Olympia – Deine Berichte kotzen mich an!

Der Publizist Jürgen Roth wettert im Deutschlandfunk gegen die nationalistische und unkritische Berichterstattung zu Olympia in Vancouver. Er hat allerdings (bewußt) ganz vergessen, daß der nationale Fetisch und die patriotische Fixierung vor allem die Strukturen im deutschen Leistungssport wiederspiegelt. Schließlich wird die Sportförderung überproportional von der Bundeswehr und der Bundespolizei geleistet. Trotzdem sind seine Äußerung lesens- und hörenswert.

Ja, weil man fixiert ist darauf, den Sport zu inszenieren, als ein nationales, ein patriotisches Ereignis, das dem Volke oder wem auch immer, dem Sportfan höhere Gefühle niederster Art einimpfen soll. Und das korrospondiert natürlich mit einem Stil der Moderatoren der formatiert, bunt peppig, quatschig ist. Also in sich in PR-Phrasiologie eigentlich erschöpft. Es geht darum das Produkt zu verkaufen. Man verwechselt systematisch, seriösen, kritischen Sportjournalismus, der angebracht ist in vielerlei Fällen, verwechselt man mit Reklame für sich, das heißt für den Moderator selbst, und für die Sendung und für den Sport. Es geht sozusagen darum ein Produkt zu verkaufen, an dem sehr viele Interessen und sehr viele Gelder hängen.

Ich fühl‘ mich da mehr als belästigt, muß ich sagen, durch diese ständige fetischistische, nationale Fixierung und fühl mich unterversorgt was die Hintergrundberichterstattung, die Aufklärung über auch die Schattenseiten des Sports anbelangt. All das kommt extrem zu kurz. Manchmal hab‘ ich den Eindruck, daß sich selbst die Bildzeitung reflektierter und ziselierter geriert, als das, was ich da im Fernsehen zu seh‘n bekomm‘.