T.O.P. reagiert auf israelische Nationalflaggen bei Iran Soli

Die T.O.P. Berlin bedauerte in einer Stellungnahme zur Kundgebung zum Iran-Aktionstag am 12. August in Berlin, der Solidarität mit den Protestierenden im Iran ausgedrücken sollte, die Verschiebung der zentralen Ausrichtung der Aktion. Wendy hatte schon einen Tag später auf die weitestgehende Ignoranz gegenüber den Inhalten der protestierenden Iraner hingewiesen und ihre Verdrängung durch israelsolidarische Propaganda beklagt.

Die Abschreckung derjenigen, mit denen eigentlich Solidarität ausgedrückt werden sollte, scheint T.O.P. dann doch zum Nachdenken gebracht zu haben.

Mit dem Verweis auf das Existenzrecht Israels ist nichts über die prekäre Ausgangslage und die gewaltförmigen Unterdrückungen der Proteste in Iran gesagt. Wollen wir jedoch den Protestierenden in Iran ernsthaft unsere Solidarität zeigen, sollte es auch um sie gehen.

In diese Kerbe hatte auch wendy zu Recht geschlagen. Der positive Bezug auf Israel durch das Zeigen seiner Nationalflagge, auch wenn damit ein antifaschistisches Statement verknüpft sein sollte, hat nix mit dem (linken) Protest im Iran zu tun.

Die kritisierte Kollaboration deutscher Wirtschaftsunternehmen richtet sich ebenfalls in erster Linie gegen die Lieferung von Überwachungstechnologie, Polizeiausrüstung und Waffen an das iranische Regime. Die Lösung der iranischen Energiefrage durch Atomenergie und die damit einhergehende Möglichkeit zur Entwicklung eines atomaren Arsenals spielte im Aufruf zum Aktionstag ebenfalls nur eine nebensächliche Rolle.

Deshalb wurde die israelsolidarische (antideutsche) Folklore, wie auch T.O.P. eingestehen mußte, als Ignoranz gegenüber der Kritik an der islamischen Republik und der Betonung eines säkularen Irans wahrgenommen. So war eine linke Solidarität mit dem Iran offensichtlich nicht gemeint. Mit der Ausstellung israelischer Nationalflaggen kann meiner Ansicht nach eine antinationale Kritik ebenso wenig verknüpft werden.

Die iranische Opposition als tendenziell antiamerikanisch, sowohl im Iran als auch im Exil, und islamistisch zu geißeln, muß ebenfalls als Ignoranz gegenüber der Dynamik der Proteste gewertet werden. Auch hier zeigt sich die Ignoranz gegenüber einer dynamischen und freien Protestbewegung, die schon seit langem nicht mehr in Dichotomien zergliedert werden kann.

Diese westliche Arroganz und Betonung Israels in einem iranischen Konflikt ist nicht weit von Elsässer entfernt, der den Protest als Bewegung von Drogenjunkies, Discomiezen, Girlies und Strichjungen abwertet, sich zwar unglaubwürdig dafür zu entschuldigen versucht, sich aber nebenbei auch noch verdammt persönlich im jW Bashing übt.

Naja, Elsässer steht eben immer auf der Seite des kleineren Übels. Zur Zeit ist es der Nationalismus und Ahmadinedschad. Da kann es schonmal passieren, daß jW, jungle world, T.O.P., Antideutsche und Anti-Imps auf einer Seite stehen.

T.O.P. scheint da sehr viel besser und vor allem selbstkritischer differenzieren zu können. Der antideutsche Diskurs zeigt sich so wieder einmal als diskursiv kreativer, innovativer und relevanter.


8 Antworten auf „T.O.P. reagiert auf israelische Nationalflaggen bei Iran Soli“


  1. 1 Wendy 18. August 2009 um 12:27 Uhr

    Wo bedauert TOP die Fahnen? Wo äußern die da überhaupt kritische Worte?

