Свобода! Слава Воину-Победителю!


Deutschland, im 20igsten Jahr nach seiner Auferstehung im nationalen Taumel und im 60igsten Jahr seiner Nichtabschaffung, scherrt sich, bis auf einige Wackere, einen Dreck um die Erinnerung an die Befreiung vom Faschismus. Vielmehr treffen sich nationalistische und neofaschistische Jünger der christlichen Leitkultur in Köln um gegen eine vermeintliche Islamisierung zu demonstrieren und debatieren. Allerdings regt sich dagegen massiver und spektrenübergreifender Protest.

Schlimmer ist aber, daß sich Firmen, wie T-Mobile und FraPort erlauben den 8. / 9. Mai zu ihrem ganz besonderen (Feier-) Tag zu transformieren.

Die ehemaligen Staatsbürokraten von T-Mobile, die immer noch insbesondere bei der Überwachung ihrer Kunden kräftig mit den Diensten zusammenarbeiten, wollten geschichtsträchtig im ehemaligen Frauengefängnis in Charlottenburg am 9. Mai ein Konzert der britischen Indie-Band Ting Tings veranstalten.

In dem Gebäude war zur Nazizeit eine Jugendarrestanstalt für Mädchen. Da sogar die städtischen Verantwortlichen offensichtlich dem nationalsozialistischen Konditionierungssystem durchaus sinnvollen Modernisierungen und Weiterentwicklungen abgewinnen können, verwundert es nicht, daß auch eine kommerzielle Firma das subkulturellen Potenzial eines solchen Ortes zu schätzen weiß. Konformität, Verwertung, Gleichschaltung und Coolness wollten affirmativ Hand in Hand und medienwirksam hinter Gittern gehen. Das Konzert wurde nun allerdings doch kurzfristig, eventuell aufgrund des Protestes, ins Marias verlegt.


Bilder von RosaNera

Ein weiterer revanchistischer, nationaltransformierter Akt wurde gestern wiederum durch protestresistente, informell bewährte und juristisch desinteressierte staatliche und wirtschaftliche Kreise im hessischen Frankfurt vollzogen. Wilhelm Bender, Vorsitzende der Fraport AG, und Roland Koch, mensurerprobter, abgewatschter, eiserner Ministerpräsident von Hessen, begannen mit dem ersten Spatenstich den Ausbau des Frankfurter Großflughafens, schließlich muß insbesondere Deutschlands Süden alles ganz groß sein, da wird aus einem Nazi ganz schnell auch mal ein Widerstandskämpfer.

Bender behauptet zwar, daß das Genehmigungsverfahren abgeschlossen wäre und deshalb der Bau beginnen könne, jedoch ist dem Mitnichten so. Es liegen imemr noch Widersprüche der betroffenen Gemeinden gegen Enteignungen und einzelne Aspekte des Ausbaus (z.B. des Lärm- und Naturschutzes) vor. Das Konglomerat von Land und AG scheint an einer abschließenden Klärung allerdings wenig interessiert, sondern forciert den Ausbau und schafft Tatsachen. Die Mär vom Jobmotor in Zeiten der Krise brockelt ebenfalls. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bezweifelt den Zuwachs an Jobs, denn es wurden die wegfallenden Arbeitsplätze in anderen Branchen nicht berücksichtigt. Außerdem weißt ein Sprecher darauf hin, daß der Umsatzeinbruch des Flugverkehrs nicht konjunkturell, sondern strukturell bedingt ist.

Sehr fiel perverser ist allerdings, daß ausgerechnet am 8. Mai, am Tag der Kapitulation von Nazideutschland, der Ausbau eines Flughafens problematisch und gegen den Bürger_innenprotest in die Wege geleitet wird, dessen Geschichte mit dem Schicksal von ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter_innen verknüpft ist. Robin Wood weist in seiner Presseerklärung explizit darauf hin und kritisiert die Schlußstrichmentalität des hessischen Landesfürsten und der beteiligten Großunternehmen, die ihre Verantwortung gegenüber der Geschichte negieren.

