Party, MayParaden und (soziale) Unruhen

Der gestrige 1. Mai verlief, wie diesmal etwas anders, als in den letzten Jahren. Dafür verantwortlich sind aber weder die Gewerkschaften, die am Morgen ihre biederen Feiertagsspaziergänge zelebrierten, noch die Mayday Paraden, die am frühen Nachmittag eher sich selbst feierten, als klare politische Statements zu transportieren. Die Revolutionäre 1. Mai Demo war, wie schon seit Jahren nicht mehr, sehr kämpferisch, militant und durchgehend aufmüpfig.

Der 1. Mai und die üblichen Auseinandersetzungen begannen schon in der Walpurgisnacht. Wie immer, gab es in der Nähe des Boxhagener Platzes nach einer Spontandemo Angriffe auf Polizist_innen und Luxusautos. In der Grünberger Straße brannten Barrikaden. Ein filmendes Polizeiauto mußte sich nach Attacken zurückziehen. Die beteiligten Menschen kamen aber wohl aus einer (sogenannten) alternative Szene, als das es organisierte, radikallinke Angriffe waren. Fotos von den nächtlichen Auseinandersetzungen am Boxhagener Platz gibt es beim Medienkollektiv Berlin, bei pm_cheung, just oder auch von classless Kulla.

Auf dem Kreuzberg blieb es in der Walpurgisnacht ruhig. Die Polizei ließ sich, im Gegensatz zum letzten Jahr, gar nicht blicken. Es brannten mehrere größere Feuer. Die Menschen haben gefeiert, ordentlich gesoffen und Party gemacht. Es gab mehrere Soundsystems. Am Denkmal dröhnte electronic. Weiter unten am Berg feierten ebenfalls ein paar zu fettem Bass. Im Gegensatz zu den eher alternativen Feierlichkeiten im Mauerpark und auf dem Boxhagener Platz traf sich auf dem Kreuzberg ein sehr durchmischtes Publikum. Darunter waren aufgetackelte, junge Mädchen, besoffene Machos, alternative Jugendliche, Antifaschist_innen und andere radikale Linke.

Der 1. Mai begann ereignisreich und sollte sich dementsprechend fortsetzen. Zur Antifaschistischen Demo unter dem Motto 1. mai – Nazifrei! kamen mindestens 3.000 Menschen, die sich der angemeldeten Demo der Berliner NPD erfolgreich in den Weg stellten. Die Nazis mußten ihr fest in den Hinterhof ihres Hauses verlegen. Ihre großspurig angekündigte Kundgebung und Demo mußte abgesagt werden. Der Bahnhof Köpenick war für Stunden gesperrt. Die Blockaden am Bahnhof und auf dem Mandrallaplatz wurden zum Teil äußerst brutal von Team Green und Team Schwarz mit Schlagstöcken und Pfefferspray geräumt. Es gab einige Festnahmen.

Am Nachmittag um 13:30 Uhr begann die Kundgebung des Berliner Maydaybündnisses unter dem Motto Ich krieg die Krise – Und das nicht erst seit gestern. Die Musikparade mit Transparenten, eine Demo war es in keiner Phase, lief erst kurz nach 15 Uhr los. Bis dahin gab es ein Konzert vom grandiosen Incredible Herrengedeck und kurze Animationsversuche der Organisator_innen.

Ansonsten hingen die relaxten Prekären nur rum. Ein paar transpis wurde auf der Straße gelegt. Einzelne fleißige verteilten Flyer. Aber ansonstn war wenig davon zu spüren, daß sich hier eine wütende, marginalisierte Gruppe Entrechteter und endlich aufbegehrender trifft um ihrer Verzweiflung über prekäre Beschäftigungen und zunehmende Entrechtung in den Arbeitsverhältnissen Ausdruck zu verleihen.

Bis 14 Uhr waren es auch höchstens 1.500 Menschen, die den Weg zum Bebelplatz fanden. Als die (a)politische (Love) Parade sich in verschiedenen Blöcken unter wummenden Bässen, Reggae oder 80iger Jahre Wave-Musik in Bewegung setzte, waren es vielleicht circa 3.500-4.000 Menschen, die sich selbst feiertend durch menschenleere Straßen zogen.

