. . . divided we fall! freiRäume für alle!


Am gestrigen späten Nachmittag demonstrierten circa 4.500-5.000 Menschen für den Erhalt von freiRäumen. Unter dem Motto united we stay! Kollektiv! Offensiv! Subversiv! rief ein breites Bündnis verschiedener Haus- und Wagenplatzprojekte zur Demonstration gegen Gentrifizierungsdruck und Verdrängung auf.

Die Demo verlief zum großen Teil friedlich. Auseinandersetzungen gab es im Friedrichshain. Im Verlaufe des Abends kam es, laut Ticker der Aktionstage, zu mindestens zwölf Ingewahrsamnahmen. Wie bei indymedia berichtet wird, wurde eine Person von grünuniformierten Hooligans überrannt, offenbar gegen einen Bordstein geschubst und schwer verletzt.


Weitere Bilder beim Medienkollektiv Berlin

Die Demo begann am Hermannplatz. Der Treffpunkt war 15 Uhr. Um 16 Uhr sollte es losgehen, was auch pünktlich passierte. Die nervigen Vorkontrollen wurden, wie mein Eindruck war, ganz besonders gründlich durchgeführt. Übermotivierte Sicherheitsbeamt_innen versuchten die absurden Auflagen durch zu setzen. Es sollten, wie üblich, keine Glasflaschen, Stahlkappenschuhe, gefährliche Gegenstände (was immer das auch sein mag) usw. auf die Demo gelangen. Die Kontrollen waren sinnlos, weil sich auf dem Hermannplatz selbst und an der Demoroute massenweise Kioske und andere Läden befanden.

Die Demo selbst begann kämpferisch. Mit lauten Parolen gings erst den Kottbusser Damm runter, dann in den Reuterkiez, wo sich einige Kneipenprojekte wie das queere Silverfuture und das Tristeza befinden. An der Hobrechtbrücke gab es die erste Zwischenkundgebung und die erste pyrotechnische Aktionseinlage, die im Verlauf der Demo diese immer wieder begleiten sollten, aber im Friedrichshain auch zu Übergiffen von Team Green führten.

Schon an dieser Stelle zeigte sich, daß die Demo nicht durchgehend geschlossen sein würde. Während die Spitze sich am aktionistischen Gruß an die Demo erfreutem blieb der Lauti auf der Hobrechtbrücke stehen. Zwischen der Spitze mit circa 600-700 Demonstrant_innen und dem Rest der Demo entstand eine Lücke von ungefähr 20m, die erst allmählich aufgefüllt wurde. Diese Separierung der Demo sollte sich in der Simon-Dach-Straße mit umgekehrten Vorzeichen, daß nämlich der Lauti allein gelassen wurde, wiederholen.

Dann gings zügig und laut durch Kreuzberg. In den engen Straßen war insbesondere die Parole Wir bleiben alle sehr beliebt, die durch Klatschen untersützt wurde und so wohl nach Außen mächtig Eindruck machte. In der Reichenberger stand Team Green massiv in Kette um die staatlicherseits verbotene Route und die carlofts zu schützen.

Auf der Oberbaumbrücke legte die Spitze der Demo einen kleinen Sprint hin. Auf der anderen Seite, auf der Mühlenstraße zur nO2-Arena und in der Warschauer Straße standen wiederum grüne, behelmte Männchen, welche den häßlichen Mehrzweckbau eines homophoben, evangelikalen Kulturbanausen und das Gebäude der kommunalen Privatisierungsbehörde für städtische Immobilien, den Liegenschaftsfond, schützten.

Hier gab es wiederum eine Zwischenkundgebung, die sich ewig hinzog. Als es dann endlich weiter ging, wurde es, nachdem es zwischenzeitlich etwas ruhiger geworden war, wieder lauter. Offenbar skandiert es sich frisch gestärkt und erfrischt besser.

Die Demo wand sich nach der Warschauer Brücke nach rechts in die Revaler. An dieser Biege war wiederum ein massives Aufgebot von Polizeiwannen aufgefahren. Hier standen die schwarz uniformierten BFE Einheiten, die auf ihren Einsatz warteten. Möglich ist aber auch, daß die Warschauer an dieser Stelle auch deshalb so massiv gesperrt wurde, um den sich unmittelbar am Frankfurter Tor befindlichen neuen, stinkenden Naziklamottenladen zu schützen.

Die unterhatsamste aktionistische Showeinlage an diesem späten Nachmittag hatte sich zweifellos der RAW Tempel einfallen lassen. In einer Feuershow, mit Feuergitarre, fahneschwenkendem Ritter und heißen Feuerstößen solidarisierte sich das akut von Räumung bedrohte Gelände an der Revaler Straße mit der Demonstration, ihrer Zielen und bedankte sich artig für die langjährige Unterstützung.


Weitere Bilder bei Anna Panek

An der Ecke Revaler- / Simon-Dach-Straße gab es wieder einen pyrotechnischen Gruß an die Demo, der durch Flyer und Transpis unterstützt wurde. An dieser Stelle versuchte eine Horde grünverkleideter Odnungsfetischisten, der sich auf dem Dach befindenden Aktivist_innen habhaft zu werden. Eine nun mehr alleingelassene Wanne geriet bedrohlich ins Schwanken. Wie wiki030 berichtet, scheiterten die Festnahmen. Vielmehr mußte Team Green nach übermotivierten Prügeleien überstürzt den Rückzug antreten.

An dieser Stelle teilte sich die Demo vollends. Das united we stay verwandelte sich schnell in ein divided we continue. Der Lauti stand circa 50m in der Simon-Dach-Straße. Mindestens 1.000 Demonstrant_innen verließen die Route und zogen, nachdem sich Team Green zurück gezogen hatte, die Revaler weiter. Aber auch diese Gruppe splittete sich. Mehrere Gruppen zogen durch den yuppisierten, ehemaligen alternativen Kiez. Scheiben gingen zu Bruch. Autos mußten dran glauben. Der McDonalds an der Warschauer wurde ebenfalls attackiert.

Außerdem versuchten einige nun doch den neuen Naziladen am Frankfurter Tor zu erreichen. Wartende behelmte Horden, Wasserwerfer und Räumpanzer zwangen sie allerdings schnell zum Rückzug. Ein Streifenwagen flog hierbei aus unerfindlichen Gründen aufs Dach.

Team Green, die sich bis zur Stürmung des Hauses an der Revaler / Simon-Dach-Straße zurückgehalten hatte, reagierte gewohnt brutal und willkürlich. So wurde eine Person, wie der Berliner EA bei indymedia schrieb, von einer Horde behelmter Hooligans überrannt und, wie wiki030 ergänzt, gegen einen Bordstein gestoßen. Es besteht Verdacht auf Schädelbasisbruch! Die beteiligten Beamten entzogen sich bewußt der Personalienaufnahme. Wer Identifikationsmerkmale beizusteuern weiß, soll sich unbedingt beim Berliner EA (030 / 69 22222) melden.

Die gespaltene Demo zog nach einigen Minuten weiter. Über die Geschehnisse im Vergnügungskiez für Yuppies und am Tromsø wurde vom Lauti aus nix berichtet. Viel mehr riefen die Veranstalter_innen, ganz in attac Monty Schädel Manier, dazu auf die anderen ruhig weiter ziehen zu lassen und zur angemeldeten Demo zurück zu kehren. Zum Zeitpunkt dieser absolut nicht mehr united Stellungnahme formierte sich gerade eine Hundertschaft offensichtlich dazu, die restlichen in die Revaler weitergezogenen Abtrünnigen zu kesseln. Glücklicherweise blieben genug Menschen in der Revaler, so daß Team Green lediglich die Alternativ-Route sperrte.

Die Restdemo zog nun noch – ohne Polizeibegleitung, ohne Kameras, vermutlich mit (nur) wenigen Zivis – relativ friedlich durch die Simon-Dach-Straße, die Grünberger, die historisch aufgeladene Mainzerstraße, vorbei an der Scharni, die wiederum eine hübsche Pyroshow lieferten, zur Abschlußkundgebung in die Frankfurter Allee. Dort wurde nach einem kurzen Redebeitrag die freiRäume Demo für beendet erklärt.

Ich halte diese Demo für den gelungenen Auftakt um den Kampf zum Erhalt von freiRäumen weiter offensiv und kämpferisch voran zu treiben. Den städtischen Institutionen muß klar sein, daß sich die bestehenden Strukturen nicht so leicht vertreiben lassen. Die solidarischen Aktionen am Rand der Demo zeugen von einer starken Präsenz des Themas selbstverwalteter Projekte im öffentlichen Raum und für die breite Unterstützung der Forderungen.

