Nach Magdeburg nun Nordrhein-Westfalen

In NRW scheint der innerlinke Streit um nationale Symbole und den wahrhaftigen Antifaschismus erneut eskaliert zu sein. Hierbei steht die sich selbst als antiimperialistische, internationalistische, antifaschistische und vor allem offenbar klassenkämpferische Bewegung begreifende Rote Antifa Duisburg / Düsseldorf im Zentrum. Erstaunlicherweise wird ihr nicht nur Antisemitismus, aufgrund ihrer eliminatorischen Ablehnung des Staates Israel und uneingeschränkte Solidarität mit Palästinernser_innen, sondern vor allem Sexismus sowie zielgerichtete Aggressivität gegen Antideutsche vorgeworfen.

Mit einzelnen Protagonist_innen der Roten Antifa scheint es seit der Gründung 2007 immer wieder Probleme gegeben zu haben. Mehrere antifaschistische Gruppen aus Nordrhein-Westfalen haben sich Ende Juni deshalb entschlossen sich von dieser Gruppierung zu distanzieren und jede Unterstützung aufzukündigen. In einer Erklärung rufen sie alle Gruppen, autonome Initiativen und linke Zentren auf, ebenfalls einen politischen Bruch mit der Roten Antifa zu vollziehen.

Der Roten Antifa wird vorgeworfen, sie würde regelmäßig in gewalttätige Aktionen gegen andere antifaschistische Gruppen und Einzelpersonen involviert sein.

Zudem kam es zu Aussagen, die darauf schließen lassen, dass die „Rote Antifa“ einen anarchistischen und linkskommunistischen Minimalkonsens nicht teilt.

Damit sind vor allem sexistische Beschimpfungen und Drohungen, eliminatorischer Hass auf Israel, unkritische Beteiligung an nationalistischen, religiös-fundamentalistischen Demonstrationen und die Unfähigkeit sich differenziert sowie offen an innerlinken Diskursen zu beteiligen gemeint.

In der Erklärung der Unterstützer_innen eines Bruches mit der Roten Antifa scheinen sich zwei untragbare Verhaltensweisen, trotz gegenteiliger Beteuerungen und Entschuldigungen, zunehmend dominanter heraus zu kristalisieren. Auf der einen Seite besteht offensichtlich keinerlei Wille und Einsicht sich mit den eigenen sexistischen Ansichten auseinanderzusetzen und diese zu hinterfragen. Auf der anderen Seite wird die (im Grunde nationalistische) Präferenz Palästinas und damit einhergehende Ablehnung der Existenz Israels aggressiv und physisch umgesetzt. Ziel sind dabei vermeintlich antideutsche Antifaschist_innen, die ihrem womöglich notzionistischen Nationalismus fröhnen.

Das heißt, die Rote Antifa garniert ihre antifaschistische Praxis offenbar gerne mit sexistischen Zuschreibungen und Gewalt gegen andere, ihnen unliebsame Antifaschist_innen. Sie geht sogar soweit, genau wie Nazis und Autonome Nationalisten, No-go-Areas für Antideutsche schaffen zu wollen.

Ein ganz besonders widerliches Beispiel, das eliminatorischen Israelhass und Sexismus verbindet, führte schon im Herbst 2007 zu einem Hausverbot der Gruppe im Autonomen Zentrum Mühlheim. Hintergrund war ein Vorfall, bei dem Mitglieder_innen der Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf Parolen wie Antifada, Antifada und Tod für Israel skandiert und eine Besucher_in auf einer queeren Party sexistisch beschimpft haben sollen.

Die Reaktion der Roten Antifa ignoriert die Vorwürfe vollständig, denunziert sie lediglich als propagandistische Verleumndungen und wittert eine Verschwörung gegen das politische Umfeld und jeglichen antiimperialistischen und sich gegen Besatzungskriege und Unterdrückung gerichteten Widerstand in NRW und der gesamten BRD.

Auf die in diesem Text heraufbeschworenen und wissentlich falsch konstruierten Szenarien gehen wir deshalb bewusst erst gar nicht ein. Die Autoren, so auch die Unterstützer dieser Diffamierungskampagne, versuchen mit solchen verleumderischen und sich dem Rufmord bedienenden Texten, mit falsch bzw. gar nicht recherchierten Fakten / Geschehnissen Widerstand gegen Krieg und Unterdrückung in Deutschland zu delegitimieren.

Die Verfasser_innen gehen allerdings noch einen Schritt weiter. Sie werfen den zahlreichen Unterstützer_innen Staatsschutzmethoden vor und steigern sich in eine vermeintliche Verschwörung unter Zuhilfenahme von Diffamierung, Rufmord und Opportunismus zur Säuberung der antifaschistischen Bewegung von antiimperialistischen Gedankengut und internationaler Solidarität durch MigrantInnen Organisationen.

