Bye, bye Mulitikulti – Der Islam und wir

Heute flatterte mir mit der aktuellen jungle world die sogenannte Flugschrift der Aktion 3. Welt Saar und der Gruppe Emanzipation und Frieden, die wohl diesmal nicht von prekär beschäftigten Axel Springer Vertriebsfingerchen zugestellt wurde, ins Haus, die so was von langweilig, uninteressant und kompromißlerisch ist. Ich mußte mir schon mächtig die Augen reiben, daß die Speerspitze der islamophoben, (pseudo-) linken Antikulturalist_innen plötzlich gegen Multikulti und gleichzeitig dafür argumentieren. Da gönn‘ ich mir schon lieber einen strammen Nationalisten, Islamophilen sowie Kämpfer gegen den Völkerbrei und für die authochthonen Ur-Deutschen – einen ekelhaften Elsässer.

Was ist eigentlich der Unterscheid zwischen Heinz Buschkowsky, Gilles Duhem, Kerstin Schmiedeknecht und der Aktion 3. Welt Saar? Er ist sehr gering. Wobei ich mit dieser undifferenzierten, beinah schon kommunistisch (antideutschen) Gleichmacherei Duhem wohl am meisten unrecht tue.

Der hat wenigstens noch einen kolonialen Respekt vor der migrantisch muslimischen Kultur. Was ihn allerdings nicht daran hindert Zwangsbildung und ganz nach dem Kahnschen Motto Druck, Druck, Druck auf sämtliche soziale Randgruppen zu fordern. Die Aktion 3. Welt Saar könnte die Aktivitäten des nicht-staatlichen und selbstorganisierten Duhem’schen Netzwerk Schülerhilfe eventuell als emanzipatorische Aufklärung gegen Ethnopluralismus und Bioregionalismus verstehen. Schließlich werden alle demokratisch scheiße behandelt.

Kulturrelativismus gibt es bei Duhem und seinem sozialen Netzwerk nicht. Dafür ein ganz großes unrepressives Fordern. Die archaischen Kategorien von (Familien-) Ehre, Respekt und Familienzwang werden dabei einfach positiv ungekehrt und gegen den renitenten Jugendlichen gewendet, der sich partout nicht an die Geflogenheiten in seinem Geburtsland anpassen möchte, daß ihn gar nicht will. Er will einfach nicht lernen. Er will sich nicht anpassen. Er will lieber, wie die Aktion 3. Welt Saar wahrscheinlich behaupten würde, sich in seinem Zwangskolektiv und seiner patriachalen, romantisch verklärten (Zwangs-) Parallelgesellschaft bewegen und seine dem westlichen Lebensstil huldigenden Schwestern eins in die Fresse hauen.

Aber vielleicht würde die Aktion 3. Welt sich doch an die Seite von Duhem, Buschkowsky, der schon äußerst penetrant auf Muslimen und Migrant_innen rumhaut, stellen. Schließlich geht es diesen Protagonsten einer Bürger_innengesellschaft auch um die Verteidigung und Durchsetzung zivilisatorischer Mindestandards wie Freiheit von Folter, gleiche Rechte und gleich Wertschätzung für alle Menschen. Die Aktion 3. Welt Saar geht selbstverständlich noch einen Schritt weiter und fordert die Gleichstellung der Geschlechter und Emanzipation der Frau, Befreiung von Staat und Religion, Befreiung aus Clanherrschaft und Patriarchat.

Daran ist zunächst nichts verwerfliches. Nur ist mir nicht ganz klar, ob es nun mit dem Islam geht oder gegen ihn. Ebenfalls unklar ist mir, warum Mulitkulti trotzdem bleiben soll, obwohl es als ethnopluralistisch, bioregionalistisch, kulturrelativistisch, tendenziell rassistisch und selbstverständlich im Fall des Islam sowie dem jamaikanischen Rasta-Kult als antisemitisch beschrieben wird. Warum also Multikulti, wenn es doch um die Überwindung von Staat und Religion geht?

Ob solcher (andideutscher) Inkonsequenz mit einem Schuß Selbstmitleid (Unterschiedliche staatliche und nicht-staatliche Organisationen lehnten die Unterstützung der Publikation ab und offenbarten . . . ) zieht es mich dann doch zur Auflösung des Filz im Hirn zum godfather of Wendehals Jürgen Elsässer.

Nach dem er erfolgreich beim Schall und Rauch Festival aufgetreten ist, dort 60 Minuten über eine vermeintliche Finanzdiktatur schwaffeln durfte, welche die europäische Industrie erwürgen will, und sich seine paar Hundert geopolitischen Kongressteilnehmer_innen schön geredet hatte, durfte er sich nun vollends zu seinen ur-deutschen Volksfrontgenossen in die historische Nazischeiße setzen.

Folgendes könnte locker in der Jungen Freiheit, der Welt oder sonst einer rechtskonservativen Dreckspostille stehen. Wahrscheinlich aber nicht in einer Flugschrift der Aktion 3. Welt Saar.

Ja zur Verteidigung der nationalen Staaten und der national-religiösen Kulturen. Minderheiten und Einwanderer sind willkommen und sollten eingebürgert werden, sofern sie den Staat und die „Leitkultur“ des Landes, in das sie gekommen sind, respektieren. Die Schweiz hat das Recht, schweizerisch zu bleiben, so wie die Türkei das Recht hat, türkisch zu bleiben. Einwanderer/Minderheitenangehörige sind als individuelle Bürger den Stammbürgern gleichgestellt, aber sie können nicht dieselben Kollektivrechte wie diese beanspruchen.

Noch besser ist allerdings die konsequente Entrechtung von Migrant_innen und anderen Minderheiten, die allerdings ganz süffisant von der Selbstbestimmung – also Zwangskollektiv – abgegrenzt wird.

Selbstbestimmung muss ihnen garantiert sein; aber sie dürfen nicht beanspruchen, dass ihre Lebensform der Lebensform der Mehrheit, der Familie, gleichgestellt wird. Schwule Ehen, Adoptivrechte und steuerliche Gleichstellung sind also falsch.

Damit ist Elsässer dort angekommen, wo er hin gehört. Im rechtskonservativen Sumpf, bei seinen Hüter_innen der nationalen Frage und Verteidiger_innen der nationalen Souveränität.

Soweit ist die Aktion 3. Welt Saar noch nicht. Sie behauptet wenigstens noch für die Emanzipation zu kämpfen, während Elsässer nur noch ein völkisch proletarisches Kollektiv vor Augen hat. Trotzdem bleibt der Ansatz der Saarländer_innen inkonsequent und ihre Flugschrift uninteressant. Wenigstens weiß ich jetzt, daß sie Multikulti nicht ablehnen. Nur warum hab ich nicht verstanden.