Politfolklore mit subkulturellem Angebot

Und nochmal der 1. Mai. Ich hab gerade ein paar äußerst bemerkenswerte Gedanken von Wendy zur älteren und vor allem neueren Tradition des Arbeiterkampftages in Berlin gelesen. Sie ist zwar zusammengefaßt der Meinung, daß der 1. Mai als politisches Ereignis, als Teil einer revolutionären Strategie versagt hat, aber als politisch eingefärbte Folklore mit riesigem subkulturellem Angebot trotzdem ein wichtiges Datum ist. Nur mit Mayday hat sie so ihre Probleme und sucht nach Erklärungen. Hier ein paar Links und wirklich sehr oberflächlichen Gedanken meinerseits zu diesem Thema.

Also, laut wikipedia gibt es verschiedene Bedeutungen für den Begriff Mayday. Einer der international geläufigsten ist meienr Ansicht nach Notruf.

Mayday ist das internationale Notrufsignal im Sprechfunk. Dabei ist es egal, ob man zu Lande, zu Wasser, oder zu Luft in eine Notfallsituation gerät. Das Notrufsignal wird international von verschiedenen Funkdiensten verwendet und hat im Funkverkehr oberste Priorität.

Außerdem scheint es in der Walpurgisnacht in der Dortmunder Westfalenhalle eine Technoparty zu geben, die als Mayday firmiert.

Wendy hat wahrscheinlich aber eher Schwierigkeiten mit der neuen Tradition des Euromayday, der als Parade zum Thema Prekarisierung seit 2001 von Italien, Frankreich und Spanien ausgehend in verschiedenen europäischen Großstädten stattfindet. Darunter sind in Deutschland Aachen, Tübingen, Hamburg und Berlin.

Ehrlich gesagt, frag ich mich auch, was der Mayday und seine Bewegung, im Gegensatz zu den traditionellen, gewerkschaftlichen und radikallinken Inszenierungen / Performances, anders machen will. Genauso problematisch finde ich, gerade auch, weil es sich um dehnbare Begriffe, wie Prekarisierung und neue Formen des Arbeitens dreht, was dieser Mayday eigentlich will.

Ich denke, das Problem beim politischen Mayday als Parade der Prekarisiert_innen ist, daß die Grenze zwischen der affirmativen, digitalen Bohème, die glaubt, ihr Projektfetischismus wäre eine Befreiung, die ihre prekäre Situation eine Chance begreift und sowieso schon beinah anarchistisch befreit wäre. Außerdem beteiligt sich an den Paraden die sich selbst als alternativ empfindende Partyszene. So verschwimmt die durchaus ernstgemeinte Kapitalismuskritik der Organisator_innen mit zum Teil popalternativen Spektren, die eher sich selbst feiern, als das sie an linken, antikapitalistischen Diskursen Interesse hätten.

Auf der anderen Seite finde ich die Suche nach neuen Aktionsformen, eben auch des mayday als durchaus enstzunehmende Entwicklung. Denn eine neue, eine kraftvolle, kämpferische Organisierung der Prekarisiert_innen ist notwendig. Die Gewerkschaften versagen zunehmend. Sie sind insbesondere in den prekären Arbeitsfeldern viel zu schwach, um ihre Forderungen durchzusetzen. Zum Teil sind sie selbst das Problem . . .

Trotzdem bleibt aber auch – oder ganz besonders – bezüglich des Mayday die Frage, die Wendy auf den 1. Mai als gesamtes stellt: Was war noch der Sinn dabei?


2 Antworten auf „Politfolklore mit subkulturellem Angebot“


  1. 1 Majakowski 05. Mai 2009 um 23:42 Uhr

    Der Sinn ist Leute zu organisieren.
    und das klappt auch ganz gut.

    Im gegensatz zu dir, der ja scheinbar ein schreibtischtäter ist und zudem unfähig ist die Prozesse materialistisch zu analysieren.

    Du betrachtest lediglich die Oberfläche, nimmst Dir ein paar spektakel drehst und wendest die und fertig hast Du Deine Mini-Analyse meinst dann auch noch da was „kritisieren“ zu können.

    Um zu kritisieren muss man den Inhalt kennen. Wenn Du in kennen würdest, würdest Du nicht nach dem Sinn fragen.

    Vielleicht traust Du Dich mal mit den Leuten die mittlerweile in 28 Städten in Europa und Japan die Parade organisieren direkt zu sprechen bevor Du Dein gedisse betreibst, das ohne den Inhalt zu kennen sinnloses gelaber ist.

  2. 2 Machnow 06. Mai 2009 um 0:05 Uhr

    ich sehe sehr gut, dass der ansatz ein guter war. in mailand & anderen ländern laufen die demos aber ganz anders ab. ich bin von den außerparade aktivitäten sehr überzeugt und finde sie äußerst wichtig. die organisieren wirklich prekarisierte & vor allem marginalisierte. sie sind dann nicht mehr allein. nur ist dieser ansatz beim mayday verloren gegangen. leider muß ich sagen!

    und ich bin weder nur am schreibtisch, noch ein täter. ich bin eben auch kein_e materialist_in. prozesse müssen nicht nur analysiert werden. theorie ist schön und gut. aber aktion muß sein. insbesondere auf eine demo. außerdem ist eine solche, auch eine parade – eine infoveranstaltung, eine performance nach außen und innen.

    außerdem waren dies nur oberflächliche reflexionen, keine analysen. ich denke lediglich und wurde durhc die wirklichkeit sehr viel mehr enttäuscht, als ich es erwartet hatte.

    außerdem, wie soll ich inhalt vermitteln, wenn keiner transportiert wird außer das der kapitalismus die krise ist. welcher inhalt ist es denn? welchen inhalt wollt ihr transportieren? was ist euer beitrag zum kampf gegen den kapitalismus? was organisiert ihr?

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