Gewerkschafter_innen in den Knast?

ver.di inszeniert Arbeitskaempfe

Im Deutschen Technikmuseum (DTMB) geht der potemkinsche Arbeitskampf offenbar weiter. Aber keiner kriegt’s mit. Und, wie ich aus eigener Erfahrung erleben mußte, wollen der Betriebsrat sowie Jürgen Stahl, der verantwortliche Gewerkschaftssekretär von ver.di, nicht, daß jemand etwas mitkriegt. Heftiger geht es im Filmtheater Babylon ab.

Der letzte Streich der Grossman Sippe ist die FAU Sekretäre, entweder mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro zu belegen oder gleich in den Knast zu bringen. Leider ist zu dieses Vorhaben angesichts der absurden Entscheidungen des Berliner Arbeitsgerichts nicht illusorisch, sondern könnte durchaus eine neue Qualität in der Kriminalisierung gewerkschaftlicher Basisarbeit bedeuten.

Bei einem spontan geplanten Warnstreik der Besucher_innen-Betreuer_innen des Deutschen Technikmuseum beteiligten sich lediglich die anwesenden circa 30 Mitarbeiter_innen und nur wenige der anderen 130 Beschäftigten der T&M GmbH. Andere solidarische Gewerkschafter_innen, solidarische Aktivist_innen, Freund_innen oder Interessierte waren nicht da. Sie wußten eben nix davon. So spontan war der Warnstreik. Nur radio eins, die Lobbyisten der Erwachsenen und Baugruppenbürger_innen, sowie Freunde der gated communities, kamen zur Pressekonferenz.

Andere haben nicht berichtet. Sollten eigentlich auch gar nicht. Dafür hat ganz bestimmt der im Gegensatz zum Choleriker Bretzel wenig kreative Daniel Hammer, der neue Betriebsratschef der Besucherbetreuung im DTMB gesorgt. Schließlich darf er seine Betriebsratsprivilegien nicht verlieren. Darunter leiden zwar die Transparenz und die Kommunikation mit den Beschäftigten, denn es klatscht und mobbt sich besser, wenn die Betriebsratsbürotüren geschlossen sind, aber das ist den Betriebsräten offenbar egal.

Der Museumsdirektor und sein Verwaltungschef Markus Bretzel – der King of Verwaltungskunst und bürokratische Phantasie – werden sich über die mangelhafte Beteiligung und die öffentliche Irrelevanz freuen. So bleibt der stillgelegte Blog der Besucherbetreuung im Technikmuseum ein Denkmal, was alles möglich gewesen wäre . . .

Sehr viel heftiger ist aber die erneute Eskalation durch die sich selbst als traditionslinke phantasierenden Sippe Grossman im Filmtheater Babylon. Zwar gab es für die Beschäftigten das gesetzlich geregelte Urlaubsgeld aus dem Jahr 2008 2009, aber sonstige Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates werden weiterhin ignoriert, als unlinks und zu teuer abgetan sowie, ganz Böndel- / Bretzellike, kreativ bekämpft.

Nachdem das Berliner Arbeitsgericht zweimal bestätigt hat, daß die international agierende und historisch durchaus wichtige anarchosyndikalistische Freie Arbeiter_innen Union sich nicht mehr Gewerkschaft nennen darf und jede Betätigung als Gewerkschaft in Berlin zu unterlassen hätte, versucht Grossman nun die Sekretäre der Berliner Sektion in den Knast zu befördern.

Dass Menschen wegen ihrer Arbeit in einer Arbeitnehmervereinigung akut von Haft bedroht sind, dürfte wohl einmalig in der Geschichte der BRD sein. Es verdeutlicht, welche Dimension der Konflikt im Babylon Mitte angenommen hat und welch bedrohliche Urteile die Berliner Gerichte bereits gegen die FAU Berlin verhängt haben. Über die momentane deutsche Rechtssprechung bestehen keine Illusionen. Das faktische Gewerkschaftsverbot trägt eindeutig politischen Charakter und ist eine Farce sondergleichen, wenn der FAU Berlin einfach in vager Weise das Wort „Gewerkschaft“ tabuisiert wird und sich jederzeit ein Strick daraus drehen lässt.

Die Offenheit des Betriebsrates des Babylon und der Betriebsgruppe der FAU zeigt, wie ein Arbeitskampf auch geführt werden kann. Nämlich kämpferisch, entschlossen und sogar international. Was allerdings aufgrund des Verhaltens von Grossman und Co. auch nötig ist.

Der Betriebsrat und die Betriebsgruppe von ver.di im DTMB dagegen sind still, verschlossen unkreativ, völlig isoliert – sowohl im Betrieb als auch außerhalb. Was aber noch schlimmer ist, beide lassen sich von Böndel an der Nase rum führen.

ver.di inszeniert Arbeitskaempfe

Allerdings wundert mich dies im Grund nicht sonderlich. Schließlich betätigt sich ver.di im Berliner Kulturprekariat besonders ausgiebig und auschließlich als eine Gelbe Gewerkschaft. An vorderster Front stehen dabei Andreas Köhn und Jürgen Stahl. An ihrer Seite klüngelt der DDR Linksparteifilz und sozialdemokratische Staatssekretäre, namentlich Andrè Schmitz – die Fäden.

Also, unterstützt die Babylonier_innen und den Arbeitskampf der FAU im Kino Babylon! Wo es geht und wann es geht!