Militarisierung des Ausbildungsmarktes

Scheiss Bundeswehr und seine Werbung

Wie die Informationsstelle Militarisierung berichtet wurde zwischen der Bundesagentur für Arbeit und der Bundeswehr in den letzten Tagen eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Dies könnte die breite Zurschaustellung militaristischer Rekrutierungsversuche für potenzielle Mörder_innen durch die Bundeswehr in Berliner S-Bahnen erklären, die zumeist auf Linien in ehemaligen östlichen Stadtbezirken und in Brandenburg verkehren. Wobei die späte Werbung für eine militärische Laufbahn etwas verwundert. Schließlich bemüht sich die Bundeswehr schon seit 1998 mit ihrem Berliner Modell um ausgebildete Zeitsoldaten. Hierbei werden die Schulabgänger_innen zuerst in Berliner Unternehmen ausgebildet um später zielsicher militärisch eingesetzt werden zu können.

Beim Berliner Modell gibt es nur Gewinner. Die Streitkräfte gewinnen qualifiziertes Personal für eine hochwertige Verwendung. Für die jungen Menschen ergeben sich langfristig berufliche Perspektiven. Und auch die Wirtschaft profitiert von diesem Modell der Kooperation im Sinne eines Kreislaufes.

Denn wenn die Soldat_innen nicht mehr einsatzfähig sind, kehren ganz bestimmt in die Berliner Unternehemen zurück und dürfen mit Waffenschein und anderen nützlichen disziplinarischen Fähigkeiten ausgestattet vorzüglich ausgebeutet werden. Und der Kreislauf ist noch nicht beendet. Nämlich, wenn die Berliner Unternehmen einmal zerbomt sein sollten, werden die ehemaligen Arbeiter_innen und Angestellt_innen einfach eingezogen und dürfen sie soldatisch nationales Humankapital – vielleicht ihr Körper, ihr Geist bestimmt nicht – weiter hochwertig verwendet werden. Und so geht es weiter, bis sie umfallen.

Die umfaßende allgemeine Kooperationsvereinbarung kommt ebenfalls relativ spät. Schließlich finden Rekrutierungsveranstaltungen schon längst im Rahmen der lokalen Agenturen für Arbeit statt. Die Bundeswehr hat schon längst regionale Rekrutierungsbüros, neben den bundesweiten Wehrdienstberatungen, in den Gebäuden der Arbeitsagentur. Um dies Zusammenarbeit zu stärken müßte Jürgen Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, eigentlich keine Vereinbarungen unterschreiben.

Wenn mensch allerdings die aktuelle Verschärfung der Debatte um vermeintlich arbeitsunwillige Jugendliche und leistungsverweigende Langzeitarbeitslose, die nur abharzen könnte dahinter die Aufwertung einer Karriere bei der Bundeswehr stehen, die gleichzeitig eine Militarisierung des Ausbildungs- und eventuell auch des Arbeitsmarktes bedeuten könnte. Wenn Jobs bei der Bundeswehr erst normalisiert und selbstverständlich sind, dürften diese auch nicht mehr abgelehnt werden. Sonst droht der Verlust von Hartz-IV Zahlungen.

Wie das IMI berichtet soll es ähnliche Sanktionsandrohungen in Köln schon geben. Diese Kooperationsvereinbarung dürfte also zu einer steigenden Militarisierung des zivilen Alltags führen und den Druck auf die Sozailsysteme existenziell erhöhen.