Ins Land, wo Milch und Honig fließt

Abraham zog auf Geheiß einer ominösen Stimme aus dem fruchtbaren Land am Euphrat, um weit weg seßhaft zu werden. Dort soll Milch und Honig fließen. Dort würde er einen Sohn bekommen. Dort sollte das Menschenopfer beendet werden und dort schloß er auf dem Tempelberg den ersten ברית mit IHM. Jahrtausende später flüchten seine Nachkommen, die verstreut leben, denen das Leben und Recht genommen wurde, die auch nach der großen Katastrophe immer noch gehaßt und getrieben werden, erneut ins Land, wo Milch und Honig fließen soll. Arte zeigte in den letzten zwei Tagen eine beeindruckende Serie unter diesem Titel, die sich mit dem (zweiten) Exodus jüdischer Überlebender nach ארץ ישראל beschäftigt.

Die Serie beginnt nach dem Krieg. Die Überlebenden irren durch Europa. Sie fliehen vor der Erinnerung. In Marseille treffen sie sich auf dem spanischen Frachter Yehuda Halevi, um nach Palästina zu kommen. Sie flücheten aus Polen, Frankreich und aus Casablanca. Sie haben überlebt und trotzdem alles verloren. Die Erzählung ist nicht unbekannt. Der Regisseur Haïm Bouzaglo begleitet die Überfahrt. Er fiktionalisiert mit einer wackligen Kamera das Leben in den neuen Internierungslager für Jud_innen. Auch im Kibbuz, bei denjenigen, die es nach Palästina geschafft haben setzt er auf die eine authentische Illusion.

Der Film setzt sich eindrucksvoll mit dem Schicksal jüdischer Flüchtlinge im Nachkriegseuropa auseinander. Er entlarvt die europäische Nachkriegspolitik, die diejenigen, die der Vernichtung entkommen sind nun erneut entrechtet und interniert, als konzeptlos zynische Retraumatiserung. Er romantisiert die Siedlungspolitik in Palästina, die zunehmenden Konflikten mit arabischen (eben nicht palästinensischen) Nachbar_innen und setzt dem die universelle Versöhnung durch die Liebe entgegen, die allerdings im ideologischen Haß der Dorfgemeinschaft und der blutigen Rache der Überlebenden, die nie wieder, wie Schlachtvieh in den Tod rennen wollen, eskaliert.

Bouzaglo inszeniert aber auch die Sprachverwirrung unter den Jud_innen, die im עברית und in der Sehnsucht nach ארץ ישראל zusammen finden. Auch zwischen ihnen gibt es Konflikte, die aber fruchtbar in einer Hochzeit versöhnt werden können.

Heute ab 15:45 Uhr wiederholt arte die ersten beiden Folgen. Ich kann diese Serie wirklich jedem nur empfehlen!


2 Antworten auf „Ins Land, wo Milch und Honig fließt“


  1. 1 M. A. Bakunin 26. Juli 2009 um 22:35 Uhr

    Für ein paar Tage gibts das noch auf der Website von arte zu sehen.

    Für so was lohnt es sich doch GEZ zu zahlen! :-)

  1. 1 Ins Land, wo Milch und Honig fließt « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 25. Juli 2009 um 15:19 Uhr
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