  2. 2 Sev 18. August 2009 um 15:26 Uhr

    Unsere Solidarität gilt den Protestierenden in Iran, weil sie gegen ein diktatorisches, reaktionäres und antisemitisches Regime kämpfen. In Berlin schien dies jedoch nicht bei allen Beteiligten der Kundgebung im Fokus zu stehen. Durch das Tragen von Israel-Fahnen, durch Transparente und Redebeiträge, in denen es zuallererst um die uneingeschränkte Solidarität mit Israel ging, wurde die zentrale Ausrichtung der Solidaritätsaktion mit den iranischen Protestierenden verschoben. Dementsprechend abgeschreckt waren einige ExiliranerInnen, die zur Kundgebung gekommen sind und sie wegen der Fahnen wieder verlassen haben.

    (T.O.P.-Berlin 16. August 2009)

    Es geht hierbei nicht um eine Diskussion über den Inhalt an der Solidarisierung mit Israel, als vielmehr um die, zugegeben oberflächliche situative Kritik, woran im Rahmen der Aktion, als Solidaritätsbekundung zur iranischen Oppositionsbewegung, die Fahnen, Transpis, Parolen, etc. auf den Fokus der Thematik dislozierend wirken. Das ist genau der Punkt, an dem die Aktion seinen Inhalt, bzw. seine Forderung einbüßt, nämlich indem man zur Mobilisierung gegen das iranische Regime aufruft, die solidarisierenden „Kräfte“ jedoch den Inhalt auf Israel abstrahieren.

    T.O.P. scheint da sehr viel besser und vor allem selbstkritischer differenzieren zu können. Der antideutsche Diskurs zeigt sich so wieder einmal als diskursiv kreativer, innovativer und relevanter.

    An dieser Stelle fehlt mir die konkrete Begründung. Wie bereits festgestellt, führt die T.O.P. in dieser Debatte, zum Selbstzweck einen inakkuraten Widerspruch an. Die Israelfahnen, werden kritisiert, sofern sie der Thematik der angeführten Aktion entgegenwirken. Die inhaltliche Kritik, der Grund für Präsenz der Israelfahnen, der dahinterstehenden Personen und der mangelnde Gegenaktionismus daraufhin und im Vordergrund die Wirkung auf vermeintliche Subjekte, die in den Fokus der Solidaritätsthematik gerückt werden sollten, stehen nicht in der Bewertung. Und somit hat die Bekundung, debattenrelativiert, sich selbst seines Inhalts und seiner Bedeutung banalisiert. Soviel zur Differenziation und Relevanz.

  3. 3 Machnow 18. August 2009 um 20:37 Uhr

    @wendy: kritik an den fahnen selbst gibts nicht. ich würde aber den hinweis, daß es um solidarität mit dem iran ging und nicht um „das existenzrecht von israel“ zumindest als relativierung, wenn auch keine distanzierung interpretieren. deshalb würd ich schon sagen, daß sie ‚bedauern‘, daß die solidaritöt nicht ankam. was nicht unbedingt mit den fahnen zu tun hat. das stimt wohl.

    @sev: ich bin mir nicht sicher inwieweit T.O.P. die verschiebung für eine verschiebung des inhalts nach ‚israel‘ verantwortlich gemacht werden kann. bei den bündnispartner_innen war diese folklore zu erwarten. allerdings sollte der fokus ein anderer sein, der duchaus nationalistisch iranische impulse – als gegenpol zu islamischen – einschloß. das fand ich persönlich sehr viel interessanter.

    der punkt, daß die „subjekte der solidarität“ diese offenbar nicht ertrugen, weil die „solidarisiernden kräfte“ ihnen mit der israelfahne im grunde ihre ignoranz entgegenwedeln ließen, ist da schon sehr viel fataler.

    und da bleibt auch die stellungnahme zu schwammig. sie kritisiert eben nicht die fahnen, oder zumindest, daß sie an diesem ort fehl am platz waren. die T.O.P. reagiert lediglich auf die kritik der eigentlich zu unterstützenden. während der kundgebung tat sie dies eben nicht. obwohl ihnen auch dort die fokusverschiebung hätte bewußt sein müssen und sie damit hätten rechnen müssen, wenn sie sich die fahnenjüger einladen. es hat ja auch einige zeit gedauert, bis sie reagiert haben.

    ABER, sie haben reagiert. wenn auch unbefriedigend. in festen grenzen. eventuell auch oberflächlich. aber wenigstens glauben sie nicht, daß irgend wer im iran das „kleinere übel“ wäre, daß hartnäckig gegen imperialistische einmischungen geschützt werden muß.

