ver.di Berlin als Gelbe Gewerkschaft

Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) würgt in Berlin wieder einmal einen Arbeitskampf in einem Kulturbetrieb ab. Nachdem im letzten Jahr im Deutschen Technikmuseum (DTMB) der zu großen Teilen von engagierten Aktivist_innen und Besucherbetreuer_innen getragene Arbeitskampf von einem beschäftigtenfeindlichen Betriebsrat unter Führung von Catharina Huhle und dem konzeptlosem Gewerkschaftsbeamten Jürgen Stahl abgewürgt wurde, setzt sich die Berliner Linie der Verhinderung von sozialem Protest in prekären Beschäftigugnsverhältnissen im Filmtheater Babylon fort. Nur geriert sich ver.di im aktuellen Fall eindeutig als gelbe Gewerkschaft, die den gewerkschaftlichen Kampf ablehnt und offensiv untergräbt, wirtschaftsfreundlich auftritt, im Fall des Babylon auf Anfrage der Politik interveniert und ein freundschaftliches Verhältnis zum Gegner im Arbeitskampf pflegt.

Ganz besonders perfide ist, daß es lediglich vier ver.di Miglieder_innen im Filmtheater Babylon gibt. Aber auch die werden an der Erarbeitung eines Tarifangebots nicht beteiligt. In der Betriebsversammlung am vergangenen Freitag – unmittelbar vor der Linken Filmnacht der – gab sich Andreas Köhn, der die Verhandlungen mit Grossman führen soll, offen und log trotzdem.

Er behauptete immer noch nicht auf Bitten der Politik aktiv geworden zu sein. Vielmehr soll ein ver.di Mitglied ihn vor ein paar Wochen gebeten haben zu intervenieren. Das die FAU schon zu Beginn der Auseinandersetzungen im Frühjahr diesen Jahres auch bei ver.di um Unterstützung gebeten hat, verschweigt er. Auf den Beschluß der Betreibesversammlung, daß ver.di und die FAU gemeinsam und auf der Basis des von der Belegschaft erarbeiteten Tarifvertrages verhandeln sollen, reagierte Köhn im Übrigen mit Flucht. Wahrscheinlich mußte er noch schnell verhindern, daß die Linkspartei Flyer verteilt, in denen sie darüber aufklärte, daß sie eine Lösung im Filmtheater Babylon wünscht. Allerdings soll dies von ver.di verhandelt werden. Die FAU hat ein Thema angestoßen. Ver.di soll es nun zur allseitigen Zufriedenheit zu Ende bringen.

Aber all das gab es schon einmal auf geringerem Niveau im DTMB. Die Intransparenz, das Übergehen der gesamten Belegschaft und das öffenlichkeitsscheue Agieren von ver.di in Berlin hat System. Im Arbeitskampf im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB), der erst im Herbst letzten Jahres mäßig erfolgreich beendet werden konnte, passierte ähnliches. Der Arbeitskampf wurde kaltgestellt. Der Blog der Besucherbetreuung im DTMB kann deshalb als Denkmal für eine verpaßte Chance betrachtet werden offensiv und kämpferisch prekäre Arbeitswirklichkeiten zu thematisieren. Seit Monaten passiert dort nicht mehr. Damit zeigt sich die Unfähigkeit von ver.di und ihren weichgespülten Betreibsräten erfolgreiche Taktiken und Strategien jenseits gewerkschaftsbürokratischer Organisation zu finden. Obwohl es erstaunliche Ansätze in diese Richtung am DTMB gab, wurden diese unterbunden, offensiv bekämpft, isoliert und zu schlechter Letzt verdrängt.

So wird ein Arbeitskampf entschärft

Die Belegschaft im Technikmuseum hatte sich kämpferisch und spontan im Herbst 2007 organisiert. Im Januar wurde ein Betriebsrat von 7 Menschen gewählt, wobei 3 von ihnen ihren Posten nicht antreten konnten, weil sie entlassen wurden. Diejenigen, die sich kämpferisch, transparent, vernetzt für den Bestand der Besucherbetreuung eingesetzt hatten, mußten gehen. Die zweite Garde übernahm mit Hilfe von ver.di das Regiment im Arbeitskampf.

Catharina Huhle wurde zur Vorsitzenden gemacht. Seitdem verschwand der Betriebsrat immer mehr aus der Öffentlichkeit. Eigentlich sollte im Februar 2008 eine Kampagne mit Hilfe von ver.di gestartet werden, um auf die Situation im DTMB aufmerksam zu machen. Es passierte allerdings nicht.

