Bildungsstreik auch an der Uni Potsdam!

Bildungsstreik PotsdamAuf der Vollversammlung am 29.04.2009 haben sich 541 der 555 anwesenden Studierenden der Universität Potsdam nahezu einstimmig dafür entschieden an dem bundesweiten Bildungsstreik vom 15. bis 19. Juni teilzunehmen. Zwar hat die Vollversammlung nicht das notwendige Quorum erreicht, das Abstimmungsergebnis kann aber durch die Zustimmung des Studierendenparlaments bestätigt werden, so die Pressemitteilung des Allgemeinen Studierendenauschusses.

Als die erste richtige studentische Vollversammlung seit 2004 gegen 13.20 Uhr losging war der Audimax brechend voll – mit so einer großen Resonanz hatte niemand gerechnet. Leider hat auch dieser große Saal nicht genug Fassungsvermögen für eine beschlussfähige Vollversammlung, da die Potsdamer Universität mit seinen ca. 25.000 Studenten langsam mit den großen Berliner Universitäten konkurrieren kann, ohne aber entsprechend viele Räume oder Lehrpersonal zu haben.

In der etwa dreistündigen Vollversammlung wurden zahlreiche weitere Missstände an der Universität angesprochen. Als erstes geriet das brandenburgische Hochschulgesetz in die Kritik, weil es Masterzulassungsschranken, Exmatrikulationsanweisungen und eine potentielle Entdemokratisierung der Universität vorsieht. In weiteren Redebeiträgen wurde auf die prekäre Lage arbeitender Studenten hingewiesen, sowie die Abschaffung des Studiengangs Kunst und des Zusatzstudiums Deutsch als Fremdsprache kritisiert. Der AStA-Referent für Studienbedingungen, Sebastian Schultz, forderte die Leitung der Universität Potsdam auf, Verantwortung für die Studierenden und für die Gesellschaft als Ganzes zu übernehmen. Abschießend wurde der Forderungskatalog des Streikbündnisses präsentiert, welcher folgende vier Hauptforderungen enthält:

    - die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen
    - mehr Selbstbestimmung für Lernende
    - die Demokratisierung des Bildungssystems
    - kostenfreie und gleiche Bildungschancen für alle ohne Selektion und Konkurrenzdruck

Eine halbe Stunde lang wurde der Forderungskatalog angeregt diskutiert. Zunächst wurde die Problematik der Drittmittel angesprochen, die zwar zu einer besseren Ausstattung der Lehre führen können, aber die Gefahr der Beeinflussung durch wirtschaftliche Interessen inne haben. Hier wurde auf unabhängige Drittmittel von der EU hingewiesen. Richtig in Fahrt kam die Diskussion als ein RCDS-Mitglied sich zwar für die Forderungen aussprach, aber Nichtzurückweisung von Gewalt beim Bildungsstreik seitens des Studierendenparlaments bemängelte. Wie man zu dieser Anmerkung steht, sei dahingestellt,aber es ist durchaus erfreulich, dass der Bildungsstreik auch in konvervativen studentischen Kreisen beachtet wird. Zuletzt wurde das Raumproblem an der Universität Potsdam angesprochen, das im Forderungskatalog keine Erwähnung findet und auch keinesfalls schnell gelöst werden kann. Aufgrund der langen Diskussion hatten schon einige Studenten die Versammlung verlassen, bevor die Abstimmung losging.

Insbesondere die Beschränkung beim Zugang zu den Masterstudiengängen wurde als ein fundamentales Problem angesprochen, weil der Bachelore-Abschluss dadurch zusätzlich abgewertet wird – wer will schon einen Absolventen anstellen, der vorzeitig von der Uni geworfen wurde? Eine dauerhafte Lösung kann also nur darin bestehen, dass jedem Bachelor-Absolventen die Möglichkeit offen steht einen entsprechenden Master-Studiengang zu belegen. Die Initiative „Master für alle!“ hat sich diesem Problem angenommen. Auf der Webseite kann man an zwei Petitionen, die eine geht an den brandenburgischen Landtag, die andere an die Leitung der Universität Potsdam, die eine Abschaffung der Master-Zugangsbeschränkungen zum Ziel haben.

Am 3. Mai, 12 Uhr trifft sich das Potsdamer Streikkomitee vor dem Asta-Haus am Neuen Palais. Am 17. Juni findet dann die bundesweite Bildungsstreik-Demo statt. Und auch Potsdam ist dabei!