Medienschau am Sonntag (17)

Hier die 17. Ausgabe der wöchentlichen Medienschau. Der herausragende Artikel in dieser Woche stammt aus der Zeitung Le Monde diplomatique, die einmal im Monat der taz beiliegt. Es gibt um Gemeingüter und deren Verteilung in der Gesellschaft. Zur Auflockerung aber vorher ein kleiner Videoclip zum Kopfschütteln. Aber keine Sorge, es ist wohl ein Fake.

Lohnsklaven in Deutschland“ (ARD vom 26.07.2009)
Derzeit gibt es 4.000 Zeitarbeitsagenturen in Deutschland, wo mit billigen Arbeitskräften Handel getrieben und nicht selten haarsträubend betrogen wird. Die meisten großen Unternehmen greifen auf den „modernen Sklavenhandel“ zurück, denn angeblich geht ohne diesen nichts mehr. Die Krise hat nun zuerst die Zeitarbeit getroffen, denn hier können Kündigungen sehr schnell, ohne Abfindung und ohne Sozialplan ausgesprochen werden. Dabei sind die Löhne schon so sehr mickrig und reichen oft nicht einmal ans Hartz IV-Niveau heran. Viele Menschen zeigen dennoch eine erstaunliche Arbeitsmoral.

‚Man braucht ein dickes Fell‘“ (Jungle World vom 30.07.2009)
Reinhard Thole ist Vorsitzender des Bundesverbandes der Lesben und Schwulen in der Union. Im Gegensatz zu seiner Partei kämpft er für die Gleichstellung der homosexuellen mit der hetereosexuellen Ehe und damit auch für ein volles Adoptionsrecht von gleichgeschlechtlichen Paaren. Die SPD hat dieses Thema in Person von Justizministerin Zypries zum Wahlkampfthema gemacht. Für Thole ist die Gleichstellung zutiefst konservativ und soll dem Schutz der Institution Ehe gelten. Mit dieser Position ist er in der Union aber ziemlich allein.

Sherwood Forest ist überall – Verteidigen was uns allen gehört“ (Le Monde diplomatique, August 2009)
Dieser überaus interessante Artikel stellt die Frage nach dem Erhalt und der Verwaltung von Gemeingütern – z.B. Wasser, Saatgut, Bildung, Gesundheitsversorgung, Sicherheit, das Internet oder die Atmosphäre – und wie dies sowohl effizient als auch gerecht geschehen kann. Grundsätzlich werden zwei Wege skizziert: Einmal die Inwertsetzung der Gemeingüter inklusive der natürlichen Ressourcen, damit sie als Eigentum von Staaten oder Privaten geschützt werden. Oder die Verwaltung durch die Gemeinschaft, wie es erfolgreich z.B. beim System der Waldwirtschaft in Mexiko, beim Umgang der Kommune Gurupa mit dem Amazonas-Regenwald oder bei den Milchwirtschaftskooperativen im nordindischen Rajasthan praktiziert wird. Bei den von Menschen geschaffenen Kulturgütern wird das Thema der Kulturflatrate angesprochen. Ist der „dritte Weg“ zwischen Neoliberalismus und Staatskapitalismus vielleicht der „Commonismus“?

Emmely & Co.“ (bleib-passiv.de vom 04.08.2009)
Emmely soll bei ihrem Einkauf am 22.1.2008 Pfandbons im Gesamtwert von 1,30 € unberechtigt eingelöst haben. Sie war im Supermarkt ihres Einkaufs seit 31 Jahren Kassiererin. Ihr wurde sofort gekündigt und die Kündigung wurde gerichtlich bestätigt. Aber: Eine gültige rechtliche Regelung gibt es in einem solchen Fall eigentlich gar nicht, es handelt sich lediglich um „ständige Rechtsprechung“ – das Urteil basiert also auf vorhergehenden Urteilen. Leider fehlt bisher der politische Wille zur Richtigstellung des Arbeitsrechts, so dass es weiterhin solche Kündigungen geben wird. Faktisch gibt es in Deutschland also keinen Kündigungsschutz.