  4. 4 Sev 19. August 2009 um 13:22 Uhr

    Die Behauptung, die T.O.P. trage die alleinige Verantwortung für den fehlfokusierten Solidaritätsstandpunkt, stand hier ja nicht zur Diskussion. Solange die Bündnispartner eben so ungewünscht reagagieren und sich die T.O.P. keinerlei Distanzierungsansätze vorbehält, werden auch sie faktisch in die generelle und vorallem situative Verantwortung reingezogen.

    Wohl wurden, die Israelfahnen kritisiert, und zwar in dem Maße ihrer Anführung, an einem, von dem Standpunkt der Israelfahnenschwinger unpassenden Inhalt (nämlich die Soli-Bekundung für die iranische Oppositionsbewegung). Wenn es der T.O.P. nicht um eine situative Kritik gehen würde, wäre die Erwähnung, der Inhaltsverschiebung und der darausfolgenden Demobilisierung der Subjekte (um nur den Wichtigsten Aspekt zu nennen), mit denen es sich zu solidarisieren gilt, vollkommen irrelevant.

    Alle, weiterhin angeführten Punkte entsprechen, so ziemlich genau dem, was ich mit meinem Kommentar aussagen wollte und wirft daher keine weiteren Fragen auf.

  5. 5 antinational 19. August 2009 um 13:36 Uhr

    wird die top nun zukünftig nationalfahnen auf ihren dulden oder nicht und dann lieber „die anderen“ gehen lassen? das ist die interessante frage. offenbar entscheiden sie sich weiterhin für die israelfans.

  6. 6 @antinational 19. August 2009 um 18:23 Uhr

    Meines Wissens hat die TOP die Roadmap zur Fahnenfrage nicht unterzeichnet. Sie wird sich trotzdem hoffentlich hüten, Leuten ihre Fahnen wegzunehmen, wohlmöglich sogar mit körperlicher Gewalt. Selbst sind sie ja nie mit sowas in Erscheinung getreten, weder mit Fahnen, noch mit Körpereinsatz zu ihrer Verhinderung.

  7. 7 Brian 20. August 2009 um 16:12 Uhr

    also erstmal frage ich mich ob jemand von euch auf der kundgebung? ich nehme an nein…denn es wurde in kinderleichten redebeiträgen erklärt, warum es bei den protesten im iran auch um israel geht. davon abgesehen waren es gerade mal 3 fahnen bei über hundert leuten, aber das reicht für die meisten linken ja schon als projektionsfläche für ihren als kritik getarnten israelhass aus um mal wieder gegen die achso bösen antideutschen schießen zu können. da frag ich mich doch wo die großen linken demos der „wahren“ solidarischen mit den protestierenden im iran waren?
    ach und was ich auch noch sagen muss, manchmal geht mir dieser verkürzte antinationalismus echt auf den senkel! es geht im iran gerade nicht um den kommunismus, sondern darum einen säkuleren nationalstaat zu errichten und wer da irgendwas von antinational plabbert der/die hats einfach nicht verstanden…

  8. 8 Machnow 20. August 2009 um 22:55 Uhr

    also, erstens ging es nicht nur um die fahnen. wenn jemand unbedingt seine linke, antifaschistische gesinnung mit israelfahnen zeigen muß, finde ich das nicht so schlimm & unterstütz das gerne. die farben und die fahne bleibt dann allerdings eine nationalflagge. auch wenn sie von einem_r kommunisten_in getragen wird . . .

    es ging aber auch um tanspis, die nicht selten israel im vordergrund sahen und das objekt / subjekt der solidarität damit völlig ignorierten. damit zeigt sich, daß mensch gleichzeitig solidarisch sein und sich trotzdem auf der falschen veranstaltung befinden kann.

    die reden waren in der tat sehr gut und haben den zusammenhang zu israel hinreichend erläutert und klargestellt, daß eine solidarität mit dem linken protest im iran auch bedeutet die existenz von israel zu sichern. nur geht es im iran zuallerst darum die drecks repression eines islamischen staaates zu überleben, was zunächst nix mit israel zu tun hat.

    Ansonsten stehe ich immer für eine Antinationale Internationale :lol:

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