Quartiersmanagment Schillerpromenade – Lobbyarbeit für eine Sanierungsfirma

Quartiermanagment Schillerpromenade Berlin Neukoelln Das Quartiermanagment Schillerpromenade hat im Frühjahr diesen Jahres ein Strategiekonzept zur Bildung einer Taskforce Okerstraße (pdf) vorgelegt. Das Papier strotzt von xenophoben und antiziganistischen Vorurteilen. Es reproduziert ungeniert sozialen Chauvinismus und glänzt durch soziale Inkompetenz. Deshalb werde ich die einzelnen Passagen in mehreren Teilen thematisch betrachten. Heute geht es um die Mär von Anwohner_innenbeschwerden und einer vermeintlichen Teilhabe im Kiez.

Kerstin Schmiedeknecht, die Autorin des Task Force Papiers, die das Quartiermanagment Schillerpromenade und in der Rollbergsiedlung im Auftrag des Bauunternehmen Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbH (BSG) leitet, hat keinerlei soziale oder soziologische Ausbildung. Als Architektin ist sie Teil der Brandenburgischen Sanierungsträgers dessen Mitarbeiter Architekt_innen, Stadtplaner_innen, Bauingenieur_innen, Geograph_innen und Kaufleute sind. Außerdem behauptet die BSG sie hätte Sozialpädagog_innen angestellt, was ich aber eher als hehres Ziel betrachten würde.

Außerdem ist es bei der geballten Kraft bauunternehmerischer Kompetenz schwierig soziale Aspekte durchzusetzen. Die Lobbyarbeit – dazu gehören explizit auch die als BSG Zweigstellen betriebenen verschiedenen Quartiermanagmentbüros – richtet sich nur auf die bauliche und soziale Aufwertung der interessanten Kieze.

Ein erster Erfolg des politischen Einflußes und Zeichen der beeindruckenden politischen Interventionspotenz der BSG war die Vertreibung des beliebten und erfolgreichen Quartiermanagmentsleiters Gilles Duhem aus der Rollbergsiedlung, die durch die Inthronisierung von Schmiedeknecht durch den Berliner Senat im Jahr 2007. Er galt als Integrator. Mit Schmiedeknecht kam die Expertin für erfolgreiche Exklusionen.

Deshalb muß sie ständig und ungefragt beweisen, daß sie unterschwellige Aktivierungskonzepte nutzen möchte, wenn sie mit Anwohner_innen kommunizieren läßt. Sie betont immer wieder mit den Anwohner_innen in Kontakte zu sein und deren Probleme verbalisieren zu können. Sie inszeniert sich als Apostel des Kiezes und ist dennoch nur die Büroleiterin einers Sanierungsfirma.

In der Einleitung zum Strategiekonzept der Task Force suggeriert sie, daß sie für die Anwohner_innen sprechen würde. Sie behauptet, eine

Vielzahl von Gesprächen mit Anwohnern und Hauseigentümern geführt, zu „Runden Tischen“, Bewohnerversammlungen und Informationsveranstaltungen mit der Polizei eingeladen sowie investive und auch kleinteilige Maßnahmen zur Aufwertung des Wohnumfeldes umgesetzt

zu haben. Dem ist mitnichten so. Viel mehr stellt sich bei der weiteren Lektüre heraus, daß Anwohner_innen, Migrant_innen und andere Bürger_innen lediglich einmal zu einer Einwohnerversammlung eingeladen wurden, die von der Polizei ausgerichtet wurde.

QM Schillerpromenade Aufsteller

Interessant ist hierbei, wie die Anwesenden beschrieben werden und welchen Verlauf diese Versammlung genommen haben muß. Es waren, wie das Papier auf der Seite 12 beschreibt, langansässige, gesellschaftlich integrierte und teilweise engagierte Anwohner und Gewerbetreibende. Ich interpretiere dies so, daß keine Migrant_innen anwesend waren. Die als Problemgruppen verunglimpften Betroffenen waren ebenfalls nicht anwesend. Es haben sich meiner Ansicht nach vor allem weiße Deutsche beteiligt, die das Podium der polizeilichen Einwohnerversammlung polemisch und fremdenfeindlich zu nutzen wußten, so daß das QM zu relativierenden Äußerungen gezwungen war.

Dabei ist jedoch von vornherein genauestens darauf zu achten, dass hier nicht nur einige „Stimmungsmacher“ ihre Plattform finden, sondern ein repräsentativer Anteil von Anwohner- und Gewerbetreibenden sich hier artikulieren kann.

Das Märchen der Anwohner_innenbeteiligung wird bei weiterer Lektür fortgesetzt ad absurdum geführt. Es stellt sich nämlich heraus, das sich lediglich ein Anwohner und eine Hauseigentümerin im Quartiersbeirat engagieren. Die Behauptung es existiere ein Netzwerk lokaler Akteure und Anwohner, die sich gemeinsam für einen sauberen und schönen Kiez engagieren, ist somit nicht haltbar.

Es muß viel mehr davon ausgegangen werden, daß die verantwortlichen Akteure im Quartiersmanagment keinerlei persönliche Beziehung zum Kiez haben. Ihre Motivation ist lediglich ein professionelle. Sie sind Vetreter_innen einer Baufirma, die in der Schillerpromenade offenbar eigene Interessen verfolgt. Die Aufwertung, die im Kiez voran getrieben werden soll, hat somit nichts mit der Verbesserung der Situation für die Anwohner_innen zu tun. Viel mehr geht es darum eine profitorientierte Verdrängung der migrantischen, ziganistischen und der sogenannten sozial schwachen Bevölkerung aus dem Kiez zu ermöglichen.

QM Schillerpromenade Aufsteller

Im gegensatz zur Behauptung des Textes existierten in der Schillerpromenade mehrere soziale Projekte, die bis heute existieren. Die Promenandenpost ist dabei völlig irrelevant und unnötig

Die vermeintlichen Anwohnerbeschwerden über Trinker und von ihnen ausgehende Belästigungen auf der Schillerpromenade sollten deshalb mit Vorsicht behandelt werden. Ähnliches gilt für Nachbarschaftskonflikte durch unbeaufsichtigte, teilweise vernachlässigte Kinder und Jugendliche vorwiegend aus Roma-Familien. Die Beleidigung von Anwohner_innen wird noch ergänzt durch die Problematik mit Saisonarbeiter_innen aus Rumänien.

Diese drei Gruppen werden vom Quartiersmanagment sowie der BSG und eben nicht den Anwohner_innen als Problem schon auf der ersten Seite des Strategiekonzeptes konstruiert. Dabei werden die benannten Gruppen als kriminell charakterisiert, als Störung beschrieben und ihnen zum Teil kinderfeindliche Attribute zu geschrieben. Damit fischt das Quartiersmanagment bewußt nicht nur in xenophoben und antiziganistischen Gewässern, sondern deutet Kindesmißbrauch an.

Im nächsten Teil werde ich mich eingehender mit den ausgrenzenden Konstruktionen des BSG Quartiermanagments Schillerpromenade in dem Task Force Strategiekonzept von Schmiedeknecht auseinandersetzen.