„Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand.“

Was für eine Poesiealbum Phrase zu ihrem Abgang. Welche moralische Größe gepaart mit einer arroganten Hybris, die ich eigentlich nur von katholischen Priestern kenne. In ihrer Rücktrittserklärung klagt Käßmann sich selbst an, bevor sie konsequenterweise zurücktritt. Viele halten sie immer noch für besonders fromm und gottesfürchtig. Ich frage mich allerdings, wie das mit ihrem Spritfresser VW Phaeton, der vor einigen Monaten zu einiger Berühmtheit gelangte, und Trunkenheit während der Fastenzeit glaubhaft gemacht werden kann.

Die Bischöfin behauptet, sie hätte sich kritisch in den gesellschaftlichen Diskurs eingemischt und ethische und politische Herausforderungen benannt. Dies ist mitnichten so. Sie laviert. In ihren Predigten und in ihren Interviews. Ein hübsches Beispiel ist ihr Auftritt bei Thadeusz im rbb.

Karriere gemacht hat sie nicht, betont sie dort. Sie lehnt das ab. Schließlich behauptet sie selbst, sie sei berufen. Ihre Wankelmütigkeit zeigt sich aber anders. Zum Beispiel meint sie zuerst, daß Halloween ein ärgerlich Import aus Amerika (ist das schon Antikamerikanismus) sein soll, der den Reformationstag ruiniert.

Das wurde richtig beschlossen diese Fest zu importieren, damit der Umsatz zwischendruch noch einmal gesteigert wird. Und das hat mit unserer Tradition überhaupt nichts zu tun.

Einen soannenden Cocktail hat Käßmann hier kredenzt. Verschwörungstheorie, billiger Anitkapitalismus und als bunte Garnierung ein Schuß deutsche Leitkultur. Aber das ist einen Satz später nicht mehr wichtig.

Die Leuten sollen machen, was ihnen gefällt. Das ist ganz wurscht.

Aber sie geht noch einen Schritt weiter. Sie ist, wie wir gerade gelernt haben eigentlich grundsätzlich gegen Halloween erläutert dann aber, was die Kirche und vor allem sie selbst unternommen hat, um die Konkurenz Halloween zu unterwandern. So verteilte sie (Halloween) Bonbons zur Reklame für Refomationsgottesdienste. Ganz vergessen hatte sie eigentlich, daß die Kultur von Halloween undeutsch ist. Trotzdem reproduziert sie jene Rituale und versucht sie protestantisch zu besetzen. Sie übernimmt so positiv den üblen amerikanisch kapitalistischen Import. Allerdings mit einem Augenzwinkern, das wohl für Ironie stehen soll, aber wohl eher publicityträchtige Beliebigkeit meint.

Dieses Lavieren setzt sich fort, als sie zum Afghanistankireg und immer Nix ist Gut in Afghanistan befragt wird und sich ganz fuchtig vom Pazifismus lossagt. Sie ist nämlich nicht mal das. Sie ist weder ethisch, noch moralisch eine Respektsperson. Dafür bräuchte sie irgend eien Haltung. Sie ist nicht konservativ, aber auch nicht besonders reformatorisch. Sie ist, wie soviele Protestant_innen, einfach nur symbolisch für alles und vor allem für sich selbst.

So paßt auch die Verknüpfung ihrer arroganten Selbstbezichtigung mit dem Rücktritt von den Kirchenämtern, die mensch glatt mit Konsequenz verwechseln könnte. Sie will nämlich nicht mehr, weil sie sich selbst nicht mehr sehen kann.

Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue. Aber auch wenn ich ihn bereue, und mir alle Vorwürfe, die in dieser Situation berechtigterweise zu machen sind, immer wieder selbst gemacht habe, kann und will ich nicht darüber hinweg sehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind […] Aber mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und Achtung vor mir selbst und um meine Gradlinigkeit, die mir viel bedeutet.

Und dann kommt noch der Verweis auf ein weises, talmudisches Sprüchlein aus dem Buch Sirach, das Ben Sira geschrieben hat und der in der jüdischen Liturgie durchaus wichtig ist. Katholische Christ_innen in Ost und West zählen das Buch zur Bibel. Die Reformation verbannte Sirach und seine Weisheiten aus der Heligen Schrift, behielt es aber als Weisheiten und über die Apokryphen in Erinnerung. Hier der vollständige Spruch den Käßmann nur mit dem ersten Vers zitiert.

Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät;
denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden.
Denn mit seinem Herzen kann ein Mann oft mehr erkennen,
als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen.

Erschreckend, wie egozentrisch und wenig gottesfürchtig diese Weiheit daher kommt. ER ist hier sogar entmachtet. Die eigene Wertung, die egozentrische Perspektive wird hervorgehoben und die der Priester – ganz reformatorisch – abgelehnt. Diese Hybris selbst im Abgang ist nicht fromm und der Kirche dienend, sondern arrogant und egoman . . .

Aber was interessiert es mich, wenn sich ein_e Christ_in lächerlich macht. Das Lob und die Symphatien, die ihr nun entgegenblöcken erinnert mich aber zu sehr an das Hurra der Höflinge beim nackten Auftritt des Königs. Deshalb schreibe ich, aber sie ist keineswegs großartig!