Davon sind die Autor_innen der Intervention gegen die Rote Antifa aber weit entfernt. Sie verlangen nicht einmal eine Positionierung im langjährigen Diskurs über das Verhältnis zum Staat Israel. Ganz im Gegenteil, die Kritiker_innen der Roten Antifa appelieren an die Einhaltung des Minimalkonsens in der radikalen Linken.

Wir fordern von Antifaschist_innen lediglich eine Abkehr von nationalistischen, sexistischen und antisemitischen Gruppen und Einzelpersonen.

Damit ist eine Auseinandersetzung mit jeglichen Nationalflaggen impliziert. Dazu würde im Übrigen auch die Diskussion um Israelfahnen auf Demos gehören.

Die Polarisierung, wobei meine Symphatien, aufgrund der sehr viel differenzierteren und breiteren Auseinandersetzungen mit antifaschistischen Positionen, auf Seiten der Kritiker_innen der Roten Antifa liegen, empfinde ich trotzdem als unnötig und gefährlich. Wieder stänkern Sekten (damit meine ich sowohl Anti-Imps als auch Anti-D) und zeigen, daß sie nicht fähig sind ihr eigenes Handeln und Konzepte kritisch zu hinterfragen. Wieder flüchten sich Sektierer_innen in vermeintliche Verschwörungstheorien und paranoiden Auslöschungsphantasien. Und schließlich, wieder ist Magdeburg, wo sich die Nazis hübsch ins Fäustchen lachen und dabei zu sehen, wie sich die Antifa selbst zerfleischt, an vorderster Front dabei. Nur sind es diesmal – für mich offensichtlich – antiimperialistische Autist_innen, die eine Zersplitterung forcieren.


14 Antworten auf „Nach Magdeburg nun Nordrhein-Westfalen“


  1. 1 Tapete 02. Juli 2009 um 16:25 Uhr

    Aha, und in Madgeburg waren die „antideutschen“ Veranstalter dran schuld, dass ihre Veranstaltungen angegriffen wurden?

    Der letzte Teil macht die sonst gute Zusammenfassung wieder etwas schwach…

  2. 2 Kopfproll 02. Juli 2009 um 17:16 Uhr

    Sehr guter Text, der die Lage bei uns aus der Distanz recht treffend zusammenfasst.

  3. 3 Machnow 02. Juli 2009 um 18:01 Uhr

    Also, was genau in Magdeburg los ist, weiß ich nicht. Das es auch dort insbesondere Anti-Imps sind, die sich gezielt auf Israel-Fahnen-Träger_innen werfen ist mir bekannt. Meine Symphatien sind auch dort, wie eben bei den ‚interventionen‘, auch eher auf der sogenannten anti-d seite. aber ich kann nationalfahnen partout nicht ab. sie sind für mich zeichen eines hierarchischen herrschaftssystems, das sich auf nationale, religiöse, kulturelle oder was weiß ich für konstruktionen stützt. in punkto israel würde ich vielelicht auch einen „notzionismus“ beführworten, aber deshalb muß ich doch nicht die fahen durch die gegend tragen….

  4. 4 Tapete 02. Juli 2009 um 18:09 Uhr

    Nationalfahnen tragen? Zwingt dich ja auch keiner zu. Ich wollte dich jetzt auch garnicht unter Erklärungszwang setzen, weil ich deine Zusammenfassung ansonsten auch teile.

    Mir ist nur der letzte Satz sauer aufgestoßen, wo du, nachdem du einen kleinen Magdeburgexkurs verfasst hast, schreibst: „Nur sind es diesmal – für mich offensichtlich – antiimperialistische Autist_innen, die eine Zersplitterung forcieren.“
    Das hört sich an, als wäre es da andersrum gewesen.

  5. 5 Machnow 02. Juli 2009 um 19:11 Uhr

    ok. hab ich mißverständlich formuliert.

  6. 6 Antifa Linke Berlin 04. Juli 2009 um 0:41 Uhr

    wow, ich dachte das sein ein linker blog….

  7. 7 Machnow 04. Juli 2009 um 8:40 Uhr

    ich dachte die ablehnung patriachalen chauvinismus, antisexismus, die ablehnung nationaler und religiöser fundamentalismen wäre linker minimalkonsens!