Auf der anderen Seite offenbarte der Verlauf der Demo aber auch einen Riß zwischen dem organisierendem Bündnis und dem breiten Spektrum der Unterstützer_innen. Die verklausulierte Ablehnung des Konzepts des schwarzen Blocks und direkter Aktionen aus der Demo heraus als Audruck kämpferischer Militanz im Demokonzept setzte sich sehr viel expliziter auf dem Demo fort. Schon zur Auftaktkundgebung wurde darauf hingewiesen, daß Menschen, die Streß suchen würden, auf der Demo unerwünscht wären.

Der hoffnungsvolle, vorauseilende Gehorsam auf militante Aktionen zu Gunsten von weniger staatlicher Überwachung und Repression zu verzichten, stellte sich schon beim Teilverbot der Route und schikanösen Auflagen als illusorisch heraus. Daran festzuhalten erscheint mir ignorant gegenüber den Realitäten eines höchst repressiven, überwachten, öffentlichen Raums.

Die Demo wurde durch die Auflagen, das Teilverbot, die schikanösen Einlaßkontrollen und das flächendeckende Abfilmen der gesamten Demo auf dem Kottbusser Damm durch die Sicherheitsorgane attackert. Das es keinen Wanderkessel und eine relative Zurückhaltung bei polizeilichen Interventionen gab, macht die Repression nicht geringer.

Das Bestehen auf einer friedlichen, bunten und lauten Demo mag als Konzept fruchtbar sein. Auch die Abwesenheit von Musik und die Ersetzung dieser durch Redebeiträge fand ich gut. Was aber absolut nicht geht ist, daß eine Demo, die unter dem Motto United we stay! Kollektiv! Offensiv! Subversiv! läuft, sich von solidarischen Aktivist_innen auf den Dächern abwendet, sie dem polizeilichen Zugriff überläßt, sich offensiv von einem militanten Teil der Demo distanziert, offen dazu aufruft diese Aktionsformen zu ignorieren und stattdessen die eigene, geplante Route zu Ende trottet.

Unabhängig von Kritik an den Zerstörungen kleiner Autos und der Gefährdung von Menschen, sollte es nicht zu einer Abgrenzung von Aktionsformen kommen. Leider wurde dies aber in der Simon-Dach-Straße (scheiße, wie metaphorisch ist das denn) vollzogen.

Die Abgrenzung begann, meiner Ansicht nach, mit einem Appell im Demokonzept. Dieser wurde in der Ansage an mutmaßliche Chaoten und Krawallmacher, mit Hinweis auf anwesende Kinder, bei der Auftaktkundgebung erneuert. Die erste Manifestation einer Spaltung zeigte sich an der Hobrechtbrücke. Die Demo zerbrach endgültig in der Simon-Dach-Straße, wo vom Lauti offensiv und kollektiv, gar nich mehr subversiv, dazu aufgerufen wurde, die Abtrünnigen weiter laufen zu lassen. Aus einem United we stay wurde so, durch die Organisator_innen in der aussichtlosen Hoffnung auf weniger Repression und eine positive Außenwirkung, ein divided . . .


36 Antworten auf „. . . divided we fall! freiRäume für alle!“


  1. 1 human 15. März 2009 um 17:24 Uhr

    jaja, die wagensportliga… :D

  2. 2 Thomas 15. März 2009 um 23:17 Uhr

    Die typische Spaltung bei der Militanz-Frage also – das war angesichts des neuen Demo-Konzepts schon zu erwarten.

    Die Durchsage des Lautis in der Simon-Dach-Straße war, nett ausgedrückt, unglücklich. Es könnte aber auch damit zu tun haben, dass man auf der höhe des Lautis von dem Einsatz der Polizei gegen die Pyro-Leute wenig oder nichts mitbekommen hat und daher die Lage falsch eingeschätzt hat.

    Insgesamt hat die Demo aber leider einen Eindruck gemacht, dass die irgendwie geteilt war. Vorn die Leute haben offenbar von den Zwischenkundgebungen nichts gewusst – warum? So entstanden dann immer wieder große Löcher bis zur entgültigen Zweiteilung in der Simon-Dach-Straße.

    Das die „erzeugten“ Schäden eher Ausdruck von Schwäche waren, darüber müssen wir wohl nicht viel diskutieren. Militanz von vorn herein auszuschließen ist aber dennoch nicht sinnvoll. Angesichts des gigantischen Polizeiaufgebots machen die direkten Aktionen aus Demos heraus aber wenig Sinn. Einen Nziladen sollte man vielleicht nicht unbedingt dann angreifen, wenn die Polizei mit Schlagstöcken, Wasserwerfern und Räumpanzern bereit zum Gemetzel ist.

  3. 3 kuba 16. März 2009 um 13:29 Uhr

    hier die pressemitteilung des „united we stay“-bündnisses.

  4. 4 Thomas 16. März 2009 um 16:02 Uhr

    Leider leiden die Autoren der Pressemitteilung ob der Pyroshow bei der Simon-Dach-Straße selber unter Vergesslichkeit – welche der Grund für den (zweckfreien) Polizeieinsatz war.

    Ansonsten ist die Mitteilung gut gelungen.

  5. 5 eine_r von united we stay 17. März 2009 um 1:50 Uhr

    ach, Kinder, ihr wollts echt nicht verstehen, dass wir euch lieb haben, oder?
    1.) wärs total grandios, wenn sich irgendjemand von der „ihr wollt euch von uns distanzieren“ Fraktion mal auf einer der echt zahlreichen Infoveranstaltungen (über 25), auf der Auftakt oder Nachbereitungs-VV aufgetaucht wäre, dann hätten wir uns mal in Ruhe unterhalten können und auch über Sachen reden können, die man vielleicht lieber nicht so ganz öffentlich bespricht. So gabs zwar jede Menge Pöbeleien von eurer Fraktion auf indy, aber auf den ca. 10 Veranstaltungen, bei denen ich anwesend war, hat sich NIEMAND getraut, auch nur ein kritisches Wort zu verlieren. Und von den Veranstaltungen, von denen die anderen berichtet haben, gabs auch keine Berichte von Kritik aus der Richtung. Ihr macht es uns halt auch echt nicht leicht. Wir haben mehr als deutlich gesagt und geschrieben, dass wir uns von keiner Aktionsform, die wenigstens mit gutem Willen in emanzipatorischer Richtung gedeutet werden kann, distanzieren. Und bevor ihr jetzt wieder aufschreit mach ichs nochmal idiotensicher deutlich: alte, billige Autos anzünden/kaputtmachen macht für mich keinen Sinn, wenn man gegen Stadtumstrukturierung ist, mit dem Rest an Aktionen, die dieses Wochenende gelaufen sind, erklär ich mich aus tiefsten Herzen solidarisch.

    2.) Zu eurer Kritik:

    „Über die Geschehnisse im Vergnügungskiez für Yuppies und am Tromsø wurde vom Lauti aus nix berichtet“

    Schon mal in Erwägung gezogen, dass wir schlicht und ergreifend nicht wußten, was da grade passiert? Und dass wir außerdem mit der Situation reichlich überfordert waren und echt am rudern, auf die schnelle und unvorbereitet irgendeinen Umgang mit der Situation zu finden? Wir waren darauf vorbereitet, dass die Bullen uns die Demo zusammenprügeln, aber darauf, dass auf einmal mitten aus der Demo heraus eine Wanne angegriffen und in einem Steinhagel zur Fluch getrieben wird, waren wir nicht vorbereitet. Und dass kann man uns nicht wirklich zum Vorwurf machen. Ich bin seit Jahren in Berlin und anderswo auf Demos unterwegs, aber ich kann mich an keine vergleichbare Situation in Berlin erinnern. Ganz abgesehen davon, dass sich die Bullen die ganze Zeit extrem merkwürdig bis dämlich verhalten haben und wir echt nicht mehr einschätzen konnten, wie sie darauf reagieren würden. Und auch jetzt, wo ich alle Zeit und Ruhe der Welt habe, um andere mögliche Handlungsoptionen durchzudenken, weiß ich nicht, was wir hätten tun sollen. Darauf warten, dass der Teil der Demo, der sich entschieden hat, auf eigene Faust

    „Die verklausulierte Ablehnung des Konzepts des schwarzen Blocks und direkter Aktionen aus der Demo heraus als Audruck kämpferischer Militanz“

    Wir lehnen das Konzept des schwarzen Blockes nicht ab. Wir lehnen auch direkte Aktionen aus der Demo heraus nicht ab.