Dieser Mayday war für mich das letzte mal, daß ich mich daran beteilige. Es ist eine Frechheit den Treffpunkt auf 13:30 Uhr anzukündigen und erst 2 1/2 Stunden später los zu laufen. Das Konzert dauerte eine halbe Stunde. Die Reden / Moderationen waren ebenfalls nicht länger. Mit ein bißchen Auf- und Umbauen wäre eine Verzögerung von höchstens (!) 1 1/2 Stunden nachvollziehbar. Aber 2 1/2 Stunden ist echt unmöglich.

Hinzu kommt, daß der politische Ansatz des Mayday als kreative Form sich von den öden Gewerkschaftsdemos abzugrenzen und durch die Ablehnung des exoplizit militanten Auftretens auch andere Spektren anzusprechen scheint mir zunehmend auf Kosten klarer politischer Forderungen und Alternativen zu Gunsten von reiner Party aufgegeben worden zu sein. Diese Mayday parade war lediglich eine Loveparade mit Transparenten. An diesem Eindruck ändert auch der Angriff auf das Finanzministerium mit Farbeiern nicht viel.

Dieser Mayday in Berlin war eine völlig entpolitisierte Selbstbeweihräucherung. Eine alternative Partyszene, die sich ganz emanzipatorisch von radikallinken Aktionsformen distanziert, sich selbst als hip, cool und ganz besonders independent empfindet, hat sich ganz autistisch und egozentrisch mit ihrer Performance in diesem Jahr für mich aus der linken Szene verabschiedet. Dafür spricht auch die halbierte Teilnehmer_innen-Zahl. Trotz Krise, omnipräsenter Kapitalismuskritik und zunehmenden sozialen Verwerfungen kamen höchstens 4.000 Menschen. Im letzten Jahr waren es 7.000 Demonstrant_innen.

Die Revolutionäre 1. Mai Demo dagegen konnte weiter zulegen. In diesem Jahr kamen mindestens 12.000. Es können auch 15.000 gewesen sein. Aufgrund der extrem hohen Dynamik in der Demo läßt sich schlecht einschätzen, wieviele Aktivist_innen ab 19 Uhr auf der Demo unterwegs waren.

Erstaunlich bei dem revolutionären Demo war, daß sie pünktlich um 18 Uhr ihre Leute am d er Bühne des Barrio Antifascista abholte und zum Kundgebungsort in die Reichenberger leitete. Dort gabs drei Redebeiträge. Der erste – von einer älteren. äußerst agilen Dame, deren Name mir entfallen ist – war eher eine Ode an die Revolution, die immer wieder durch die Parole Widerstand unterstützt wurde.

Die Rede von Jutta Ditfurth von der Ökologische Linken hat mich ebenfalls beeindruckt. Sie hat klargestellt, daß grundlegende soziale Veränderungen nicht durch Lichterketten, Gebeten oder Petitionen erreicht werden. Außerem echaufierte sie sich über die Aktionsmüdigkeit der Deutschen, die es nicht schaffen sich gegen ihre Situation aufzulehnen (wie in Frankreich, England udn Griechenland) sondern sich devot, durch heulende Aunternehmer_innen instruiert und aktiviert, an den Hals des Staartes werfen und um Unterstützung zu betteln.

Ebenfalls bemerkenswert am Abend war, das die Revolutionäre Demo zu mindestens 50 % vermummt lief. Der rest war ebenfalls recht dunkel gekleidet. Die Präsenz von staatlichen Sicherheitsorganen wurde offensiv und kämpferisch beantwortet. Mehrfach mußten sich die Einheiten von Team Black und Team Green zurück ziehen. Polizei wurde in keinem Fall in der Demo geduldet.

Das ständige Wegrennen aus den ersten Reihen und die Lücken nach hinten haben mächtig genervt. Die Ansagen von den Lautis dagegen waren sehr hilfreich und hielten die Demo zusammen. Leider konnte der Zuig nicht nach Neukölln weiter ziehen. Im Reuterkiez hätte mensch ganz bestimmt ein paar Symphatisant_innen getroffen, die sich eventuell auch in die Demo eingereiht hätten. Der zunehmende Gentrifizierungsdruck dort betrifft insbesondere migrantische und ältere Bewohner_innen.

