Kleidung fair gehandelt – mit kleinem Einkaufsführer

Einkaufswagen Ansich ist der Lohas-Ansatz (Lifestyle of Health and Sustainability) ja ganz ok – hin und wieder sollte mensch versuchen seine antibürgerlichen Reflexe zu unterdrücken. Allerdings gibt es da zwei Probleme: Einerseits haben Lohas der vielen Flugreisen wegen eine schlechtere Öko-Bilanz als der deutsche Durchschnittsbürger, andererseits verbessert allein der Konsum-Verzicht bei Dicountern und Kaufhäusern nicht die Arbeitsbedingungen in den Märkten und bei den Zulieferern in Fernost. Eine wirksame Strategie gegen strukturelle Gewalt gegen Arbeitnehmer und gegen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen muss also zweigleisig fahren: Es muss sowohl Druck gegen die verantwortlichen Konzerne aufgebaut werden, also auch Einkaufsalternativen gefunden werden, bei denen der Preis eine nicht zu große Hemmschwelle bildet.

Die Clean Clothes Campaign

KSK Mit 300 Basisorganisationen in 12 Ländern ist die Clean Clothes Campaign (CCC) das weltweit größte Netzwerk, dass sich für bessere Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie einsetzt. NGO’s, Verbraucherorganisationen, kirchliche Gruppen, Eine-Welt-Läden, Recherche-Institutionen und Frauenrechtsorganisationen haben sich in dem Netzwerk zusammengefunden. Gemeinsam informieren sie die Bürger über Missstände und Vorzeigeunternehmen (wie Hess Natur), treten mit den Unternehmen in Kontakt, unterstützen Arbeitnehmer (z.B. durch Bildungsveranstaltungen) und führen öffentliche Kampagnen durch (z.B. mit netzwerkweiten Eilaktionen).

Die aktuelle Studie „Cashing In“ (englisch) untersucht die Situation in den Zulieferbetrieben für die fünf weltgrößten Handelsketten Aldi, Lidl, Carrefour, Tesco und Walmart. Das paradoxe: Während Discounter wie Aldi auch in der Wirtschaftskrise den Umsatz deutlich steigern können, rutschen die Arbeitnehmer immer tiefer in die Armut und leiden unter katastrophalen Arbeitsbedingungen und schweren Arbeitsrechtsverletzungen. Die Discounter-Kampagne der deutschen CCC übt seit 2008 Druck auf Aldi, Lidl, KiK und die Politik aus. Die Kampagne wird nun auch auf internationaler Ebene weitergeführt. Der „Cashing In“-Bericht ist der Beginn der internationalen CCC “Better Bargain campaign”, die ihren Schwerpunkt beim Thema „Discounter und Textilien“ hat.

Südwind-Institut Speziell mit den Bedingungen bei den Lieferanten billiger Aktionsware aus China hat sich das Südwind-Institut, das auch zum CCC-Netzwerk gehört, in seiner neusten Studie auseinandergesetzt. »Die meist weiblichen Beschäftigten arbeiten bis zu 91 Stunden pro Woche und können dennoch von ihren kargen Löhnen kaum leben. Der Arbeitsdruck ist enorm, und Fehler werden mit Geldbußen bestraft. Zudem werden grundlegende Rechte verletzt. Die Frauen erhalten weder Mutterschutz noch können sie unabhängige Gewerkschaften gründen« heißt es im Pressetext zur Studie, die im Februar 2009 herauskam. Die Aktionsware aus dem Non-Food-Bereich (darunter Bekleidung) macht einen immer größeren Umsatzposten bei den Discountern aus. 40% der Aldi-Aktionsware kommt aus China.

Inkota-Netzwerk In Berlin ist das INKOTA-Netzwerk der regionale Ableger der Kampagne für saubere Kleidung. Das Netzwerk hilft Projekten der sozialen Bewegungen in Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Mosambik und Vietnam z. B. durch die Etablierung von Strukturen des fairen Handels. Im Inland liegt der Arbeitsschwerpunkt bei Bildungs- und Informationsarbeit, z.B. durch politisches Aktionstheater.

Aber auch beim CCC-Netzwerk muss mensch einen Reflex unterdrücken: Es handelt sich dabei zum größten Teil um Organisationen aus dem kirchlichen Bereich. Da sieht mensch mal wie progressiv Religion sein kann und wie Kirchensteuer und Spenden gut „angelegt“ werden können.

Ein paar faire Einkaufstipps

Wer nicht so viel Zeit hat um sich in derartigen Netzwerken zu engagieren, kann durch den Kauf fair gehandelter Waren einen Impuls für eine Verbesserung der Situation in den Ländern des globalen Südens bewirken. Gut wäre es, wenn die Waren gleichzeitig ökologischen Kriterien gerecht werden. Das schont nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Gesundheit der Arbeitnehmer und die Umwelt. Der größte Teil derzeitiger Fair-Trade-Produkte sind aber eh schon mit einem Bio-Siegel ausgezeichnet.

Einen Überblick über Anbieter von Produkten aus fair gehandelter Biobaumwolle liefert die Seite EcoTopTen, die vom Freiburger Öko-Institut e.V. betrieben wird. Eine Übersicht über die leider größtenteils unbekannten Siegel aus dem Bereich der Bekleidungsmittel liefert die Webseite Label-online.

