Gelesen (7): Dshamilja

Tschingis Aitmatow: Dshamilja - UnionsverlagDer Gegensatz zum gestern vorgestellten Buch Also sprach Golem könnte kaum größer sein. Nicht nur weil es sich bei Dshamilja von Tschingis Aitmatow um eine Liebesgeschichte handelt. Laut Louis Aragon soll es ja auch noch die schönste der Welt sein. Die Erzählung ist auch nicht am MIT angesiedelt, sondern irgendwo in der unendlichen Steppe zwischen China und Tadschikistan, wo man keine höhere Technik kennt als das Pferdegespann, mit dem die Heuernte eingebracht wird.

Die Geschichte handelt von der Heuernte, der Steppe, vom großen Krieg in der Ferne, Pferdeherden, Schafen, Ziegen, dem Fluß Kurkureu, dem kleinen Dorf und: der verbotenen Liebe zwischen Danijar und Dshamilja. Louis Aragon, der diese Geschichte 1959 entdeckt und weltbekannt gemacht hat, behält recht wenn er sagt, dass es sich um „eine Liebesgeschichte ohne ein einziges überflüssiges Wort“ handelt, die zumindest für ein paar Momente den Glauben an die Liebe zurückgibt. Mehr und weniger muss man zu diesem Buch nicht sagen.

Der Kirgise Tschingis Aitmatow wurde noch in eine nomadisch lebende Familie hineingeboren, die aber zur Zeit Stalins zur Sesshaftigkeit gezwungen wurde. Nach dem Studium der Veterinärmedizin begann er 1956 ein Studium am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau. Dshamilja war dort seine Abschlussarbeit und wurde später in der DDR zur Pflichtlektüre. Hannes Wader wurde durch die Erzählung zu seinem Lied „Am Fluss“ inspiriert. Zuletzt war Aitmatow kirgisischer Botschafter in Frankreich und den Benelux-Staaten – 2008 ist er verstorben.

In seinem späteren Werk hat Aitmatow die Zerstörung der Natur durch die Ignoranz und die Technikgläubigkeit des Menschen kritisiert. Er hat ein universales Gesetz formuliert: „Das Niveau der geistigen und sittlichen Entwicklung der menschlichen Gemeinschaft sollte stets ein wenig höher sein als das Niveau des wissenschaftlich-technischen Fortschritts.“