bezeichnen.

Die Besucherbetreuer_innen kennen diese Ignoranz ihnen gegenüber leider ebenfalls viel zu gut. Wenn dann auch noch ein unsichtbarer Betriebsrat hinzukommt, dem es wichtiger zu sein scheint ein gutes Verhaltens zur Geschäftsleitung zu haben, als die eigenen Mitarbeiter_innen über ihre Aktivitäten und Positionen zu informieren, bleibt nix von ihren Interessen übrig.

Hierbei geht es mir vor allem darum, daß Andrè Schmitz, Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten beim Berliner Senat, am 30. Juni 2008 (!) im Kulturauschuß (pdf, S. 3) von einem Kompromiß faselte, der nur teilweise umgesetzt wurde. Vor allem auf die Erhöhung des Stundenlohnes warten die Beschäftigten vergeblich. Die Ausschreibung für Neueinstellungen zeigen ebenfalls keinerlei Bestreben dies zu ändern. Obwohl Schmitz damals davon sprach, daß neueingestellte Kräfte einen Stundensatz von 7,80 Euro erhalten sollten. Vielmehr meint die Museumsleitung, daß Schmitz etwas mißverstanden hat und die ominösen 7,80 Euro (gegenüber dem Senat waren es zum Teil sogar über 8 Euro) lediglich eine interne Verwaltungsgröße wäre, die mir gegenüber von der Senatskanzlei allerdings sehr ausführlich gerechtfertigt wurde. Da wurde mir etwas von Abgaben erzählt, die in den Stundenlohn eingerechnet werden müßten, so daß der ausgezahlte Stundenlohn bei 6 Euro wäre. Mir ist nur keine gesetzliche Regelung bekannt, die auch für 400-Euro-Jobber zwischen Brutto- und Nettostundensätzen unterscheidet. Vielleicht ging es dem Museum darum mit dieser Verwaltungsgröße gegenüber dem Senat den Einsatz der Leiharbeiter_innen von Securitas billiger zu rechnen, um so die Abwicklung der eigenen Besucherbetreuung weiter ungestört betreiben zu können. Nur dumm, daß sich der Herr Staatssekretär im Ausschuß gezwungen sah politisch eine andere Aussage zu treffen, die seitdem von der Mueseumsleitung fortgesetzt ignoriert und vom Betriebsrat nicht konsequent genug eingefordert wird.

Ich hoffe nur, daß die Vermittlungsbemühungen der Senatskanzlei bezüglich des Filmtheaters Babylon nicht von ähnlichen Unterlassungen der betreffenden Geschäftsführung begleitet und eine Entspannung der Situation auch von der Politik als verantwortliche Geldgeber offensiv vorangetrieben wird.