„Mit allen Mitteln den Wiederaufbau der Linken verhindern.“

Situationismus Ich bin selbstverständlich selber Schuld, daß in einem Artikel, der sich mit den Widerlichkeiten der römisch-katholischen Kirche beschäftigt, über den Gedankenfilz der GSPler bezüglich ihrer Kritik am Antifaschismus als Programm schwadroniert wird. Mit dem folgenden Zitat aus einem Heftchen, das den Namen Aufruf trägt und im August 2003 geschrieben sein soll, möchte ich dieser Diskussion einen eigenen Platz bieten. Vielleicht könnten der subvisor (aka der staatsanwalt), der_ie vorzüglich geschulte Marxist_in ofenschlott und der kommunismus, vielleicht sogar wendy und selbstverständlich, wer sich sonst noch unterhaltsam beteiligen möchte, diesen Beitrag zur Diskussion der ewig widerstreitenden Positionen nutzen.

Fuer den Kommunismus Es geht zwar nicht in erster Linie um die Ablehnung des Antifaschismus als Programm bezüglich einer sozialen Revolution. Aber die Existenz und die Kämpfe der Linken und des linksalternativen Bürgertums werden meiner Ansicht nach interessant charakterisiert. Den GSPlern dürfte es beinah gefallen. Aber der antagonistische Ansatz könnte sie andererseits auch (vielleicht kathartisch :-) ) schocken.

Außerdem ist dieser radikalen Linken der Angriff auf den Anifaschismus fremd. Seine pazifistischen Formen würden sie wahrscheinlich ebenfalls rigoros ablehnen, aber dennoch distanzieren sie sich nicht von dem Programm als Ganzem, sondern lediglich von seinen affirmativen und integrativen Aspekten. Also hier der Text.

Die Linke befindet sich periodisch im Zusammenbruch. Das amüsiert uns, reicht uns aber nicht. Ihren Zusammenbruch wollen wir definitiv. Damit nie wieder das Gespenst einer versöhnbaren Opposition im Geiste derer umher spukt, die wissen, dass sie nicht ins kapitalistische Funktionieren passen. Die Linke – heute geben das alle zu, aber erinnern wir uns übermorgen noch daran? – ist integrierender Bestandteil der Dispositive der Neutralisierung, die der liberalen Gesellschaft eigen sind. Je mehr sich die Implosion des Sozialen bewahrheitet, desto mehr beruft sich die Linke auf „die Zivilgesellschaft“. Je mehr die Polizei ungestraft ihre Willkür ausübt, desto mehr deklariert sich die Linke als pazifistisch. Je mehr sich der Staat von den letzten juristischen Formalitäten befreit, desto staatsbürgerlicher wird sie. Je dringlicher es wird, uns Mittel unserer Existenz anzueignen, desto mehr ermahnt uns die Linke, zu warten und Verhandlungen zu fordern, wenn nicht sogar den Schutz unserer Herren. Sie ist es, die uns einschärft, angesichts von Regierungen, die sich offen auf dem Gebiet des sozialen Krieges platzzieren, uns mit ihnen zu verständigen, unsere Beschwerden zu überarbeiten, Forderungen zu formulieren, politische Ökonomie zu studieren. Von Léon Blum zu Lula war die Linke niemals etwas anderes als das: die Partei des Mannes, des Staatsbürgers und der Zivilisation. Heute fällt dieses Programm mit dem Programm der vollständigen Konterrevolution zusammen. Dem, die Gesamtheit der Illusionen aufrecht zu erhalten, die uns lähmen. Die Bestimmung der Linken ist es also, den Traum davon darzustellen, wovon nur die Herrschaft die Mittel besitzt. Sie bildet den idealistischen Aspekt der imperialen Modernisierung, das notwendige Ventil der unerträglichen Gangart des Kapitalismus. MAN widerstrebt nicht mehr, es selbst in Veröffentlichungen des Ministeriums für Jugend, Bildung und Forschung zu schrieben: „Von jetzt an weiß jeder, dass der Staat ohne die konkrete Hilfe der Bürger weder die Mittel noch die Zeit hätte, die Baustellen zu bewältigen, die unsere Gesellschaft daran hindern können, zu explodieren“ (Envie d‘agir – Le guide de l‘engagement).

