Kollektiver Mißbrauch – Patres, Nonnen und der Klerus gemeinsam gegen die Jugend

Heute hat Ursula Raue, die seit 2006 vom Jesuitenorden zur Aufarbeitung der Mißbrauchsvorwürfe beauftragte Anwältin, einen Zwischenbericht abgeliefert und räumt mit einigen klerikalen und beißenden, römisch katholischen Lainen-Kläffer Mythen auf. Es sind weit über 100 Opfer. Von circa einem Dutzend Täter_innen sind mindestens zwei weiblich. Der Jesuitenorden und der Rest des römisch-katholischen Klerus hat sich um die Opfer nie gekümmert. Ihre Perspektive, ihre Seelsorge und ihr Schmerz wurde abgespalten. Es wurde zum Schutz des Glaubens verharmlost, verdrängt, denunziert und diffamiert.

Der Jesuitenorden und sein Provinzial Dartmann sehen immer noch keinen Anlaß sich ernsthaft vom Mißbrauch zu distanzieren und die eigene Schuld aufzuarbeiten. Zwar soll der Arbeitsstab von Raue erweitert werden. Außerdem werden an den einzelnen Schulen des Ordens jeweils ein Arbeitsstab für die Aufarbeitung der Vorgänge eingerichtet. Auch der Rücktritt von Pater Theodor Schneider vom Bonner Jesuiten-Kolleg wird thematisiert. Unerwähnt bleibt allerdings, daß er ging, weil es gegen ihn Vorwürfe gab, daß er von Mißbrauchsfällen in seiner Institutions mindestens informiert war.

Aber das Schweigen ist nicht schlimm. Der Schmerz der Opfer, die Verweigerung und die massiven Verletzungen der mißhandelten Menschen interessiert nicht. Das sich viele nach den Übergriffen, wie viele andere Mißbrauchte, töteten, bleibt ebenfalls unerwähnt.

Christian Herwartz, einem Berliner Jesuiten, scheint es, wie die Süddeutsche zitiert, regelmäßig übel zu werden, wenn er daran denkt, was seine Brüder getan haben. Aber, was tut er? Er zündet Kerzen an und kotzt nicht.

In unserer Mitte wurden Menschen, die uns anvertraut waren, Kinder, hundertfach geschlagen. Es ist ihnen Würde genommen worden. Vieles kann ich nicht sagen, weil es so eklig ist.

Ekelhaft und widerlich sind nicht allein die Taten der Patres und Nonnen, sondern die Ignoranz und Arroganz des Klerus. Raue beschreibt in ihrem Zwischenbericht, daß aus den Personalakten ersichtlich ist, daß die Mißhandlungen und der Mißbrauch in den meisten Fällen dem Orden bekannt waren. Die Fälle wurden akribisch in den Personalakten gesammelt und ausgewertet.

Eine emphatische Auseinandersetzungen mit dem Seelenleben der Opfern fand allerdings nicht statt. Sie wurden konsequent ausgeblendet. Sie waren aber auch schließlich nicht mit Gott vermählt! Sie sind nur Lämmer, die erlöst werden müssen. Vom Leib Christi und ihren Spender_innen!

Deshalb kann die Heilige Römisch-Katholische Gemeinschaft auch nicht Schuld an dem Ekligen sein, daß plötzlich gar nicht mehr sexuell konnotiert und schwul ist, sondern vor allem gewalttätig und sadistisch.

Komisch, erinnert mich irgendwie an die Methoden der üblicherweise als Inquisition bekannten Institution, die bis heute als Glaubenskongregation ihr barockes Unwesen treibt und mit Ratzinger unter anderem für eine körperfeindliche Kanonisierung und die Wiedergeburt der Judenmission verantwortlich ist.

Aber, wenn ganz einfach zwischen gut und böse katholisch unterschieden werden kann, braucht es keine Selbstreflexion. Die Kirche und ihr Klerus ist immer gut, licht und göttlich. Die Gesellschaft ist böse, frönt offen durch die massenhafte Abtreibungen und homosexuelle Propaganda einer Kultur des Todes. Und sowieso ist an allem die Sexuelle Revolution, die Frauenbewegung und die allgemeine Emanzipation Schuld.

Bischof Mixa hat die ekelhafte römisch-katholische Arroganz und Ignoranz wieder einmal widerlich zusammengefaßt. Da erscheint der Dresdener Bischof Joachim Reinelt schon beinah harmlos.

Kindesmissbrauch ist kein katholisches Problem, sondern ein Gesamtgesellschaftliches

In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen geht Mixa bewußt einen Schritt weiter. Er verdrängt nicht nur die eigene Schuld, wie der Jesuiten-Provinzial Dartmann, Bischof Reinelt und so viele anderen, sondern spaltet gleich ganz ab.

Sexueller Missbrauch von Minderjährigen ist leider ein verbreitetes gesellschaftliches Übel, das in vielfältigen Erscheinungsformen von der Familie bis zur Schule oder zum Sportverein auftritt. Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig. Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt.

Richtig widerlich ist aber das Schweigen, die Verdrängung der Mißhandlungen und das Bedrängen der Opfer als caritatives Handeln zu verklären. Es soll nur im Sinne der Betroffenen gewesen sein und folgte einem ominösem Zeitgeist und nicht der Angst vor dem Verlust des Tugendwächteramtes.

Ich schließe natürlich nicht aus, dass auch in der Kirche mancher Verantwortliche in der Vergangenheit gegenüber Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen zu blauäugig war und unberechtigter Weise auf eine Besserung des Täters in einem anderen Aufgabenfeld gesetzt hat. Da sind kirchliche Verantwortungsträger möglicherweise auch einem Zeitgeist aufgesessen, der selbst im Bereich des staatlichen Strafrechts Resozialisierung statt Strafe propagierte.

Zum Kotzen diese Verein. Raue hat noch eine Menge zu tun. Die jesuitischen Kerzenfetischist_innen ebenfalls. Vielleicht verlassen sie lieber dieses römisch-katholische Sodom und Gomorrha und suchen sich bessere Christ_innen. Nur sind die, das zeigt der Zwischenbericht ebenfalls, selbst betroffen!