Werner Gitt, der „Holocaust“ und die Hölle

Werner Gitt - Kreationist, Erweckter, Evangelikaler und Antisemit Manche Evangelikale mögen Hitler als Apostel der Jugend. Andere marschieren mit 1.000 Kreuzen gegen einen phantasierten Babykaust. Kreationisten, wie Werner Gitt, dagegen vergleichen die Hölle mit einer nie endenden Shoa. Die Nähe zur Apokalypse, ob nun aus der sehnsuchtsvollen emphatischen Perspektive, oder aus Sicht eines verharmlosend relativierenden Diskurses, bleibt immer die Gleiche. Der Holocaust als ultimative Vernichtung schwingt bei den christlichen (buddhistischen, südtiroler, islamistischen usw) Fundamentalisten immer mit.

Der übliche spirituell totalitäre Dreck, der mir bisher bekannt war, wurde vor ein paar Wochen durch die Widerlichkeiten des Herrn Gitt, die meinen Briefkasten belästigten, erschreckend getoppt. In seiner kitschig blödsinnigen Broschüre Wie komme ich in den Himmel (na mit ’nem Flugzeug :lol: ) belästigt er die_en Leser_in zwar nicht mit seinem kreationistischen, pseudowissenschaftlichen Müll, sondern versucht die ultimative Angst zu schüren, indem er die Shoa verharmlost und in seine krude christlich fundamentalistische Heilsgeschichte einbettet.

Als ich in Polen zu einer Vortragsreise unterwegs war, besuchten wir das ehemalige KZ Auschwitz. Dieses Konzentrationslager (KZ) wurde während des Zweiten Weltkrieges von den Nazis im Süden Polens eingerichtet. In Auschwitz wurden Menschen systematisch umgebracht, die von den Nazis verfolgt wurden. Schreckliche Dinge haben sich dort ereignet. Von 1942 bis 1944 wurden hier mehr als 1,6 Millionen Menschen, vorwiegend Juden, vergast und anschließend verbrannt. Man spricht in der Literatur von der »Hölle von Auschwitz«. Ich habe über diese Bezeichnung nachgedacht, als wir von einer Angestellten durch eine Gaskammer geführt wurden, in der pro Charge 600 Menschen auf einmal umkamen. Es war unvorstellbar schrecklich. Aber war das wirklich die Hölle?

Wir konnten uns als Besuchergruppe die Gaskammer nur darum ansehen, weil seit Januar 1945 das Grauen ein Ende hat. Jetzt sind die Anlagen zur Besichtigung freigegeben und niemand wird dort mehr gequält oder vergiftet. Die Gaskammern von Auschwitz waren zeitlich begrenzt. Die Hölle der Bibel jedoch ist ewig.

Die Hölle der Vernichtungslager war also, nach Meinung von Werner Gitt, mit der Kapitulation 1945 vorbei. Das die Überlebenden bis zu ihrem Lebensende psychisch und physisch gebrochen waren, sie die Hölle auf Erden jeden Tag neu erleben, unterschlägt der christlich evangelisierte Ingenieur und Informationstheoretiker geflissentlich.

Das paßt eben nicht in sein Bild der Erweckung. Schließlich steht Jesus dort im Zentrum. Gott wacht über alles. Und sowieso wird alles gut. Der Mensch dagegen ist schmutzig, sündig, furchtbar und verloren. Er ist ein Kind des Todes und der Hölle, wie Dietmar Langmann von derselben Bruderhand Sekte gruselig erläutert.So wird aus der Welt ohne Gott und Jesus ganz schnell die Shoa auf Erden, der nur durch die Evangelisation / Erweckung / Taufe entgangen werden kann.

In unseren Evangelisationen geschieht es immer wieder, dass die Güte und Liebe Gottes durch Jesus Christus in das Leben von Menschen tritt. Schmutzige, sündige Herzen werden neu und sauber. Ein Herrschaftswechsel muss sich im Leben eines Menschen vollziehen. Nicht der Mensch soll über sich selbst bestimmen, sondern Jesus muss ihn regieren.

Und so ist sie vollständig die christlich fundamentalistische, paradiesische Welt von evangelikalen Zombies, ohne jede Individualität. Herrschaftsfrei bedeutet hier die Auflösung des eigenen Selbst. Gitt und seine totalitären Kumpels auf dem Weg ins zeitlose Nirvana. Der Mensch entkernt zur christlichen Null.


5 Antworten auf „Werner Gitt, der „Holocaust“ und die Hölle“


  1. 1 Entdinglichung 17. September 2009 um 17:43 Uhr

    und wenn mensch sich so manche evangelikale Standpunkte zur Schoah ansieht, dann bekommt mensch vollends das Kotzen

  2. 2 Marc 18. September 2009 um 12:03 Uhr

    Ich finde ihren Artikel schon sehr fragwürdig.