Ärgerlich war, daß als die Demo über das myfest zog große teile sehr ruhig waren und spätestens sich am Mariannenplatz die Demo kaum mehr von den Festbesucher_innen zu unterscheiden war. Nur der erste Block – von vielleicht 1.000 Aktivist_innen – zog gemeinsma und laut durch die Befriedungsparty des Bezirks.

Also, der gestrige 1. Mai bietet Enttäuschung und Euphorie. Die Ereignisse am Morgen und am Abend zeugen von der (sozialen) Wut in großen Teilen der Bevölkerung, die sich zunehmend radikalisiert und militant agiert. Die herrschenden Eliten bekamen gestern eine Vorgeschmack auf das, was passieren würde, wenn die breiten Schichten nicht in die Krisenbewältigung einbezogen wird. Die Gewerkschaften, das Mayday Bündnis, aber auch die Partei die Linke, haben sich wieder einmal als unfähig erwiesen die Angst und Wut vieler Beschäftigten zu artikulieren und den Marginalisierten sowie Prekarisierten eine Stimme zu verleihen. Es kann nur besser werden.

Für die Soziale Revolution!


14 Antworten auf „Party, MayParaden und (soziale) Unruhen“


  1. 1 kuba 02. Mai 2009 um 17:48 Uhr

    fand die 18 uhr demo gestern extrem scheiße. angefangen bei den krawallgeilen (war aus meiner sicht ne mischung aus politisch verwirrten, prolls und besoffenen), die von der ersten minute an einfach nur bock auf streß hatten.
    über die extrem schlechte band, die auf der demo den äußertst krativen song „acab“ gebracht hat bis hin zu den leuten auf dem lkw, denen außer „hoch die internationale solidarität“ und rumgepöbel gegen die polizei nichts besseres eingefallen ist.
    die idioten an der spitze der demo haben dafür gesorgt, dass die stimmung in der demo insgesamt äußerst schlecht (kaum parolen) und das außer angriffe auf die polizei bei den außenstehenden und der öffentlichkeit nichts übrig bleibt.
    kam mir insgesamt eher vor wie ein feldzug gegen die polizei als eine demo gegen krieg und kapitalismus….

  2. 2 kuba 02. Mai 2009 um 21:23 Uhr

    ach so, das mit den mindestens 50% vermummten sah ich völlig anders. es waren eher 5% der gesamten demo.

  3. 3 Maroni 02. Mai 2009 um 23:00 Uhr

    eines vergessen die leute immer die die mayday parade als loveparade beschimpfen: erstens ist der mayday teil einer weltweiten bewegung, damit wir an dem klassischen internationalismus der arbeiterInnenbewegung angeknüpft. bewusst auch eher in der form der „anderen Arbeiterbewegung“ also ohne traditionelle Gewerkschaften und parteien etc., allerhöchstens werden mal jugendorganisationen von solchen mit auf die demo genommen.

    zweitens werde aus den mayday gruppen in den unterschiedlichsten städten zuweilen auch langdfristige andere politische initiativen, kampagnen und andere praxen mit betreut die es deutlich sichtbar von anderen revolutionären demobündnissen nicht gibt.

    drittens finden im vorfeld und hinterher vor jedem euromayday in fast allen euromayday stätten zig diskussionsveranstaltungen statt in denen gemeinsam der kapitalismus analysiert und kritisiert wird und in denen neue formen von protest und widerstand besprochen werden. ebenfalls etwas was andere demobündnisse so gut wie gar nicht mehr hin bekommen.

    viertens ist die demonstrationsform als parade und party bewusst so gewählt. der mayday will zwar soviele arbeiterInnen wie möglich auf der parade haben, ist aber sicher klar eine demonstrationsform von migrantiinen und des akademischen proletariats. ein manko den die gesamte bewegung versucht zu überwinden. die offene demoform ermöglicht es allen mitzumachen. jedeR einzelne kann über die stets vorbereiteten demoschilder auch ohne eigener vorbereitung seine forderungen herum tragen. andere demobündnisse geben in leninistischer ZK manier die forderungen vor hinter denen dann alle anderen hinterher laufen.

