Homophobie mit staatlicher Unterstützung

Die Filmarbeiten der Biographie des homophoben Rappers Bushido haben offenbar begonnen. Den Streifen produziert Bernd Eichinger für constantin film. Regie führt Uli Edel, der Experte für den oberflächlichen Film ohne jeden künstlerischen Anspruch. Paßt ja!

Edels sonstigen Themen sind sexistischer Voyeurismus, widerlich wagnereske, romantisierende Deutschtümelei und verkitschte Revolutionsdemontage. Das Filmboard Berlin-Brandenburg unterstützt diesen Film über das Leben eines homophob sexistischen Exklusionsfetischisten, der glaubt definieren zu dürfen, wer ein echter Rapper sein darf, mit 650.000 Euro.

Offensichtlich sind die Produzenten, der Vertrieb, die beteiligten Schauspieler_innen und Bushido selbst sehr glücklich über die Zusammenarbeit. In einem derartig euphorischem Überschwang kann mensch schnell mal begrifflich einiges durcheinander fliegen.

Bushido ist in einer Zeit der sozialen Ungerechtigkeit das Idol einer jungen Generation. Seine Texte sind authentisch, provokant und nicht selten radikal. Bushidos Botschaft an seine Fans und Leser ist eindeutig: mit einem unerschütterlichen Glauben an sich selbst hat jeder Mensch die Chance, aus seinem Leben etwas zu machen.

Constantin schafft es offensichtlich neoliberale Anreizmechanismen, die jede soziale Verantwortung auf das Individuum abschieben, mit einer (konservativ) rebellischen Attitude zu verknüpfen. Bei diesem diskursiven Spagat kann es schon passieren, daß Homophobie, Sexismus und Gewaltverherrlichung zur radikalen und provokanten Authentizität verklärt werden kann.

Die große Unterstützung verwundert dann allerdings schon. Auch wenn mensch die bekannte Kritik an Bushido beiseite läßt, was nicht möglich ist, weil sie mit seinem Leben und seinem Image verknüpft ist, bleibt es verwudnerlich, daß das Mediaboard derart viel Geld zu schießt.

Eine Erklärung wäre die Nähe von Eichinger / Edel zu den Entscheidungsträger_innen ( ;-) ) im Mediaboard. Eine andere Möglichkeit ist, daß die institutionellen Kultur-Unterstützer_innen glaube, ihr Geld würden sie bei dem promonenten Ensemble zurückbekommen, was aber eigentlich nicht die Aufgabe des Mediaboard wäre. Schließlich soll es mediale Projekte ermöglichen, die auf dem freien (Fianz-) Markt keine Finanzierung bekommen können. Bei Eichinger / Edel / Bleibtreu / Elsner / Flint / Ochesenknecht sollte dies allerdings anders laufen können.

Naja, die Filmarbeiten laufen. Also, am besten in den nächsten Wochen bis Mitte September die Augen offen halten und womöglich kritisch intervenieren.


4 Antworten auf „Homophobie mit staatlicher Unterstützung“


  1. 1 unkultur 24. Juli 2009 um 10:59 Uhr

    Ja, am besten „intervenieren“ wenn das Filmteam dabei ist, damit der Film ein paar authentische Krawallszenen bekommt. Und Bushido noch öfter auf die Seite 1 der Boulevardpresse kommt. Es ist ja schließlich eine Art Gütesiegel „kontrovers“ zu sein, da müsste die Marketingmaschinerie die Gegendemonstrantinnen und -demonstranten erfinden und möglicherweise bezahlen, wenn´s diese nicht schon gäbe.
    Oder kritische Blogartikel verfassen, damit das Thema via google ranking gepusht wird. Nicht falsch verstehen: ignorieren ist auch keine Lösung.

  2. 2 Machnow 24. Juli 2009 um 12:55 Uhr

    die publicity kriegt er sowieso. ohne intervention wärs allerdings wahrscheinlich eine positive. von wegen der gute junge. er hat sich geändert. er sit aber immer noch authentisch, radikal und sooooo provokant. aber er macht ja nix. und er kann doch gar nix dafür …

    dann lieber schon negative publicity produzieren. nicht unbedingt mit keile, aber vielelicht mit anderen kreativen interventione!

  3. 3 lampe 04. August 2009 um 9:49 Uhr

    bushido ist einfach n depp. nichts weiter. hochkommerziallisierter stumpfsinn, mit homophoben auswüchsen. nein, das ist keine gute musik, und wird unter garantie kein guter film. nur wozu die aufregung? soll der achsogute staat das jetzt nicht unterstützen? moral zählt da nich soviel. zielgruppe sind umgefähr 30% der bravo teenies und 0,3% der hiphop heads, was zusammen nicht so besonders viele menschen ausmacht, also lieber nochmal „8 mile“ schauen, der ist zwar auch homophob, aber n guter rapper in nem sehr guten film.

  1. 1 Žižek, Merchandising, Bushido und das BKA « meta.blogsport Pingback am 23. Juli 2009 um 18:44 Uhr
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