Dresden – Zwei Seiten einer Stadt

Leerstelle der alten Synagoge Dresden

Morgen wird in Sachsen, Thüringen und im Saarland gewählt. Besonders interessant ist hierbei Sachsen, da bei der letzten Regionalwahl die NPD dort mit 9,2 Prozent in den Landtag einziehen konnte. Einerseits ist dieses Ergebnis unverständlich, da es in Sachsen kaum Migrant_innen als bevorzugtes Ziel der Nationalisten gibt oder sie schon beinah traditionell militant vertrieben werden. Allerdings negiert die sächsische Politik hartnäckig xenophobe Motive, ein rechtes Stammklientel und hetzt lieber gegen linke Extremisten.

Letzteres ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich hat die ominöse Extremismusforschung ihre Heimat in Sachsen. Und deshalb distanzieren sich die bürgerlichen Parteien rechts der Grünen von jeglichem antifaschistischen Protest und legen lieber zusammen mit Nazis Kränze nieder. Denn es geht der sächsischen Politik im intellektuellen Bündnis mit Eckart Jesse, dem Godfather of Extremismus, nicht darum Nazis loszuwerden, die sind schließlich keine angesehen Leute, sondern es sollen linke Projekte, Initiativen und Parteien diffarmiert und bekämpft werden.

Den sächsischen Politikern ist das Grundgesetz dabei scheiß egal. Sie nehmen sich lieber ein Beispiel an Fürst Kurt und investi(tuie)ren kraftvoll und mit voller Elan eigene herrschaftliche Strukturen.

Thomas Edmund Jurk, der Sächsische SPD Spitzenkandidat und Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, ist dabei die Avantgarde der Verfassungsbrecher / Extremisten. Denn er nimmt es mit den Gesetzen offenbar nicht so genau. Er spielt gerne den Verkehrspolizisten. Dazu führt er in seinem Dienstwagen ständig eine Verkehrskelle mit sich. Sein Amtseid scheint ihm ebenfalls ziemlich wurscht zu sein. In einem Chat brüstete er sich stolz, daß er im Kampf gegen Pädophile, wenn nötig, auch gern das Grundgesetz bricht. Nazis sehen das genauso!

Trotz dieses breiten antidemokratischen und verfassungsfeindlichen Grundkonsens in der sächsischen Politik muss die NPD morgen um den Wiedereinzug bangen. Deshalb haben die Nazis einen materialintensive Wahlkampf versprochen, der in Dresden überall zu sehen ist. An beinah jedem Laternenpfahl hängt ein Plakat mit den widerlichen Forderungen der Nazis. Der scheiß alte, in Ostdeutschland schon beinah zur Folklore gewordene Slogan Ausländer raus darf dabei nicht fehlen.

Wie Holger Apfel gegenüber dem mdr verlauten ließ, will die NPD in Sachsen zur Drittstärksten Partei nach der CDU und den Linken noch vor der SPD aufsteigen. Zur Zeit dümpeln sie an der 5% Hürde herum. Die Schwäche der SPD und seines Spitzenkandidaten könnte sie allerdings erneut in den Landtag einziehen lassen.

Rassismus ist kein Fangesang

Das Rekrutierungsfeld der Nazis ist und bleibt der Anhang des Dynamo Dresden. Dort lassen sich zum Teil militante Fans finden, die bei Aufmärschen und Infoständen gerne für Ordnung sorgen. Der Verein Dynamo Dresden scheint die Abgrenzung zur NPD, die er 2004 im Rahmen einer Kampagne der Stadt zur Landtagswahl noch unterstützte, nicht ganz so ernst zu nehmen. Auf der Suche nach Interessenten für die V.I.P. Lounges erhielt auch der NPD Verlag Deutsche Stimme Verlagssgesellschaft mbH eine Einladung, der so zum Very Important Nazi wurde.

Der Verein bemühte sich schnell um Schadensbegrenzung. Peter Tauber, der Pressesprecher von Dynamo Dresden bedauerte den Zwischenfall und wies explizit auf die Vereinsatzung hin, die den Verein als unpolitisch ausweist. Wozu diese Positionierung führen kann zeigte sich im November 2006 im Spiel gegen St. Pauli. Explizit wurden damals Fahnen oder Transparente mit antirassistischen oder antifaschistischen Symbolen als politisch motivierte Fahnen und Transparente im Rudolf-Harbig-Stadion untersagt. Zwar wurde das Verbot aufgrund von hartnäckiger antifaschistischer Intervention aufgehoben, dennoch bleibt ein fader Beigeschmack.

