Sieben Wochen ohne! Na dann Prost!

Die godmother of Wankelmütigkeit und Haltungslosigkeit Margot Käßmann hat am vergangenen Samstag offenbar mächtig einen gepichelt und damit eindrucksvoll bewiesen, was für sie fasten bedeutet. Sie wurde, nachdem sie eine rote Ampel mißachtet hatte von der Polizei gestoppt. Heute stellte sich heraus, daß sie volltrunken mit 1,54 Promille unterwegs war. Käßmann ist selbstverständlich über sich selbst ganz erschrocken, erst Recht über ihren schlimmen Fehler. Schade, daß sie nicht beichten kann und dann ist alles gut! Wie Katholik_innen.

Peinlich und ihren Glaubensinhalten gegenüber respektlos ist, so finde ich zumindest, daß sie ausgerechnet in der Fastenzeit säuft und sich dabei erwischen läßt. Noch am Mittwoch wurde mit großem Aufwand die Kampagne 7 Wochen ohne der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) zur Fastenzeit in München Schwabing eingepredigt. Nur drei Tage später fährt Käßmann volltrunken durch die Gegend. Ein Brühler!

Aber der Slogan ist sowieso nicht ernst gemeint. Ist doch alles nur symbolisch. Außerdem muß Käßmann doch weiterhin für die gesamte Kirche stehen. So kann sie n24 weiterhin als menschliche und volkstümliche deutsche Hausfrau und Mutter verklären.

Und wenn mensch sich die Ankündigung zur Kampagne durchliest, ist sie durchaus (protestantisch) mißverständlich formuliert.

Wagen Sie sich aus der Deckung und richtig nah dran, kosten Sie beides aus: die Gänsehaut des Genusses wie der Gefahr. Erkunden Sie die eigenen Grenzen wie auch die Ihrer Nächsten, ignorieren Sie sie nicht, aber prüfen Sie eine Verlegung: hin zu mehr Berührung, mehr Begegnung, mehr Zusammen.

Margot Käßmann muß den Slogan Näher, den hedonistischen Aufruf zum Genuß und der Gefahr, die Forderung zum Austesten der Grenzen sowie mehr Begegnungen mißverstanden haben. Party, massenhaft (Mess-) Wein und Bekanntschaft mit Polizist_innen waren damit eigentlich nicht gemeint.

Vielleicht hat sie aber auch die andere Kampagne der evangelischen Konkurenten zu stark internalisiert und deren Forderung nach 7 Wochen mit – gemeint ist eigentlich Gott – als Aufforderung zum Nicht-Fasten verstanden. Wer weiß, was die Evangelen Chefin dazu gebracht hat mitten in der wichtigsten, beinah schon ökumenischen christlichen Fastenzeit ordentlich zu saufen, sich ans Steuer ihres Dienstwagens zu setzen und bei Rot über eine Kreuzung zu fahren.

Mit diesem persönlichem Ausrutscher, Käßmann nennt ihn einen schlimmen Fehler, der in der Karnevalszeit wohl unauffällig und verzeihenswert wäre, hat sie sich öffentlich völlig diqualifiziert und zur Witzfigur gemacht. In der Fastenzeit, die das großartige christliche Heilsereignis vorbereiten soll – nämlich die Kreuzigung und Auferstehung – bekommt ihr Fehlverhalten noch einen theologischen und ihren fastenden Lämmern gegenüber respektlosen Unterton. Heinrich Heine hat bis heute Recht behalten.

Ich weiß, sie trinken heimlich Wein und predigen öffentlich Wasser.