Ab August 1944 schufteten jüdische Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn für den Flughafen. Sie waren dafür aus Auschwitz in das KZ-Außenlager Walldorf verbracht worden. Die Frauen, die die Zwangsarbeit für den Flughafen überlebten, wurden in das KZ Ravensbrück deportiert. Bis Kriegsende wurden russische Kriegsgefangene zur Arbeit am Flughafen gezwungen. Fraport führt in ihrer Firmenchronik für die Jahre 1939 bis 1945 Zerstörungen durch Bombenangriffe und Sprengungen auf, kein Wort zur Zwangsarbeit und zu den Menschen, die sie leisteten.

Umso wichtiger ist es jedes Jahr neu den 8. / 9. Mai als Tag des Sieges über das verbrecherische, nationale Deutschland zu feiern und daran zu erinnern, wieviele Millionen Opfer der Faschismus weltweit gekostet hat. Den Befreier_innen gebührt Respekt und Dank! Dem drecksdeutschen Staat und seiner fortgesetzten nationalen Überhöhung, der sich seit über einem Jahrzehnt wieder auf territorialem und ökonomischen Beutezug befindet, gehört fett in den Arsch getreten.

Slava Voiny-Pobeditelju - Ehre den Kriegsgewinnern

Heute soll gefeiert werden. Im Treptower Park gibt es ab 13 Uhr Gelegenheit zum Dank an die Soldat_innen der Roten Armee beim Mahnmal und zum Feiern im Rosengarten. Am 23. Mai kann Deutschland dann musikalisch bei der Antinationalen Parade unter dem Motto Etwas Besseres als die Nation – Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit zerpflückt werden.


4 Antworten auf „Свобода! Слава Воину-Победителю!“


  1. 1 Pixel Utopia 09. Mai 2009 um 17:32 Uhr

    Trifft meine Stimmung gut, der Artikel.

  2. 2 Machnow 09. Mai 2009 um 23:21 Uhr

    ich hoffe, du hast das ende von nazideutschland ordentlich gefeiert. die COSMONAUTIX im tretower park haben auf jeden fall gerockt. ansonsten waren auch hunderte unterwegs um blumen niederzulegen. heute, vor 64 jahren, war das ende von nazideutschland. jetzt fehlt nur noch das andere drecksdeutschland, das seit 1990 wierder sein dreckig stinkendes nationales haupt hebt…

  3. 3 Thomas 10. Mai 2009 um 7:37 Uhr

    Na ja, der „territoriale und ökonomische Beutezug“ wird heutzutage eher weniger von nationalen Akteuren durchgeführt. Auch wenn die Bedeutung des Staates im neoliberalen Zeitalter unterschätzt wurde und wird, so sollte man ihn auch nicht überschätzen.

  4. 4 Machnow 10. Mai 2009 um 16:12 Uhr

    du hast recht, es sind nicht in erster linie nationale firmen & netzwerke, die imperial agieren. wobei eben jede einzelne firma diese nationale karte spielt. dieser wirtschaftsminister von ist gerade auf staatlichem werbefeldzug bei den ölmultis. er akquiriert geld für national sesshafte grossfirmen, die allerdings grenzenlos agieren.

    politisch gibt es schon nationale beutezüge. zumeist verstecken die sich die hinter multinationalen institutionen, aber einzelne nationale politische strukturen bleiben maßgeblich. im kosovo ist es eine deutsche gemeinschaftsproduktion aus bertelsmann, der dt. politik und der EU. in afrika gibt es ebenfalls sogenannte geostrategisch wichtige länder, die durch verschiedene nationale gebilde beackert werden.

    das ‚nationale‘ klebt am glabalen kapitalismus und wird insbesondere in krisenzeiten fürs einfache ‚volk‘ identitätsstiftend ausgegraben um anäthesierend die kapitalistische scheiße zu verschleiern. so siehts aus ;-)

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