    Zitat aus unserem Demokonzept:

    „Wir verabschieden uns zwar für diese Demo weitgehend von dem Konzept des schwarzen Blockes als tragendem Demokonzept, distanzieren uns aber ausdrücklich von keiner Aktionsform.“

    Haben wir extra für euch geschrieben. Wie deutlich wollt ihrs denn noch???
    Der Grund, warum wir uns dagegen entschieden haben, war strategischer Natur. Ich bin auch immer noch der Meinung, dass Demos (zumindest in Berlin, mit seinen allseits bekannten Bullen und seiner in den letzten Jahren recht erbärmlichen Szene)tendenziell der schlechteste Ort sind, um militante Aktionen durchzuführen. Es sind einfach zu viele Bullen und Kameras da, und die Gefahr, erwischt zu werden, ist damit ungleich höher als an jedem anderen Ort in der Stadt. Wenn ihr Bock auf wir spielen Black Block, lassen uns dabei abfilmen, kriegen nichts gerissen und lassen uns verprügeln Demos habt, organisiert welche und habt viel Spaß dabei. Wir arbeiten dann inzwischen an unserer Unberechenbarkeit und organisieren euch Demos, aus denen heraus es auf einmal wieder möglich ist, direkte Aktionen in der Demo zu machen. Und bevor ich mich jetzt zuviel mit Selbstlob bekleckere: Wir waren schon überrascht, wie gut und schnell das geklappt hat, die Idee war eigentlich mehr nen Schritt zurück zu gehen, eine breitere Unterstüzer_innenbasis aufzubauen, wieder bei Protest anzufangen um mit ein paar mehr Leuten vielleicht irgendwann wieder bei ernstzunehmendem Widerstand anzukommen, die Situation auf Demos zu deeskalieren damit es langfristig wieder möglich wird, dort Handlungsspielräume zu haben. Hat besser und schneller geklappt als ich mir das erträumt hatte (zumindest der Teil mit den Handlungsspielräumen am Samstag, der Rest ist und bleibt ein Lanzeitprojekt)

    „Über die Geschehnisse im Vergnügungskiez für Yuppies und am Tromsø wurde vom Lauti aus nix berichtet“

    Schon mal in Erwägung gezogen, dass wir schlicht und ergreifend nicht wußten, was da grade passiert? Und dass wir außerdem mit der Situation reichlich überfordert waren und echt am rudern, auf die schnelle und unvorbereitet irgendeinen Umgang mit der Situation zu finden? Wir waren darauf vorbereitet, dass die Bullen uns die Demo zusammenprügeln, aber darauf, dass auf einmal mitten aus der Demo heraus eine Wanne angegriffen und in einem Steinhagel zur Fluch getrieben wird, waren wir nicht vorbereitet. Und dass kann man uns nicht wirklich zum Vorwurf machen. Ich bin seit Jahren in Berlin und anderswo auf Demos unterwegs, aber ich kann mich an keine vergleichbare Situation in Berlin erinnern. Ganz abgesehen davon, dass sich die Bullen die ganze Zeit extrem merkwürdig bis dämlich verhalten haben und wir echt nicht mehr einschätzen konnten, wie sie darauf reagieren würden. Und auch jetzt, wo ich alle Zeit und Ruhe der Welt habe, um andere mögliche Handlungsoptionen durchzudenken, weiß ich nicht, was wir hätten tun sollen. Darauf warten, dass der Teil der Demo, der sich entschieden hat, auf eigene Faust loszuziehen, zurückkommt? Wäre nicht passiert, oder? Wir haben ja auch ne Weile gewartet, sah nicht danach aus. Demo auflösen? Hätte nichts gebracht außer Menschen, die aus welchen Gründen auch immer (Kinder, Traumatisierungen, illegaler Status, gesundheitliche Probleme, Angst, Unerfahrenheit…) Konfrontationen eher meiden, in eine noch gefährlichere Situation zu bringen. Aus dem selben Grund könnt ihr nicht erwarten, dass euch alle Leute hinterherkommen um euch aktiv zu unterstützen. Und es war ja auch nicht so, dass der „abtrünnige“ Teil alleine dagestanden hätte. Das waren so ungefähr 1000 Leute, die wirkten ziemlich entschlossen und so als wüßten sie schon, was sie da tun. Und wir haben zu einer friedlichen Demo aufgerufen, da könnt ihr nicht erwarten, dass alle Menschen, die sich entscheiden, daran teilzunehmen, bereit sind, aktiv auf Konfrontationskurs zu gehen.

    „Der hoffnungsvolle, vorauseilende Gehorsam auf militante Aktionen zu Gunsten von weniger staatlicher Überwachung und Repression zu verzichten, stellte sich schon beim Teilverbot der Route und schikanösen Auflagen als illusorisch heraus.“

    Nun, eben dieser vorrauseilende Gehorsam hat dazu geführt, dass es kein Bullenspalier gab, die Bullen zwar da waren, aber sich etwas zurückgehalten haben, was letztendlich die entscheidenden paar Minuten ergeben hat, in denen auf der Demo wirklich gehandelt werden konnte und Menschen sich in großen Gruppen aus der Demo verabschieden konnten, ohne bei dem Versuch gleich zusammengeprügelt zu werden oder ihn erst gar nicht zu unternehmen. Darüber hinaus fand ichs echt angenehmer ohne Spalier spazierenzugehen, und bei den meisten Demos, die sich im Vorfeld in selbstgerechtem Verbalradikalismus sonnen, geht man dann halt im Wanderkessel spazieren und es passiert genausoviel militanter Aktionismus, wie wir das auf unserer Demo geplant hatten. Macht euch mal keine Sorgen um uns, viele von uns sind zwar recht unerfahren und gewinnen gerade wertvolle Erfahrungen, aber ein paar von uns haben ihre Illusionen schon vor ein paar Jahren begraben. Aber zu viel Abgeklärtheit kann auch ne ziemlich bequeme Rechtfertigung für Handlungsunfähigkeit sein, da lass ich mir lieber mal den Vorwurf gefallen, ich wäre naiv und krieg dafür was gerissen.
    Ach ja, und wir wollten nicht auf militante Aktionen verzichten, wir wollten sie nur nicht auf der Demo haben. Wir haben deshalb neben der Demo auch noch Infrastruktur für dezentrale Aktionen organisiert. Und ein paar wenige haben das Konzept sogar verstanden und ein paar Aktionen gemacht. Hätte ruhig noch mehr sein können, aber das lag nun wirklich nicht in unserer Hand.

    „sich von solidarischen Aktivist_innen auf den Dächern abwendet, sie dem polizeilichen Zugriff überläßt, sich offensiv von einem militanten Teil der Demo distanziert, offen dazu aufruft diese Aktionsformen zu ignorieren und stattdessen die eigene, geplante Route zu Ende trottet. “

    Wie schon gesagt, niemand hat sich „abgewendet“, sie wurden nicht verhaftet, oder? Und das solidarische Einschreiten lief am Samstag besser als auf den meisten anderen Demos. Was halt weder am Samstag noch sonst in der Hand der Organisator_innen liegt, sondern an den Demonstrant_innen.
    Es hat sich auch niemand von irgendwas distanziert. Dinge abzulehnen und sie nicht mitzumachen sind zwei verschiedene Dinge. Und wenn ihr Interesse an breiterer Unterstützung habt, die ihr an anderer Stelle durchaus positiv bewertet habt, müßt ihr halt damit leben, dass nicht alle Menschen, die euch wohlgesonnen sind, die selbe Art von Aktionismus praktizieren. Es gibt nun mal verschiedene Arten, Protest und Widerstand auszudrücken, und verschiedene Menschen, die aus guten Gründen die eine oder andere Art für sich wählen. Und wenn man mal was Großes zusammen machen will, weil doch eigentlich alle dasselbe wollen, muß ein bißchen Tolleranz und Respekt voreinander schon sein. Und daran lasst ihr es hier schon gewaltig mangeln, indem ihr eure Aktionsform als die einzig wahre darstellt, und jede Andersartigkeit als Distanzierung diffamiert. Niemand hat euch einen Vorwurf daraus gemacht, dass ihr euch über unsere monatelange Planung hinweggesetzt habt, was echt nicht besonders respektvoll war und uns ordentlich ins Schleudern gebracht hat. Aber wie gesagt, niemand hat euch den Vorwurf gemacht, da der Tag zwar anders gelaufen ist, als geplant, wir aber mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sind. Aber dass ihr euch jetzt noch hinstellt und euch beschwert, dass sich andere Leute angeblich euch gegenüber respektlos verhalten haben, ist eine Verdrehung der Tatsachen und ganz schön arrogant.

    Wie oben schon gesagt, wir haben euch alle lieb und arbeiten gerne mit euch zusammen, auch wenn ihr bisweilen elitäre, arrogante, vermackerte Arschlöcher seid, aber diejenigen, die hier die von euch bemängelte Spaltung vorrantreiben, seid ihr.