  8. 8 Antifa Linke Berlin 05. Juli 2009 um 16:57 Uhr

    deswegen hast du dich auch nach nem antisemitischen antikommunisten benannt, gell?….

    ne mal im ernst. kuckt euch die anti-d-gruppen im pott an und deren form von kritik. das ist nicht so postmoderne beliebigkeitsdiskurskacke a la TOP-Berlin sondern das sind noch knallharte „antilinke“ Anti-Ds a la 2003. Ein Reflexionprozess wie in Berlin gibts da garnicht. Und die Rote Antifa ist halt ein haufen junger ueberwigend nicht-deutscher AktivistInnnen die aus einer TRradition der tuerkischen radikalen linken kommen. Durch habitus sind sie von der maennlichen weissen Antifa-szene per se ausgeschlossen und werden auch so behandelt. Und die Rote Antifa ist nicht Initativ.ev, solidariert sich nicht mit islamistInnen. Im gegensatz zu gruppen wie der kommunistischen gruppe bochum oder der prozionistischen linken die sich ganz offen mit fundermentalistischen Stroemungen (Broder, Liebermann) solidarisieren.

    Antisexismus ist in den Augen der Kritiker der Roten Antifa nichts anderes als eine volksgeminschaftliche ideologie um den linken Racket zusammenzuhalten. Sie lehnen sowas radikal ab. Aber nur wen sie selbst fuer ihr penisgeprotzte kritisiert werden. Um irgendwelche linke Gruppen anzupissen griffen die Anti-DS schon immer gern auf „linke Konsense“ zurueck, die sie selbst ablehnen…

    Fazit: Die Rote Antifa ist ein bisschen Dumm und Naiv. Ideologisch halt etwas altbacken aber weder reaktionaer noch gefahrlich. Im gegensatz zu den Antifa-Gruppen die sie kritisieren. Die sind halt nur rechts…

  9. 9 Machnow 05. Juli 2009 um 18:30 Uhr

    deswegen hast du dich auch nach nem antisemitischen antikommunisten benannt

    darauf habe ich gewartet. da sind sie wieder, die marxistisch fundamentalistischen, dogmatisch quasisakralen exklusionen. hübsch, daß dieser blödsinn nun schon über 90 jahre überlebt hat, daß immer noch vermeintlich emanzipative menschen 80 jahre nach trotzkijs permanenter revolution und nach stalins trotzkistischem terror immer noch darauf reinfallen und den quatsch GLAUBEN . . . :lol: da wundert mich gar nicht, daß du sexismus, gewalt im eigenen lager (siehe bolschewismus und stalinsmus) und eliminatorischen antiisraelismus als ungefährlich betrachtest.

    für mich gibt es keinen unterschied zwischen autistisch zionistischem nationalismus (anti-ds) und unkritisch (inter-) nationalistischem antiimperialismus. nur haben die anti-ds in NRW offenbar soviel differnzierungsvermögen anti-imps nicht physisch zu attackieren, sondern sie diskrusiv anzugreifen. deshalb sollten sich die roten antifaschist_innen vielleicht ein wenig mehr kritisch bilden. damit würden sie ihre dummheit und naivität fruchtbar „überwinden“ und nicht gleich mit körperlicher gewalt auf ihre fehlende argumentation reagieren. vor allem würde sie so eventuell ihre paranoia gegen anti-ds, die sie erniedrigen und auslöschen wollen verlieren.

    es gibt argumente gegen übertriebene antideutsche israelsolidarität. es gibt argumente gegen nationalflaggen. es gibt möglichkeiten sich an demonstrationen kritisch intervenierend zu beteiligen. mensch muß nicht gleich alles unpaßende (eben wie deutschland) aus der „eigenen“, dh phantasiert besitzenden, demo rauskloppen. und eliminatorische exklusion geht gar nicht. mit einer parole „tod für israel“ können diese rechten antifas – ich meine die anti-imps – locker bei den ANs mitlaufen. mit dem slogan „no-go-areas für antids“ sind sie bestimmt ebenfalls in der (inter-) nationalen querfront willkommen.

    antideutsche kritik ist zum teil übertrieben polemisch, extrem polarisierend und vor allem schmerzhaft. vor allem für die linke. an den rändern ist sie bestimmt auch oft neocon-like und nicht mehr links. selbiges gilt für querfront scheiße am rand der anti-imps. auch da sehe ich nix linkes mehr. aber, die antideutsche kritik ist notwendig. genauso wie die interantionalistischen und in ihrer konsequenz im grunde antinationalen positionen. der streit zwischen diesen richtungen ist fruchtbar, allerdings nur so lange keine exklusionsmechanismen greifen! und an dieser stelle ist für mich schluß!