Kritische Interventionen und öffentlichkeitswirksame Aktionen wurden maßgeblich aus der Belegschaft selbst organisiert. Der Betriebsrat blieb distanziert und agierte eher als Störung. Die Kundgebung im März 2008 mit der Unterstützung durch das Mayday Bündnis, den Montagsdemosntrationsbündnis, den Jusos und anderen solidarischen Aktivist_innen war vom Betriebsrat nicht gewollt und sollte zunächst verhindert werden. Erst kurzfristig, als klar war, daß die Belegschaft in jedem Fall aktiv werden würde, beteiligte sich ver.di – durch verteilen von Mitgliedsanträgen und Fähnchen – sowie der Betriebsrat, durch verlesen einer uninteressanten Rede durch Daniel Hammer, einem Stellvertreter von Catharina Huhle und seit dem Abwürgen jeder Öffentlichkeitsarbeit guter Freund des Museumsdirektors und Geschäftsführers der Besucherbetreuung im DTMB Dirk Böndel.

Die erfolgreiche Pressearbeit und Intervention auf die verantwortlichen Politiker_innen im Senat wurde komplett aus der Belegschaft von einigen engagierten Aktivist_innen organisiert. Der Betriebsrat unter Führung von Catharina Huhle blieb betont still und zurückhaltend. Schließlich saß mensch ja nun am Tisch mit Herr Dirk Böndel. Die Intransparenz gegenüber den Beschäftigten blieb erhalten. Einzelne Aktivist_innen informierten die Belegschaft auf eigene Faust. Diese selbstorganisierten Aktivitäten wurden durch den Betriebsrat und ver.di allerdings durch mobbing und Isolation geahndet.

Die taktischen Fehler von ver.di und dem Betriebsrat, aus der heutigen Perspektive muß von bewußten Entscheidungen zu Gunsten der Geschäftsleitung ausgegangen werden, sind gravierend und führten dazu, daß insbesondere engagierte Besucherbetreuer_innen das DTMB verließen. Hier eine kleine, unvollständige Zusammenstellung der Versäumnisse des Betriebsrates:

    1. Beschäftigte unterschreiben neue Verträge mit schlechteren Konditionen (Befristung), obwohl die alten (unbefristeten) gerichtlich als wirksam entschieden wurden.

    2.) Andere Einsatzorte wurden akzeptiert, obwohl die alten noch nicht übernommen werden konnten.

    3.) die Verlagerung des Arbeitszeit in die späten Abendstunden wurden geschluckt, ohne neue Konditionen auszuhandeln.

    4.) Die studentischen Mitarbeiter_innen wurden genutzt um feste, besserbezahlte Mitarbeiter_innen der Stiftung Deutsches Technikmuseum zu verdrängen, statt selbst für Lohnerhöhungen zu kämpfen.

    5.) Die Versprecher der Politik werden nicht politisch genutzt, sondern verschwiegen.

Diese unsolidarisches Verhalten gegenüber der Belegschaft durch den Betriebsrat um Catharina Huhle, Daniel Hammer und den ver.di Sekretär Jürgen Stahl setzt sich bis heute fort. Ver.di nutzt die Belegschaft lediglich zur Rekrutierung von Mitglieder_innen. Eine Mitgliederbeteiligung ist allerdings nicht erwünscht! Kritische Aktivist_innen und engagierte Mitarbeiter_innen werden verdrängt, gemobbt und gemieden. Vernetzung ist der Berliner ver.di ein Greul. Schließlich müßte es so zu Reibungen mit den Kumpels im Senat kommen. Deshalb wird geklügelt, Gelder herum geschoben, Händchen geschüttelt, offen gelogen und jedesmal neu die arbeitenden Gewerkschafter_innen verarscht!

Pfui ver.di!

Im Übrigen muß ein Tarifvertrag von den Mitglieder_innen der verhandelnden Gewerkschft mit 25 % angenommen werden. Im Filmtheater Babylon bedeutet dies, daß eine Person über die Arbeitsentlohnung entscheiden würde.

Willkommen in Berlin! In der absurden sozialistischen Arbeitswelt. Wo der Geschäftsführer noch Tyrann sein darf, so lange er sich linksalternativ beschmiert. Die junge Welt steht Buchstabe bei Fuß und wird die Lügen weiter verbreiten. So wie sie suggeriert die FAU würde die Linke Filmnacht boykotieren wollen, obwohl sie wissen muß, daß das Gegenteil der Fall ist.

Willkommen in der DDR!


1 Antwort auf „ver.di Berlin als Gelbe Gewerkschaft“


  1. 1 Arbeitsgericht stützt gelbe Interventionen « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 13. Oktober 2009 um 13:38 Uhr
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