Die Stadt, das Geld und die Krise“ (der Freitag vom 06.08.2009)
Selbst im notorisch preiswerten Berliner Wohnungsmarkt sind inzwischen großräumige Gebiete zu finden, in denen ärmere Haushalte keine Wohnungen mehr finden, so der Stadtsoziologe Andrej Holm. Mehr noch: Im Prenzlauer Berg und in Berlin Mitte machen nun die Gentrifizierer der ersten Generation, die der Mittelschicht angehören, mobil gegen neue Townhouses, Lofts und Neubauten, da diese auch für Mittelklassefamilien kaum bezahlbar sind. Holm spricht hier von der dritte Welle der Aufwertung. In sogenannten „Problembezirken“ dagegen beginnt die erste Aufwertungswelle; hier sind die von Immobilienspekulanten erhofften Ertäge am höchsten. Holm schlägt als Gegenmaßnahmen eine Mietrechtsreform, den Ausbau des öffentlichen Wohnungsbestandes und flexiblere Hartz IV-Richtlinien vor.

Gute Gesellschaft“ (der Freitag vom 06.08.2009)
Der Freitag beschäftigt sich in der heutigen Ausgabe intensiv mit de Thema Fußball als Abbild der Gesellschaft, das besser funktioniert als die Gesellschaft selbst. Als Vorzeigeverein wird der 1. FC Union präsentiert. Genau wie in der Realität gibt es auch bei Union ideologische und politische Differenzen. Diese werden versucht im Diskurs zu lösen, anstatt Äußerlichkeiten wie die Kleidungsmarke „Thor Steinar“ zu verbieten. Anhand der „Arbeitsgruppe Soziales“, die zuletzt 1.681 Euro für finanzschwache Fans gesammelt hat, und dem Stadionneubau mithilfe der eigenen Fans zeigt der Verein, wie eine bessere Gesellschaft funktionieren kann, auch wenn längst nicht alles perfekt ist.

Digitaler Klassenkampf“ (taz vom 06.08.2009)
Die Piratenpartei muss ihr nerdiges Image loswerden, damit sie bei den kommenden Wahlen seine Chance hat. Die Themen der Partei sind definitiv die Themen der Zukunft, allen voran die Frage, ob eine sozialisierte Kultur eine wünschenswerte Utopie für die Menschen wäre. Liest man den obigen Artikel aus der Le Monde diplomatique, so kommt man zu dem Schluss, dass es sich dabei ganz allgemein um die Frage der Verwaltung der Gemeingüter handelt – was die Themen der globalen Ökologie, der Welternährung, der Bildung und der gesundheitlichen Versorgung einschließt. Die Piratenpartei hat damit die Chance das umfassenste Themenspektrum aller Partein zu entwickeln.

Streit um die Bohne“ (wissenschaft-online.de vom 07.08.2009)
Sojalebensmittel sind für eine vegane oder vegetarische Ernährung fast nicht wegzudenken. Schon lange kursieren aber Gerüchte nach denen Soja einerseits viele positive Wirkungen haben soll, z.B. beim Schutz gegen Osteoporose, Krebs und Diabetes, aber auch negative Wirkungen, z.B. Schilddrüsenprobleme, Wachstumsstörungen bei Kindern, Sprach- und Gedächtnisprobleme etc. auslösen soll. Weder die positiven noch die negativen Wirkungen konnten von der Wissenschaft nachgewiesen werden, außer dass Sojaprodukte helfen den Cholesterinspiegel zu senken. Dennoch bleibt die Sojabohne ein hervorragender Nährstoffspender, denn das Gewächs enhält jede Menge Kalium, Eisen, hochwertige Eiweiße und Fette, Ballststoffe, Folsäure, Vitamin B, Phosphor, Mangan und Magnesium. Aufpassen muss man bei hochkonzentrieten Nahrungsergänzungsmitteln auf Sojabasis.

Ägyptische Büste lockt Michael-Jackson-Fans nach Chicago“ (AFP am 09.08.2009)
Zum Ende noch etwas Trash. Dank der Agentur AFP konnten wir in Erfahrung bringen, dass der kürzlich verstorbene Michael Jackson bereits im alten Ägypten, in der Zeit zwischen 1550 bis 1050 vor Christus, Vorfahren gehabt haben muss, denn eine Büste einer unbekannten Frau, die in einem Chicagoer Museum ausgestellt wird, sieht ihm verdammt ähnlich. Das Museum kann sich – anders war es auch nicht zu erwarten – vor Besuchern nun nicht mehr retten.


1 Antwort auf „Medienschau am Sonntag (17)“


  1. 1 Argumente für vegane Rohkost: oder : Vernünftige Gründe einer fleischfreien Kost (Taschenbuch) - Empfehlungen - Pingback am 10. Oktober 2009 um 16:02 Uhr
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