  10. 10 Antifa Linke Berlin 05. Juli 2009 um 19:46 Uhr

    Wieso findet sich auf deinem Blog eigentlich ein Anti-G8-Video von einer krass antizionistischen Gruppe, dem gegenueber die „rote antifa“ wie „venceremos dresden“ wirkt? Wenn es nicht im moralischen Deutschen Sumpf passiert scheinst du´s mit antiisraelischer hetzte ( die nicht nur italien leider zum guten ton der linken gehoert) nicht so genau zu nehmen. Sonst blieb ja auch niemand mehr auf den du deine revolutionsromatik projezieren kannst. Voelkisch sind vor allem Gruppen wie die EZLN, die du ja scheinbar magst, nicht die Rote Antifa duisburg. Die sind halt nur dummm und putzig.

    Wie gesagt, wer einmal in so einem scheiss-linken-cafe voller rassistischer polit-macker war, wird kein problem damit haben wenn paar von diesen Mackern mal auf die Fresse kriegen. Kann auch therapheutisch funktionieren. Hier paar nette Texte wie ich mich als nicht-maennliche, nicht-deutsche in deiner achso linken Szene fuehele, und warum ich die kanacken von dev-sol (aka rote antifa) verstehen kann:
    http://www.cafemorgenland.net/

    PS: Natuerlich gab es keine antisemitischen Pogrome unter Machnow. Auch keine Vergewaltigungen unter der CNT. Boese sind nur Stalinisten und Trotzkisten. Das es von euch Wohlfuehllinken niemand gebacken bekommt mal aus euren ideologischen schuetzengraebern aufzutauchen und die antiemanzipatorischen und gefaherlichen Elemente im Anarchismus genauso zur kenntniss zu nehmnem wie die Katastrophe des Stalinismus/Trotzkiskus (was uebrigens das gleiche ist)

  11. 11 Machnow 05. Juli 2009 um 22:08 Uhr

    Ich denke immer noch, auch wenn du rumpöbelst, trollst und keinerlei ordentliche argumente außer einer vermeintlichen wahrheit (die NUR du allein kennst, denn NUR du weißt wahrhaft bescheid) präsentierst, daß du immer noch teil der linken bist. genau wie ich.

    eine diskussion ist mit dir allerdings nicht möglich. gewalt gegen die eigenen leute zu glorifizieren, ist unter aller sau. de sade fand das vielelicht geil, ich steh da nich‘ so drauf. und wenn sollten diejenigen schon selbst entscheiden dürfen, wer den devoten ’sklaven‘ gibt udn wer den prügel ’sadisten‘….

    und im gegnesatz zu dir kann ich mit italiener sehr gut. ich habe nix gegen sie. ich habe nix gegen antiimeprialismus und internationalsmus. aber ich habe auch nix gegen antideutsche.

    solange es um die befreiung geht und nicht gleich um israel / palästina sind viel einer. kaum ist dieses thema angesprochen, werden sich die köppe eingehauen. das nervt.

    schonmal drüber nachgedach, dass antids nicht so pissig und undifferenziert in kommentaren beleidigen? ist dir aufgefallen, dass du scheinbar die einzig selig machende wahrheit gefressen zu haben scheinst und antids meine ansicht akzeptieren können. lebs weiter schön in deiner welt und laß mich in ruhe mit deiner gepöbel.

    du fliegst virtuell raus!

  12. 12 Robin 26. September 2009 um 2:42 Uhr

    Also bei dem Text kann ich nicht mitreden, weil ich kein Insider bin. Aber was die Schlussbemerkung mit dem Autismus anbetrifft: Autismus läuft nochmals auf einer ganz anderen Ebene, die machen die Schotten dicht oder fallen in stereotypische Bewegungen zum Stressabbau, weil sie die vielen auf sie einprasselnden Eindrücke schlecht nach Wichtigkeit sortiert und weggeblendet bekommen. Außerdem tun sich viele von ihnen schwer zu kommunizieren oder ihre Gefühle zu zeigen, weil danach dieses Auf-sie-Einprasseln droht.

    Das, was du meinst, ist Nabelschau, Kleinkariertheit oder Egozentrik. Das hat mit Autismus nix zu tun.

  13. 13 Robin 26. September 2009 um 2:46 Uhr

    Nachtrag…

    Ging mir einfach darum, klarzustellen, was „Autismus“ ist, nicht deinen Beitrag als solchen zu kritisieren. Autisten werden oft schlecht verstanden von der Außenwelt, es ist ein Anders-Sein, das manchmal auch Vorteile hat. Es wäre schön, wenn Autismus nicht als Schimpfwort gebraucht wird, vor allem dort nicht, wo es wirklich nicht passt (also wenn es kein Abschotten wegen Reizüberflutung ist).

  1. 1 Verteidigt Israel! Trackback am 02. Juli 2009 um 18:51 Uhr
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