Scheiß Gewerkschaften . . .


größer und

Mein Papa hat zwei Jobs und ist den ganzen Tag arbeiten. Einen neuen Fußball kann er mir trotzdem nicht kaufen. (pdf)

Gewerkschaftlicher Nationalismus! Patriachale Rollenzuschreibungen! Geschlechtsspezifische Konstruktionen! Scheiße!


15 Antworten auf „Scheiß Gewerkschaften . . .“


  1. 1 Thomas 12. März 2009 um 10:19 Uhr

    Reicht das Wort „Vaterland“ aus um Nationalismus zu konstruieren? Die Rollenzuschreibung ist in der Tat sexistisch, aber wo ist das Patriachat?

    Und handelt es sich nicht vielleicht auch um einen berechtigten Hinweis auf einen Missstand?

  2. 2 Butch Jonny 12. März 2009 um 10:38 Uhr

    Der Mißstand, auf den hingewiesen wird, ist wichtig und unbedingt nötig behoben zu werden. Auf eien Kampagne zu starten ist wichtig. Nur die Verknüpfung dieser Kampagne mit nationalen KLischees von einem Vaterland ist problematisch.

    Das Plakat macht in Bezug auf Nationalismus weniger her, das stimmt. Es gibt aber einen Spot in der U-Bahn, das ist der Nationalismusvorwurf an die Kampagne einschlägiger.

    Patriachat ist es deshalb, weil Papa arbeiten geht um diy familie zu ernähren. Papa ist der Ernährer. Papa ist der Chef, der alles machen muß. Mama kommt gar nicht vor. Mama ist weder national wichtig, noch trägt sie offenbar zur Ernährung der Familie bei. Mama ist auch fürs spielen uninteressant. Denn der männliche Junge möchte mit Papa Fußball spielen… Ich nenne das Patriarchat.

  3. 3 Mathilde 12. März 2009 um 12:09 Uhr

    Das hat der Autor wirklich sehr gut erkannt! Mir war die U-Bahn-Werbung noch gar nicht so aufgefallen. Ich hatte mich beim Betrachten bisher auf die Unterschriftenaktion für den Mindestlohn konzentriert. Aber die Kampagne mit solchen Mitteln zu fahren, geht überhaupt nicht in Ordnung. Ich verstehe nicht, was ver.di dabei geritten hat…

  4. 4 Thomas 12. März 2009 um 17:13 Uhr

    Also ich halte einen Blick auf die Argumente-Liste der Kampagne für angebracht. Da werden, wie ich finde, einige Fehler der Plakate wieder gut gemacht.
    Wenn zum Beispiel Deutschland („Vaterland“) im Gegensatz zum Ausland als arm bezeichnet wird, dann soll das ein Vergleich zu anderen Industrieländern sein, in denen die Schere zwischen Arm und Reich weniger groß ist als in Deutschland und in denen es teilweise schon einen Mindestlohn gibt, ohne das die ganze Wirtschaft erlahmt ist (Argument 3 und 9).
    In Punkt 4 geht es um die soziale Integration von Migraten, alleinersziehende Eltern und die größere Gleichberechtigung und Unabhänigkeit von Frauen.
    Zweifelsohne sind die Plakate und Spots klischeehaft, National aufgeladen und verharren in traditionellen Rollenbildern. Meine Meinung nach sollte man aber die Kampagne insgesamt betrachten und da kann keinesfalls „Scheiß Gewerkschaften“ die Schlussfolgerung sein.

    Und leider ist es auch wie beim Grundeinkommen: auch der Mindestlohn wird nicht allein die soziale Revolution bringen, es wäre also zweckfrei diese in der Kampagne zu verkünden. Gerade Punkt 6 legt ja eine Schwäche frei: Es geht anscheinend wieder darum, dass das Wachstum der Wirtschaft gesichert wird.

  5. 5 im*moment*vorbei 12. März 2009 um 20:48 Uhr

    „Reicht das Wort „Vaterland“ aus um Nationalismus zu konstruieren?“
    gibt noch irgendeine bedeutung von „vaterland“, die ich nicht kenne, oder was soll die blöde frage?

    „Der Mißstand, auf den hingewiesen wird, ist wichtig und unbedingt nötig behoben zu werden.“
    der mißstand auf den da hingewiesen wird, ist keiner, sondern immanenter bestandteil des kapitalismus. das gerede von mindestlohn und grundeinkommen geht am eigentlichen punkt vorbei: und der heißt hier lohnarbeit und sollte auch so kritisiert werden! alles andere ist augenwischerei.

  6. 6 Thomas 12. März 2009 um 21:19 Uhr

    Die „blöde“ Frage lautet: Gibt es vielleicht doch Abstufungen des Nationalismus? Ich würde das bejahen.

    Was macht denn der Diskurs um das Grundeinkommen deiner Meinung nach mit dem Thema Lohnarbeit?