Die Linke auseinander zu nehmen, zu besiegen – das heißt, den Kanal der sozialen Abneigung konstant offen zu halten – ist nicht nur nötig, sondern heute möglich. Wir sind Zeugen, wie sich in einem beschleunigtem Rhythmus die imperialen Strukturen verstärken und gleichzeitig Zeugen des Übergangs der alten arbeiterischen Linken, Totengräberin der Arbeiterbewegung – obwohl einst ihr entsprungen – zu einer neuen Linken, global, kulturell, von der wir sagen können, dass der Negrismus ihre am weitesten entwickelte Spitze darstellt. Diese neue Linke sitzt noch unsicher auf der kürzlich erfolgten Neutralisierung der „Antiglobalisierungsbewegung“. Die neuen Köder, die sie auswirft, werden als solche erkannt, während die der alten Linken wirkungslos geworden sind.

Unsere Aufgabe ist es, die weltweite Linke überall zu zerstören, wo sie sich manifestiert, jeden ihrer möglichen Momente der Konstituierung methodisch zu sabotieren, das heißt in der Theorie wie in der Praxis. In diesem Sinne lag unser Erfolg in Genua nicht so sehr in den spektakulären Auseinandersetzungen mit der Polizei oder in den Schäden, die den Organen des Staates und dem Kapital zugefügt wurden, sondern in der Tatsache, dass die Verbreitung von Praktiken der Konfrontation, die dem „Schwarzen Block“eigen sind, in allen Zügen der Demonstration den angekündigten Triumph der Tute Bianche zum kentern gebracht hat. Gleichzeitig besteht unser Mißerfolg seither darin, dass wir es nicht verstanden haben, unsere Position derart auszuarbeiten, dass dieser Sieg auf der Straße etws anderes wird, als das seitdem von allen so genannt „pazifistischen“ Bewegungen bemühte Schreckgespenst.

Jetzt ist der Rückzug dieser weltweiten Linken in die Sozialforen – Rückzug, weil sie auf der Straße besiegt wurde –, den wir angreifen müssen.


1 Antwort auf „„Mit allen Mitteln den Wiederaufbau der Linken verhindern.““


  1. 1 Ultramontan 02. Februar 2010 um 21:26 Uhr

    @machno

    – naja, ausgehend von der kommunistischen Tendenz, die sich historisch eine Zeit lang als Macht behaupten hat können – also der von den Bolscheviki wie auch immer gegen die sozialdemokratische neu belebten – läßt sich deren Position als anarchistisch einordnen. Ich tue das mal einfach, weil sonst dem Unterschied, den ihr Gebrauch der Vorstellungen von Kommunismus, Partei und ihrer internationalen Organisation macht, einfach der Kontrast fehlt, durch den er deutlich wird: bei jenen (Bolschis): Zentralismus; bei diesen: dezentrale Gruppe – bei jenen: Planung nach Einsicht in objektive historische Bewegungsgesetze; bei diesen: Eingehen in die Welt der Sensibilität und ihrer Evidenzen (womit sie für die alten Marxist_innen bereits Vollfaschisten gewesen wären) – bei jenen: Vereinheitlichung durch Schulung und Streit der Linien über die richtige Lehre; bei diesen: Bildung von sozialen Beziehungen durch gegenseitige Affinität („Affinitätsgruppen“) und schließlich: wo auch bei den linkesten Linkskommunisten irgendetwas staatsähnliches ist, das den Übergang zum Kommunismus vollbringt, steht bei ihnen die notorische, chaotische Leerstelle der Anarchos.

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    - stalinesk! nicht stalinistisch, denn zum Stalinismus reichen die Machtmittel nicht. wahlweise: infantil-autoritär oder karnevalesk – mir eigentlich auch egal.

    Prost, heute keine Reaktion mehr von mir --!

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