  4. 4 M. A. Bakunin 02. Mai 2009 um 23:46 Uhr

    Obwohl die Polizei sich zu Beginn der Demo stark zurückgehalten hat, kam es gleich zu Beginn zu Angriffen – aber nicht auf Polizisten in der Demo, sondern auf Wannen, die dort schon den ganzen Tag rumstanden. Man muss sich nicht unbedingt wundern, dass die Demoroute dann stark eingekürzt wurde.

    Nach Beginn der Demo galt die ganze Aufmerksamkeit der Polizei. Banken etc. wurden nicht beschädigt, so weit ich weiß, höchstens ein paar BVG-Häuschen. Auch konnte so die Botschaft nicht nach Neukölln gebracht werden. Es war wie jedes Jahr: Die Demo endet am Kotti und da gibts die üblichen Scharmützelchen, bei denen dann auch die Polizei an den üblichen Verdächtigen und umherstehenden Publikum mal ordentlich Dampf ablässt… Von sozialen Unruhen oder gar der Revolution keine Spur.

  5. 5 links jenseits antifa 03. Mai 2009 um 1:44 Uhr

    @maroni:
    -die loveparade ist auch eine weltweite bewegung der techno-kultur

    -andere demobündnisse, wie beispielsweise das schülerbündnis „bildungsblockaden einreißen!“ arbeitet seit jahren ebenso an unterschiedlichen projekten mit
    -dass da wer lange an irgendwas und zusammenarbeitet ist außerdem kein qualitätsurteil

    -wenn die mayday-aktionsform es allen ermöglichen soll mitzumachen, stellt sich die frage, wieso sich ganz klar und offen von linksradikalen zusammenhängen, inhalten und aktionsformen distanziert wird

    -der mayday bietet letztlich keinerlei offensiven aktionscharakter sondern lediglich, und das gibst du ja mit verweis auf die tolle party auf der straße selbst zu, tanzbespaßung mit vermeintlich linken inhalten

  6. 6 Machnow 03. Mai 2009 um 12:21 Uhr

    Die Revolutionäre 1. Mai Demo sollte wahrscheinlich nicht, so wie ich es getan habe, derart oberflächlich betrachtet werden.

    Richtig ist, wie Kuba & Bakunin meint, daß die Inhalte nirgend richtig transportiert werden konnte. Gegen Krieg und Kapitalismus heißt eben nicht (nur) gegen Polizei & Sicherheitsorgane. Einen Diskurs um die stattfindende Militanz zu erläutern oder sie, wie Bakunin meint wirklich als soziale Unruhen gegen ‚Dinge‘ zu richten fand dann eben doch nicht statt. Auch den Vermummungsgrad würde ich doch etwas höher ansetzen gerade im ersten Teil der Demo gab es immer wieder auch außerhalb der vorderen 2.000 sehr viele Vermummte. Zum Ende hin mag dies anders gewesen sein. Aber 5 % sind garantiert zu wenig. 50% wahrscheinlich aber auch wirklich zu viel.

    Also, das Konzept der Revolutionären Demo sollte sich kämpferisch nach Außen zeigen und sich nicht ausschließlich auf die Polizei konzentrieren. Der Kapitalismus zerstört soziale Strukturen in Kreuzberg auf ganz anderen Ebenen. Es gibt viele Aktionformen, wie Parolen, Aktivitäten am Rand der Demo (Sprayen, Flyer verteilen, Redebeiträge auf der Demo, Megaphone mit Reden usw), die das Inhaltliche stärker betonen. Transpis wären auch sehr hilfreich. Die reine Konzentration auf „riot“ ist lächerlich, folkloritische & sinnlos…

    Auf der anderen Seite sind Unruhen Möglichkeiten um in wütend dem Staat und dem Kapital die Ohnmacht und Willkür zurück zu geben. Nur sollten die Ziele genauer gewählt werden! Das ist wohl richtig.

    Zum Mayday.