Living Crafts Ein besonders guter Einkaufstipp ist die Marke Living Crafts. Das Unternehmen ist keine Modeerscheinung – der Gründer hat schon 1983 mit ökologisch gefertigten Socken aus der heimischen Garage heraus begonnen. 2001 wurde das Unternehmen allerdings durch die Dennree GmbH aufgekauft. Bei Living Crafts gibt es keine Designer Mode, sondern hochwertige Basis-Bekleidung für den ganzen Körper. Dabei ist alles fair gehandelt und biologisch. T-Shirts gibt es ab 12,90 €, Kapuzen-Pullis ab 38,90 €, Jeans ab 77,99 €, Unterhosen ab 9,90 und Socken ab 1,99 €. Meistens sind das auch die Höchstpreise. Für Männer und Frauen gibt es – im Unterschied zu anderen Öko-Kleidungsanbietern – eine etwa gleichgroße Auswahl. Auch was zum Sportmachen ist im Angebot. Die Händlersuche verrät, wo es die Sachen gibt, wenn mensch nicht online bestellen möchte.

Beim Cafe-Libertad gibt es neben Kaffee, Rohrzucker etc. auch T-Shirts in den Fraben rot und schwarz für 8 € aus Mexiko. Die Website wurde gerade neu gestaltet und ist jetzt hübscher und übersichtlicher.

Echtes Lohas-Feeling kommt bei der Bio Shirt Company auf. Da kostet dann ein T-Shirt schon mal 24,90 €. Inwiefern das teure Zeug auch fair gehandelt ist, erfährt mensch auf der Seite leider nicht.

Nun noch ein paar Tipps wo mensch speziell in Berlin fair einkaufen gehen kann. In der Krossenerstraße 20 in Berlin nahe dem Boxhagener Platz ist „La Trienda – der Allerweltsladen“ zu finden. Dort gibt es auch eine kleine Auswahl fair gehandelter Kleidung. Der Laden gehört zum Netzwerk der Berliner entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen. Berlins größter Bioladen ist der Bio-Discount in der Bergiusstr. 36. Hauptsächlich gibt es hier aber eine große Auswahl an haltbaren Bio-Lebensmitteln. Besonders bemütlich ist der Einkauf dort allerdings nicht. In der großen Einkaufsmeile in Steglitz, in der Schloßstraße 110, befindet sich das größte Naturkaufhaus Berlins. Auf den sieben Stockwerken werden alle nur denkbaren ökologischen Produkte aus dem Non-Food-Bereich verkauft, darunter auch einige Fair-Trade-Produkte. Man(n) hat aber darin irgendwie das Gefühl, dass das Kaufhaus Frauen als Hauptzielgruppe hat. Etwas für junggebliebene Yuppis und Lohas ist die Modemarke Jack & Jones. Die Marke verfügt über keine Fairtrade- oder Biosiegel, sondern nur über einen sogenannten „Code of Conduct“, also eine freiwillige Selbstverpflichtung, die nicht extern überprüft wird. Die Preise haben ein hohes Niveau, sind aber nicht völlig übertrieben. Wer nicht auf Marken verzichten will, kann hier einkaufen gehen und die großen Ketten meiden. Ein recht großes Geschäft der Marke ist in der Schlossstr. 4-5 zu finden, ganz in der Nähe des Naturkaufhauses.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Geld zum Shoppen oder ein Dispositionskredit in ausreichender Höhe (am besten beim für junge Menschen kostenlosen Konto der Gemeinschaftsbank).


5 Antworten auf „Kleidung fair gehandelt – mit kleinem Einkaufsführer“


  1. 1 kuba 02. März 2009 um 1:35 Uhr

    schöner überblick!
    also die preise sind teilweise wirklich in ordnung.
    die alternativen müssen auf jeden fall stärker in die öffentlichkeit gebracht werden.
    also deshalb wäre es auch mal schön, wenn vor allem die bürgerlichen medien verstärkt über die kampagnen…berichten würden.

  2. 2 Thomas 02. März 2009 um 13:13 Uhr

    Google weißt uns mit den Anzeigen freundlicherweise noch auf den Anbieter Risom hin. Da gibts fair gehandelte Kapuzenpullis und T-Shirts zu grenzwertigen Preisen. Die Motive scheinen mir aber ein wenig zu sehr im Mainstream verhaftet zu sein. Fair gehandelte Pullis und T-Shirts mit politischen Motiven gibts in Berlin in zahlreichen Läden zu wesentlich günstigeren Preisen. Risom unterstützt aber einige soziale Projekte, das muss man der Vollständigkeit halber noch erwähnen.

  3. 3 jule 03. März 2009 um 1:13 Uhr

    Die „Bürgerlichen“ Medien (v.a. Fernsehen) sind allerdings häufig von Orsay, C&A und co gesponsort…
    Aber ich war auch über einige „Einkaufstipps“ durchaus positiv überrascht, besonders was den Preis angeht.
    Schöner Artikel!

  4. 4 kuba 03. März 2009 um 13:33 Uhr

    @ jule: danke für den hinweis mit dem sponsoring. hab ich ganz vergessen, dass es da ne gewisse finanzielle abhängigkeit gibt.

  5. 5 Thomas 03. März 2009 um 23:19 Uhr

    Nun ja, viele Tipps habe ich z.B. aus der taz. Und es soll ja Leute geben die behaupten, dass es sich dabei um eine bürgerliche Zeitung handelt.

    Was ich sagen will: Viele der hiesigen Einkaufstipps sind auch für den „Durchschnittsbürer“ nicht schwer zu bekommen, wenn man denn will. Aber ich weiß natürlich das ein Shoppingtripp bei H&M einfacher, cooler und billiger ist, als sich nicht nur Gedanken über das Styling der zweiten Haut zu machen.

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