  6. 6 unitedwestay! 17. März 2009 um 2:48 Uhr

    komisch, dass die veranstalter_innen, die überraschende wendung der demo anders bewerten, als es ihnen hier schon halb in dem mund gelegt wird, nämlich positiv.
    wer sich das demokonzept und die pressemitteilungen durchgelesen hat, bzw. sich mal die mühe gemacht hätte, zu einer der zahlreichen infoveranstaltungen oder der zb. dem auswertungstreffen am 15.3. in der köpi zu kommen, hätte vielleicht verstanden, worum es den veranstalter_innen hauptsächlich ging: aus der ohnmacht und langeweile der wanderkesseldemos rauszukommen. nie wurde sich dabei vom schwarzen block oder etwa von militanz distanziert, sondern nur als frage in den raum geworfen, ob denn die alten autonomen demokonzepte heute noch dafür ausreichen, dass uns demos auch mal wieder spaß machen. und spass gemacht hat es doch – und es waren aktionen möglich, die ich auf keiner autonomen blackblock wir laufen in ketten demo in den letzten jahren erlebt habe. in der zeit der mobilisierung und sogar nach dieser demo bleibt bei mir das ungute gefühl, dass zu viele menschen in der ’szene‘ einfach unaufgeschlossen gegenüber neuen ideen sind und ihnen deshalb nicht einmal eine chance einräumen. mensch leute, das war ein versuch und nun sollten wir darüber produktiv diskutieren. stattdessen wird an dieser stelle eine spaltung inzeniert…
    und zum lauti: besser infostruktur wäre sicherlich hilffreich gewesen und dann… hätte der bus sammt anlage mit auf mob action tour ziehen solle… ich finde toleranz gegenüber aktionsformen heißt nicht nur gegenüber den militanten, sondern auch gegenüber denen, die eine demo zuende führen wollen. aber dit können wa ja alle noch lernen! statt blogdisko: am 27.3. is wieder wba vv, am 13.4. autonome vv!

  7. 7 LucaPinoRelli 17. März 2009 um 8:24 Uhr

    Erstmal grundsätzlich, das Demokonzept hat uns soweit gut gefallen. Insbesondere das Aufbrechen der Blöcke, das mehr Leben reingebracht werden sollte, das mehr Parolen ermöglicht werden sollten usw. Sehr gut fanden wir auch, daß es mehrere Megaphone in der Demo geben sollte, die das ‚Modell‘ Lauti und Entertainment vom Lauti durchbricht & mehr eigene Artikulation ermöglicht.

    Allerdings betrachten wir die Aufgabe einiger Aktionsformen zu Gunsten einer erhofften kleineren Repression als problematisch. Die Kritik am „schwarzen Block“ (siehe Diskurs über Ästhetisierung der Gewalt usw durch den Infoladen Luudwigsburg) sollte unserer Ansichzt nach eben nicht in Zusammenhang mit einer erhofften Reaktion staatlicherseits geführt werden. Diese wird uns gegenüber vermutlich immer auf die ein oder andere Weise repressiv sein. Die taktische Entscheidung mag wichtig sein und Freiräume innerhlab der Demo eröffnen, jedoch denken wir, sind die Sicherheitsorgane nicht die ‚Szene‘ für die ein Demo gemacht wird.

    Auch die Konzentration auf eine positive Außenwirkung durch Masse sowie bunte, kreative sowie freundliche Menschen mag zunächst einleuchten, jedoch denken wir auch hier, daß insbesondere die ‚Medien‘ (wer das auch immer sein mag) entweder gar nicht berichten oder sich ihre Story schon bauen werden (siehe Reaktion des Taggesspiegel, der Berliner Zeitung und der Springer Presse sowieso). Wiederum auch hier zu früh auf die ‚Bürgerlichen‘ einzugehen, in Erwartung freundlich in die Arme geschlossen zu werden, halten wir für fatal.

    Zur Demo: Wie schon weiter oben geschrieben, fanden wir die Demo als gesmtes durchaus gelungen. Neue Ansätze haben funktioniert. Die Redebeiträge – eben keine Musik – auch wenn es viel waren, machten die Demo eben auch zur Info- / Vernetzungsveranstaltung. Die zahlreichen Aktionen am Rand waren ebenfalls super.

    Schade war, daß es eben keine zahlreichen Megaphone gab. Parolen wurden die meiste Zeiot trotzdem gerufen. Die Megaphone hätten hierbei aber weiter aktivierend wirken können (so war es wahrscheinlich auch gedacht). Das hat beim Protest gegen das Atomforum wunderbar geklappt und wir dachten dies würde fortgesetzt werden.

    Diese Megaphone hätten „vernetzt“ sein können. Dann wäre auch ein besserer Überblick über die Demo und seine Dynamik möglich gewesen…

    Also, das Demo Konzept war ambitioniert & interessant. Dennoch gab es die schon beschriebenen zwei problematischen Einschätzungen.

    Die Repression gab es eben trotz der taktischen Problematisierung best. Aktionsformen. Die Demo hatte zwar keinen Wanderkessel – das war aber auch bei militanter auftretenden Demos schon nicht mehr so – wurde aber gerade auf dem Kottbusser Damm komplett (mit Porträits & wiederholt) abgefilmt. Die Einlaßkontrollen waren besonders gründlich, willkürlich & schikanös. Die Taktik des Konzepts hat an dieser Stelle nur marginal gefruchtet & war eben nicht erfolgreich. Ihr sehr dies zwar anders, aber deshalb den Kritiker_innen Böswilligkeit vorzuwerfen & ‚Traditionalismus‘ ist nicht fair . . . An dieser Stelle könnte die Diskussion wahrscheinlich fruchtbar fortgesetzt werden!

    [PS. Kritik nur auf Infoveranstaltungen und in anderen Gremien zu erlauben – die wir im Übrigen besucht haben – erscheint mir unangebracht. Gerade weil das Konzept stand und bestimmte Teile nicht mehr diskutiert wurden. Die Veranstaltungen informierten (oft) lediglich. ]

  8. 8 LucaPinoRelli 17. März 2009 um 8:39 Uhr

    Ich hoffe, folgendes gilt immer noch:

    Kritik und Verbesserungsvorschläge halten Kampagnen mit einem emanzipatorischen Anspruch am Leben! Deshalb sind sie natürlich auch bei der „WIR BLEIBEN ALLE! – Kampagne“ erwünscht . . .

    Wobei ich mit dabei nicht mehr sicher bin. Insbesondere weil sowohl das United we Stay Bündnis und die Wir bleiben alle Kampagne lediglich die positiven Beiträge verlinkt unseren ausführlichen (!) kritischen Beitrag allerdings ignoriert. Das macht nicht gerade Mut zu einer VV zu kommen!

  9. 9 eine_r von united we stay 17. März 2009 um 14:40 Uhr

    klar, Kritik ist immer gut, dass es nicht immer leicht ist, die entgegenzunehmen, besonders wenns um dein 5 Monate Herzblut und Tränen Projekt geht, sollte menschlich verständlich sein. Ein etwas solidarischerer Ton hilft uns dabei ganz gewaltig.
    WBA ist ne diy-Kampagne, d.h., wenn ihr euren Beitrag auf der Seite verlinkt haben wollt, ist ein bißchen Eigeninitiative angebracht. Schreibt mal ne email an die Internet-Ag, wenn ihrs da haben wollt…
    Und ja, wir hätten mehr Megaphone haben können, waren nur 3 + ein Lautihund, was für die größe der Demo bestimmt zu wenig war. Wir finden auch, nen zweiter und dritter Lauti für die Redebeiträge, da man den einen in großen Teilen der Demo gar nicht gehört hat, wäre angebracht gewesen. Und wir können unsere Infostruktur sicher auch noch verbessern. Es gab da kurz vor der Demo ein paar mittelschwere Katastrophen in der Beschaffung der Kommunikationsgeräte, so dass wir den Plan für das ganze Infosystem kurzfristig umschmeißen mussten. Hat bestimmt nicht geholfen, in Stresssituationen gut zu reagieren.