  7. 7 Machnow 12. März 2009 um 23:28 Uhr

    Das Vaterland, was die Gewerkschaften meinen, ist ganz eindeutig nationalistisch gemeint. Deutlicher wird dies bei der DGB homepage zum mindestlohn. Da heißt es „Mindestlohn macht Deutschland arm. Arm trotz Arbeit. Deutschland braucht den Mindestlohn.“

    Die Abstufugn ist eindeutig. Es geht darum, daß Deutschland arm ist, weil es keinen Mindestlohn, wie in anderen Ländern gibt. Ist wird kein Mindestlohn für alle gefordert. Es wird keine Abschaffung der Arbeit gefordert. Sondern es geht darum, daß sich Arbeit in Deutschland wieder lohnen soll…

    Arbeit wird in der Kampagne sexistisch, patriachal & national konstruiert. Da komm ich in der Kritik ganz leicht ohne eine Kritik am Konzept des Mindestlohns umhin. Mit dieser Kampagen der Gewerkschaften sind Bündnisse mit emanzipativen Gruppen extrem gefahrdet. Aber die Kampagne richtet sich auch wohl eher an konservative ‚Gewerkschafter‘ (als an Gewerkschafter_innen). Ich finde sehr schade. Weil damit der Mindestlohn durch unnötigen Nationalismus aufegalden wird…

    Bei Thema Grundeinkommen sehe ich ebenfalls Probleme. Denn Arbeit gibt es dann eben doch. Sie muß es sogar geben. Konsum bleibt ebenfalls. Die Paradigmen ‚Lohnarbeit‘ UND ‚Konsum‘ werden weder durch den Mindestlohn noch durch das Grundeinkommen gefährdet. Eine Chance, wenn sie nicht an Bedingungen geknüpft sind, bleiben sie für mich aber dennoch.

  8. 8 im*moment*vorbei 12. März 2009 um 23:52 Uhr

    nee, die blöde frage war „Reicht das Wort „Vaterland“ aus um Nationalismus zu konstruieren?“ und darauf hab ich mich bezogen.
    wem wirfst du da eigentlich das konstruieren vor?
    und das mit den abstufungen ist doch ein alberner taschenspielertrick. willst du uns jetzt mit den bösen neonazis kommen? die sind mit sicherheit nicht das große problem, wenn es um nationalismus geht. die sind so marginal, dass sie eigentlich bei nichts das große problem darstellen.
    und bei den diskursen um grundeinkommen und mindestlohn wird (bewußt oder nicht) ausgeblendet, das ausbeutung durch lohnarbeit zum kapitalismus gehört und durch (eventuell gut gemeinte) reformen nichts grundsätzliches an den verhältnissen geändert werden kann. der kapitalismus läßt sich nicht wegreformieren!

  9. 9 Milka 13. März 2009 um 13:25 Uhr

    Die „bösen“ Neonazis sind so marginal, dass sie eigentlich bei nichts das große Problem darstellen? Dann nimm mal deine Augenbinde ab und hör auf, blinde Kuh zu spielen.
    Die Anstiege der Fälle rechter Gewalttaten sind alles andere als marginal: allein 2008 hat Reachout 148 rechte Gewalttaten in Berlin registriert, In Sachsen-Anhalt waren es 153 politisch rechts motivierte Gewalttaten mit 226 direkt Betroffenen und zwei Toten(Mobile Opferberatung und Beratungsstelle für Opfer rechter Straf- und Gewalttaten in Dessau) …und diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Bundesweit ereignen sich jährlich weit über 2000 Gewalttaten, die eindeutig rechts motiviert sind. Und du sprichst von einem marginalen Problem? Neonazis sind so marginal, dass sie zur Lantagswahl 2004 in Sachsen und Brandenburg in nicht wenigen Landkreisen über 20%, teilweise sogar über 25% der Stimmen erlangten? Wenn du als MigrantIn, JüdIn, … in einem solchen Gebiet wohnen würdest, sähest du Neonazis garantiert nicht als marginales Problem.

  10. 10 im*moment*vorbei 13. März 2009 um 19:07 Uhr

    wenn ich ne migrantin wäre, wären meine größeren probleme in dieses land reinzukommen, hierbleiben zu können, nen job und ne wohnung zu finden… alles sachen, wo mir neonazis und ihr 100-300 gewalttaten pro bundesland (so scheiße die auch sind!) im jahr ziemlich egal wären. und ich hätte damit die gleichen probleme, wie 100.000e andere alleine in diesem land.
    und wenn ich ne jüdin wäre, wären mir die großdemos der sich selbst als links verstehenden terroristenversteher z.b. anläßlich des gaza-krieges auch wichtiger, als ein paar dutzend neonazis, die sich nicht ganz so verklausoliert „solidarisieren“.
    wer meint, das beim thema nationalismus (und auch sonst) neonazis kein marginales, sondern das oder auch nur ein entscheidendes problem wären, der verschließt schlicht seine augen vor der realität!

  11. 11 Thomas 14. März 2009 um 15:04 Uhr

    Ich glaube man muss da unterscheiden: Im politischen Diskurs (ein solcher Diskurs ist der Mindestlohn) haben Neonazis wenig zu melden, so dass die Bezeichnung marginal zutrifft. Auf der „Straße“ sind die Neonazis eine Gefahr – zum einen körperlich für Gewalttaten, zum anderen weil sie sozial benachteiligte Gruppen besondern in Ostdeutschland für ihre Zwecke gewinnen.

