Babylon Berlin – Ignoranz, Forensik & Verfassungsschutz

Nachdem Timothy Grossman Mitte März arbeitsgerichtlich aufgrund mangelhafter forensischer Untersuchungen passen mußte, bemüht er neuerdings laut prekba den Verfassungsschutz um die Beschäftigtenvertretung im Filmtheater Babylon zu diskreditieren. Den ihm Anfang Juni zur Verhandlung angebotenen Tarifvertrag für die Babylonier_innen ignoriert er. Wie die FAU Berlin schreibt, behauptet die Neue Babylon Berlin GmbH, daß das Allgemeine Syndikat der FAU nicht tariffähig wäre. Was für ein Schwachsinn.

Beide Äußerungen der Geschäftsleitung des massiv vom rot-roten Senat bezuschußten Kinos, das sich gerne als gemeinnütziger Verein darstellt und sogar soweit geht widerrechtlich sein Impressum zu verändern, können nur als lächerliche Versuche gewertet werden quasiabsolutistisch, rechtswidrig und ignorant gegenüber den existenziellen Bedürfnissen jede Verbesserung der Arbeitssituation im babylon zu verhindern. Um dies zu erreichen scheint der Geschäftsleitung, die lieber verhöhnt, mobbt, entläßt und klagt, als vernünftig mit den arbeitenden Menschen in ihrem Verantwortungsbereich umzugehen, sogar der Einsatz von (Geheim-) Diensten nur recht und billig.

Dabei zeigt sich erneut eine äußerst obskure Verfassungswirklichkeit in dem kommerziellen Unternehemen Neue Babylon GmbH und den anderen von Grossman betriebenen Firmen. Die Beschäftigten fordern, was ihnen laut Grundgesetz und dem Arbeitsrecht zu steht. Sie wollen keine Auflösung der kommerziellen Struktur des Kinos und dessen Überführung in eine selbstverwaltetes Unternehmen, sondern kämpfen lediglich um ihr existenzielles Überleben.

In einer Betriebsversammlung gab der Theaterleiter Jens Mikat zu, daß der Verdienst im Filmtheater Babylon kaum über Hartz-IV Niveau sei. Da frag ich mich, wie sich dies mit der öffentlichen Förderung durch die Stadt, dem weltbekannten Renomee des Kinos und dem inszeniertem lächelndem Glamour des altehrwürdigen Lichtbildtheaters am nicht minder historischen Rosa-Luxemburg-Platz.

Das die Beschäftigten Rechte haben, scheint für die Geschäftsleitung und die Theaterleitung außerhalb des Denkbaren zu sein. Die Absage einer vorher gnädig gewährten Dienstversammlung wurde aufgrund unverschämter (Inhalt und Dauer) Nachfragen kurzfristig abgesagt. Die Audienz platzte vielleicht aber auch, weil gleichzeitig zur Versammlung die Einweihung der Bierbänke vor dem Studio stattfand. Da kamen die vorlauten Beschäftigten gerade recht.

Es zeigt sich also wieder einmal, daß die Neue Babylon Berlin GmbH nicht Willens ist einen Ausgleich mit seinen Beschäftigten zu suchen, sondern viel mehr ihre prekären Situation als gottgegeben und natürlich betrachtet. Der Verweis auf eine vermeintliche Verfassungsfeindlichkeit der Bestrebungen der gewerkschaftlichen Protagonisten lenkt billig von den eigenen rechtswidrigen, verfassungs- und vor allem menschenfeindlichen Ansichten ab. Es ist eine Frechheit, wie die Geschäftsführung, ganz nach Gutsherrenart mit ihren womöglich als leibeigenen Arbeitssklaven empfundenen Mitarbeiter_innen umgeht. Es ist eine Schande für einen (gar nicht mehr linken) Senat, dies offen zu ignorieren und zu dulden! Da bleibt wohl nur noch . . .

Streik! Streik! Streik!