    Und nochmal zum schwarzen Block. Niemand von uns hat sich die Illusion gemacht, dass wir gar keine Repression erfahren werden. Von daher hat es uns auch nicht überrascht, dass es trotzdem Vorkontrollen gab und die Demo trotzdem gefilmt wurde. Aber es gibt nicht nur die 2 Optionen Repression – keine Repression, sondern durchaus feine Abstufungen dazwischen, die nen entscheidenden Unterschied machen können. Und ich weiß nicht, auf welchen black block demos in Berlin du warst, auf denen es kein Spalier gab? Wär interessant, wenn du das mal schreiben könntest. Und ich hab auch keine Kritik am schwarzen Block an sich, hab ich schon großartig funktionieren sehen, 16. Dezember in Kopenhagen zum Beispiel. Nur in Berlin halt nicht. Und ja, wir sind den Bullen nen Stück entgegengegangen, um ein paar Freiräume aufzumachen, das hat meiner Meinung nach funktioniert, was gut ist, meinem Ego hats nicht gut getan. Ich mach Politik aber nicht für mein Ego, sondern um was zu verändern. Und auf die Fresse kriegen, in Zellen gesteckt werden und andere Formen der Repression zu erfahren tut meinem Ego meistens auch nicht besonders gut. Gehört halt leider dazu, wenn mensch Politik machen will. Und wir machen Demos nicht für die Bullen, die tauchen halt uneingeladen immer auf, verhalten sich sauunsolidarsch und bringen Waffen mit…
    Den Kritikpunkt mit der positiven Außenwirkung find ich berechtigter. Hab in letzter Zeit aber mehr nen Problem damit gekriegt, dass wir uns inhaltlich doch sehr auf nen „wir sind auch ein produktiver Teil der Gesellschaft“-Diskurs eingelassen haben…

    Na ja, würde mich gerne auf der VV mit euch unterhalten, bin leider verhindert…

  10. 10 yes we can 17. März 2009 um 18:50 Uhr

    Das größte Problem in dieser Disku sehe ich darin, dass es einer Gruppe von Veranstalter_innen scheinbar vorgeworfenen wird, dass sie bewußt von gewohnten (und sicher auch bewährten) Aktionskonzepten abwichen und statt einer militanten autonomen Demo eine eher bunte autonome Demo mit mehr Gewicht auf Inhalten organisiert haben. Das Kommt schon ziemlich mackrig rüber, vor allem der Versuch daraus eine Spaltunmg bzw. Distanzierung zu ‚militanten‘ Aktionen zu machen. Haben wir denn nicht genug Freiraum im Kopf um zuzulassen, dass Menschen andere politische Interventionsmöglichkeiten bevorzugen als den (teilweise wahllos) wütenden Mob? Ist es nicht in diversen Widerstandsbündnissen eine Forderung gewesen, dass unterschiedliche Aktionsfrormen nebeneinander bestehen und sich im besten Fall sogar aufeinander beziehen können? Wär gut, wenn wir solchge Ansprüche auch an uns selber richten würden! Und letztentlich – auch wenn das Demokonzept vielleicht Geschmacksache war – es hat fast 5000 Menschen auf die Straße beracht und das sicher nicht ohne Grund.

  11. 11 LucaPinoRelli 17. März 2009 um 19:15 Uhr

    Das größte Problem in dieser Disku sehe ich darin, dass es einer Gruppe von Veranstalter_innen scheinbar vorgeworfenen wird, dass sie bewußt von gewohnten (und sicher auch bewährten) Aktionskonzepten abwichen und statt einer militanten autonomen Demo eine eher bunte autonome Demo mit mehr Gewicht auf Inhalten organisiert haben.

    Genau dies ist nicht der Kritikpunkt. Ganz im Gegenteil, diesem Konzept stimme ich zu. Dies war nicht der Vorwurf an die Organisator_innen. Wenn dieser Eindruck entstand, dann habe ich mich mangelhaft ausgedrückt! So war die Kritik nie gemeint.

    Was ich kritisiere ist nicht das gesamte Konzept & erst recht nicht die Öffnung nach außen. Ich kritisiere nur den positiven Bezug auf eine Außenwirkung in Richtung ‚Bürgerliche‘ und vor allem die scheinbare „Aufgabe“ bestimmten Aktionsformen zu Gunsten erhoffter Deeskalation staatlicherseits. Aber ich wiederhole mich!

    Mir ging es um das Gemeinsam ganz verschiedener Aktionsformen und eben auch derjenigen, die glauben ein „schwarzer Block“ zu sein. Denn alle sollten gemeinsam kämpfen. Denn wir alle haben ein Ziel. Nämlich das die Projekte leben!!!

  12. 12 Thomas 17. März 2009 um 23:43 Uhr

    Ich kann LucaPinoRelli nur zustimmen.

    Wenn ich in meinem ersten Kommentar schrieb: „das [gemeint war eine vermeintliche Spaltung] war angesichts des neuen Demo-Konzepts schon zu erwarten“ – will ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich persönlich mit dem Konzept des Schwarzen Blocks noch nie etwas anfangen konnte (es aber nicht ablehne, genausowenig wie Militanz!). Euer Demo-Konzept gefällt mir sehr gut, aber ich sehe eben das Problem, dass das „Schwarze Block-Modell“ so sehr verinnerlicht wurde, dass es da sehr leicht zu Spannungen kommen kann. Da wir aber alle in etwa die selben Ziele haben, sollten wir diese Spannungen überwinden und da ist es gut, dass ihr zur (persönlichen) Diskussion aufruft.

    Ich will doch mal sehr hoffen, dass es weitere Demos nach diesem Konzept gibt, auch wenn unser werter Herr Innensenator gerade mächtig am Poltern ist.

  13. 13 Pinarelli 18. März 2009 um 13:49 Uhr

    Das Problem war vielmehr, daß an der Demospitze (in der S.-D.-Straße) überhaupt nicht klar war, was hinten passiert. Wenn hier die Kommunikation besser gelaufen wäre, wäre die Ansage glaube ich nicht gekommen. Auf der anderen Seite darf eine Demo auch nicht einfach verschwinden und den Lauti ungeschützt lassen. Was ist die Konsequenz daraus? 1. Bessere Kom zwischen einzelnen Teilen der Demo bei Großdemos organisieren. 2. Einen Plan B für ungeplante Aktionsmomente zu haben.

  14. 14 im*moment*vorbei 18. März 2009 um 15:00 Uhr

    mein lieblingszitat von ner autonomen vv:
    „Positiv wurde bewertet, dass die Vorbereitungen von Einzelpersonen getragen wurden und nicht von größeren Gruppen (DIY).“ (hier gehts aber um die demo zum polizeikongress)
    wenn ich sowas lese, muß ich mich nicht wundern, wenn die eine hälfte der demo nicht weiß was die andere macht und der lauti sowieso kein plan hat was gerade geht. im übrigen würde mich mal interessieren welche definition von d.i.y. dem quatsch zu grunde liegt. und damit mich keine_r falsch versteht, ich habe auch ein großes problem mit parteijugendgruppen und ähnlichem, aber zum glück gibts in berlin ja jede menge cooler anderer gruppen – darunter auch ein paar größere…

  15. 15 radikal.demokrat 18. März 2009 um 16:27 Uhr

    erst einmal:
    fand die demo im großen und ganzen echt super gelungen (feuershow, viele transpsi entlang der route, neue parolen, kaum musik…)
    schade fand ich aber, dass es nur einen lauti gab. dadurch war die kommunikation auf der demo kaum vorhanden. von den 5.000 menschen waren maximal 2.000 in hörweite, was besondes bei bullenübergriffen wie sie am samstag der fall waren, nicht gerade optimal ist. viele leute wußten nicht, was vorne los ist und wo es dann nach der abspaltung lang ging. muss auf jeden fall besser werden.

  16. 16 Tante Schnickelschnack 18. März 2009 um 19:09 Uhr

    Was mich an der Krtik des Eingangskommentars fast wütend macht, ist der offenschtliche Unwille zu verstehen, daß es bei dem Demokonzept keineswegs darum geht sich bei der Repräsentanten der bürgerlichen Seite (Polizei, Medien) einzuschleimen, sondern eine funktionale Trennung zwischen Aktion und Demonstration vorzunhemen. Politische Kämpfe werden dann gewonnen, wenn es möglich ist die Kritik (am System) auch außerhalb der eigenen Kreise zu vermitteln. Tatsächlich ist dies kaum überhaupt bisher außerhalb der autonomen Linken in andere linke Spektren gelungen. In diesem Sinne ist das Demokonzept wegweisend gewesen.

    Militante Aktionen u.ä. sind im weiteren Demoumfeld dagegen viel schwerer zu kontrollieren, zu überwachen. Dies ist ein taktischer Vorteil, insbesonder in schwer überschaubaren Großstadtstraßen. Gleichzeitig wird ein offenen Charakter auch für nicht 120% Linksradikaler für die Demo hergestellt.

    Wird dieses Konzept konsequent umgesetzt, wird es den Strategen der Uniformträger einige Kopfschmerzen bereiten.

  17. 17 Machnow 18. März 2009 um 20:57 Uhr

    Ich weiß zwar nicht, welcher Eingangskommentar gemeint ist, aber wenn es um einen Unwillen geht „funktionale Trennung zwischen Aktion und Demonstration“ kritiklos zu akzeptieren, würde ich dies mittragen. Das es nicht um das Anbiedern an staatliche Organe gehen kann, sollte einleuchten. Aber auf Aktion (wobei zu klären wäre, was eine ist und was nicht) zu verzichten, um andere – gemeint sind offensichtlich bürgerliche Spektren – zu erreichen, finde ich problematisch.