    Zitat:
    Die Hölle der Vernichtungslager war also, nach Meinung von Werner Gitt, mit der Kapitulation 1945 vorbei. Das die Überlebenden bis zu ihrem Lebensende psychisch und physisch gebrochen waren, sie die Hölle auf Erden jeden Tag neu erleben, unterschlägt der christlich evangelisierte Ingenieur und Informationstheoretiker geflissentlich.

    Das sagt er an keiner Stelle. Er nimmt das Bild vom KZ und sagt lediglich, „Die Hölle ist wie wenn man ewig im KZ sein muss.“
    Bilder und Vergleiche sind immer begrenzt.
    Das die Überlebenden Spätfolgen mit sich rumtragen müssen und nie davon loskommen werden steht außer Frage.
    Vielleicht ist das, wie sie ja eigentlich auch selber schreiben,

    „die Hölle auf Erden jeden Tag“

    , das viel bessere Bild für Hölle.

    Auch ihre Vorstellung und Verständnis von dem was sie wahrscheinlich als „evangelikalen Menschen“ beschreiben spricht nicht unbedingt für eine Auseinandersetzung mit dem Thema.

    Sie dürfen gerne anderer Meinung sein, aber bitte polemisieren sie nicht. Ein wenig mehr Sachlichkeit wäre nett. Gerne diskutiere ich auch ein wenig weiter.

    Viele Grüße,
    Marc

  3. 3 Machnow 18. September 2009 um 18:33 Uhr

    Ich wiederhole mich ungern, wie Ihnen bestimmt aufgefallen ist, ist dies ein linksradkialer Blog, der Hierarchiern, strukturelle Ausgrenzungen und Exklusionen durchgehend kritisch beleuchtet.

    Auschwitz, das Symbol für die industrielle Vernichtugn des Menschen durch den Menschen mit der Höllen zu vergleichen, ist einfach nur widerwärtig.

    Die Hölle ist im Besten Fall ein Konstrukt um Menschen unter Druck zu setzen, sie zu verängstigen und im Fall der „Bruderhand“ komplett zu entindividualisieren.

    Evangelikale schaffen sich ein Pseudoerweckungsereignis, das meiner Ansicht nach eher eine Drogentrance erinnert, die allerdings in folgenden Ereignissen wiederholt werden muss. Der Kick der Erweckung muß wiederholt werden. Die „Erhebung“ des Individuums über alle anderen nichtchristlichen, nicherweckten, meint die Auflösung des eigenen selbst.

    Himmel, Hölle, die Erlösunf aus dieser Dichotomie sind christliche Vorstellungen! Sie sind mächtig. Jeder, der über sich selbst und für andere keine Verantwortung übernehmen will, flüchtet sich gerne zu Jesus. Ganz nach dem Motto, wenn ich nichts bin, bleibt wenigstens noch der (tote) Jesus.

    Meine Polemik richtet sich gegen den totalitären, antisemistischen Dreck von Gitt! Und ich bin noch viel zu sanft mit ihm umgegangen! Der Typ hat eine Droge gefunden! Er nennt sie Jesus, Kreationismus und Paradies. Für mich ist all das genauso palsubel, als ob Berge fleigen könnten…

    Also, nerv woanders Marc!

    @entdinglichung: ich lehne das wort „holocaust“ für die industrielle vernichtung der juden grundsätzlich ab. die shoa war kein opfer. es war die bewußte, konzentrierte, totalitäre vernichtung von menschen. es hat weder sinn, noch steht es für etwas.

    die evangelikale endzeitidee versucht einfach nur verantwortung auf die opfer zu verschieben. gitt verharmlost die shoa, indem er die täter negiert und lediglich das grauen abstrahiert. jüd. fundamentalisten mißbrauchen die shoa ebenfalls um die märtyrer aus den KZ für den staat israel zu instrumetalisieren.

    ich haße diese typen. die den menschen entmündigen, psychisches leid sehen und extraterrestrische hierarchien aufbauen. die müßten eigentlich jeden tag enttarnt werden!

  4. 4 Machnow 30. Oktober 2009 um 16:04 Uhr

    ja, klar, das gottes reich ist natürlich viel besser!
    wann gabs das eigentlich nochmal?
    oder ist nicht der vatikan gottes reich?
    oder vielleicht haile selasies monarchie?

    ich habs, konstantins gottesstaat war das gottesreich. zumindest nach eusebius von caisarea. oder, ne falsch. es war das russische imperium mit dem cäsar / zar an der spitze. aber das gibts auch nicht mehr. und es war auch nicht gerade paradisisch…

    und die kreuzzüge im namen eines gottes, auch nicht gerade emanzipativ! aber ansonsten sind die bösen linken natürlich immer schuld!

    die christen und ihr messianismus dagegen, ihr weltabgewandtes träumen… :-) da scheiß ich drauf!!!

    es gibt kein gott!
    es gibt nur glauben!

  1. 1 Gott ist Hitler? « gigi's sandbox and blog-to-be Pingback am 17. September 2009 um 13:46 Uhr
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