RWE versucht Atom-Kritikern einen Maulkorb anzulegen


RWE will Satire verbieten

Der Urheberschutz ist sicherlich eine ganz gute Sache um geistiges Eigentum vor ungewollter Verwendung oder Raubkopie zu schützen. Es steht ja jedem Autor ebensogut frei sein Werk z.B. unter einer Copyleft-Lizenz zu veröffentlichen. Gerade im Bereich der Neuen Medien wird der Urheberschutz aber immer öfter dazu verwendet Kritiker unter Androhung hoher Geldstrafen mundtot zu machen – auch unser Blog war von einer solchen pseudogesetzlichen Machenschaft schon betroffen.

Ein wesentlich bedeutsamerer Fall – auch wenn es nicht um Urheberschutz ging – hat sich neulich zwischen dem Blog netzpolitik.org und der Deutschen Bahn ereignet. Der Großkonzern hat aufgrund des großen Medienechos und der Verstrickung in zahlreiche Skandale allerdings schnell die Segel gestrichen.

Die Umweltschutzorganisation Urgewald ist nun ebenso in dubiose juristische Fänge hineingeraten, kann sich aber zum Vorteil ihrer Glaubhaftigkeit und Öffentlichkeitswirkung nicht durch (berechtigte) Annonymität absichern. Urgewald und .ausgestrahlt haben eine irreführende Werbung mit der 80er-Jahre Pop-Band „Trio“ des Energiekonzerns RWE auf Plakaten und Proschüren zitiert und satirisch verfremdet, woraufhin die RWE-Agentur „Jung von Matt“, vertreten durch einen Mann mit dem bezeichnenden Namen „C. Unsinn“, die Rechte an dem Bildmotiv geltend macht.

Es handelt sich bei dem Schreiben zwar nicht um eine anwaltliche Abmahnung aus der Kosten resultieren, doch bei einem Zuwiderhandeln gegen die Forderug der Unterlassung wird mit einem gerichtlichen Verfahren gedroht, dass empfindliche Kosten nach sich zöge. Aber auch diese Darstellung ist nicht richtig: Die Plakate und Broschüren sind längst gedruckt – diese jetzt einzustampfen würde sinnlos herausgeworfenes Geld bedeuten, obwohl das Anliegen richtig und wichtig ist. Urgewald hat einen Anwalt eingeschaltet und die Agentur zum Zurückziehen der Unterlassungserklärung ausgefordert.

Das Stromangebot von RWE trägt den Namen „ProKlima-Strom“ , obwohl der Konzern Atom- und Kohlekraftwerke betreibt. Außerdem ist der Konzern an dem umstrittenen Atomkraftwerk Belene in Bulgarien beteiligt. Atomenergie ist nicht nur gefährlich und langfristig teuer, das planmäßig 2013 bis 2014 in Betrieb gehende AKW liegt außerdem in einer von Erdbeben gefährdeten Region. Lässt man sich also von RWE mit Strom beliefern, wechselt man garantiert nicht „zur Sicherheit“.

Im Newsletter vom 3. April bittet die Anti-Atom-Initiative .gestrahlt darum, die Satire im Internet weiter bekannt zu machen. Sie hoffen dabei auf den sogenannten Streisand-Effekt, demzufolge der Versuch eine Information zu unterdrücken zu einer weiteren Verbreitung der Information und zu größerer Aufmerksamkeit führt. Diesen Effekt gibt es sicherlich nicht erst seit der Existenz der Blogosphäre, aber die Vielzahl der Blogs können solch ein Ereignis so populär machen, dass schlussendlich auch die Massenmedien aufmerksam werden. Daraus kann sicher wiederrum eine (auch finanzille) Unterstützung des David ergeben.

Ganz klar will der RWE-Konzern einem nicht unbedeutenden Kritiker einen Maulkorb anlegen. Das verstößt nicht zuletzt nach gesundem Menschenverstand gegen die Meinungs- und Kunstfreiheit! Die Vorgehensweise von RWE ist auch in diesem Fall konsequent anzulehnen!

Update (04.04.2009):

Das Thema wurde von der taz und von telepolis aufgegriffen. Indymedia fehlt natürlich nicht.

Auch in der Blogosphäre gab es Reaktionen, z.B. bei der zeitrafferin, bei mein-parteibuch.com, beim SaarBreaker und bei micha-schmidt.net.

Auch im Horizont (für Marketing, Werbung und Medien) wird der Fall aufgegriffen. In der Meldung wird noch neutral berichtet, in den Kommentaren wird aber deutlich die Meinung geäußert, dass das Verhalten der Agentur unverständlich und gar peinlich ist.


1 Antwort auf „RWE versucht Atom-Kritikern einen Maulkorb anzulegen“


  1. 1 Felix 07. April 2009 um 14:02 Uhr

    Ich denke auch, dass hier jeder das Recht hat sich seine eigene Meinung zu bilden und das Verhalten von RWE schon eher als lächerlich zu betrachten ist. Wenn RWE anderer Meinung ist, dann sollten sie mit anderen Aktionen Punkten, um ihren Standpunkt klar zu machen, aber doch nicht mit so etwas.

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