    Schon im letzten Jahr war die Parade eine Bespaßung des eigenen „akademischen proletariats“ – wohl aber eher der sich selbst als alternativ empfindenden partypeople, deren inahltliche auseinandersetzung mit dem kapitalismus darin besteht zu illegalen tehnopartys zu gehen. mit politische bewußtsein hat dies aber so was von gar nix zu tun.

    im übrigen waren kaum migrant_innen waren auf der mayday parade. dafür umso mehr von den sogenannten kreativen. mit akademiker_innen hat das ebenfalls wenig zu tun.

    party, als form des widerstands, ist einfach nur lächerlich. party kann aber trotzdem auch – eben wie es auf diesem mayday großteils nicht passierte – mit politischen inhalten besetzt werden. es gibt genügend bands und auch electro crews, die explizit politische musik, mit politischen inhalten machen. auf dem mayday hab ich davon (bis auf dem FAU blog) wenig gehört.

    andere demobündnisse geben in leninistischer ZK manier die forderungen vor hinter denen dann alle anderen hinterher laufen.

    Dieser Vorwurf ist im übrigen ebenfalls lacherlich. Es gab mehrere Blcoke, die ihre Inahlte vor sich hergetragen haben. Wenn diese Inhalte – auch in den Reden – wegfallen, die Inhalte zur Moderation degradiert werden, bleibt nix außer dem medialen Bespaßungsspektakel, was aber auch gar nix mit linker Alternative zu tun hat, sondern viel mehr affirmativ und unkritisch kapitalistische verwertungs- und vereinnahmungsmechnismen reproduziert. ein wenig debord / bey / c.a.e. lektüre wäre hierbei hilfreich.

    anosnten finde ich es wichtig nach neuen formen der organisierung jenseits von gewerkschaften und dogamtischen strukturen zu suchen. die freiräume leute waren dabei aber schoin sehr viel weiter. aber auch da wird viel zu sehr auf mediale wirkung gesetzt, die nicht passiert. deshalb müssen es eben auch viele sein, um sich als macht zu zeigen. außerdem müssen es viele sein, um den eigenen ach so alternativen weg jenseits des ZK zu legitimieren.

    deshalb sind viele linksalternative nach dem letzten jahr abgesprungen. arbeiter_innen, proletarier_innen, gewerkschafter_innen und migrant_innen waren sowieso nicht da. selbst auf der revolutionären demo waren mehr migrant_innen.

    ansonsten unterscheiden sich beide demos lediglich in der musik und der militanz. die parade „distanzierte“ sich genauso von inhalten, wie die revolutuionäre demo und ersetzte dieses manko allerdings durch (politische) unruhen / riots. die parade brachte, statt inhalten eben party.

    ich würde sagen, dass ersteres schon eher etwas mit linken diskursen zu tun hat. wobei auch die, wegen ihrer ziellosigkeit und zentrierung auf team green zu kritisieren ist.

    also,, mayday macht eure super aktionen außerjhalb des maydays weiter und engagiert euch lieber dort. ansonsten areangiert euch mit der revolutionären maidemo am abend. soweit seit ihr nicht voneinander entfernt. außerdem wäre die demo dann wirklich ein macht. eventuell könnte dann die 20.000-marke geknackt werden.

    Ansonsten immer . . .

    Für die Soziale Revolution!

  7. 7 Machnow 03. Mai 2009 um 12:34 Uhr

    … sich maroni zu nennen, finde ich gelinde gesagt äußerst geschmacklos. der postfaschistische Lega Nord politiker und ital. innenminister roberto maroni ist für rassistische und repressive politik bekannt. er geht nicht nur massiv gegen ALLE fußballfans vor und kriminalisert sie pauschal. er kämpft gegen einen unsichtbaren feind im inneren. damit meint er nicht eu-bürger. genauer gesagt sinti / roma, flüchtilinge, illegale, migrant_innen, linke und gewerkschafter_innen.

    ich würde mich als emanzipativer mensch NIE maroni nennen.

  8. 8 Wendy 03. Mai 2009 um 13:06 Uhr

    Maroni: Sag´ doch mal was zum Konzept MayDay-Parade. Wer da mitarbeitet, um diese Parade zu machen, wer was davor oder danach gemacht hat, ist doch völlig uninteressant. Deiner Argumentation nach wäre es auch eine ganz tolle Aktion wenn einer einen Manager absticht – zumindest wenn er davor drei Jahre lang Kapitallesekreise besucht hat…

    Nur dein vierter Punkt beschäftigt sich wirklich mit Sinn oder Unsinn der Parade. Da sagst du mit „bewusst so gewählt“ schon mal, dass ihr nicht durchs Würfeln auf das Konzept gekommen seid. Wow, super! MayDay will viele Arbeiter da haben? Wollte die Loveparade, die NSDAP und der Tag der offenen Tür der freiwilligen Feuerwehr Guben auch… Aber nicht nur das: Zusätzlich zu Arbeitern sind sogar ganz viele Migranten mit am Start und sie organisieren sogar die Demo mit! Na das muss – abgesehen von allen Inhalten, die dir auch da scheißegal sind – was heißen!

