Fuck for forest – Ficken für den Regenwald (?)

Fuck for Forest, Ficken für den Regenwald Heute soll es um Pornos gehen – bei dem Thema ist ein Aufschrei eigentlich schon vorprogrammiert. In dem Fall, den die taz in der heutigen Ausgabe vorgekramt hat, stehen die Dinge vielleicht aber etwas anders.

Die Pornoseite fuckforforest.com wird von einem Pornokollektiv betrieben, dass mit dem eingenommenen Geld vorgibt den Regenwald zu retten – einerseits durch Landkauf in Costa Rica, andererseits durch die Unterstützung des SeedsDream Reforestation Projekts in Ecuador. Offizielle Nachweise gibt es leider keine, auch weil der WWF Geld vom Pornokollektiv aus ethischen Gründen ablehnt. An Authentizität mangelt es den Betreibern von FFF aber nicht, die Frage ist nur inwiefern die unterstützten und selbst durchgeführten Projekte wirklich effektiv zum Schutz des Regenwaldes beitragen. Gerade beim Thema Landkauf muss die Frage gestellt werden, ob da nicht grüner Neokolonialismus betrieben wird.

Auf der Seite fuckforforest.com kann mensch für 12,35 Euro pro Monat „Mitglied“ werden. 1000 Mitglieder hat FFF schon und seit Sommer 2008 nach Eigenangaben 100.000 Dollar eingenommen – als irrrelevant kann man die Aktivisten von FFF also keineswegs mehr abtun. Ob das im Branchenvergleich viel oder wenig ist habe ich nicht unbedingt Lust herauszufinden. Die gezeigten Pornos sollen professionell mit amateurhaften Touch sein – ansonsten ähneln sie stilistisch den üblichen Hardcore-Pornos, die seit jeher das Internet überfluten. Die Darsteller wirken aber dem Anlass entsprechend authentisch. Ein wesentlicher Untschied besteht darin, dass die Handlung zwischendurch unterbrochen wird um auf die Wichtigkeit der Rettung des Regenwalds auch mit Informationen hinzuweisen. In den wöchentlich Live-Shows geht es nicht nur zur Sache, es wird auch gezeigt wie man vegetarisch gut kochen kann, denn eine gesunde und „tierfreundliche“ Ernährung liegt den Pornoaktivisten am Herzen.

Berliner können die Ehrlichkeit des Pornokollektivs auch live begutachten. Nachdem das Gründer-Paar in ihrer norwegischen Heimat durch eine Geldstrafe vergrault wurde, sind sie nach Friedrichshain gezogen. Ein Blick auf die Linkliste der FFF-Seite legt nahe, dass die Pornoaktivisten den anarchistischen Strömungen des militanten Natur- und Tierschutzes und des Primitivismus nahestehen. Oft kamen sie bisher laut Google News in der Presse nicht vor. Aber man kann erfahren, dass einige Aktivisten offenbar auf dem diesjährigen Weltsozialforum in Belem waren.

Jetzt bitte ich euch um eure Meinung: Kann man so überhaupt den Regenwald retten? Ist das ein möglicher Weg „Spenden“ von Menschen zu bekommen, die sonst nicht spenden würden? Wie ist das Projekt aus feministischer oder humanistischer Perspektive zu bewerten?


4 Antworten auf „Fuck for forest – Ficken für den Regenwald (?)“


  1. 1 Butch Jonny 25. Februar 2009 um 17:33 Uhr

    Schon ’ne eigenartige Art Geld zu sammeln. Ich bin mir über die Lauterbarkeit des Kollektivs nicht sicher. Klingt mir eher nach einem PR-Gag. Neuerdings will doch jeder sich gesudn ernähren, versucht fair gehandelt zu konsumieren & ökologisch will sogar Merkel leben. Geld sammeln reicht da glaub ich nich… Sehr komisch!

    Aber eigentlich auch witzig! Könnte auch ’nen raffiniertes Performance Kollektiv sein!

  2. 2 Thomas 25. Februar 2009 um 21:48 Uhr

    Na ja, geben tuts die ja schon seit 2004 – also mit Modeerscheiung alleine kann man das wohl nicht abtun.

    Das die Art Geld zu verdienen eigentartig ist, das ist wohl richtig. So einen Geldbetrag würde man in der Zeit auch anders hinbekommen. Andererseits ist es so aber recht einfach und ich glaube den Akteuren einfach mal das sie Spaß haben – und den können sie gerne haben.

  3. 3 kuba 26. Februar 2009 um 16:47 Uhr

    wirklich schwieriges thema.
    da es ja scheint, dass die darstellerInnen von dem geld nichts für sich nehmen, ist es vielleicht wirklich eine möglichkeit geld von leuten zu kriegen, die sonst kein geld spenden würden.
    auf der anderen seite sehe ich aber trotzdem das problem, dass die frauen in diesen pornos erniedrigt werden und nur als objekte gesehen werden!

  4. 4 jule 26. Februar 2009 um 19:29 Uhr

    Ich finde am schwierigsten zu beurteilen, wie ernst es Darsteller und Produzenten etc. tatsächlich meinen.
    Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass Pornos ein geeignetes Medium sind, Botschaften dieser Art zu transportieren aber vielleicht ist das auch ein bisschen eingeschränkt das von vorneherein anzuzweifeln.
    Da es hier nun mal um Pornos geht, werden ALLE Darstellenden als Objekt in diesem Sinne angesehen. Die Frauen spielen freiwillig mit, genau wie die Männer.
    Ansonsten: Ficken für den Regenwald klingt schon komisch, aber an sich ist das kein schlechtes Konzept in meinen Augen – wenn es nicht nur ein „PR-Gag“ ist und wenn das Geld auch tatsächlich da ankommt, wo es hin soll…

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