    Aber wieder zum Thema: Der Nationalismus bei den Gewerkschaften ist unterschwellig und bedarf auch der Interpretation des Betrachters. Ich sehe eine deutliche Abstufung von „Deutschland den Deutsche…“ (Neonazis), „Kinder statt Inder“ (CDU) und „Armes Vaterland“ sowie dem DGB-Spruch. Auf dem im Artikel gezeigten Plakat wird das Land von „Papi“ zum Vaterland – das ist in erster Linie stumpf- und blödsinnig. Den Sexismus (den man auf dem einen Plakat durch das nichterwähnen der Mutter noch finden kann) und insbesondere das Patriachat (eingeschränkte Rechte für Frauen, bisweilen Zwangsehen etc.) möge man mir bitte einmal im Hinblick auf die gesamte Kampagne zeigen.

    Der Auftritt der Gewerkschaften ist schwach, weil sie das Konzept der Lohnarbeit nicht krisieren und bei der Mindest-lohn-Kampagne ihren Blick nur auf Deutschland richten. Sie tun das zwar mit dem Argument, dass es in fast allen anderen Ländern schon einen Mindestlohn gibt, vergessen aber, dass dieser z.B. in den USA nicht zum Leben reicht. Das nun alle (!) Gewerkschaften „scheiße“ sind weil sie Arbeit „sexistisch, patriachal & national konstruieren“, halte ich aber in Hinblick auf meine Argumente für eine unzulässige Überspitzung.

    Denn Arbeit gibt es dann eben doch.

    Die wird es solange geben bis der letzte Mensch stirbt. Vermutlich meinst du Lohn- und Einkommensarbeit. Diese wird es zumindest weiterhin geben – nur den Zwang dazu, der muss aufgehoben werden. Dazu ist das Grundeinkommen ein Mittel, dass durch den Mindestlohn unterstützt werden muss.
    Das große Problem bleibt der Warenfetisch (Konsum) und die Privatisierung öffentlicher Güter. An diesem Punkt muss der Kapitalismus als ganzes kritisiert und dessen Abschaffung gefordert werden. Das ist aber „unsere“ Aufgabe und nicht die der Gewerkschaften.

  12. 12 Butch Jonny 14. März 2009 um 15:32 Uhr

    Es geht um die Kampagne! Mir gings nur darum Aufmachung der Kampagne zu kritiesieren. Nicht mehr & nicht weniger!

    Dieser Nationalismus der Mitte, den die FES Studien „Vom Rand zur Mitte“ (pdf) und „Bewegung in der Mitte“ (pdf) unter anderem in Gewerkschaftskreisen festellen, ist es, der gefährlich und vor allem gefährlicher ist. Er hat in den 90igern die Abschaffung des Asylrechts ermöglicht. Er ermöglicht ein restriktives Ausländerecht (kriminelle Banden und so). Er sorgt für strukturellen Rassismus…

    Es ging mir weder um den Mindestlohn als Modell, noch um das Grundeinkommen oder andere Inhalte gewerkschaftlicher Arbeit. Es geht mir einzig und allein um eine Nationalistische Kampagne, die das Bild vom ‚Vaterland‘, von ‚Deutschland‘ heraufbeschwört und sogar noch sexistisch unterlegt. Da ist unsäglich & gefährlich!

    Das hat nix mit Naziüberfällen zu tun. Sondern mit bürgerlichem Nationalismus, der andere Arbeiter_innen – so wie England zur Zeit (english first) – marginalisiert & nationalistisch ablehnt.

    Es geht nur um die Kampagne!!!
    Die ist unglücklich konzipert!
    Ich lehne diese Kampgane kategorisch ab!
    Sie ist für mich sexistisch, nationalistisch und reproduziert offen patriachale Rollenmuster!

    Das Thema Mindestlohn ist etwas ganz anderes. Mit einer anderen Kampagne würde ich diese Forderung unterstützen!

  13. 13 im*moment*vorbei 14. März 2009 um 19:54 Uhr

    „Dieser Nationalismus der Mitte (…). Er hat in den 90igern die Abschaffung des Asylrechts ermöglicht. Er ermöglicht ein restriktives Ausländerecht (kriminelle Banden und so). Er sorgt für strukturellen Rassismus…“
    das stimmt ja alles, aber geht auch son bischen am eigentlichen punkt vorbei, oder? der ist bzw. wäre nämlich: was haben staat, nation und kapitalismus miteinander zu tun. das ließe sich u.a. an dieser gewerkschaftskampagne aufzeigen bzw. diskutieren. bloßes skandalisieren ohne wirkliche analyse bringt dagegen nicht so viel, oder?

  14. 14 Butch Jonny 14. März 2009 um 21:43 Uhr

    Na dann leg mal los. Wat meintst Du denn?
    Der post war ja eben nicht analytisch gemeint. Aber ich bin für alle offen . . .

  15. 15 im*moment*vorbei 15. März 2009 um 23:49 Uhr

    morgen – versprochen! ;-)

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