Medienschau am Sonntag (14)

Wie gewohnt erscheint die Medienschau wieder um einen Tag verspätet. Dafür konnte ich aber wieder einige interessante Artikel aus der vergangenen Woche zusammentragen. Besondern empfehlen kann ich den den Beitrag über die Linkspartei-Politikerin Elke Reinke, das einzige Mitglied im Bundestag, das schon einmal persönliche Erfahrungen mit der Hartz-Gesetzgebung gemacht hat. Außerdem möchte ich noch die Broschüre „Organisierte Unverantwortlichkeit“, die online leider nur im rtf-Format vorliegt, zum Studium empfehlen. Darin wird gezeigt, dass nicht nur der amerikanische Gentechnik-Konzern Monsanto uns mit Gift und Genen traktieren möchte, sondern auch deutsche Konzerne und Firmen an dem mafiös organisierten Geschäft beteiligt sind.

Heikle Nanos im Warenregal“ (spektrumdirekt.de vom 15.07.2009)
Während die Anzahl der Konsumprodukte, die Nanopartikel zur Verbesserung der Produkteigenschaften enthalten, rasant ansteigt, hingt die Erforschung des Gefahrenpotentials dieser winzig kleinen Inhaltsstoffe hinterher. Einerseits gibt es Nanopartikel, bei denen sich die Forschung über das krebsauslösende Potential ziemlich sicher sind. Andererseits kann das menschliche Immunsystem diese Partikel aufgrund ihrer geringen Größe nicht abwehren.

Gnade für den Gedankenverbrecher“ (Jungle World vom 16.07.2009)
Ziemlich schnell nach ihrem Bekanntwerden in breiteren Schichten politikinteresierter Menschen ist die Piratenpartei in die Kritik geraten. Ungeschickerweise haben die Piraten mit Bodo Thiesen einen Holocaustleugner a.D. zum stellvertretenden Parteirichter gewählt, obwohl er seine skurilen Thesen sogar mit in rechtsextremen Kreisen verbreiteter Literatur begründet hat. Es ist also anzunehmen, dass es sich bei ihm nicht nur – wie von Vertretern der Partei behauptet – um einen radikalen Verfechter der Meinungsfreiheit handelt.

‚Judenrepublik‘ und ‚Samenkanonen‘: Landtag hebt Immunität von NPD-Fraktionschef Pastörs auf“ (npd-blog.info vom 16.07.2009)
Im Februar hatte der NPD-Politiker Udo Pastörs in einer Brandrede Deutschland als eine Judenrepublik bezeichnet und auch sonst ein beispielloses Gewitter antisemitischer ud rassistischer Beschimpfungen dargeboten. Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat nun die Immunität von Pastörs aufgehoben, damit dieser hoffentlich sehr bald seine mehrjahrzehntige Haftstrafe antreten kann.

Etwas wachsen lassen“ (der Freitag vom 16.07.2009)
Der entfremdete Mensch zeichnet sich ja nicht nur durch eine stumpfsinnige Lohnarbeit aus, sondern auch dadurch, dass er zu seiner Umwelt keinen Bezug mehr hat. Dagegen lässt sich was tun: Guerilla-Gardening. Die ursprünglich aus New Yorck stammende Bewegung des „illigalen“ gärtnerns verschönert mittlerweile die Großstädte rund um die Welt. Richard Reynolds aus London hat das Manifest zur Bewegung geschrieben, die jetzt auch auf Deutsch lesbar ist. Bei den Linken Buchtagen hat Reynolds einen sehr amüsanten Vortrag zu seinem Buch und der Bewegung gehalten.

Triumph der Graswurzeln“ (freitag.de vom 17.07.2009)
Aus der brandenburgischen Kyritz-Ruppiner Heide sollte das größte Bombenabwurfgelände Deutschlands gemacht werden. Doch seit 17 Jahren haben sich die ortansässigen Bürger und Politiker dagegen mit kreativen und juristischen Mitteln gewehrt. Die Bundeswehr hat vor Gericht eine Niederlage nach der anderen kassiert und musste letztendlich ihr Scheitern eingestehen. Das könnte für andere antimilitaristische Graswurzelbewegungen zum Vorbild und Hoffnungsschimmer werden.

Frau Reinke und das deutsche Volk“ (Tagesspiegel vom 17.07.2009
Elke Reinke war vor der letzten Bundestagswahl langzeitarbeitslos, konnte dann aber über ihren Thüringer Wahlkreis als Abgeordnete der Linkspartei in den Bundestag einziehen. Ihr Spezialgebiet ist die Sozialpolitik rund um Hartz IV – sie ist die einzige Bundestagsabgeordnete, die hier praktische Erfahrung vorzuweisen hat. Aufgrund ihrer manchmal holprigen Rhetorik und ihres unsicheren Auftretens auf dem politischen Pakett, das sie aber durch Bürgernähe wett machen konnte, wurde sie nun von ihrem Landesverband nicht mehr aufgestellt. Die politischen Gremien sind offenbar doch den Berufspolitikern vorbehalten. Nun kann Reinke nur noch über ein Direktmandat im September wieder in den Bundestag einziehen.

Fighting in Friedrichshain“ (taz vom 18.07.2009)
Im östlichen Teil des Bezirks Friedrichshain hat sich eine politisch brisante Mischung zusammengebraut. Die Nähe des historisch eher links-alternativen Bezirks zu den Nazi-Hochburgen in Lichtenberg und die sich überschneidenden Wege um den Bahnhof Frankfurter Allee führte dazu, dass hier immer wieder links aussehende Menschen in die Fänge von Nazi-Schlägern hineingerieten. Am vorletzten Wochenende wäre beinahe ein Linker zu Tode geprügelt worden, worauf mit einer Demonstration reagiert wurde, an der am vergangenen Samstag ca. 5000 Menschen teilnahmen.


1 Antwort auf „Medienschau am Sonntag (14)“


  1. 1 Nachholender Linkdump « meta.blogsport Pingback am 20. Juli 2009 um 20:15 Uhr
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