    Es sind die sogenannten alternativen Spektren, die als erste antikapitalistische Strukturen übernehmen, sie entpolitisieren und so massenkompatibel machen. Die ‚Alternative‘ – die Kritik – die einmal den ‚Freiraum‘ ausmachte, führt so zur sozialen Ausgrenzung. Das passierte im Friedrichshain, im Prenzlauer Berg und läuft zur Zeit in Nordneukölln.

    An andere lassen sich Inhalte während einer Demo durch ständige Information der Anwohner erreichen. Zum Beispiel durch kurze Ansagen, die immer wiederholt werden, welche explizit an die Anwohner gerichtet sind. Die Ansagen sollten kurz erklären, warum mensch durch die Gegend demonstriert und die Anwohner zum Mitdemonstrieren annimieren. Die Ansagen in verschiedenen Sprachen würde die ‚Außerwirkung‘ ebenfalls mächtig erhöhen.

    Es sind eben nicht die ‚Bügerlichen‘, die (entpolitisierten) (Party) ‚Alternativen‘, die sich engagieren würden. Sondern die Betroffenen, die Marginalisierten.

    Aktionen, wie Pyrogrüße, Transpis, Flyerregen usw. sind nicht militant, werden von der Polizei aber ebenso repressiv verfolgt. Die Aktivist_innen sollen nicht selten festgenommen werden. Soll so etwas dann auch nicht mehr passieren? Und, wenn nur Leute ‚außen‘ unterwegs sind, wer demonstriert dann eigentlich?

    Ich denke, eine Demo ist zuerst für die eigene Szene da. Sie führt zusammen – eben ‚united‘. Im Besten Fall ist die Demo groß, macht Spaß, läuft zügig… Die Außerwirkung entsteht weder in der Presse – die berichtet Scheiße oder gar nicht – noch bei indy. Dort ist es wieder nur die eigene Szene, die reagiert & informiert wird.

    Also, welchen Spektren – außerhalb der eigenen heterogenen – können durch eine Demo erreicht werden? Höchstens die unmittelbaren ‚Zeugen‘… Das ist die Frage. Das hat nix mit Unwillen zu tun, sondern damit, daß dieser Punkt der „notwendigen funktionalen Trennung“ eben nicht einleuchtend ist. Wenn mir jemand diesen Ansatz besser erklären kann, ändere ich meine Meinung gerne.

  18. 18 Tante Schnickelschnack 18. März 2009 um 22:54 Uhr

    @Machnow:
    zunächst einmal halte ich die Unterteilung in Bürgeliche, Maginalisierte und Autonome, und somit in Politisierte und Unpolisierte für äußerst verkürzt. Ich halte zum Teil viele Stillinksradikale für nicht sonderlich politisch, auch wenn sie so auftreten; damit meine ich Menschen, die mit ihrer politischen Haltung Identitätspolitik und Selbstdefinition betreiben. Genauso gibt es viele Maginalisierte – die Mehrheit – die schwierig zu politisieren ist. Genauso gibt es nicht wenige kritische bürgerliche Jornalisten etc., die durchaus anders denken, wenn auch nicht unbedingt beim Tagesspiegel etc. ;-)

    Desweiteren gibt es viele Bevölerungsteile, Arbeiter, Angestellte, Künstler und andere, die nicht in dieses Schema passen. Daher bedarf es einer tieferen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen. Es bedarf der Gewinnung und Überzeugung einer kritischen Öffentlichkeit; Flugblätter und Ansagen sind nur ein Weg. Leider aber ist dieser keineswegs ausreichend. Das Problem liegt darin, daß die linke Szene häufig nicht in der Lage ist, ihre politischen Inhalte auch in eine Form zu bringen, die nicht von vornhin von ihrem Szenekodex durchdrungen ist. Das bedarf einer Reflexion der eigenen Mittel und des eigenen Auftretens.

    Wenn man die Mehrheitsgesellschaft von vornerein in Bürgerliche und Maginaliserte unterteilt, unterschlägt man, daß aus objektiven Verhältnissen nicht automatisch ein politisches Subjekt entsteht. Das heißt, nicht Maginalisierte können gesellschafttskritisch agieren und umgekehrt. Auch die Alternativszene ist nicht von vornerein unpolitisch. Gerade die Technoszene hat sich in Teilen aus einem Bewußtsein permanenter Verdrängung politiert (z.B. die Fuckparade). Wenn man eine solche Politisierung erreichen will, sollte man auch niedrigschwllige Angebote machen.

    Die „funktionale Trennung“ hat ja lediglich die Intention, den Widerspruch gesellschaftlicher Offenheit und Radikaltät zu verbinden, ist also eine taktische Erwägung, und hat in diesem Sinne mit Distanzierung nichts zu tun. Sicher vermeidet man Repression damit nicht, sie läßt sich in der Öffentlichkeit aber leichter angreifen. Hier geht dann darum mit rhetorischen Geschick Politik und Medien unter Druck zu setzen.

    Auf der anderen Seite glaube ich nicht, daß Demonstrationen reine Szeneangelegenheiten sein sollten, dann maginalisiert man sich von selbst. Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, daß die Demonstration eine reine Angelegenheit der autonomen Linken war. Es gibt daneben eine akademische, eine gewerkschaftliche, etc… Linke; die Kommunikation mit diesen auch über das symbolische eigene Auftreten, ebenso wie die politischen Inhalte spielen hier eine Rolle. Ich wünsche mir einfach, daß die politischen Inhalte ihr Szeneghetto verlassen. Die Positionen sind stärker als sie aktuell Leute mobilisieren.

    Ich habe nicht gegen Militanz, allerdings sollte auch über die Ziele diskutiert werden. Ich bezweifle, daß ein paar brennende Autos plus Stinkbomben, den kapitalistischen Verwertungsprozess aufhalten, auch wenn die Störung des Investitionsklimas sicher nicht falsch ist.

  19. 19 Machnow 18. März 2009 um 23:48 Uhr

    Die Abgrenzungen der ‚politischen Subjekte‘ ist in der Tat recht schwierig & führt nur in die Irre. Da gebe ich Dir Recht. Allerdings ist die (eigene) autonome Szene ebenfalls recht heterogen. Es gibt die verschiedensten Aktionsformen, die sich zum Teil diametral gegenüber stehen, die jeweils immer wieder neu diskutiert werden müßen, aber gerade diese Breite – in der Gesellschaft und auch in der autonomen Szene – ist es, die zum Erfolg führen kann.

    Natürlich sollten neue Konzepte ausprobiert werden. Natürlich funktioniert es heute nicht mehr, übrigens schon seit den 90igern, daß ein militanter ‚Schwarzer Block‘ marodierend durch die Stadt zieht & aggressiv dem Kapitalismus seine Abscheu & seinen Hass entgegen spiegelt. Ich denke, daß es einen solchen schwarzen Block schon lange nicht mehr gibt & auch nicht mehr geben wird. Vorkontrollen, permanente Polizeipräsenz, permanentes Abfilmen sowie fehlende Entschloßenheit (ich würde es eher das verständliche Fehlen von Märtyrerwillen nennen) sorgen für relativ friedliche Demoabläufe.

    Deshalb halte ich es aber für fatal Aktionen zu verwerfen, die eigentlich erwünscht, aber zur Zeit eher unerwartet kommen.

    Zur Presse. Ich sehe keine ernstzunehmende Presse, die sich auf die Seite der Autonomen / Projekte stellt. Der TAGESSPEIGEL phantasiert. Sobald es Pyros gibt heult die TAZ. Die BERLINER meint besonders objektiv zu sein und holt dann doch die Sachzwänge heraus… Aus der Richtung wird erst positives kommen, wenn aus den autonome Demos eine LOVE PARADE geworden ist.

    Die anderen sogenannten linken Gruppen haben sich schon lange mit den sogenannten Autonomen verkracht. Die lehnen ihnen zu sehr den Kapitalismus ab. Außerdem lassen sie sich schlecht vereinnahmen. Die Gewerkschaft agiert heute in vielen Beeichen selbst wie ein Großunternehmen. Die LINKE hat in Friedrichshain / Kreuzberg für die ‚Aufwertung‘ des Kiez gestimmt. Die GRÜNEN meine zwar viel für die außerparalamentarischen zu tun, wehr sich aber – auch wegen fehlender Handlungsräume – wenig gegen den Senat.

