Babylon aneignen! Fürsten vertreiben!

Pfui Grossman, fällt mir da nur ein. Der autokratische Sonnenkönig und selbsternannter Herr über alles materielle und immaterielle Inventar des Filmtheater Babylon hat in der vergangenen Woche gleich zwei Skandale fabriziert. Zur Eröffnung der Saison im Freiluftkino Charlottenburg ließ er es sich nehmen, kritische Besucher_innen physisch zu attackieren und zu beschimpfen. Gestern abend, bei einer Veranstaltung des Italienischen Kulturinstituts, verwies er alle Besucher_innen, trotz expliziter Einladung der Veranstalter_innen des Hauses. Zur Durchsetzung des allgemeinen Hausverbots holte er sich Unterstützung von Team Green.

Die Situation wurde durch Grossman offenbar gezielt auch gegen den Willen der Veranstalter_innen vom Italienischen Kulturinstitut und anwesender Zuschauer_innen eskaliert. Womöglich hatte das Leistungsträger Rumpelstilzchen das dringende Bedürfnis sich für die sicherheitstechnische Schlappe bei der Eröffnung des Freiluftkinos Charlottenburg zu revanchieren, wo ihn die angeforderte Polizei, die sein Kino und Vorplatz von renitenten Gewerschafter_innen säubern sollte, offenbar mächtig auslachte, so daß er selbst handgreiflich aktiv werden mußte.

Diesmal lief es anders. Handgreiflichkeiten, Wortergreifung und ein totales Hausverbot für alle Besucher_innen der Veranstaltung am gestrigen Abend waren das Ergebnis. Anzeigen wegen Hausfriedensbruches gegen die FAU Aktivist_innen werden folgen. Wobei die Verfahren wahrscheinlich schnell eingestellt werden dürften. Schließlich hatte sich das Italienische Kulturinstitut eingemietet. Sie luden die Demonstrant_innen mehrfach und explizit zu ihrer Veranstaltung ein. Die Aktivist_innen waren ruhig und haben keinesfalls den Abend gestört. Nur Grossmann hat sich echauviert, Menschen am Reden gehindert und ist sie aggressiv angegangen.

Damit hat er lediglich erreicht, daß auch der letzte regelmäßige Mieter ihn und seine Aktivitäten skeptisch betrachtet. Die einzigen, die ihn immer unterstützen werden, sind wahrscheinlich die Evangelikalen, die sich jeden Sonntag zur homophoben und kreationistischen Messe für ihr anästhesierendes Phantom versammeln.

Übrigens war das Vergehen der Aktivist_innen per T-Shirt auf die untragbaren Stundenlöhne an einer öffentlich geförderten Kulturinstitution hinzuweisen. Statt Babylon hieß es darauf Babylöhne. Neben den Beschäftigten des Kinos und den FAU Gewerkschafter_innen hatten sich auch einige Aktivist_innen der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin und Bonn an der Veranstaltung beteiligt.

Der Film, dessen Vorführung Grossman und sein herrisch ignorantes Verhalten empfindlich gestört hat, ist eine meditative Reise zwischen Realität und Illusion. Er bewegt sich bewußt in einem Dorf der Menschenzeit, die still zu stehen scheint – zwischen der zyklischen Natur und der linearen Dynamik des menschlischen Lebens. Grossman wehrt sich – metaphorisch mit Dino Viani – beinah autistisch gegen die geballte Kraft der (gewerkschaftlichen) Bewegung. Er streubt sich Andere respektvoll entgegen zu treten. Viel mehr versucht er jede_n zu erniedrigen und existenziell zu verletzen. Er hält hartnäckig am Zyklus der ihm zur Natur gewordenen kapitalistischen Ausbeutung fest.

Pfui Grossman, fällt mir da nur ein. Geht endlich weg und such dir ein anderes Spielzeug, daß keine Existenzen zerstört!


