Selbstverwaltete Fabrik von Polizei geräumt

Die besetzte Fabrik Innse in Milano wurde am vergangenen Sonntag durch massive Sicherheitskräfte angegriffen. Seit dem 31. Mai übernahmen die Arbeiter_innen die Fabrik, in welcher der legendäre Lambretta Roller hergestellt wurde. Dies wurde notwendig nachdem der Turiner Unternehmer und Fabrikbesitzer Silvano Genta den Betrieb trotz schwarzer Zahlen schließen lassen wollte.

Der Angriff reiht sich in eine Reihe von Übergriffen auf die Fabrik. Der Eigentümer versucht seit Herbst letzten Jahres immer wieder die Produktion zu stoppen und die Maschinen abzubauen. Die Stadtoffiziellen stellten sich sehr früh auf die Seite des Besitzers und des Eigentümers des Geländes. Schließlich soll, wie telepolis berichtet, das Areal von der expo 2015 genutzt werden. Es wäre für die Stadt, die Immobilienfirma und den Eigentümer nicht gerade sehr vorteilhaft eine selbstverwaltete Fakrik am Rande zu wissen, die mit jedem Tag ihres Bestehens beweist, daß Unternehmen wirtschaftlich arbeiten können, ohne daß ein Chef oder Manager_innen den Arbeiter_innen im Nacken sitzt.

Sämtliche Biilder vom Presidio Innse

Die Räumung begann offenbar in den Morgenstunden. Schon um 11 Uhr hatten sich Verteidiger_innen der Innse am Werkstor versammelt. Mehrere Hundertschaften (paramilitärische) Carabinieri könnten nur wengi später die Besetzung der Mailänder Autobahn in der Nähe der Fabrik nicht verhindern. Sie räumten auch dort brutal mit Schlagstöcken.

Die Belagerung der Fabrik dauert nun schon den vierten Tag an. Immer noch bewachen hunderte Carabinieri das Gelände und sichern so den Abbau der Maschinen. Am Dienstag konnten sich vier Arbeiter Zugang zur Produktion verschaffen. Sie drohten offenbar damit, sich als Zeichen für ihre aussichtslose Lage in die Tiefe zu stürzen. Auf das Angebot des Präfekten die Demontage der Fabrik für zwei Tage auszusetzen, wenn sie den Kran verlassen würden, gingen sie nicht ein.

Vor den Toren der Fabrik ist die Situation immer noch angespannt (Video). Trotz der Unterstützung des Regionalparlaments von Mailand, das vier Tage vor der paramilitärischen Räumung der Fabrik, laut labournet, einstimmig auf die Seite der kämpfenden Arbeiter_innen gestellt hatte, ist keine Lösung in Sicht. Die lokalen Parlamentarier forderten von der Region Lombardei die Produktion in der Innse dauerhaft zu sichern. Die Stadtverwaltung dagegen schlug sich fatal auf die Seite des Kapitals und schuf Tatsachen noch bevor die Lombardei über die Zukunft der Innse entscheiden konnte. Der parlamentarische Erfolg für die Arbeiter_innen zeigt sich nun als Pyrrhussieg.

Deshalb heißt es Solidarität für die Arbeiter_innen der Milaneser Innse zu organisieren. Die Übergriffe auf die Besetzer_innen zeigt deutlich, was der Lissaboner Vertrag möglich macht. Soziale Unruhen dürfen brutal niedergeschlagen werden. Friedlicher Protest wird kriminalisiert und verprügelt um Kapitalinteressen (para-) militärisch durchzusetzen. Dazu gehört eben auch gewerkschaftliche Interventionen!