    Einziger ernstzunehmender Punkt, mit dem du dich dann völlig disqualifizierst: Alle dürfen mitmachen! Hmkay, also damit ist ja klar, dass eure scheiß Tanzerei kaum ein politisches Profil hat, die Parolen auf einem unheimlich niedrigen Niveau versuchen, dass nationalistische Pack da abzuholen wo es steht.

  9. 9 Mathilde 03. Mai 2009 um 15:35 Uhr

    Zur Mayday-Parade wurde meiner Ansicht nach das wichtigste gesagt. Ich habe sie ebenfalls ziemlich unpolitisch empfunden, obwohl einige Transpis klare radikal-linke Aussagen enthielten. Weil mich die stumpfe Elektro-Mucke (ohne politische Liedtexte, die locker drunter/drauf gelegt hätten werden können) genervt hat, verließ ich die Veranstaltung frühzeitg. Deshalb bin ich im Nachhinein sehr positiv von der Verschönerung des Nazibaus, in dem heute (wie passend) das Finanzministerium sitzt, überrascht.

    Aber zur 18 Uhr-Demo will ich noch was loswerden. Auch für mich war die gesamte, viel zu kurze, Demo aufgrund der Zwischenfälle recht undurchsichtig. Aber ich denke nicht, dass die Demo-Orga daran Schuld trägt. Mir hat die kämpferische Auftaktkundegebung mit Konzert und teilweise zu langen Redebeiträgen sehr gut gefallen. Ich fand es wichtig, zu zeigen, dass die Stimmung in diesem Jahr angespannter war und ist. Das zeigte sich auch in dem hohen Vermummungsgrad. Ich habe circa die erste Hälfte der Demo gesehen und darunter waren mindestens 40 Prozent Vermummte. Da kann ich Machnow nur zustimmen!

    Ich stehe persönlich auch nicht so auf „Randale“. Aber ich finde es sehr gut wie kämpferisch die Demo gestimmt war – natürlich äußert sich das auch gegen die massive Präsenz der vor allem schwargekleideten Bundespolizei. Denn die hat – nur weil keine Wasserwerfer eingesetzt wurden – noch lange nicht auf „Deeskalation“ gesetzt. Der Darstellung des Demobündnisses erstermai zufolge, wollten sich die Behelmten (wie auch einige Demoteilnehmer_innen) austoben:

    „Zusammenfassend lässt sich feststellen: Viele DemoteilnehmerInnen waren in diesem Jahr deutlich wütender und reagierten auf Provokationen der Polizei empfindlicher. Die Polizei hat die Situation deutlich eskaliert, reagierte unverhältnismäßig und hat mit brutalen Übergriffen zahlreiche Verletzte zu verantworten.“

    „Deeskaltion“ wäre meiner Ansicht nach eine sehr geringe Präsenz von uniformierten Hooligans, viel mehr Anti-Konflikt-Hansels in bzw. bei der Demo (die ich überhaupt nicht gesehen habe) und kein wildes Reinrennen aus irgendwelchen Seitenstraßen!

    Deshalb bin ich lediglich enttäuscht darüber, dass ein paar Insititutionen nichts abgekriegt haben, die Route extrem verkürzt wurde, viel zu viele Leute verletzt wurden und vor allem insgesamt wenig Parolen gerufen wurden. Dennoch war es für die beste 18 Uhr-Demo der vergangenen drei Jahre – abgesehen vom Banda Bassotti-Auftakt-Konzert im letzten Jahr natürlich!

