Furios – Marktliberal, staatsgläubig, konformistisch und konservativ

Otto Suhr Institut An der FU Berlin existiert seit 2002 die AStA Zeitschrift Out of Dahlem, die nah an den Problemen der Studierenden ist und die Verhältnisse an der Uni kritisch beleuchtet. Seit diesem Jahr gibt es nun offenbar als weitestgehend unkritische Publikation für die unpolitische und zunehmend sozial desinteressierte Studentenschaft das Campus Magazin furios und einen dazugehörigen farblosen Blog.

Während sich die aktuelle Ausgabe der Out of Dahlem mit dem Thema rassistischer und xenophober Bürokratie auch an der Uni, sowie mit neuenrechten Wissenschaftler_innen an der FU auseinandersetzt, glänzt die furios in ihrem Hochglanzmagazin mit unkritischen Lobeshymnen an das studentische Unternehmertum, die Prekarisierung der Wissenschaft als vermeintlichen Freiheitsgewinn und ähnlichen Schwachsinn.

Diesmal ließen sie geflissentlich die Finger von sexistischen Zuschreibungen, die ihnen von vielen Seiten einiges an Kritik eingebracht haben. Auf der anderen Seite haben sich die Campusjournalisten dennoch als partriachal neoliberale Marktfanatiker_innen heraus gestellt, die lieber auf ihren lokalen Ebene bleiben, statt offensiv, kritisch, meinetwegen auch konservativ zu den universitäten und sozialen Problemen von Student_innen zu berichten.

Die sexistische Reproduktion partriachaler Machtstrukturen haben die Macher – ich gehe davon aus, daß lediglich Männer mitarbeiten – allerdings mitnichten aufgegeben. Mitstreiter_innen sollen konsequent männlich sein. Die Campus Journalist_innen können sich nicht einmal zum Binnen-I durchringen.

Wenn Du also mitreden willst: Wir treffen uns jeweils am Donnerstag um 18:00 Uhr im Raum KL 29/207 der Silberlaube und sind immer auf der Suche nach jungen Autoren, Fotografen und mittlerweile sogar einem Grafiker und Informatiker!

Das klingt eher wie eine Anzeige von hoffnungslos reaktionären, konservativ bürgerlichen Koperationen. Nur wird hier kein Bier verteilt, die Gekeilten müssen keine Bänder oder Mützchen tragen und Schmiße gibt’s auch nicht. Schon beinah im ultrà Jargon betonen die furiosi, daß sie geliebt und gehaßt werden, was ihnen beides schmeichelt.

Die Werbung und ihr Heft scheint offensichtlich bei einigen Student_innen nicht gut anzukommen. Das aktuelle Heft der furios landet regelmäßig im Müll. Ihre Flyer zu den Sexistentreffen Donnerstags werden nicht einmal in den (neutralen) Aufstellern mit allerhand anderer,Uni-unabhängiger Werbung geduldet und nicht selten entsorgt. In den selbstverwalteten Student_innen- sowie Fachschaftscafès liegen sie gar nicht aus.

Da frag ich micht schon, wie die Deppen der furios ihren Anspruch als Campusmagazin aufrecht erhalten wollen. Offenbar reicht es eben nicht, der Verwaltung in den Arsch zu kriechen, bei der Putschisten unterstützenden Friedrich Naumann Stiftung nach Geld zu heulen und ansonsten Lobbyarbeit für Unternehmer_innen-Verbände zu betreiben.


4 Antworten auf „Furios – Marktliberal, staatsgläubig, konformistisch und konservativ“


  1. 1 fu-student 21. Oktober 2009 um 15:45 Uhr

    Ich hoffe dieser „Beitrag“ soll nicht als Artikel sondern als persönliche Meinung aufgefasst werden, da er aus eben solchem Lichte geschrieben ist. Die gute Out of Dahlem und die böse Furios, die guten Linken und die bösen Rechten, das gute weiß und das böse schwarz .. hm. Das Furios-Hefte im Müll landen zeigt lediglich das politische Gegner gleich welchen (selbstgewählte) Geschlechts sich sehr einseitig an das Recht auf „Meinungsfreiheit“ klammern und Dinge zerstören, vor denen sie Angst haben. Die Zeitung wird nicht von Aufstellerseite entsorgt, zudem lag sie schon in allen studentischen Cafes der Silberlaube aus. Dass sie eventuell nicht im roten Café ausliegt lässt sich verschmerzen, schließlich würde sie dort auch nur weggeworfen. Den Rest mag ich gar nicht diskutieren .. dazu kann wer auch immer nicht mal -kritisch- Stellung beziehen ohne sich der Lächerlichkeit aller vernüftig denkenden MenschINNEN ausszusetzen.

