Ich habe wieder interessante Artikel aus dem politischen Nah- und Fernbereich gefunden. Im Lokalen geht es dabei wieder um den Dauerbrenner soziale Stadtentwicklung. Mit dem 1. Mai habe ich mich hier nicht beschäftigt, da sich andere Artikel und KOmmentare an diesem Thema schon genug abgearbeitet haben. Was das Globale angeht, hat mich der Artikel über die serbischen Arbeiter und deren miserable Situation schockiert. Außerdem wirft der diesjähige G8-Gipfel schon seine Schatten voraus. Außerdem möchte ich auf den neuen Antiberliner hinweisen, unter anderem mit einem interessanten Artikel von Andrej Holm.
Abschlusserklärung zum McPlanet-Kongress (vom 26.04.2009)
Am 26.04. ist der McPlanet-Kongress zu Ende gegangen. Er wurde von attac, dem BUND, dem Evangelischer
Entwicklungsdienst, von Greenpeace und von der Heinrich-Böll-Stiftung organisiert. Die wichtigsten Forderungen sind eine Sonderabgabe auf große Vermögen, Verbot (nicht Kontrolle) spekulativer Finanzprodukte, Banken unter öffentlicher Aufsicht, eine Finanztransaktionssteuer, eine Neuausrichtung von IWF und Weltbank nach sozialen und ökologischen Kriterien, eine Stärkung der wirtschaftspolitischen Kompetenzen der UN, Finanz- und Technologietransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer, Stärkung kleinbäuerlicher Strukturen und freier Zugang zu (gentechnikfreiem) Saatgut. Nicht der Stil, wohl aber die Inhalte und Forderungen sind radikal.
„Selbstverstümmelung aus Protest“ (taz vom 27.04.2009)
Manchmal ist die Aufmerksamkeitschwelle der Medien scheinbar überaus hoch. Zoran Bulatovic, Vorsitzender des Verbandes der Textilarbeiter in der Stadt Novi Pazar (Serbien), hat sich vor laufender Kamera einen Finger abgeschnitten, um auf die miserable Situation der rund 4.000 ArbeiterInnen hinzuweisen. Die ArbeiterInnen sind in den Hungerstreik gegangen und haben sich verbarrikadiert. Jeden Tag wird sich jemand von ihnen einen Finger abschneiden, so die Drohung, falls sich ihre Situation nicht verbessert. Die ArbeiterInnen haben seit 1993 keinen Lohn mehr erhalten.
„Autonome in Berlin: Militante Managerschule“ (Tagesspiegel vom 28.04.2009)
Der Weg vom Autonomen zum Manager ist nicht weit, so die These dieses Artikels, die aber substanziell nur mit einem Beispiel arbeitet. Die Autonomen sind demnach nicht in erster Linie politisch, sondern sie pflegen einen erlebnisorientierten Lifestyle. Nach der kurzen Autonomen-Karriere in jungen Jahren gehts dann rein in Büro und BMW. Der hier angewandte Autonomen-Begriff scheint mir aber ähnlich schwammig zu sein wie der Begriff des Yuppies. Alle schwarz gekleideten Menschen werden wieder einmal in einen Topf geworfen.
„Die Furcht vor der Verdrängung“ (taz vom 29.04.2009)
Gentrification I: Die Lage für Mieter in Kreuzberg wird prekärer. Die Mieter in der Katzbachstraße beispielsweise sind von Luxussanierungen bedroht – eine Wohnung wurde sogar schon in der NYT feil geboten. Besonders neue Mietverträge sind ein Einfallstor für Mieterhöhungen, so Stadtsoziologe Sigmar Gude. Vermutlich wird das Bionade-Biedermeiertum aber in Kreuzberg nicht zur Hegemonialmacht werden, weil die Gegenwehr zu groß ist.
„Kollwitzplatz: Prekäres Paradies“ (Tagesspiegel vom 29.04.2009)
Gentrification II: Die Stadterneuerung am Kollwitzplatz hat wieder ein regelrechtes Thesenfeuerwerk entfacht. Wolf Schulgen (Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) ist der Meinung, dass die Sanierung baulich und sozial ein Erfolg war. Andrej Holm widerspricht dem, da er zumindest eine indirekte Verdrängung sieht. Die durchschnittlichen Mieten betragen zwar moderate 5,50 Euro/m2, aber bei Neuverträge werden durchschnittlich 9 Euro/m2 verlangt – das können sich einkommensschwache Menschen nicht leisten. Hartmut Häußermann will den „Kampfbegriff“ Gentrification nicht mehr verwenden. Ihm nach hat sich der Wandel im Kiez moderat vollzogen – die meisten Menschen sind zuvor wegen der schlechten baulichen Zustände weggezogen. In (vielen) Einzelfällen wurden aber auch Mieter herausgemobbt. Für die Zukunft sieht er die Gefahr stark steigender Mieten und (direkter) sozialer Verdrängung. Theo Winter (Chef der Stasterneuerungsgesellschaft „Stern“) wiederspricht dieser Prognose, da die Einkommen am Kollwitzplatz aufgrund der Wirtschaftskriese prekär geworden sind.
„Mein Kopf gehört mir“ (Freitag vom 29.04.2009)
Die gesellschaftskritische Zeitschrift Das Argument feiert dieser Tage ihren 50. Geburtstag. Gegründet wurde die anfängliche studentlische Flugblattsammlung aus einer Bewegung gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr heraus. Bedeutende Autoren war Elfriede Jelinek, Judith Butler, Günther Anders und viele mehr. Die Zeitschaft mit der kritischen, marxistischen Sichtweise ist heute aktueller denn je. Aber auch ein Stück Erinnerung an 1968.
„G8-Luxusliner ankert jetzt im Erdbebengebiet“ (telepolis vom 29.04.2009)
Italienische Politik ist derzeit nicht viel mehr als ein schlechter Witz. Mit selbigen versteht es Medienmogul Berlusconi seine Landsleute und die Welt reichtlich zu bombardieren, ein ganz besonderes Bonbon ist ihm jetzt wieder gelungen: Der G8-Gipfel wird nicht auf einer kleinen militärisch genutzten Insel vor Sardinien abgehalten werden, sondern im von einem Erdbeben heimgesuchten Abruzzen. Dort, so Berlusconi, werden sich Gipfelgegner nicht trauen zu randalieren. Dafür sind aber die Möglichkeiten für Blockaden viel günstiger.
„Star Trek für Anfänger“ (freitag.de am 02.05.2009)
Alle Welt wartet auf den neuen Star Trek-Film, der am 7. Mai rauskommt. Im Guardian ist dazu ein Artikel erschienen, der ein paar Einblicke in die 40-jährige Geschichte der bisher weltweit erfolgreichsten Filmserie gibt. Bleibt nur zu hoffen, dass der elfte Kinofilm kein weichgewaschenes Annimationsfeuerwerk wird, der den Kinobesucher mit einer oberflächlichen Botschaft abzuservieren versucht. In „Der Erste Kontakt“ (1 Oscar) wurde immerhin erwähnt, dass es im 26. Jahrhundert kein Geld mehr gibt, weil die Wirtschaft und die Handelungsmotive der Menschen danach nicht mehr ausgerichtet sind. Vielleicht wird das ja im neuen Film wieder aufgegriffen…
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