Morale? Resistencia! Merci!

Die Polit-Ragga/Reggae Band Irie Révoltés ist vielen ein Begriff. Sie fehlen auf keinem rebellischen Semipop-Politsampler. Berührungsängste zur radikalen Linken gibt es trotz Popfaktor nicht. Zum Barrio Antifascista auf dem Myfest kamen sie als Hauptact. Das Konzert fand allerdings nicht statt.

Noch bevor Irie Révoltés ihr Konzert geben konnte, wurde die Bühne von der Polizei in Berlin gestürmt. Nach der Ansage der Beamten, die Bühne zu zerstören, wenn die Veranstaltung nicht abgebrochen wird, hatte der Veranstalter leider keine andere Möglichkeit als dem zu entsprechen. Leider ist die medliale Bericherstattung wie so oft sehr einseitig und das agressive Vorgehen der Polizei gegen das friedliche Publikum des Straßenfestes wird überhaupt nicht thematisiert.

In einem Video auf ihrem Portal äußern sie sich recht eindeutig zu den Vorkommnissen und verurteilen die Übergriffe auf die tanzende Masse aufs Schärfste. Sie gehen explizit auf die undifferenzierte Berichterstattung in den herrkömmlichen Medien ein, die lediglich von Ausschreitungen von Seiten der Demonstranten schreiben, die massiven Angriffe der Polizei auf feiernde Festbesucher aber verschweigen. Irie Révoltés beschreibt ihre Wahnrnehmung, wie folgt.

Die Polizei hat irgend wann die tanzende Masse – definitiv tanzend – gestürmt, weggeknüppelt. Ist dann auf die Bühne und hat die Band, die vor uns gespielt hat, unterbrochen mit der Ansage: Wenn noch ein Ton aus der Anlage kommt, dann ist das Ganze Ding hier kaputt.

Das klingt ebenfalls nach einer ganz neuen Qualität, wie mit alternativen Konzertbesucher_innen umgegangen wird, die sich zu explizit gesellschaftskritischer Musik bewegen und so Stellung gegen soziale Mißstände zeigen. Allerdings ist dies nicht wirklich so neu.

Am 8. November fand nach einer erfolgreichen Freiraum-Demo in Potsdam eine Partybesetzung statt. Die zur Hilfe gerufene Berliner Bereitschaftspolizei schlug bei der Räumung kräftig zu, war aber auch verbal ganz klischeebestätigend unterwegs. Ihr Hooliganimage wurde durch Gesänge von einem vermeintlichen Auswärtssieg von Team Green untermauert. Ansonsten gab es noch homophobe und sexistische Sprüche. Noch widerlicher ist aber, daß auf die antisemistische Novemberpogrome mit der Nazibezeichnung Kristallnacht beim Auseinanderknüppeln und Beenden der Party positiv Bezug genommen wurde. Gerüchten zu Folge war sogar selbst die Potsdamer Polizei mächtig erschreckt über das rabiate Vorgehen ihrer Berliner Kollegen.

Also, nix mit neuer Qualität der Gewalt der radikalen Linken, sondern vielmehr es muß von eienr neuen Stufe der Gewalt gegen Unbequeme und Unangepaßte gesprochen werden. Die Sicherheitsdienste scheren sich einen Scheiß um Bürgereichte. Das Primat der Praxis ist schon längst nicht mehr auf Seiten der Linken, sondern wird bei jeder Demo, jedem antifaschistischen Festival, bei jeder zivilungehorsamen Blockade oder auch im Stadion von der Polizei effektvoll betrieben.

Und uns wird Morallosigkeit vorgeworfen. Nur wo ist denn ihre Moral? Gegen diese Scheiße kann es nur Resistencia geben!