Medienschau am Sonntag (10)

Mit einiger Verspätung erscheint heute die 10. Ausgabe der Medienschau wieder mit 10 Verweisen auf lesens- und anschauenswerte Artikel. Garantiert von höherer Qualität als das was man manchmal sonst in den Medien zu lesen vorgesetzt bekommt. Diesmal allerdings dabei: Der Spiegel.

Home“ (Kinofilm, bei youtube.com abrufbar)
Der Umweltfilm „Home“ ist der erste Film, der gleichzeitig in den Kinos, im Internet, auf DVD und per Public Viewing in der Öffentlichkeit gezeigt wird. Gesponsert wurde das Großprojekt vom französischen PPR-Konzern, zu dem Konsummarken wie Gucci, Bottega Veneta, Yves Saint Laurent und Puma gehören. Der Film erläutert anhand beeindruckender Naturaufnahmen die Entstehung des Lebens und wie der Mensch Raubbau an der Natur betreibt. Auch auf Hunger und Elend wird eingegangen. Dabei verharrt der Film aber nicht in einer pessimistischen Stimmung sondern zeigt (technische) Wege wie die drängenden Umweltprobleme gelöst werden können. Noch bis zum Ende der Woche kann der Film auf Youtube in englischer Sprache mit deutschem Untertitel angesehen werden.

Wunderschöne Aktionsakademie im sonnigen Köln“ (attac.de vom 25.05.2009)
Vom 21. bis 24. Mai fand in Köln die jährliche Attac-Aktionsakademie statt. Das Seminarprogramm reichte von Straßentheater über Klettertraining, zivilen Ungehorsam, Sambatrommeln und Direkter Aktion bis hin zum Bauen kreativer Infostände. Bei der praktischen Umsetzung am 24. Mai wurde in der Kölner Innenstadt gegen die Verpulverung von Steuermilliarden bei der Bankenrettung und für den kommenden Bildungsstreik geworben. Das nächste Bildungsevent von Attac wird die Sommerakademie in Karlruhe vom 4. bis 9. August sein.

Polizei erfindet Karneval neu“ (taz vom 02.06.2009)
Am 31. Mai fand in Berlin der Umzug beim Karneval der Kulturen statt. In den Augen der Polizei ging es dabei aber nicht ganz mit rechten Dingen zu. Die anwesenden Sicherheitsorgane empfanden den Umzug der Gruppe „Serenata Lubola“ teilweise als unpassend, weil sie auf Transparenten mit Sprüchen wie „Stopp der Diskriminierung von Immigranten“, „EU und USA raus aus Lateinamerika“ oder „Schluss mit Kriminalisierung der Sinti und Roma“ eine politische Botschaft nach außen tragen wollten. Die Personalien der „Demonstraten“ wurden noch während des Umzugs festgestellt und später ein Rechtsbruch wegen Körperverletzung an Polizisten konstruiert.

Die Generation C64 schlägt zurück“ (spiegel.de vom 02.06.2009)
Die 15 bis 35-jähigen, vom Spiegel mehr oder weniger passend als Generation C64 beschrieben, sind deutlich politischer als bisher angenommen. Am deutlichsten wurde dies bei der sehr erfolgreichen Online-Petition gegen das Internet-Zensur-Gesetz aus dem Familienministerium der „Zensurula“. In diesem Sinne muss auch die Popularität der Piratenpartei gedeutet werden. Hier engagieren sich Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind und bei der derzeitigen politischen Administration wenig Internet-Kompetenz vermuten – eine schlechte Voraussetzung für einen Gesetzgeber. Leider sind fast alle Spitzenpositionen der Piratenpartei von Männern besetzt. Frauen haben da wohl was verschlafen?

Auch die US-Army will aus der Ferne Absichten erkennen“ (telepolis vom 03.06.2009)
Wir kommen der Schönen Neuen Welt mal wieder ein Stückchen näher. In den USA bastelt man fleißig an Gerätschaften, die die Absichten von Menschen erkunden sollen. Das Spektrum reicht von Fernmessung des Pulses und der Körpertemperatur bis hin zum Gedankenlesen. Das ganze soll natürlich der Sicherheit und der Annehmlichkeit des Lebens dienen.

Der will nur spielen“ (Freitag vom 04.06.2009)
Die Yes Men nennen sich selber eine Kommunikationsguerilla-Gruppe, die „Identitätskorrektur“ auf vielen unterschiedlichen Wegen betreibt: mit gefälschten Pressemitteilungen, satirischen Firmen-Webseiten, gefälschten Zeitungen (wie der New York Times am 12. November 2008, was Attac im März mit Der Zeit wiederholt hat) sowie Auftritten bei Kongressen und Presseveranstaltungen, bei der sie sich als Vertreter von großen Konzernen ausgeben. Ihre Methoden gehen auf die politischen Happenings der 60er Jahre, der Aktionskunst und die Situationisten zurück.

20 Jahre später“ (spreeblick.com vom 04.06.2009)
Spreeblick hat eine kleine Linksammlung zum 20. Jahrestag des Massakers auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens, bei dem geschätzt 3.000 Menschen getötet wurden, und zur heutigen Situation in China zusammengestellt. Unterdessen hat das diktatorische Regime seine digitale Große Mauer weiter ausgebaut.

Luftangriffe gegen Demonstranten in Peru“ (telepolis vom 06.06.2009)
Der „Linksruck“ in Südamerika ist in Peru noch nicht angekommen, worunter derzeit insbesondere die indigene Bevölkerung, die gegen die Aneignung natürlicher Ressourcen durch globale Konzerne protestieren, leider müssen. Bei einer Demonstration ließ die neoliberale Regierung des Andenstaates 35 Menschen töten. Bei den schweren Auseinandersetzungen sind auch 11 Polizisten getötet wurden – nach Aussagen der indegenen Widerständler durch „friedly fire“.

Dieter Wiefelspütz macht klar, dass es um Zensur geht“ (netzpolitik.org vom 06.06.2009)
Dieter Wiefelspütz (SPD) hat kurz vor der Europawahl eine indirekte Wahlempfehlung für die Piratenpartei, die sich die Verteidigung der Freiheit des Internets und einen umfassenden Datenschutz auf den Leib geschrieben hat, abgegeben. Ihm zufolge wird die Internetzensur mittelfristig auch auf nicht verfassungskonforme Inhalte angewandt werden müssen. Eindeutig hat er sich damit zum Stichwortgeber der Zensurablehner gemacht. Seine Partei wiederrum hat bei der Europawahl am Sonntag wie gewohnt einen Einbruch erlitten.

Kommunalwahlen: Rechtsextremismus im ländlichen Raum verankert“ (npd-blog.info vom 08.06.2009)
Am Sonntag fanden nicht nur die Europawahlen sondern auch Kommunalwahlen unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Thüringen statt. Dabei konnte die NPD einige Achtungserfolge erringen und hat ihre Basis in den ostdeutschen ländlichen Strukturen weiter festigen können. So hat die rechtsextremistische Partei in Thüringen in jedem Wahlkreis in dem sie angetreten ist mindestens ein Mandat erringen können. In Sachsen konnte die Partei ihre Mandate fast verdreifachen und kam auf ein Ergebnis von 2,3 %. In Mecklenburg-Vorpommern konnte die NPD in einigen Wahlkreisen Rekordergebnisse von bis zu 20,8% erzielen.