Feindbild Demonstrant


via redblog von schweineherbst

Was es bedeutet politisch aktiv zu sein und sich an Demonstrationen teilzunehmen, wird am morgigen Samstag wieder eindrucksvoll betrachtet werden dürfen. Die Polizei droht seit Tagen schon im voraus und heute explizit, laut RBB, mit hartem Durchgreifen – sprich Prügel, Gas- und Wasserwerfereinsatz.

Die Springer Presse eskaliert fröhlich und völlig realitätsfremd mit. Haben die eigentlich Journalist_innen in Berlin, die einen Funken Verstand haben oder sitzen die den ganzen Tag in der Ständigen Vertretung am S-Bahnhof Friedrichstraße und saufen sich ihre Hauptstadt der Linksextremisten vor ihr apokalyptisch phantasierendes innere Auge.

Das schwarze Transparent vor der verbarrikadierten Ruine spricht eine klare Sprache. „Fire and Flames for Berlin“ steht dort am Eingang zur „Köpi“ in Berlin-Mitte. Dieses Gebäude dient der linksautonomen Szene als Hauptquartier für ihre „Action Weeks“, gegen die Aufwertung von Stadtteilen und für „alternative Freiräume“. Unter anderem lernen hier Straßenkämpfer in „Metallworkshops für angewandten Widerstand“, wie man Kampfinstrumente herstellt.

Vielleicht wünschte die Welt lieber, daß die bösen Autonomen bei Heckler & Koch feilen sollten, statt ihre Arbeitskraft in ihrer Ruine ( :lol: ) zu vergeuden. Diese Kampfinstrumente würden dann wenigstens die Richtigen töten.

. . . Aber die radikalen Autonomen haben die „Squat Tempelhof“-Aktion längst für sich reklamiert. Schon haben Unbekannte auf vielen Metern den acht Kilometer langen Zaun um das Flugfeld aufgeschnitten, um am Sonnabend Wiese und Startbahn zu stürmen.

Die Aktivist_innen wollen eigentlich nur das Tempelhofer Feld für den freien Zugang für alle Berlinerinnen und Berliner, ach was für alle Menschen, öffnen. Sie wollen nur durchsetzen, was die Politik versprochen hat. Aber das zählt nicht. Eskalation, schwere Verletzungen, Traumatisierungen und die zynische, faktische Abschaffung der Demonstrationsfreiheit sind wichtiger und vor allem politisch gewollt.

Wenn ein normaler Bürger nicht sicher sein kann, daß er, im Grunde genommen, aus der Demonstration unversehrt heraus kommt. Und wenn er als normaler Bürger und Demonstrant damit rechnen muß, daß der Wasserwerfer oder der Polizeiknüppel ihn verletzt, ja dann wird er das demonstrieren lassen. Und insofern ist das Demonstrationsrecht in seiner Substanz unterhöhlt.

Bei all dem, was die Politik zur Zeit insbesondere beim Thema Tempelhof für Staatsgewaltverherrlichende Propaganda betreibt, fällt mir eigentlich nur der Iran ein. Nur sind diesmal die Autonomen schuld. Erstanlicherweise werden die Bilder aus dem Iran ganz schnell von anderen abgelöst. Da schleicht sich Wowereit, Schäuble, Jung, Steinmeier usw einfach ins Bild und grunzt mich – behelmt, grün, mit Knüppel in der Hand und grünangemalt – fies an. Echt gruselig!


1 Antwort auf „Feindbild Demonstrant“


  1. 1 M. A. Bakunin 20. Juni 2009 um 13:04 Uhr

    Plichtbewusst weise ich darauf hin, dass man die Situation im Iran mit der in Berlin wohl kaum vergleichen kann. Ich bin mir sehr sicher von einer Demonstration lebendig nach Hause zu kommen. Im Iran ist das nicht sichergestellt.

    Das gegen Demonstranten verbal gehetzt wird und die Polizei auch gerne mal zur Gasfalsche greift, das ist natürlich nicht von der Hand zu weisen.

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