    Ich denke Störung der Wahrnehmungsmuster ist ein Anfang. Dazu gehört auch den ’schwarzen Block‘ – den es ja eigentlich gar nicht mehr gibt – abträglich zu machen & die Demo, so wie es versucht wurde, mit Aktivitäten der Projekte, mit Performances am Rand, ins fließen zu bringen, also wieder ein wenig mehr Dynamik zu injezieren. Dazu gehört für mich aber auch, wenn sich die Möglichkeit ergibt, die Route zu ändern, im fließenden Verkehr zu feiern. Laut. Mit vielen Megaphonen, mit haufenweise Flyer usw…

    Bündnisse nach ‚Außen‘ – wenn es das überhaupt gibt – sind das eine, meinetwegen sollen sie gesucht werden, aber ohne nach ‚innen‘ – so heterogen das eben auch ist – sollten nicht vernachlässigt werden. und vor allem sollten die unmittelbaren Augenzeugen informiert werden. Alles andere läßt sich schlecht kalkulieren…

  20. 20 squatbrot loves YOU 19. März 2009 um 17:14 Uhr

    das demokonzept konnte meinerseits nur befürwortet werden,
    ob es nun gelungen gilt oder nicht es bezieht sich jedenfalls der grundidee einer demo!
    ich empfand es als gelungen und schön und würde mich freuen wenn an diesem festgehalten wird(umsetzung wird wohl situationsabhängig sein)
    und wenn alle aufgetaut sind wirds auch lauter das nächste mal!

    WIR BLEIBEN ALLE!!!

  21. 21 eine_r von united we stay 19. März 2009 um 19:22 Uhr

    Da hier grade alle so spannend am Stragegie-Diskutieren sind, würd ich gerne mal ne in die Zukungt gerichtete Frage in den Raum werfen:

    Nach der Demo ist vor den Action Weeks. Die finden vom 6.-21 Juni 2009 statt und setzen, wie die Action Days 08, haupstächlich auf dezentrale Aktionen. Das Konzept wird ein wenig durch den offenen Aufruf zur Massenbesetzung des Flughafen Tempelhofs aufgeweicht. Ein wichtiger Kritikpunkt der Action Days 08 war, dass es für von außerhalb Kommende sehr schwer war, Anknüpfungspunkte zu finden und die Aufforderung, in einer fremden Stadt (und ggf. in einem fremden Land) eigenständig Aktionen zu planen, wahnsinnig anspruchsvoll ist. Ideen, dem entgegenzuwirken, sind vermehrt workshops und mehr Zeit als beim letzten Mal, um auch kurzfristiger noch was planen zu können, und eben die Frage, ob es eine Auftaktdemostration als niedrigschwelliges Einstiegsangebot geben soll. Und welchen Charakter diese Demonstration haben soll. Für die Entscheidung sollte die United We Stay Demo abgewartet werden, um aus der Erfahrung vielleicht eine bessere Einschätzung zu kriegen, ob z.B. eine offene, bunte Demo hier Sinn macht, oder doch eher das klassische, in der Defensive stärkere Modell. Die Frage wird auch auf der nächsten WBA-VV diskutiert werden, viele Menschen, mit denen ich bis jetzt über das Thema gesprochen habe, sind ein wenig ratlos. Würde mich über ein paar Einschätzungen und Ideen freuen.

  22. 22 Roland Ionas Bialke 20. März 2009 um 0:03 Uhr

    Find ich gut, dass sich die VeranstalterInnen nicht vom Konzept „Black Block“ distanziert haben! Für die nächste Demonstration sollten sie sich aber von den schwarzgekleideten Leuten mit Sonnenbrillen distanzieren.

    Jetzt nicht falsch verstehen!! „Black Block“ ist doch nicht „schwarz gekleidet sein“, „Handschuhe tragen“, und armeingehakt rumzulaufen. Schon mal aufgefallen, dass wenn Du rechts und links einen Arm umklammerst, dass kein Arm Deinen Kopf schützen kann?

    „Black Block“ heisst nämlich ZUSÄTZLICH „Helme tragen“, „Seile mitbringen“, usw.!!

    Ein „Black Block“ existierte in diesem Jahrtausend (2000 bis 2009) noch nicht! Was dieses Rumrennen in schwarzer Kleidung auf Demonstrationen ist, ist mir schleierhaft.

    Wie wäre es also einen gemeinen Black Block zu organisieren. Ist jetzt ganz klar polemisch, denn das wäre verboten. Wie Wir gesehen haben, hätten aber eine Menge Leute Bock darauf. „Vielleicht“ könnte auch mal das originale Black-Block-Konzept auf Demonstrationen kommuniziert werden. Vielleicht bringen dann einige von sich aus Seile mit bzw. Wissen dann damit was anzufangen, falls mal sowas rumliegen sollte.

    Negativ-kritisch fand ich wie Ihr Euren riesigen BUNTEN Queer-Block an der Demospitze hochgejubelt habt. Tschuldigung, ich weiss – es ist jetzt nicht konstruktive Kritik. Aber ich habe nur eine Reihe vorne gesehen, die leicht „trashig bunt“ aussah.

    Vielleicht sprechen manche Leute auf der VV auch nicht, weil das ihre sprachlichen/nervlichen Fähigkeiten übersteigt. Da ist es dann natürlich sehr leicht zu sagen: „Kritik bitte nur auf der VV!“ Gut wären daher Workshops, auf denen die sprachliche und „nervliche“ Fähigkeit erweitert/verbessert werden kann und dass auch verschriftlichte Kritik in der VV kommuniziert wird, und auch durch eine AG im entsprechenden Medium kommuniziert werden kann. Doch da stellt die Zeit Uns eine Falle: Vieles ist oft nicht mehr heiss, wenn es auf der VV (oder durch eine AG) abgearbeitet werden kann.

    Ich hoffe, dass kam jetzt nicht unsolidarisch rüber! Ihr seid grösstenteils voll toll und ich hab durch Euch ziemlich viel dazugelernt.

  23. 23 yes we can 20. März 2009 um 2:21 Uhr

    jo, nochmal zurück zur Diskussion um das Demokonzept.
    Aus meiner Sicht geht es hier um eine Gradwanderung. Natürlich will niemand sich irgendwie an die Strategien der Bullen anpassen, das fühlt sich schleimig an und tendiert zum Reformismus. Aber anderer seits sehe ich das eher prakmatisch: Diese Demo hätte aus zwei Teilen bestehen können. Dem von unmittelbarer Repression umgebenen aber schlechter angreifgbaren (weil einigermaßen friedlichen) Demozug. Und den massenhaften zeitnahen Aktionen überall in der Stadt, die weniger direkt von Repression betroffen und deswegen einfach erfolgreicher wären und die sich auf die Inhalte und Forderungen des Demozuges hätten beziehen können.
    Ein strategischer Versuch für mehr Aktionsraum auf Demos. Denn es ist schon klar, dass es in Griechenland anders abgeht und dass früher alles besser war. Ich war aber noch nie in Griechenland und bin auch noch nich so alt und hab einfach kein bock auf black block Posertum mit holen Drohungen in lahmen Parolen und ohne die Kraft, die Bullenkette zu zerschlagen.
    Vielleicht sind ja deswegen so viele auf der Demo gewesen: weil sie hofften, dass mal irgendwie was anders wird.

  24. 24 LucaPinoRelli 20. März 2009 um 7:28 Uhr

    Der ‚Black Bloc‘ ist schon längst am Ende. Seine Ästhetisierung von (männlicher) Gewalt ist problematisch. Eine schwarze Uniformierung hat heute aber auch andere Gründe. Aggression und ausgestellte Militanz sind dabei zum Teil sekundär. Auf der anderen Seite kann dieses Konzept für die Demo durch die Fokusierung der Sicherheitskräfte Freiräume ermöglichen, nämlich auch dadurch, daß ’ne Kette weg ist (wie kann sdoch egal sein, oder?) . . .

    Die schon beschriebene Heterogenität in den Aktionsformen, aber eben auch auf der Demo, nicht nur außen rum, aber die gleichzeitige (abgesprochene) Solidarität untereinander, bringt mächtig Unruhe in den öffentlichen Raum. Da braucht es gar keine Macker_innen, Machos usw.

    Aber ich denke, genaueres läßt sich auf einer VV diskutieren. Also…

    27. März – 19:30 Uhr – New Yorck / Bethanien

  25. 25 Roland Ionas Bialke 20. März 2009 um 9:43 Uhr

    Hier klang ja schon an, dass die Polizei sich „merkwürdig“ verhalten hatte. Nun wissen Wir aber nicht, ob das mit dem Versuch der VeranstalterInnen zusammenhängt das Konzept der Demonstration zu ändern, oder ob das andere Gründe hat.