6 Antworten auf „Babylon aneignen! Fürsten vertreiben!“


  1. 1 Rudutti 31. Juli 2009 um 1:52 Uhr

    Nicht alle BesucherInnen erhielten Hausverbot, sondern nur einige FAU-Aktivisten explizit, während andere anscheinend in einen global vor sich hingebrabbelten Rauswurf einbezogen sein sollten, den das Rumpelstilzchen beim Anwählen von Team Green, den Blick auf seinen Sprechknochen gerichtet, dahermurmelte. Die Polizei hat dann die Gäste, die ein Babylohn T-Shirt anhatten, gegen den erklärten Willen der Veranstalter aus dem Saal befohlen und die Personalien für eine Ermittlung wegen „Hausfriedensbruchsanzeige“ aufgenommen.

  2. 2 the bastian 31. Juli 2009 um 12:07 Uhr

    uiuiuiuiui, liebes aka:

    also vielleicht ist es ja grundsätzlich so, dass ich Deinen positionen etwas kritisch gegenüberstehe: ein geschäftsführer eines kinos ist tatsächlich herr über das filmtheater. und existenzzerstörend sind dumpinglöhne nicht, nur ungerecht. es wird ja keiner gezwungen da zu arbeiten… aka, deine argumente, die oftmals wirklich die richtigen sind, würden wirkungsvoller sein, wenn sie nicht mit halbwahrheiten und übertreibungen vermischt wären

    beste grüße
    thebastian

  3. 3 Machnow 31. Juli 2009 um 12:37 Uhr

    @the bastian: deien kritik sticht nicht. selbst mikat, der theaterleiter gibt zu, daß von dem verdienst im babylon niemand leben kann und zusätzlich auf hartz-IV angewiesen ist. das heißt das gehalt im babylon ist existenzgefährdend. also arm trotz arbeit!

    zweitens gehört es nicht dazu, bei explizit wiederholter einladung an die aktivist_innen durch die veranstalter, die eingeladenen aus dem gebäude zu entfernen und sie wegen hausfriedensbruchs anzuzeigen, was schon tatbestandlich nicht geht, weil sie von allein gegangen sind. genauso wenig gehört es dazu seinen mieter_innen das wort abzuschneiden, außer mensch hat kein weiteres interesse an einem weiteren engagement der gäste.

    informiere dich bitte über den genauen verlauf des arbeitskampfes der nun schon über ein halbes jahr dauert und mit der dauerhaften ignoranz der geschäftsleitung gegenüber den beschäftigten und den gewerkschafter_innen gekennzeichnet ist.

    arbeitskämpfe sind ein wichtiges korrektiv zu ungerechtigkeiten auf arbeit. respektvoler umgang miteinander gehört dazu. grossman hat diese grenze schon lange überschritten. er wollte mit forensik gegen beschäftigtenrechte vorgehen. er attackiert gewerkschafter_innen physisch usw… also, besser selbst nochmal über die genauen arbeitsrechtlichen udn strafrechtlichen gegebenheiten informieren udn dann kommentieren.

  4. 4 Machnow 31. Juli 2009 um 12:40 Uhr

    im übrigen ist dies ein linksradikaler blog, der keinerlei „professionellen“ anspruch hat, sondern sich als medienaktivistiosch versteht. das bedeutet poerspektiven (auch mal polemisch überspitzt) zu formulieren, damit sie nicht verloren gehen…

    dies schreib ich normalerweise nur herrschaftsaffinen, gründsätzlich staatsaffirmativen und angepaßen menschen. ich dachte du wärst „alternativ“. deine letzten komentare sind davon allerdings weit entfernt!

  5. 5 Rudutti 31. Juli 2009 um 14:18 Uhr

    Übrigens fällt mir gerade noch ein… Letztens beim Flugi-verteilen kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die mir erzählte, daß sie dort jeden Sonntag morgen ihre kirchliche Veranstaltung machten. Sie meinte, sie kennt solche miesen Arbeitsbedingungen aus der Pflege und wir sollten doch mal auch Sonntags vormittags da hin kommen und etwas dazu erzählen. Unterstützerpotential gibt es also auch dort. Selbst die sind eben nicht so fundamentalistisch wie Grossman.

  6. 6 the bastian 08. September 2009 um 20:00 Uhr

    @machnow: jup, du hast recht. ich war zum thema uninformiert, ist jetzt anders und ich würde so nicht mehr kommentieren.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.