  10. 10 hallo 03. Mai 2009 um 20:24 Uhr

    hallo,
    ich halte die mayday demonstration im augenblick für den interessantesten ansatz um den ersten mai herum. ganz einfach weil sich die organisatoren sich nicht auf der geschichte, dem ritual und der sicherheit das schon ne paar tausend kommen ausruhen! man mag vieles an dem mayday kritsieren können (…) – das sich die organisatoren aber bemühen alltagskämpfe und andere politische kampangen in die demo zu integrieren und versuchen einen ausdruck dafuer zu erarbeiten finde ich einfach klasse! auch gut finde ich, das auch leute die nicht unbedingt so ne „linksradikale-black-block-militanz-identität“ haben willkommen sind. das vielen das ganze zu partymaessig ist, ist nachvollziehbar – aber komplett unhistorisch leute: es gab günde warum nach 93 die leute aufhörten die rev. 1mai demo zu organisieren… die kritik am fetisch und ritual ist nur ein teil davon. der mayday – auch das wurde hier schon gesagt ist EIN VERSUCH – mehr nicht. aber immerhin.
    es gibt viele gründe warum die radikale linke so schwach ist (nur als beispiel: wer sich nen bisschen mit den 1.5. demos der jahre 88-93 auseinandersetzt wird sehen was für ein pippifax das heute ist..). einer der gründe für die schwäche ist aber bestimmt „militanz-arroganz“ und besserwissertum anderen leuten und gesellschaftlichen gruppen gegenüber. das abarbeiten an polizei und repression ist eine politische sackgasse genau so wie demorituale letztendlich nicht mit radikaler politik vereinbar sind.
    wie ein tanzendes „wie weiter!“ (mayday) mit einem kämpferischen lauten „schluss mit lustig!“ (18uhr) zu verbinden ist – ist nach wie vor eine offene frage für die radikale linke in berlin. das meint aber weniger die frage ob diese 2 demos zusammengehen sollten – sondern vielmehr die frage nach unserer politik im allgemeinen…

    ps.- was habt ihr gegen prekarisierte akademikerInnen?

  11. 11 Machnow 03. Mai 2009 um 22:41 Uhr

    erstmal hab ich total was gegen prekarisierte akademiker_innen! es ist eine sauerei, daß (un-) kritische, denkende, theorie entwickelnde menschen am hungertuch gehalten werdne, daß es 1-Euro-job-dozenten gibt, daß viele junge akademiker_innen sich auf hartz-IV befinden oder aufstocken müssen. so geht es aber auch vielen leiharbeiter_innen, zeitarbeiter_innen, dienstleistungsbedienstet_innen usw. akademiker_innen sind keine ausnahme. und eine alternative zu gewerkschaften, wie eben die FAU, sollte nicht lobbypolitik nur für akademiker_innen & kreative machen, sondern sich um gesamtgesellschaftliche politische alternativen bemühen. all dies wurde auf der mayday parade keineswegs transportiert. das publikum wollte dies auch nicht transportieren. im gegenteil, das pblikum wollte feiern. so wie die kritisierten gewerkschafter_innen & die anderen bürgerlichen…

    an der revolutionären gibt es genug kritik. gewalt als audruck partriachaler mackerstrukturen ist ein punkt. die black bloc strategie als männlichkeitsritual ist ein anderes. die kritik wird aber formuliert. äußerst massiv & vehement. nur vom mayday gibts keine selbstkritik.

    das experiment mayday parade ist für mich tot. alternative strukturen – bis auf die fau & fels – beteiligen sich nicht mehr daran. die demo wird von electrogewummer & partypeople dominiert. parolen gibt es nicht. die reden wurden durhc moderation (wat für eine scheiße) ersetzt. das ist keine parade. das ist reine autistische bespaßung für akademiker_innen, die besser sein wollen als die proleten, die sich mit der polizei anlegen. daran ist nix emanzipatives, nix diskursiv wichtiges. von der mayday parade gehen keien impulse in die radikale linke aus. sie will dies auch gar nicht. deshalb kommen dementsprechend auch nur die pseudoalternativen mate / fritz / afri säufer_innen. die blöcke machen party. die regenschirme als performance waren witzig, jedoch gabs dazu keine theoretisch subversive erläuterung. ein flashmob kann politischer sein als das . . .

    es nervt einfach, dieses eloquente sich über die anderen erheben udn von traditionen lossagen. es nervt sich von der linken zu distanziere & dann zu wundern, daß keienr kommt. das mayday bündnis muß sich entscheiden, wo es steht. so macht es für mich keinen sinn!!!

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