    Aber vielfaltige Aktionen („Black Blöckchen“, Out of Control, smashende Kleingruppen, Feuerwerk von Dächern, bunte Menschen) gab es auch auf vergangene Demonstrationen. An der Vielfaltigkeit lag es eher nicht. Das ist Spekulation, klar…

    In meinen Augen hat „Out of Control“, damals in Hamburg, am besten funktioniert. Das hatte aber teilweise zur Folge, dass die Polizei ihre Wanderkessel enger geschnürt hat – wie beispielsweise am 14. Februar 2009 in Dresden – und kaum wer nach dem Start rein oder raus kam.

    Ich finde spannend was bei den nächsten Demonstrationen von Seiten der Polizei geschehen wird. Morgen findet ja eine andere, hoffentliche grosse, Demonstration statt. Mal sehen…

  26. 26 Tante Schnickelschnack 20. März 2009 um 21:03 Uhr

    Leider wird Militanz (und somit Black-Block) hier und generell viel zu sehr Pro- und Contra dikutiert. Auf der einen Seite (Contra) auf der bürgelichen Seite. Und auf der anderen Seite (Pro) von den Befürwortern von BlackBlock etc.
    Was dabei ein wenig aus dem Blickfeld gelangt, ist die taktische Frage, denn es ist eine von Mittel zum Zweck. Letzlich stellen sich die Fragen: Wo? Wann? Gegen wen (politisch)? Gegen was (Aktion)?

    Daher richtet sie sich zunächst gegen ein Symbol, das den politischen Widerspruch symbolisiert. Sie hat einen symbolpolitischen Anspruch (den Sachschaden bezahlt eh die Versicherung) und eine Aussage der Radikalität: Unser politischer Widerspruch zu den herrschenden Verhältnis muß mit dieser Konsequenz ausgedrückt werden.

    Alles darüber hinasu gehende sollte man sich für wirklich revolutionäre Situationen sparen (wenn die Kräfteverhältnisse es eben hergeben).

    Anhand der Kräfteverhältnisse sollte man eine offene Konfrontation gegen zusammengezogene Kräfte (und dies ist der Fall bei einer Demo), nur wagen, wenn es die Situation zuläßt und die Demo nicht gefährdet, und ansonsten die Kräfte, die man hat, besser geschickt verlagern (eben ein paar Straßen weiter).

    Ehrlich gesagt ist dieses ganze (Macker-)Schwarzer Block- Gehabe eine völlige Fehleinschätzung der Kräfteverhältnisse. Eine solches Geschenk gibts nicht zweimal. Autonome Weihnacht ist halt nur am 14. März ;-)

  27. 27 Tante Schnickelschnack 20. März 2009 um 21:06 Uhr

    Post Scriptum: BB ist auch ein Eingangstor für Agent Provocateur (siehe Gate II und wohlmöglich auch Rostock).

    Man sollte nicht vergessen das Eskalation manchmal auch im Sinne der Staatsgewalt ist.

  28. 28 Tante Schnickelschnack 20. März 2009 um 21:19 Uhr

    P.P.S.

    wäre mal ganz nett wenn die Blogger den Wolfgang oben rechts ein bißchen enster nehmen und ein s hinter dem http plazieren ;-)

  29. 29 Roland Ionas Bialke 21. März 2009 um 12:12 Uhr

    @ Tante Schnickelschnack

    Was Du vergisst ist, dass „Demonstration“ ein eben solches „Mittel“ ist. Wie Du ja schon richtig geschrieben hast, wenn die Polizei mehr Kräfte zusammengezogen hat als Wir, dann ist es sinnarm manche Mittel anzuwenden. Du schriebst „Black Block“ und ich erinnere an die Demonstrationen im Wanderkessel.

    Wozu ist denn das Mittel Demonstration da? Da gibt es bestimmt unterschiedliche Auffassungen. Ich möchte meinen Augenmerk aber darauf richten, was das Mittel Demonstration bewirkt. Ich habe schon an Demonstrationen teilgenommen die hatten mehrere 10000 TeilnehmerInnen. Und diese Demonstrationen hatten ein paar kurze Nachrichtenbeiträge zur Folge. EntscheidungsträgerInnen liessen sich dadurch nicht beeinflussen. Und die Gesamtbevölkerung?? Zu einen Spiel von Hertha BSC Berlin gehen mehr Leute als zu den meisten solcher Demonstrationen. Es hat überhaupt keine Auswirkungen auf die Bevölkerung, es lässt sich in der Bevölkerung nichts bewegen.

    Doch wie schon oben erwähnt – Ich habe nichts konstruktives beizutragen! Im Moment kann ich nur negativ kritisieren…

  30. 30 LucaPinoRelli 21. März 2009 um 16:05 Uhr

    . . . Was dabei ein wenig aus dem Blickfeld gelangt, ist die taktische Frage, denn es ist eine von Mittel zum Zweck.

    Genau, das sehen ich auch so. Aber, weil es eben nur iene Taktik / Strategeie ist, brauch mensch sich auch nicht davon zu distanzieren oder sie abzulehnen. taktiken ändern sich. eine demo, wenn sie geöffnet wird, sollte meienr ansicht nach viele taktiken zu lassen. natülich ohne das sie sich stören.

    taktiken / strategien entwickeln sich. der ‚black bloc‘ ist zumindest für berlin unrealistisch, was allerdings nicht heißt, daß es militante momente in einer demo geben kann. dazu zähle ich. auf der andere nseite sollte eine routenänderung permanent in betracht gezogen werden. vor allem muß aber der lauti wissen, was um ’seine‘ demo läuft um in brenzligen situationen zu informieren & handlungsräume zu erläutern oder zu sammeln…

    aber, ich denke, wir sind gar nicht soweit voneinander entfernt. .. das wir schon.

  31. 31 aka 21. März 2009 um 16:14 Uhr

    den wolfgang woll‘n wa‘ nich! das andere mit dem ’s‘ zur sicherheit hängt (leider) an blogsport. aber recht haste, tante schnickelschnack.

  32. 32 eine_r von united we stay 21. März 2009 um 16:21 Uhr

    „Eine solches Geschenk gibts nicht zweimal. Autonome Weihnacht ist halt nur am 14. März ;-)

    schön ausgedrückt. So sehr wir gerne glauben wollen, dass wir grade das Rezept gefunden haben, wie wir mal wieder in die Offensive kommen, ist die Wahrheit wahrscheinlich, dass wir alle am 14. ganz schön viel Glück gehabt haben und sich dass Ganze genau so wahrscheinlich nicht wiederholen läßt.

    Was meiner Meinung dazu beigetragen hat, dass es passieren konnte, war, das wir mal was anderes probiert haben. Dabei haben wir uns gewaltig verschätzt, die meisten von uns haben nicht zu hoffen gewagt, dass es wirklich so viele Leute werden, obwohl wir die annähernd richtige Zahl von Teilnehmern angemeldet haben (4545). Die Bullen habens uns wohl auch nicht wirklich geglaubt, sonst hätten sie mehr als 900 Bullen aufgestellt. Wir waren überfordert, die Bullen waren überfordert, das eine oder andere Ego war wohl auch überfordert, und aus der allgemeinen Überforderung waren die Karten auf einmal neu gemischt. Die Bullen haben an der Revaler Str. nen brachialen Fehler gemacht, da hätte eigentlich ne Kette stehen sollen, die ist aber zu spät gekommen, und dann, wenn die grade so schlecht aufgestellt sind, mit einer Wanne voll Bullen zu provozieren war halt extrem dämlich und eine Überschätzung der Kräfteverhältnisse, wie sie sonst nur von uns kommt.

    Festhalten können wir meiner Meinung nach, dass allgemeine Überforderung für uns besser ist als für die Bullen, dezentral organisierte Massen können mit Chaos halt besser als hierarchische Organisationen. Ich glaub auch immer noch, dass unser ursprüngliches Konzept gut war und, konequenter umgesetzt, durchaus nochmal nen Versuch wert ist. Am Samstag hats halt nicht so richtig funktioniert. Sonst sollten wir einfach versuchen, in Bewegung zu bleiben, öfter mal was Neues zu machen und den Bullen keine Zeit lassen, Gegenstrategien zu entwickeln.
    Für mehr Unberechenbarkeit und unkontrollierbare Bewegung!

  33. 33 Tante Schnickelschnacko 21. März 2009 um 17:39 Uhr
  34. 34 Machnow 22. März 2009 um 1:03 Uhr

    die telepolis artikel sind echt krass. ganz besonders heftig find eich den artikel „Quantensprünge“ europäischer Sicherheitszusammenarbeit

    ich war zwar oft mit den ganzen abkürzungen der organisationen & strukturen überfordert, abe die tendenz ist ersckreckend. vo allem, wie weit die vernetzung der europäischen überwachungsorgane schon fortgeschritten ist.

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