Finkelstein – Antisemit oder doch einfach nur Jude?

Nun kommt er doch nicht. Norman Finkelstein wurde von der Heinrich Böll und der Rosa Luxemburg Stiftung auf Druck einer evangelischen Gemeinde, der jüdischen Gemeinde, dem LAK Shalom Berlin und dem Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokrat_innen wieder ausgeladen. Er wird weder in München noch in Berlin über den Gaza Krieg und die israelischen Verbrechen sprechen. Die Debatte in der (radikalen) Linken ist eröffnet.

Rhizom beschäftigt sich detailiert mit dem Beißreflex der Antideutschen in der Linkspartei. Redok berichtet über Dr. Rolf Verleger, Vorsitzender der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V., der in rechten Kreisen fatal beliebt zu sein scheint. Die Sympathie, die ihm aus der neurechten Ecke entgegen kommt, scheint er immer wieder durch eine fragwürdige Wortwahl aufzufrischen.

Die Kampagne, inbesondere vom LAK Shalom Berlin, ist in der rhetorischen Unschärfe ebenso dämmlich, das hat rhizom eindrucksvoll nachgewiesen und so einiges an Diskussion angefacht. Dr. Verleger steht dem aber in nichts nach. In der Erklärung (pdf) der Jüdischen Stimme zur Absage der Veranstaltung argumentiert Dr. Verleger zum Teil grenzwertig und antisemitisch. Besonders in der folgenden Passage verschwimmt Antiisraelische Kritik mit einem antisemitischen Vokabular, das redok in einen größeren Zusammenhang stellt.

Der auf seine elterlich-jüdische Tradition stolze Finkelstein wurde als »Antisemit« und »Geschichtsrevisionist« diffamiert, mithin in die Naziecke gestellt. Die Jüdische Gemeinde Berlin, jüdelnde Gruppen in Der Linken (Arbeitskreise namens »Shalom«) und ein jüdischer Arbeitskreis in der SPD riefen zur Demonstration gegen Finkelstein auf.

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Also ein Sieg für die Lobby des israelischen Schlag-zu-Nationalismus? Ja, selbstverständlich.

Ich finde beide Artikel wichtig und bedenkenswert. Sie stehen sich für mich auch nicht diametral entgegen. Karl Pfeiffer verweist bei redok und hagalil auf eine mindestens ebenso heftige ideologisch einseitige Propaganda, wie jene, die rhizom in den antideutschen Konstruktionen analysiert.

Ich denke, um den Filz endgültig zu verknoten, müßten beide attackierten Perspektiven kritisch überprüft werden. Rhizom verweist (wahrscheinlich zu Recht) auf eine fehlende inhaltliche Auseiandersetzung mit Finkelstein und seinen Thesen. Auf der anderen Seite phantasiert die Jüdische Stimme von Dr. Verleger paranoid und bewaffnet mit dem Schild der Wahrheit eine vermeintliche israelische Verschwörung.

Rhizom bringt den Menschen Finkelstein und seine Biographie ins Spiel. LAK Shalom und die Jüdische Stimme hatten sie in ihrer politischen (Nicht-) Auseinandersetzung vertrieben. Beide jeweils den anderen. Und erstaunlichweise sprechen beide Extreme für Andere / Fremde. LAK / BAK Shalom für Israel. Die Jüdische Stimme für Palästinenser_innen.