. . . da war doch was? Ach so, Naziläden!

Gegen Naziläden Am gestrigen Samstag Nachmittag trafen sich circa 800-1.000 Menschen um gegen Naziläden in Friedrichshain und Lichtenberg zu demonstrieren. Im Speziellen sollte auf den Tromsø in der Petersburger, den Doorbreaker sowie das Jeton in der Frankfurter Allee und den Horrido in der Alt-Friedrichsfelder aufmerksam gemacht werden.

Die Demo zog zunächst durch die Rigaer, vorbei am Liebig14. Die erste Zwischenkundgebung fand am Jeton statt. Dann gings nach Lichtenberg. Am S-Bahnhof Frankfurter Tor schloßen sich offenbar spontan einige Berliner Pirat_innen an, die so ihre Solidarität mit dem antifaschistischen Protest zeigten. Eine weitere Kundgebung fand unmittelbar am Horrido auf der Alt-Friedrichsfelder statt.

Während der gesamten Demo wurden Redebeiträge verschiedener Initiativen verlesen. Darunter war der Aufruf des Keine Wahl-Bündnisses, die zum Boykott der Bundestagswahl aufriefen und Aktionen, sowie eine Demo ankündigten. Die Antifa Friedrichshain informierte über das Jeton und stellte eine Chronik von Naziaktivitäten zusammen, welche eine Verbindung zwischen fremdenfeindlichen, homophoben, und rechten Übergriffen und der Prolldisko herstellte. Die Initiative gegen Rechts Friedrichshain berichtete von der fehlenden Abgrenzung der Doorbreaker-Inhaberin von rechten Klamottenmarken, die sowohl von den Anwohner_innen, als auch den Vermieter_innen gefordert wurde. Es muß also davon ausgegangen werden, daß im Doorbreaker in der Frankfurter Allee immer noch Nazimode verkauft wird. Ansonsten beteilgten sich einige ansäßige, junge, antifaschistische Gruppen. Zu meinem Erstaunen war auch das ums Ganze Bündnis dabei.

Trotz der vielen Organisator_innen, der aktuellen Ereignisse auf der Biermeile, dem beinah tödlichen Übergriff am S-Bahnhof Frankfurter Tor beteilgten sich relativ wenig Menschen an der Demo. Der einzige euphorisch aufgenommene Lichtblick war, daß sich am Horrido eine migrantische Familie und einige junge Migrant_innen einreihten.

Bilder gibt es bei pm_cheung und annapanek

Bis dahin war die Demo allerdings wenig kämpferisch. Lediglich am Anfang und bei der Aktion am Liebig gab es Parolen. Spätestens auf der Frankfurter Allee war Schluß damit. Die kuschlige und sanfte Musik vom Lauti war viel zu laut. Die Ansagen kamen oft zu spät und im weiteren Verlauf eher gelangweilt. Der Doorbreaker wurde einfach passiert. Wenn die Dynamik in der Demo zu groß war und Lücken entstanden, wurde dazu aufgerufen doch in Ketten zu laufen, weil das besser aussehen würde. Die Sicherheit spielte dabei zwar auch eine Rolle, allerdings gab es keine Gefahr von Polizei- oder Naziübergriffen. Erstere wurden zu diesem Zeitpunkt schon längst zum Rockereinsatz in der Nähe abgezogen. Die sporadischen Provokationen der anderen aus den Fenstern der Plattenbauten wirkten eher tragikomisch, als ernstzunehmend gefährlich.

Vielleicht lag es am Aufmucken Festival in Königs Wusterhausen oder dem Suppe & Mucke Fest in der Scharnweberstraße, daß sich derart wenig an der Demo beteilgten. Vielleicht war es auch einfach zu warm. Vielleicht war die Route auch zu lang! In jedem Fall ist es enttäuschend, wie wenig kämpferisch eine antifaschistische Demo durch Lichtenberg läuft, trotz wenig Polizei, laxen Auflagen und einem wichtigen Anlaß. Außerdem fand ich es schwach, wie wenig flexibel die Orga auf die Demo reagierte, sondern diese offenbar lieber führen und dabei ästhetische Bedürfnisse befriedigen wollte. Trotzdem fand ich es wichtig, dabei zu sein!


3 Antworten auf „. . . da war doch was? Ach so, Naziläden!“


  1. 1 Tapete 30. August 2009 um 19:01 Uhr

    Zwei kleine Anmerkungen:

    1) „Am gestrigen Samstag Nachmittag trafen sich circa 800-1.000 Menschen um gegen Naziläden in Friedrichshain und Lichtenberg zu demonstrieren.“
    „Vielleicht lag es am Aufmucken Festival in Königs Wusterhausen oder dem Suppe & Mucke Fest in der Scharnweberstraße, daß sich derart wenig an der Demo beteilgten.“

    Ich weiss zwar nicht, nach welchen Kategorien du Demos bewertest, aber wenn eine Demo, die ohne aktuellen Anlass (kein krasser Naziübergriff), in der Sommerpause (viele sind einfach noch nicht wieder in Berlin), die in einen Nicht-Szenebezirk führt (am S-Bahnring ist ja für viele Linke Berlin einfach vorbei), dann sind deine geschätzten 800-1000 doch eine beachtliche Anzahl.
    Zur Erinnerung: an den beiden Kundgebungen gegen den „Horrido“ fanden sich gerade mal 15 bzw. 50 Antifaschist_innen ein. Nach dem Mord an einem Vietnamesen in Hellersdorf demonstrieren 200 Linke.

    2) „Ansonsten beteilgten sich einige ansäßige, junge, antifaschistische Gruppen.“

    Tatsächlich scheinen diese jungen ansässigen Gruppen, also JANO, AH, AALS und AJH, die treibenden Kräfte der Demo gewesen zu sein.

    Und nichts für ungut. Vorne in der Demo war die ganze Zeit gute Stimmung und laute Parolen. Und dass eine Demo mit 800-1000 Leuten gegen einen Lichtenberger Naziladen protestieren, ohne dass es nennenswerte Naziaktionen dagegen gibt, ist doch ein gutes Signal, oder? Immerhin wissen jetzt ca 780 Leute mehr, wo der Laden ist und raffen sich vielleicht auf, was gegen den zu machen.

  2. 2 Machnow 30. August 2009 um 21:13 Uhr

    ich finde schon, daß es relativ viele waren. ich fand es auch wichtig dort zu sein. deshalb war ich da. das die jungendantifa maßgeblich an der organisation beteiligt war und ohne sie diese demo nicht statgefunden hätte, glaub ich gerne. trotzdem hätten es mehr sein müssen.

    und vorne war gab es eben nicht die ganze zeit parolen. mehr als weiter hinten und vielelicht auch ausreichend. aber dennoch zu wenig. und die ästhetischen ansagen haben echt genervt . . .

  1. 1 Berlin: Demonstration gegen Naziläden « wikinews030. Pingback am 30. August 2009 um 16:44 Uhr
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