Dennoch ist nicht die gesamte Dynamo Fansszene ein rassistischer, homophober und antisemitischer Nazihaufen. Das Fanbündnis 1953 international, das seit circa 2006 existiert, schlägt sich wacker und kann mit seiner erfolgreichen Kampagne Rassismus ist kein Fangesang protzen. Die Aufkleber und das Material des Bündnisses dominieren das Stadtbild im Zentrum von Dresden und in Neustadt.

Die antirassistische und antifaschistische Arbeit, die von der Stadt und dem Verein unterstützt wird, bleibt wichtig. Der neuerliche Vorfall um die V.I.P.-Einladung der NPD verdeutlicht, daß die Sensibilität im Vereinsmanagment offenbar immer noch nicht hoch genug ist, um derartige Anbiederungsversuche an Nazis zu unterlassen oder durch ein deutliches antirassistisches Bekenntnis umzukehren. Offenbar scheint der Verein sich immer noch an seinen zum Teil rechten Fans zu orientieren und jede antifaschistische Provokation unter dem Label unpolitisch zu unterlassen.

Leerstelle der alten Synagoge Dresden

In Dresden blüht weiterhin Rassismus, Xenophobie, Nationalismus und konservative Ignoranz. Das sächsisch bürgerliche Paradies wird lediglich durch Massen von Tourist_innen gestört. Eine neue Synagoge bemüht sich wieder jüdisches Leben in Dresden zu etablieren. Das Gemeindezentrum und das Café Schoschana bieten dafür einen Treffpunkt.

Die Leerstelle, wo die alte Synagoge stand, die von Dresdnern am 9. November 1938 angezündet wurde, erinnert aber bis heute an den unersetzbaren Verlust und die Vernichtung einer blühenden Gemeinde. Mal sehen, wie lange es dauert, bis jüdisches Leben in Dresden uneingeschränkt akzeptiert und der national patriotische Konsens gebrochen wird.

Bis dahin muß der Wiedereinzug der Nazis verhindert, ihre Bewegungen im öffentlichen Raum sabotiert sowie antifaschistische Initiativen und antirassistische Fanarbeit unterstützt werden.


2 Antworten auf „Dresden – Zwei Seiten einer Stadt“


  1. 1 Munkepunke 09. September 2009 um 10:57 Uhr

    Vielen Dank für dein kurzes Dresden-Portrait in Bezug auf die rechte Szene. Man merkt leider schon am Anfang, dass du nicht in Dresden lebst und dich auch nicht aktiv an der Kulturarbeit in der Stadt beteiligst. Ich lade dich mal nach Dresden, damit du dir ein objektíveres Bild machen kannst. Ich glaube du unterschätzt die Menschen hier etwas. Und was mir absolut schleierhaft bleibt ist die Aussage über die 9.2 Pozent der NPD bei der letzten Landtagswahl 2005. Wir reden hier von einer sachsenweiten Wahl und nicht über Dresden. Der Zusammenhang ist mir ein Rätsel, tut mir leid.

  2. 2 Machnow 09. September 2009 um 11:19 Uhr

    Der Titel des Artikels ist irreführend. Es sollte mehr um Dresden gehen, was ich dann aber zeitlich nicht geschafft habe. Dennoch gehe ich davon aus, daß bestimmte Phänomene Sachsens auch in Dresden virulent sind.

    Ich kenne Dresden marginal, das stimmt. Aber einiges hab ich schon gesehen. Positiv ist mir vor allem der breite antifaschistische Grundkonsens unter jungen Menschen aufgefallen. Die „Bunte Republik Neustadt“ steht dabei allerdings auch symbolisch für eine alernative Kultur, die sich zunehmend entpolitisiert und lediglich eine alternative Subkultur abfeiert (was auch wichtig ist).

    Auf der anderen Seite existiert Alltagsrassismus. Nazis haben Stammwähler (vielleicht in Dresden weniger, aber auch dort) so das die NPD im Grunde mit dieser Wahl zur festen Größe geworden ist. Der Extremismus Diskurs richtet sich in Sachsen vor allem gegen die Linkspartei, die als zweitstärkste Partei als demokratiefeindlich beschimpft wird. Konservative haben sichtlich keien Problem mit Nazis, allerdings mit „Roten“ schon…

    Dresden braucht außerdem eine antirassistische Initiative nicht nur im Stadion, sondern auch in der Stadt. Dazu wird es aber demnächst noch einen Artikel geben.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.