„Der Aufruf zum Streik ist unverhältnismäßig.“

Noch gestern wollten die Lufthansa Konzernoffiziellen mit den streikwilligen Piloten von cockpit verhandeln. Allerdings nur, wenn sie den rechtswidrigen Forderungskatalog fallen lassen und nicht länger zur Gesprächsgrundlage machen würden. Hinzu kommt, daß sie offenbar vergessen hatten ihre Kontrahenten im Arbeitskampf persönlich über ihre Gesprächsbereitschaft und neuen Angebote zu informieren. So rennt es sich aber auch schneller zum Landgericht und der mediale Sündenbock ist ebenfalls gefunden.

Was für eine spektakuläre Performance einer vermeintlichen Gespächsbereitschaft zum Wohle der Passagiere. Zuerst bietet die Konzernführung nonchalant an über alles sprechen zu wollen, selbstverständlich außer den dreisten Forderungen der Gewerkschafter_innen von cockpit, denn diese sind grundsätzlich rechtswidrig und der Streik deshalb unverhältnismäßig. Dann bayert der Verkehrsrowdy Ramsauer in die Mikrofone und fordert, wahrscheinlich rechtskonform, allerdings wenig charmant, daß der Streik, koste es, was es wolle, im Sinne der geschäftlichen Vielflieger verhindert werden muß.

Die Konzernführung forciert diesen Befehl mit einem patriotischem Selbstverständnis und zieht, trotz Gesprächsangebot, das allerdings nie ankam und großzügigen Zusagen – wie zum Beispiel eine Arbeitsplatzsicherheit – vor das Frankfurter Landesarbeitsgericht.

Der Lufthansa Konzervorstand Stefan Lauer wußte schon am Donnerstag, worum es cockpit eigentlich geht. Nämlich weniger um Arbeitsplatzsicherheit, die Abwendung der Verlagerung von Teilen der Lufthansa zu ausländischen Konzerntöchtern und dem damit verknüpften Stellenabbau. Es geht den Gewerkschafter_innen schlicht und einfach, so Lauer,

primär nicht um Geld, es geht der VC um unternehmerischen Einfluss.

Über die Unverhältnismäßigkeit des Streiks wird am heutigen Nachmittag entschieden werden. Ich befürchtet das LAG Frankfurt / Main wird gegen die Arbeitskampfmaßnahmen entscheiden. Gespannt bin ich lediglich auf die Begründung. Wird das Gericht so dreist sein und zu befürchtende finanzielle Einbußen als Argument gegen einen Streik stützen?Oder wird, wie schon bei der kleinen GdL, ein vermeintlicher volkswirtschaftlicher Schaden herhalten müssen. Eines hat cockpit allerdings, wie andere kleine Basisgewerkschaften (wie die FAU in Berlin), nicht zu befürchten. Sie wird sich weiterhin als Gewerkschaft betätigen dürfen. Nur eventuell mit gezogenen Zähnen.


1 Antwort auf „„Der Aufruf zum Streik ist unverhältnismäßig.““


  1. 1 Machnow 22. Februar 2010 um 23:32 Uhr

    also nocheinmal, der nationalistisch patriotische ton der elitengewerkschaft ist mir bewußt. deshalb hält sich meine symphatie der gewerschaft gegenüber in grenzen. aber das ein STREIK, weil er geld kostet unverhätnismäßig sein soll, ist lächerlich. das die forderung nach arbeitsplatzsicherheit – egal ob nun nationalistisch konnotiert oder nicht – als einmischung in unternehmerische angelegheiten sowie rechtswidrig bezeichnet wird, ist mehr als dämlich.

    wenn STREIKEN kein geld kosten darf und beschäftigenforderungen KEINE auswirkungen auf untenehmerische entscheidungen haben dürfen, dann braucht es keine gewerkschaften, betriebsräte und tarifverhandlungen. dann kann gleich alles mit warmen handschlag ausgehandelt werden, vielleicht durch einen „gelben“ betriebsrat von ver.di ;-) (wie im babylon in berlin)

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