Über Sinn und Unsinn von Twitter

SucheMit Twitter hat das Internet mal wieder einen Hype mehr – allerdings einen, der im Moment auch tatsächlich viel genutzt wird, auch von den konventionellen Medien. Das Prinzip ist einfach: Man wird bei verschiedenen Personen, z.B. bei Blogschreibern, die auf ihre Texte hinweisen, Abonnent und bekommt dann alle Nachrichten dieser Personen zugeschickt.

Eine Nachricht hat 140 Zeichen, also so viel wie eine SMS. Abonnieren kann man mittels RSS-Feed und bekommt dann die Nachrichten in Form von E-Mails oder man ließt die abonnierten Nachrichten auf der Twitter-Seite selbst. Zum konfortableren Lesen gibt es eine Unmenge an weiteren Werkzeugen. In den USA, in Kanada und in Indien kann man die Nachrichten auch direkt aufs Handy bekommen (Oh Gott!), in Deutschland ist dieser „Service“ nicht kostenlos. Auf die empfangenen Nachrichten kann man auch antworten, so dass sich eine Diskussion ergeben kann. Eine kleine, übersichtliche Einführung habe ich bei Gedankensolo gefunden.

Die Frage ist: brauch man das? Selbstverständlich nicht, aber Twitter scheint die Möglichkeit zu bieten den eigenen Blog „populärer“ zu machen, indem man die eigenen Texte verlinkt und mit kurzen Nachrichten auf wichtige Ereignisse (z.B. die Räumung eines Wohnprojekts, Spontandemo…) hinweist. Hat man genug Abonnenten, so ist es wahrscheinlich, dass die Nachricht in Windeseile verbreitet wird. In den USA wurden beispielsweise schon Proteste mittels Twitter organisiert. Da man Twitter auch per SMS füttern kann wäre auch eine Live-Berichterstattung, z.B. von einer Demo, denkbar.

Beim Blog Hingesehen habe ich eine kritische Analyse von Twitter gefunden. Dort wird der Mikro-Blogging-Dienst als eine sinnvolle Ergänzung zum Bloggen eingeschätzt. In einem anderen Blog, dessen Name sich mir nicht erschlossen hat, habe ich dagegen den Hinweis auf eine große Schwäche von Twitter gefunden: Die meisten Twitter-Nutzer lesen gar nicht mehr, sie schreiben nur noch. Es hat sich längst eine riesige Informationsblase gebildet, die völlig wertlos ist. Es geht nur noch darum so viele Abonnenten wie möglich zu haben. Also ist der ganze Hype doch nur ein Auswuchs der Informationsflut?

Wahrscheinlich kommt es auf das eigene Verhalten an. Wer nur viele Nachrichten über den Äther jagt, der wird nicht zwangsläufig mehr gelesen. Vielmehr muss man sich darum bemühen ein kleines Netzwerk aufzubauen, aus dem heraus man mit kritischen Neuigkeiten und Hinweisen auf lesenswerte Texte versorgt wird. Das kann dann auch den Inhalt des eigenen Blogs bereichern.

Das sicher größte Problem bei Twitter ist der Datenschutz. Wie im Wikipedia-Eintrag über das Netzwerk zu lesen ist, wird bisher kein Geld eingenommen, aber der Dienst behält sich das Recht vor die gesammelten Daten der Nutzer – welche auch immer das sind – an einen möglichen Käufer des Dienstes zu veräußern. Das ist besonders heikel, weil doch schon Google und Facebook angeklopft haben. Wenn man sich bei Twitter anmeldet, muss man aber noch nicht mal eine korrekte Mailadresse angeben. Vermutlich wird also nur die IP gespeichert – aber da gibts ja Abhilfen.

Wer Twitter intensiver (oder professioneller) nutzen möchte, der findet bei Webworkblogger eine ausführliche Anleitung. Das der Dienst sehr beliebt ist zeigt sich daran das es schon eine Unmenge an Tools dafür gibt.

Ach ja, hier bin ich zu finden: twitter.com/aka_blogsport


6 Antworten auf „Über Sinn und Unsinn von Twitter“


  1. 1 adrian lang 17. April 2009 um 9:01 Uhr

    Guckt euch mal lieber http://identi.ca an. Das läuft mit freier Software, kann ganz allgemein mehr und – wesentlicher Unterschied zu Twitter – unterstützt die Verknüfung verschiedener Mikroblogging-Dienste. Bsw. gibt es http://mikro.mensch.coop/ und http://bleeper.de, die sich mit identi.ca unterhalten können.

  2. 2 Thomas 17. April 2009 um 13:02 Uhr

    Danke für die Tipps! Der zweite Dienst scheint mir sehr interessant zu sein, weil er direkt soziale Bewegungen anspricht. Das meiste wird da im Moment von Indymedia geposted. Aber auch bei beeper scheint es eine paar Leute zu geben die an „Politik“ interessiert sind.

  3. 3 adrian lang 17. April 2009 um 13:44 Uhr

    Der Vorteil dieser Dienste ist, dass ich als identica-Nutzer Benutzer auf den anderen abonnieren kann. Ich könnte auch einen eigenen Server aufsetzen und von dort aus Benutzern auf identica, oder mensch.coop folgen. Achja, und identica hat eine Twitter-Bridge, die Nachrichten automatisch an Twitter sendet. Auf identica sind auch einige interessante Nutzer wie bsw. http://identi.ca/fels und viele von der Piratenpartei.

  4. 4 blackone 11. August 2009 um 14:15 Uhr

    Auf der 1.Mai-Antifa-Demo 2008 in Hamburg gabs vom FSK schonmal einen Live-Ticker per Twitter, den man sich aufs Handy bestellen konnte. Das war eine äußerst(!) praktische Sache, gerade bei einem so großen und unübersichtlichen Ereignis. Das aufs-Handy-schicken ist aber leider nicht mehr kostenlos, soweit ich weiß.

  1. 1 Twitter & Co. « meta.blogsport Pingback am 17. April 2009 um 13:54 Uhr
  2. 2 Twitschern, nerven und ganz viel mehr « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 10. August 2009 um 22:32 Uhr
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