Die Berge aneignen, die G8 begraben!

Quake G8

Vom 8. bis 10 Juli Juli findet in Aquila und Rom der Gipfel der sogenannten Gruppe der Acht statt, die sich ermächtigt sehen über die existenziellen Belange der Weltbevölkerung entscheiden zu müssen. Seit über einem Jahrzehnt wehren sich die Menschen gegen diese politische und ökonomische Anmaßung der neoliberalen Marktjünger. Auch in diesem Jahr gab und gibt es zahlreiche Gegenaktivitäten.

Das Jahr hatte schon kämpferisch und erfolgreich begonnen. Der internationale Protestmarathon im Jahr 2009 begann Anfang April in London. Weiter ging es in Strasbourg / Kehl, wo sich die Militarist_innen und Waffenfanatiker trafen um das Jubiläum ihres expansiven Kriegsbündnisses zu feiern. Ergebnis war die (temporäre) Installierung eines repressiven Polizeistaates, der maßgebliche Menschenrechte außer Kraft setzte, die Bewegungsfreiheit Tausender behinderte, massiv gegen friedliche Demonstrant_innen vorging und totalitär eine mediale Parallelwelt inszenierte, wo alles ganz nach vermeintlich demokratischen Richtlinien ablief. Erstaunlicherwiese kamen Bürger_innen darin nicht vor.

Der Summer of Resistance 2009 konnte trotzdem mit einem Kanll begonnen werden. In London und Strasbourg / Kehl wehrten sich zivil ungehorsam und militant offensiv Aktivist_innen gegen die Bevormundung durch Epigonen einer verbarrikadierten vernetzten Sicherheitsarchitektur, die Willfährige mit Teilhabe belohnt und Widerspenstige konsequent kaserniert, deportiert, attackiert, kurz aus dem öffentlichen Leben ausschließt.

Zur Gruppe der Marginalisierten gehört spätestens seit dem sogenannten Bologna Prozeß auch die Gruppe des Bildungsbürgertums, der sogenannten Gebildeten und den sich darum bemühenden jungen Menschen. Die zunehmende Auflösung der Freiheit der Wissenschaft zu Gunsten verwertbarer Forschung ohne jeden kritischen Ansatz und der zunehmende Privatisierungs- und Einsparungsdruck auf die europäischen Bildungssysteme führte in Italien mit der Welle der Anomalie zu andauernden Bildungsprotesten.

In Deutschland relativ unbemerkt verband sich diese neue Bewegung in Italien mit den Anti-G8 Protesten in diesem Jahr. Der Bildungsgipfel von Rektor_innen aus den G8 Staaten vom 17. bis 19. Mai in Turin wurde durch Proteste begleitet. An jedem Tag fanden Demonstrationen, Besetzungen und andere Interventionen in den Öffenlichen Raum statt. Leider gab kam es auch zu Verhaftungen. Die zwei Aktivist_innen Ale & Domenico wurden zwar vor zwei Tagen entlassen, stehen seitdem aber unter Hausarrest. Der Brief von Ale, in dem er sich für die geleistete Solidarität bedankt, liest sich wie ein Manifest gegen die Isolation, sowohl im Knast, als auch auf der Straße. Die Kämpfe der Krise gehören zusammen, so meint er. Die Student_innen-Bewegung muß weitergehen und über sich hinaus wachsen.

Ein weiterer Termin im Protestkalender gegen die Aktivitäten der Großkotzigen Acht war die Sicherheitskonferenz vom 28. bis 30. Mai in Rom. Auch dort gab es vor allem von Migranten_innen Organisationen initiierte Proteste.

Ab 15. bis 19. Juni schaltet sich Deutschland wieder ein. In den Bildungsstreiktagen sind einige Aktionen geplant. So sollen am 18. Juni, dem Tag des Zivilen Ungehorsams, einen Tag nach den bundesweiten Demonstrationen, symbolische Banküberfälle stattfinden.

