Medienschau am Sonntag (16)

Wieder ist eine Medienschau fertig, wenn auch mit etwas zeitlicher Verzögerung. Erschreckend fand ist den Blog-Beitrag bei Spreeblick über die Äußerungen des Vorsitzenden der deutsche Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Die Äußerungen dieses Mannes in einem Spiegel-Interview passen gut zu einem Text im Freitag über „ganz normale Menschen“.

Luftschlösser für junge Journalisten“ (sueddeutsche.de vom 27.07.2009)
Die Initiative Neue soziale Marktwirtschaft (INSM) ist ein arbeitgebernahe Lobby-Gruppierung, die mittels ausgeklügelter PR-Arbeit ihre neoliberale Ideologie verbreitet. Bei einem Interview- und TV-Projekt für junge Journalisten, bei dem es auch eine Menge Geld zu verdienen gab, ist der INSM nun aber ein PR-Faux Pas unterlaufen: Prominente wie Josef Ackermann, Anne Will und Günter Grass wurden als mögliche Interviewpartner für das INSM-Projekt ausgegeben, obwohl diese abgesagt oder darüber gar nicht informiert wurden. Vielleicht sinkt der Stern des Neoliberalismus ja doch langsam.

Es weht ein Rainer Wendt durch Deutschland“ (spreeblick.com vom 28.07.2009)
Rainer Wendt ist Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. In einem vor kurzem erschienen Spiegel-Interview ist er durch steile, hochparanoide Thesen auffällig geworden. Am Beispiel der 150 in diesem Jahr in Berlin angezündeten Autos sieht er eine neue Qualität des linksextremen Terrorismus aufsteigen. Ihm zufolge stehen wir am Vorabend einer Wiederauflage der RAF-Zeiten. Angeblich wurden zuviele polizeiliche Kapazitäten in die Abwehr von Rechtsextremismus und islamischen Terrorismus gesteckt – andernorts klaffen dadurch riesige Lücken. Seine Lösung: ‚Den Linksextremisten ist nur durch einen massiven Einsatz von verdeckten Ermittlern und Vertrauenspersonen beizukommen.‘

Der Bologna-Prozess – eine ‚planwirtschaftliche Chimäre‘?“ (telepolis vom 28.07.2009)
Die im Rahmen der Bologna-Hochschulreform geschaffenen sechssemestrigen Studiengänge sind an die ökonomische Theorie des Taylerismus angelehnt. Dabei wird das Studium in zahlreiche kleine, mit credits honorierte Arbeitsschritte zerlegt. Die Universität kann dadurch keinen Raum für offene Diskurse mehr bieten sondern nur noch standardisiertes Basiswissen vermitteln. Auch die Rolle der Hochschullehrer und der Studenten als Erfüllungsgehilfen der Reform wird in dem Artikel kritisch betrachtet.

Wider die Bankiers-Erziehung“ (taz vom 29.07.2009)
Paulo Freire ist der Begründer der südamerikanischen Befreiungspädagogik. 1968 ist sein Klassiker „Pädagogik der Unterdrückten“ erschienen. Bei diesem Bildungskonzept geht es nicht darum den Schülern Bildung einzutrichtern, damit später daraus ein Mehrwert resultiert. Bildung wird hier als politisches Mittel zur Befreiung der Unterdrückten verstanden. Paulo Freires Idee: das Schweigen aufzubrechen, einen neuen Menschen zu schaffen, einen fragenden und kritischen.

Ganz normale Menschen“ (Freitag vom 30.07.2009)
Gerade bei staatlich organisiertem Massenmord sind es äußerlich als normal erscheinende Menschen, die sich zu Tötungsmaschinen abrichten lassen, wobei der „Feind“ dehumanisiert und entindividualisiert wird, damit keine Empathie aufkommen kann. Mit dem Milgram-Experiment wurde mehrfach nachgewiesen, dass zwei Drittel aller Menschen zum Quälen und Töten auf Verlangen bereit sind. Der Mensch als geborene Bestie?

Nato-Gegner wieder auf freiem Fuß“ (taz vom 30.07.2009)
Einige Beteiligte an den Anti-Nato-Protesten in Straßburg müssen nach wie vor in einem völlig überfüllten französischen Gefängnis ausharren. Im Fall von Jan aus Dresden wurde die Haftstrafe von der Justiz sogar wieder für unrechtmäßig erklärt. Ihm wurde unterstellt, dass er mit einem Zelthering andere Menschen verletzten wollte.

Daumenschrauben bringen keine Jobs“ (telepolis vom 02.08.2009)
Ein Satz aus dem Zukunftsbericht aus dem Hause von NRW-Landeschef Jürgen Rüttgers dokumentiert die Perversität der Arbeitsmarktpolitik der CDU besondern deutlich: ‚Der entstehende Anreiz, anstelle einer staatlicherseits angebotenen gemeinnützigen Ganztagstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt auch solche Angebote anzunehmen, die gegenwärtig in rationaler Entscheidung zumeist kaum in Betracht gezogen werden, kann ein erhebliches Beschäftigungspotenzial bei einer gleichzeitigen massiven Haushaltsentlastung mobilisieren.‘ Damit wird der Weg zur Zwangsarbeit geebnet. An fehlenden Lohnarbeitsplätzen ändert sich aber nicht.

Die Meinungsfreiheit als Sondermüll“ (lawblog.de vom 02.08.2009)
Ohne Schamfrist fordern manche Hinterbänkler im Bundestag die zunächst gegen Kinderpornografie angewandte Internet-Sperre nun auch gegen politische Propagandadelikte und Verletzungen des Urheberrechts anzuwenden. Von der Leyen sagt in einem Interview aus dass Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß gehalten werden müssen und das das Internet kein rechtsfreier Chaosraum sein dürfe. Aber: Alle Online-Straftaten sind mit den bisherigen juristischen Mitteln verfolgbar. Es bedarf keiner Zensur-Infrastruktur.


1 Antwort auf „Medienschau am Sonntag (16)“


  1. 1 Montags Linkdump « meta.blogsport Pingback am 03. August 2009 um 15:51 Uhr
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