  2. 2 zora 22. Oktober 2009 um 1:07 Uhr

    mein lieber machnow,

    ganz zufällig weiß ich recht gut bescheid über die ganze thematik sprachliche gleichberechtigung inkl. politischer und wissenschaftlicher betrachtungsweise. „man“ kommt von mensch, und das binnenI hat auch in keiner verwaltung bisher dafür gesorgt, dass weniger frauen als schreibkraft unter männlichen führungskräften arbeiten. was die diskussion bewirkt, ist lediglich sprachliche mythisierung und ein rumkratzen an problemen, die eigentlich ganz woanders liegen. aber das ist bloß meine meinung, über die sich diskutieren lässt.
    trotzdem klingt das, was du von dir gibst, einfach nur selbstherrlich und ignorant. man muß sich als linker glatt für dich schämen, vor allem wenn man durch kritisches denken an seine überzeugungen gekommen ist.

  3. 3 Machnow 22. Oktober 2009 um 9:14 Uhr

    also, mag sein daß „man“ von mensch kommt, nur vergißt du geflissentlich, daß frauen darin nicht eingeschlossen waren. im englischen ist dies sichtbarer. da heißen menschen „men“. im französischen ist es ebenfalls l‘homme. das lateinische „homo“ ist ebenfalls von mann abgeleitet.

    ergo, das „man“ ist die sprachlich ausformulierte partriachale weltbetrachtung, in dem lediglich ein mann als mensch betrachtet wird, frauen dagegen als objekt politischer intrige (siehe troja), machpolitisches verhandlungsmaterial (siehe heiratspolitik) und billiges sexspielzeug benutzt wird.

    es gab nicht umsonst erst anfang des 19. jhd – wohlbemerkt nach dem I. weltkrieg – das frauenwahlrcht in dtl. bis in die 70iger jahre hinein durfte man(n) seiner ehefrau die arbeitssstelle (per gesetz) kündigen, wenn er sie zu hause brauchte. weibliche dozentinnen und professorinnen gibt es ebenfalls erst seit ein paar jahrzehnten.

    also, soweit her ist es mit dem man = frau + mann eben nicht. da hilft keine etymologische begriffsbestimmung. wenn diese das soziale und geselslchaftliche umfeld ausläßt, kann dies nur zu problematischen äußerungen führen.

    im zweiten punkt gege ich dir recht. die abschaffung / problematisierung der sprachlichen marginalsierung von frauen führt nicht zur gleichberechtigung, wohl aber zur (sprachlichen) emanzipation.

    den vorwurf der selbstherrlichkeit weise ich glatt von mir. mag sein, daß ich provokant und aggressiv formuliere. nur wurden rechte noch nie durch streicheleinheiten erkämpft. auch sprachlich nicht. nietzsche wird heute nicht deshalb gelesen, weil er so ein netter kerl war, sondern weil er neue perspektiven forsch eingeführt hat. karl kraus ist deshalb mehr wortkünstler als kulturkritiker, weil er unerbittlich aber auch jeden zusammen geschissen hat. mensch nennt dies KRITIK.

    ohne eine kritische weltbetrachtung gebe es keine sozialen brüche. sie würden verkleistert, konformistisch gekittet und mundtot gemacht werden. und bei sexismus und patriachalem chauvinismus bin ich eben sehr sensibel. und das ist auch gut so.

    anosnten ist die FURIOS mit völlig schnuppe. die können sich nicht einmal dafür entscheiden ein neoliberales blatt zu sein und offen ebensolche positionen vertreten. sie verschleiern ihr politisches desinteresse in dem sie merkwürdig positionslose kommentare schreiben (anstatt sich mal ordentlich aufzuregen, wie es „linke“ eben machen). da gönn ichm ir schon lieber einen rüttgers, franz strauß oder helmut kohl.

  4. 4 M. A. Bakunin 23. Oktober 2009 um 18:46 Uhr

    Oha, jetzt kommen die Trolls. Was sind denn „richtige“ Zeitungen, die sich mit den wirklich wichtigen Themen beschäftigen?

    Und noch mal der Hinweis: vergleichen ist nicht gleichsetzen!

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