Im Vorfeld des G8 Gipfel in Aquila / Rom findet in Berlin am 4. Juli unter dem Motto Quake G8! We are your crisis eine Demonstration statt. Genaueres ist dazu leider noch nicht bekannt. Was allerdings wegen dem aktionistischen Angebots in den nächsten Tagen auch nicht sonderlich verwunderlich ist. Schließlich beginnen heute die Freiraum Aktionswochen. Der Höhepunkt wird wohl die Massenbesetzung des Ex-Flughafen Tempelhof sein. Zur Zeit wird schon kräftig an der Besamung des Tempelhofer Feldes gearbeitet. Am 20igsten ist dann gießen angesagt :lol:

Der Alternative Gegengipfel zur Nachbearbeitung der Beschlüsse der G8, die hinter Stacheldraht in schon jetzt zur Sonderzone mit Ausgangssperren und paramilitärischen Kontrollen transformierten Bunker getroffen wurden, findet am Wochenende vom 12. bis 13 Juli findet in Lecce statt. Im Manifest wird auf die vergangenen Proteste und Erklärungen der sogenannten globalisierungskritischen Bewegung eingegangen und diese mit den freigiebigen, staatlichen Maßnahmen gegenüber Banken und Großkonzernen ins Verhältnis gesetzt.

NO G8 Lecce

An die vielen von der Bewegung von Seattle produzierten Erklärungen, Aufrufen und Manifesten zurück denkend bekräftigen wir, dass der Kurs der globalen Wirtschaft geändert gehört. Unsere Sorgen und unsere scharfen kritischen Stellungnhahmen gegen die Rethorik und die Praxis der Globalisierung haben sich als völlig berechtigt und fundiert erwiesen. Wir erleben, wie sich die Regierungen in einer Spirale von Notstandsmaßnahmen winden, die unvorstellbare Liquiditätsausmaße offenbaren, wo es über ein ganzes Jahrzehnt geheißen hat, dass die Mittel für ein Eingreifen an den vielen Fronten der humanitären Tragödien und zu einer mit dem nötigen Nachdruck betriebenen Wiederherstellung der durch Jarzehnte der Vergewaltigung der Umwelt durch giftige Massenproduktionen verursachten ökologischen Schäden materiell nicht vorhanden waren. Eine Liquidität, die für Rettungsmaßnahmen der Regierungen verwendet wird, die zugunsten der großen Bankhäuser getätigt werden – die selben, die eine Myriade an Finanzabfallprodukten ersonnen haben, die den Verbrauchern Schaden zugefügt haben.

Der Gegengipfel will in diesem Zusammenhang sein Recht auf Teilhabe an den politischen Entscheidungen einfordern, die zunehmend in informellen Kreisen – wie den G8 und WTO Strukturen – ohne demokratische Legitimation und Intervention der Bürger_innen getroffen werden. Die Bunker der Macht werden aufgerüstet. Die Gegenkultur vernetzt sich ebenfalls. Der Parlamentarismus hat sich in eine Farce verwandelt, die einer bürokratischen Elite das Einkommen sichert und lediglich die ökonomisch expansiven sowie sogenannte geostrategische Interessen von Wirtschaftsunternehmen vertritt. Es kann nicht mehr, so die Unterzeichner_innen des Manifests von Lecce, darum gehen, daß eine Andere Welt möglich ist, sondern sie ist nötig.

An den Gipfeltagen werden wir auf den Straßen und auf den Plätzen sein, um über die globale Krise zu diskutieren und um aus kritischen Reflexionen hervogegangenen Unternehmungen und jenen Wirklichkeiten eine Stimme zu geben, die mit innovativen Ansätzen, andere wirtschafliche und soziale modelle ausprobieren, die Alternativen auf jene desasterträchtige Modelle der Wirtschaftspolitiken der Großmächte bieten.

Eine sehr interessantes und vor allem kreatives Interventionsangebot macht das Kollektiv Diggers 2.0. Sie rufen zu einer SWARM Aktion unter redicaleyes in die Abruzzen auf.

Kapitalismus bedeutet Zerstörung und die Zirkulation von Zukunftsmythen des Wohlstands. Im Katastrophen-Kapitalismus wird die Schock-Strategie des Kapitals zur Krisenlösung. Hierbei zählt nur der Profit. Diese Krise – ihre Krise – muss mit der vollen Energie der Multitude begegnet werden! Wir brauchen Krisenlösungen von unten, eine Gegenmacht der sozialen Bewegungen, die sich mit der Schaufel in der Hand zum Aufbau einer post-kapitalistischen Welt aufmacht. Appell an die globale Multitude sich vom 7. Bis 11. Juli nach Abruzzo zu begeben, um beim Wiederaufbau Abruzzos zu helfen.

Also, dann mit Schaufeln, Blumen, Gemüse, Farbe und Enthusiasmus an die Arbeit. Ob nun in Banken, Tempelhof, Aquila, in Lecce oder auf dem Oranienplatz.

We will stop you!